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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie er das gemacht hat«, sagte Fentiman, und seine Augen wurden bei diesem Gedanken ganz groß. »In diesem Zustand!« Man musste ihm anrechnen, dass ihn der Zustand seines Patienten mehr zu bestürzen schien als sein persönlicher Verlust. Er war ein schrecklicher Trunkenbold, dieser Fentiman, dachte ich; ich hatte ihn noch nie völlig nüchtern gesehen – aber kein schlechter Arzt.

»Dennoch«, fügte er stoisch hinzu, »Ende gut, alles gut, nicht wahr, meine werte Dame?«

Womit er meinte, dass Phillip Wylie ihm das Pferd abgekauft hatte, und zwar zu einem Preis, der seinen Verlust mehr als wettmachte, so dass er letztlich noch einen ordentlichen Gewinn einstrich.

»Genau«, sagte ich und fragte mich, wie Jamie diese Neuigkeit wohl aufnehmen würde. Er hatte den Hengst – denn es konnte nur Lucas sein – in River Run im Lauf eines erbitterten Kartenspiels gegen Phillip Wylie gewonnen, nur um ihn sich ein paar Stunden später von Stephen Bonnet wieder stehlen zu lassen.

Im Großen und Ganzen ging ich davon aus, dass es Jamie freuen würde, dass der Hengst wieder in guten Händen war, auch wenn es nicht die seinen waren. Und was die Neuigkeiten von Bonnet anging … »Unkraut vergeht nicht«, war seine zynische Meinung gewesen, als Bonnets Leiche nicht aufgetaucht war, nachdem Brianna auf ihn geschossen hatte.

Fentiman gähnte jetzt unverhohlen. Er blinzelte mit tränenden Augen, tastete auf der Suche nach einem Taschentuch an sich herum und bückte sich dann, um in seinem Arztkoffer zu suchen, den er neben seinem Sessel auf den Boden gestellt hatte.

Ich hatte mein eigenes Taschentuch hervorgezogen und beugte mich zu ihm hinüber, um es ihm zu reichen, als ich sie in dem geöffneten Koffer sah.

»Was ist das?«, fragte ich und zeigte mit dem Finger darauf. Ich konnte natürlich sehen, was es war; was ich wissen wollte, war, woher er sie hatte. Es waren Spritzen, zwei Stück, perfekte kleine Spritzen aus Messing. Sie bestanden aus zwei Teilen: einem Drücker mit runden Griffen und einem Zylinder, der an seinem schmaleren Ende zu einer langen Nadel mit einer stumpfen Spitze auslief.

»Ich – oh – das … äh …« Er war sichtbar überrumpelt und stotterte wie ein Schuljunge, der Zigaretten hinter der Toilette versteckt hat. Dann kam ihm ein Gedanke, und er entspannte sich.

»Ohren«, erklärte er lautstark. »Zum Reinigen der Ohren. Ja, dazu sind sie da, wirklich. Ohrenklistiere!«

»Oh, wirklich?« Ich griff nach einer der Spritzen; er versuchte, mich aufzuhalten, doch seine Reflexe waren verlangsamt, und er bekam nur die Rüsche meines Ärmels zu fassen.

»Wie raffiniert«, sagte ich und betätigte den Drücker. Er war ein wenig schwergängig, aber gar nicht schlecht – vor allem nicht, wenn die Alternative in einer improvisierten Spritze bestand, die sich aus einem Lederschläuchlein und einem Klapperschlangenzahn zusammensetzte. Natürlich durfte die Spitze nicht stumpf sein, aber es würde ein Leichtes sein, sie im spitzen Winkel abzuschneiden. »Woher habt Ihr sie? Ich würde gern auch ein Exemplar bestellen.«

Er starrte mich mit offenem Mund entgeistert an.

»Ich – äh – ich glaube wirklich nicht …«, wandte er schwach ein. Just in diesem perfekt unpassenden Moment erschien sein Dienstmädchen in der Tür.

»Mr. Brennan ist hier; seine Frau ist so weit«, sagte sie kurz.

»Oh!« Doktor Fentiman sprang auf, knallte seinen Koffer zu und hob ihn hastig auf.

»Ich entschuldige mich, meine liebe Mrs. Fraser … muss gehen … sehr dringende Angelegenheit – so erfreut, Euch gesehen zu haben!« Er rauschte hinaus, den Koffer an seine Brust geklammert, und trat in seiner Hast auf seinen Hut.

Die Dienstmagd hob die zerdrückte Kopfbedeckung resigniert auf und klopfte sie gleichgültig wieder in Form.

»Möchtet Ihr dann jetzt gehen, Ma’am?«, erkundigte sie sich in einem Tonfall, der keinen Zweifel daran ließ, dass ich jetzt gehen sollte, ob ich wollte oder nicht.

