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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Ich nehme an, sie werden ihn hängen«, sagte er. »Mr. Townsend – so hieß der Herr – hatte zehn Pfund in der Geldbörse, die er gestohlen hat.« Mehr als genug, um den Galgen zu rechtfertigen. Das achtzehnte Jahrhundert hatte für Diebe nicht viel übrig; schon eine kleine Summe wie ein Pfund konnte ein Todesurteil nach sich ziehen.

»Gut«, sagte Ian unübersehbar beifällig.

Ich spürte, wie mein Magen einen kleinen Satz machte. Donner war mir unsympathisch, ich misstraute ihm, und um ehrlich zu sein, hatte ich eigentlich nicht das Gefühl, dass sein Tod ein großer Verlust für die Menschheit sein würde. Doch er war zudem ein Reisender; bedeutete dies, dass wir verpflichtet waren, ihm zu helfen? Vielleicht weitaus wichtiger – wusste er womöglich noch mehr, was er uns bisher verschwiegen hatte?

»Mr. Townsend hat sich nach Campbelton begeben«, fügte der Butler hinzu und bot Ian das Tablett an. »Um Mr. Farquard zu bitten, sich unverzüglich um den Fall zu kümmern, da er nach Halifax muss und seine Zeugenaussage sofort machen möchte.« Farquard Campbell war Friedensrichter – und wahrscheinlich der Einzige im ganzen Distrikt, der ein richterähnliches Amt bekleidete, seit das Berufungsgericht den Dienst quittiert hatte.

»Ich denke aber nicht, dass sie ihn vor morgen hängen werden«, sagte Brianna. Sie trank normalerweise keinen Whisky, hatte aber jetzt ein Glas genommen; die Begegnung hatte auch sie erschüttert. Ich sah, dass sie den Ring an ihrem Finger umgedreht hatte und geistesabwesend mit dem Daumen über den großen Rubin rieb.

»Nein«, sagte Ian und sah sie argwöhnisch an. »Du hast doch nicht vor–« Er sah mich an. »Nein!«, sagte er entsetzt über die Unentschlossenheit, die er in meinem Gesicht sah. »Dieser Kerl ist ein Dieb und ein Verbrecher, und selbst wenn du nicht mit eigenen Augen gesehen hast, wie er mordet und brandschatzt, Tante Claire, so weißt du doch genau, dass er es getan hat. Um Himmels willen, sollen sie ihn hängen und damit basta!«

»Nun ja …«, sagte ich schwankend. Schritte und Stimmen im Flur ersparten mir die Antwort; Jamie und Duncan waren aus Cross Creek zurück. Ich verspürte überwältigende Erleichterung, als ich Jamie sah, der sonnenverbrannt, gerötet und staubig von seinem Ritt in der Tür stand.

»Wer hängt wen?«, erkundigte er sich fröhlich.

Jamie war derselben Meinung wie Ian; sollten sie Donner hängen, und basta. Er ließ sich jedoch widerstrebend davon überzeugen, dass entweder Brianna oder ich zumindest noch einmal mit dem Mann reden mussten, um sicherzugehen, dass es nichts mehr gab, was er uns sagen konnte.

»Ich spreche mit dem Gefängnisaufseher«, sagte er ohne große Begeisterung. »Aber –«, er zeigte mahnend mit dem Finger auf mich, »keine von euch geht in seine Nähe, wenn Ian oder ich nicht dabei sind.«

»Was glaubst du denn, was er tun könnte?« Brianna war gereizt, denn sie ärgerte sich über seinen Ton. »Er ist ungefähr halb so groß wie ich, zum Kuckuck!«

»Und eine Klapperschlange ist noch kleiner«, erwiderte ihr Vater. »Trotzdem würdest du nicht zu ihr ins Zimmer spazieren, nur weil du mehr auf die Waage bringst, hoffe ich?«

Ian kicherte, und Brianna stieß ihm den Ellbogen fest in die Rippen.

»Nun gut«, sagte Jamie, ohne die beiden zu beachten. »Ich habe Neuigkeiten. Und einen Brief von Roger Mac«, sagte er. Er zog ihn aus seinem Hemd und lächelte Brianna an. »Wenn du nicht zu abgelenkt bist, um ihn zu lesen?«

Sie begann zu leuchten wie eine Kerze und griff danach. Ian schnappte danach, um sie zu ärgern, und sie schlug seine Hand lachend beiseite und lief aus dem Zimmer, um den Brief allein zu lesen.

»Was denn für Neuigkeiten?«, fragte ich. Ulysses hatte Tablett und Dekanter dagelassen; ich goss einen Schuss Whisky in mein leeres Glas und reichte es Jamie.

»Jemand hat Manfred McGillivray gesehen«, erwiderte er. »Slàinte.« Er leerte das Glas mit zufriedener Miene.

