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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Von einer Prostituierten?«, erkundigte ich mich mitfühlend. »Ja, ich vermute, dass dieses Unglück unter solchen Frauen häufig sein muss.«

Zu meinem Ärger wich er von dem Thema ab, auf das ich hinauswollte.

»Nein, nein. In Wirklichkeit –«, er sah sich rasch um, als fürchtete er, dass jemand mithörte, dann beugte er sich zu mir herüber und flüsterte heiser, »dieses Exemplar habe ich von einem Kollegen in London bekommen. Angeblich ist es das Kind eines fremdländischen Adelsherrn!«

»Oje«, sagte ich verblüfft. »Wie … interessant.«

An diesem denkbar unpassenden Punkt kam seine Bedienstete mit Tee herein – oder vielmehr mit einem widerlichen Gebräu aus gerösteten Eicheln und Kamille, die man in Wasser hatte ziehen lassen –, und das Gespräch wandte sich unausweichlich gesellschaftlichen Trivialitäten zu. Ich hatte Angst, dass der Tee ihn ernüchtern könnte, bevor ich ihn erneut in die richtige Richtung dirigieren konnte. Doch zum Glück stand auf dem Teetablett auch ein Dekanter mit gutem Bordeaux, den ich ihm großzügig einschenkte.

Ich versuchte also, ihn wieder auf medizinische Dinge zu bringen, indem ich mich über seinen Tisch beugte und die Gläser bewunderte, die er dort stehengelassen hatte. Das Gefäß, das mir am nächsten stand, enthielt die Hand einer Person, die einen so fortgeschrittenen Fall von Dupuytren’scher Kontraktur hatte, dass die Hand kaum mehr war als ein Knoten aus verkrampften Fingern. Ich wünschte, Tom Christie könnte sie sehen.

»Ist es nicht bemerkenswert, was für eine Vielzahl an krankhaften Zuständen der menschliche Körper an den Tag legen kann?«, sagte ich.

Er schüttelte den Kopf. Ihm war aufgefallen, wie seine Perücke saß, und er drehte sie um; sein verwittertes Gesicht sah darunter aus wie das eines ernsten Schimpansen – abgesehen von der Ansammlung geplatzter Äderchen, die seine Nase glühen ließen wie ein Leuchtfeuer.

»Bemerkenswert«, wiederholte er. »Und trotzdem, was genauso bemerkenswert ist, ist die Widerstandskraft, die ein Körper gegenüber schrecklichen Verwundungen an den Tag legen kann.«

Das stimmte zwar, war aber ganz und gar nicht der Faden, den ich verfolgen wollte.

»Ja, sehr. Aber –«

»Es tut mir sehr leid, dass ich Euch ein Stück nicht zeigen kann – es wäre eine bedeutende Ergänzung meiner Sammlung gewesen, das versichere ich Euch! Aber leider hat der Herr darauf bestanden, es selbst mitzunehmen.«

»Er – was?« Nun, ich hatte schließlich in meiner eigenen Zeit diversen Kindern nach der Operation ihren Blinddarm oder ihre Mandeln in einer Flasche geschenkt. Wahrscheinlich war es wohl nicht allzu verrückt, wenn jemand eine amputierte Gliedmaße behalten wollte.

»Ja, höchst erstaunlich.« Er trank nachdenklich einen Schluck Wein. »Es war ein Testikel – ich hoffe, Ihr verzeiht mir, dass ich davon spreche«, fügte er verspätet hinzu. Er zögerte einen Moment, doch am Ende konnte er der Versuchung einfach nicht widerstehen, den Vorfall zu erzählen. »Der Herr war am Skrotum verletzt worden, ein höchst unglücklicher Unfall.«

»Höchst«, sagte ich und spürte ein plötzliches Kribbeln am unteren Ende meiner Wirbelsäule. War das Jocastas mysteriöser Besucher? Ich hatte mich von dem Wein ferngehalten, um einen klaren Kopf zu behalten, schenkte mir jetzt aber einen Tropfen ein, da ich das Gefühl hatte, ihn brauchen zu können. »Hat er gesagt, wie sich dieses Unglück ereignet hat?«

»Oh, ja. Ein Jagdunfall«, sagte er. »Aber das sagen sie schließlich alle, nicht wahr?« Er zwinkerte mir zu, und seine Nasenspitze leuchtete rot. »Ich gehe davon aus, dass es ein Duello war. Das Werk eines eifersüchtigen Rivalen vielleicht!«

»Vielleicht.« Ein Duello?, dachte ich mir. Aber die meisten Duelle fanden mit Pistolen und nicht mit Schwertern statt. Es war ein wirklich guter Bordeaux, und ich fühlte mich dank seiner etwas weniger wackelig. »Ihr habt – äh – den Testikel entfernt?« Das musste er ja, wenn er daran gedacht hatte, ihn seiner Gruselkollektion hinzuzufügen.