»Ja«, sagte ich und erhob mich. »Aber sagt mir –« Ich hielt ihr die Messingspritze in meiner Hand entgegen. »Wisst Ihr, was das ist und woher Doktor Fentiman es hat?«

Es war schwer zu sagen, in welche Richtung sie blickte, doch sie beugte den Kopf über die Spritze, um sie zu betrachten, und legte dabei auch nicht mehr Interesse an den Tag, als wenn es ein zwei Tage alter Stint gewesen wäre, den man ihr auf dem Markt anbot.

»Oh, das. Aye, Ma’am, das ist eine Penisspritze. Ich glaube, er hat sie in Philadelphia bestellt.«

»Eine, ähm, Penisspritze. Verstehe«, sagte ich und blinzelte ein wenig.

»Ja, Ma’am. Zur Behandlung von Tripper. Der Doktor behandelt viele Männer, die zu Mrs. Sylvie gehen.«

Ich holte tief Luft.

»Mrs. Sylvie. Ah. Und wisst Ihr auch, wo sich Mrs. Sylvies … Etablissement befindet?«

»Hinter Silas Jamesons Gastwirtschaft«, erwiderte sie und betrachtete mich zum ersten Mal mit einem Hauch von Neugier, als fragte sie sich, was für ein Schwachkopf das nicht wusste. »Braucht Ihr sonst noch etwas, Ma’am?«

»Oh, nein«, sagte ich. »Damit ist mir sehr geholfen, danke!« Ich machte Anstalten, ihr die Penisspritze zurückzugeben, doch dann kam mir ein spontaner Einfall. Der Doktor hatte schließlich zwei.

»Ich geb Euch einen Shilling dafür«, sagte ich und sah ihr in das Auge, das mir am ehesten in meine Richtung zu blicken schien.

»Abgemacht«, sagte sie prompt. Sie hielt einen Moment inne, dann fügte sie hinzu: »Wenn Ihr sie für Euren Mann braucht, seht besser erst zu, dass er sturzbetrunken ist.«

Meine wichtigste Mission war hiermit erfüllt, doch jetzt gab es eine neue Möglichkeit auszuloten, bevor ich meinen Angriff auf Mrs. Sylvies Haus von üblem Rufe startete.

Ich hatte vorgehabt, einen Glasbläser aufzusuchen und ihm anhand von Zeichnungen zu erklären, wie er mir Zylinder und Drücker einer Spritze anfertigen sollte. Das Problem, eine Hohlnadel herzustellen und sie daran zu befestigen, würde ich Brianna überlassen. Unglücklicherweise konnte der einzige Glasbläser, der in Cross Creek arbeitete, zwar jede Art von alltäglichen Flaschen, Krügen und Bechern herstellen, doch beim ersten Blick auf sein Angebot wurde offensichtlich, dass meine Erfordernisse seine Fähigkeiten weit überstiegen.

Aber jetzt brauchte ich mir darum keine Sorgen zu machen! Einer Metallspritze fehlten zwar diverse wünschenswerte Eigenschaften, die Glas besaß, doch sie hatte auch den unleugbaren Vorteil, dass sie unzerbrechlich war – und eine abnehmbare Nadel war zwar schön, doch ich konnte einfach das ganze Instrument nach jedem Gebrauch sterilisieren.

Doktor Fentimans Spritze hatte eine ziemlich dicke, stumpfe Nadelspitze. Es würde notwendig sein, sie zu erhitzen und die Spitzen länger zu ziehen, um sie zu verschmälern. Doch das konnte jeder Idiot mit einer Esse, dachte ich. Dann musste die Messingspitze schräg abgeschnitten und so glatt gefeilt werden, dass sie Haut sauber durchbohrte … ein Kinderspiel, dachte ich fröhlich und wäre den sandigen Gehsteig am liebsten entlanggehüpft. Jetzt brauchte ich nur noch einen ordentlichen Vorrat an Chinarinde.

Meine Hoffnung, diese zu erwerben, zerschlug sich jedoch in dem Moment, in dem ich in die Hauptstraße einbog und Mr. Bogues’ Apotheke erblickte. Die Tür stand offen, so dass die Fliegen freien Zugang hatten, und der normalerweise makellose Laden war von einer solchen Menge schmutziger Fußspuren entstellt, dass es aussah, als sei eine feindliche Armee darüber hergefallen.

Dieser Eindruck von Raub und Plünderung wurde durch die Szene im Inneren noch verstärkt; die meisten Wandregale waren leer und mit den Überresten getrockneter Blätter oder zerbrochener Keramikgefäße übersät. Miranda, die zehnjährige Tochter der Bogues’, hielt traurig Wache bei einer kleinen Sammlung von Gläsern und Flaschen und einem leeren Schildkrötenpanzer.

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