»Oh, aye? Wo denn?« Ian sah nicht sehr erfreut über diese Neuigkeit aus. Ich selbst war überglücklich.

»In einem Bordell, wo denn sonst?«

Unglücklicherweise war sein Informant nicht imstande gewesen, ihm die exakte Lage des besagten Bordells mitzuteilen – doch er war sich einigermaßen sicher, dass es in Cross Creek oder Campbelton war. Nicht minder unglücklicherweise war es schon einige Wochen her. Gut möglich, dass Manfred weitergezogen war.

»Es ist immerhin ein Anfang«, sagte ich hoffnungsvoll. Penizillin war selbst bei fortgeschrittenen Fällen von Syphilis wirksam, und ich hatte in der Winterküche eine Schüssel angesetzt. »Ich begleite dich, wenn du zum Gefängnis gehst. Wenn wir mit Donner gesprochen haben, können wir dann das Bordell suchen.«

Die Zufriedenheit in Jamies Miene schwand merklich.

»Was? Wieso?«

»Ich glaube nicht, dass Manfred noch dort ist, Tante Claire«, sagte Ian sichtlich belustigt. »Außerdem bezweifle ich, dass er das Geld dazu hätte.«

»Oh, ha, ha«, sagte ich. »Vielleicht hat er aber gesagt, wo er wohnt, oder? Außerdem will ich wissen, ob er sichtbare Symptome hatte.« In meiner eigenen Zeit war es gut möglich, dass nach dem Auftauchen des ersten Schankers zehn, zwanzig oder gar dreißig Jahre verstrichen, ehe sich weitere Syphilissymptome entwickelten; in dieser Zeit jedoch verlief die Syphilis gewöhnlich sehr viel stürmischer – ein Opfer konnte innerhalb eines Jahres nach der Ansteckung sterben. Und Manfred war seit mehr als drei Monaten fort; es konnte weiß Gott wie lange her sein, seit er sich angesteckt hatte.

Jamie sah angesichts der Vorstellung, nach Bordellen zu suchen, alles andere als begeistert aus; Ian legte sehr viel größeres Interesse an den Tag.

»Ich helfe euch suchen«, bot er an. »Fergus kann auch mitkommen; er kennt sich gut mit Huren aus – es ist wahrscheinlich, dass sie mit ihm reden würden.«

»Fergus? Fergus ist hier?«

»Ja«, sagte Jamie. »Das war die andere Neuigkeit. Er macht gerade meiner Tante seine Aufwartung.«

»Aber warum ist er hier?«

»Nun, du hast doch das Gerede bei dem Empfang gehört, aye? Über Mr. Simms und seine Probleme? Es sieht so aus, als hätten sie sich verschlimmert, und er denkt darüber nach zu verkaufen, bevor jemand seine Werkstatt in Brand steckt und ihn gleich mit. Da ist mir der Gedanke gekommen, dass das besser für Fergus und Marsali geeignet wäre als das Landleben. Also habe ich ihm ausrichten lassen, dass er herkommen und sich mit Simms unterhalten soll.«

»Das ist eine fabelhafte Idee!«, sagte ich. »Nur … mit welchem Geld würde Fergus die Druckerei denn kaufen?«

Jamie hustete und setzte eine ausweichende Miene auf. »Aye, nun ja. Ich vermute, man könnte vielleicht einen Handel abschließen, Vor allem, wenn Simms darauf brennt zu verkaufen.«

»Also schön«, sagte ich resigniert. »Wahrscheinlich möchte ich es lieber nicht im Detail wissen. Aber Ian –« Ich wandte mich an ihn, um ihn scharf anzusehen. »Es liegt mir fern, dir moralische Ratschläge zu erteilen. Aber es kommt nicht – ich wiederhole, nicht – in Frage, dass du dich auf intime Verhöre mit einer Hure einlässt. Habe ich mich klar ausgedrückt?«

»Tante Claire!«, sagte er und stellte sich schockiert. »Was für eine Vorstellung!« Doch ein breites Grinsen zog sich über sein tätowiertes Gesicht.

Kapitel 56

Teer und Federn

Schließlich ließ ich Jamie doch allein zum Gefängnis gehen, um einen Besuch bei Donner zu arrangieren. Er hatte mir versichert, dass es einfacher sein würde, wenn ich nicht dabei wäre, und ich hatte in Cross Creek einiges zu erledigen. Abgesehen von den üblichen Einkäufen, Salz, Zucker, Stecknadeln und anderen Haushaltsvorräten, die aufgefüllt werden mussten, brauchte ich dringend neue Chinarinde für Lizzie. Die Gallbeerensalbe war zwar zur Behandlung von Malariaanfällen geeignet, aber zu ihrer Vorbeugung war sie nicht annähernd so wirksam wie die Chinarinde.

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