»Ja«, sagte er und war noch nicht zu besäuselt, um bei der Erinnerung daran nicht mitfühlend zu erschauern. »Er hatte die Schussverletzung ernsthaft vernachlässigt; er sagte, er hätte sie sich einige Tage zuvor zugefügt. Ich war gezwungen, den verletzten Testikel zu entfernen, konnte aber den anderen glücklicherweise erhalten.«

»Darüber ist er sicher erfreut gewesen.« Schussverletzung? Gewiss nicht, dachte ich. Das kann nicht sein … und doch … »Ist das vor kurzem geschehen?«

»Mmm, nein.« Er kippte in seinem Sessel nach hinten und dachte so angestrengt nach, dass er leicht zu schielen begann. »Es war letztes Jahr im Frühling – Mai? Vielleicht im Mai.«

»War der Name dieses Herrn zufällig Bonnet?« Ich war überrascht, dass meine Stimme vollkommen beiläufig klang. »Ich meine, ich hätte gehört, dass ein gewisser Stephen Bonnet in einen solchen … Unfall verwickelt war.«

»Nun ja, wisst Ihr, er wollte mir seinen Namen nicht verraten. Das erlebe ich oft bei Patienten mit Verletzungen, die eine öffentliche Blamage zur Folge haben könnten. Ich bestehe in solchen Fällen nicht darauf.«

»Aber Ihr erinnert Euch an ihn.« Mir wurde klar, dass ich auf der Kante meines Sessels saß und das Weinglas in der Faust umklammert hielt. Ich musste mich zwingen, es hinzustellen.

»Mm-hmm.« Verdammt, er wurde schläfrig; ich konnte sehen, wie seine Lider erschlafften. »Ein hochgewachsener Herr, gut gekleidet. Er hatte ein … ein außergewöhnlich schönes Pferd …«

»Noch etwas Tee, Doktor Fentiman?« Ich drängte ihm eine neue Tasse auf und beschwor ihn, wach zu bleiben. »Bitte, erzählt mir mehr davon. Die Operation muss doch sehr kompliziert gewesen sein?«

Männer hören es nicht gern, dass die Entfernung der Testikel eine simple Angelegenheit ist, doch so ist es. Obwohl ich zugeben musste, dass die Schwierigkeit in diesem Fall wahrscheinlich größer gewesen war, weil der Patient die ganze Zeit bei Bewusstsein gewesen war.

Fentiman gewann seine Lebensgeister ein wenig zurück, als er mir davon erzählte.

»… und die Kugel war mitten durch den Testikel gegangen; sie hatte ein perfektes Loch hinterlassen … Man konnte geradewegs hindurchsehen, glaubt es mir.« Es war nicht zu überhören, dass er den Verlust dieses interessanten Objekts bedauerte, und es kostete mich einige Mühe, ihn dazu zu bringen, dass er mir erzählte, was aus dem Herrn geworden war, zu dem es gehörte.

»Nun, das war merkwürdig. Es war das Pferd, wisst Ihr …«, sagte er vage. »Ein herrliches Tier … langes Haar, wie das einer Frau, so ungewöhnlich …«

Ein Friesenpferd. Dem Doktor war eingefallen, dass der Pflanzer Phillip Wylie eine Vorliebe für solche Pferde hatte, und er hatte dies seinem Patienten erzählt, dem er angesichts seines Geldmangels vorschlug, vielleicht darüber nachzudenken, Wylie sein Pferd zu verkaufen, da er sowieso in nächster Zeit nicht ohne Probleme reiten können würde. Der Mann hatte sich einverstanden erklärt und den Doktor gebeten, sich nach Wylie zu erkundigen, der wegen der Gerichtssitzungen im Ort war.

Doktor Fentiman war dieser Bitte gern nachgekommen und hatte seinen Patienten gemütlich zugedeckt auf der Chaise zurückgelassen, einen Laudanumtrank greifbar zur Hand.

Phillip Wylie hatte großes Interesse an dem Pferd gezeigt (»Ja, darauf möchte ich wetten«, sagte ich, doch der Doktor hörte es nicht) und war eilig mitgekommen, um es sich anzusehen. Das Pferd war noch da, doch der Patient war es nicht, denn er hatte sich in Abwesenheit des Doktors zu Fuß davongemacht – und ein halbes Dutzend Silberlöffel, eine emaillierte Schnupftabaksdose, die Laudanumflasche und sechs Shilling mitgenommen, die das gesamte Bargeld im Haus des Doktors ausmachten.

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