Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Sie waren unter Raymonds Anleitung in einem bestimmten Muster zwischen den Steinen hindurchgelaufen und hatten dabei Worte gesungen. Donner hatte keine Ahnung, was die Worte bedeuteten, nicht einmal, was für eine Sprache es war. Doch am Ende des Musters waren sie im Gänsemarsch auf den Stein mit den afrikanischen Markierungen zugegangen und vorsichtig links daran vorbeigewandert.
»Und dann … puff!« Er schlug sich mit der Faust gegen die Handfläche der anderen Hand. »Der Erste in der Reihe – futsch, Mann! Wir hatten so einen Schiss. Ich meine, genau das sollte natürlich passieren aber … futsch«, wiederholte er und schüttelte den Kopf. »Einfach … futsch.«
Verdattert, weil es so offensichtlich funktionierte, hatten sie das Muster und den Gesang wiederholt, und bei jeder Wiederholung war der Erste, der an dem Stein vorbeiging, verschwunden. Donner war der Vierte gewesen.
»O Gott«, sagte er und erbleichte bei der Erinnerung daran. »O Gott, so habe ich mich noch nie gefühlt, und ich hoffe auch, es war das letzte Mal.«
»Das Amulett – dieser Beutel, den du hattest«, sagte Brianna, ohne seine Blässe zu beachten. Ihr Gesicht war gebannt und leuchtete vor Neugier. »Was ist daraus geworden?«
»Keine Ahnung. Vielleicht ist er mir hingefallen, vielleicht ist er irgendwo anders herausgekommen. Ich bin in Ohnmacht gefallen, und als ich wieder zu mir kam, hatte ich ihn nicht mehr.« Der Tag war schwülwarm, doch er begann zu zittern. »Jojo. Er war bei mir. Aber er war tot.«
Das traf mich wie ein Messerstich in die Rippen. Geillis Duncans Notizbücher hatten Listen von Menschen enthalten, die man in der Nähe von Steinkreisen gefunden hatte – manche tot, manche lebendig. Mir hatte niemand sagen müssen, dass der Weg durch die Steine eine gefahrvolle Reise war – aber bei diesem mahnenden Wink bekam ich weiche Knie, und ich setzte mich auf Jocastas gepolsterte Ottomane.
»Die anderen«, sagte ich um eine klare Stimme bemüht. »Sind sie …?«
Er schüttelte den Kopf. Er zitterte immer noch, zugleich überzog ein Schweißfilm sein Gesicht; er sah überhaupt nicht gut aus.
»Hab sie nie wiedergesehen«, sagte er.
Er wusste nicht, was Jojo umgebracht hatte; nahm sich nicht die Zeit nachzusehen, obwohl er den vagen Eindruck hatte, dass er Brandstellen auf dem Hemd hatte. Als er sah, dass sein Freund tot und keiner der anderen in der Nähe war, war er panisch durch Marschland und Gestrüpp davongestolpert und schließlich nach mehrstündiger Wanderung zusammengebrochen. Er hatte die ganze Nacht in den Dünen im stacheligen Gras gelegen.
Drei Tage hatte er gehungert, dann hatte er ein Nest mit Schildkröteneiern gefunden und die gegessen und war schließlich auf einem gestohlenen Fischerkanu aufs Festland übergesetzt, wo er sich glücklos hatte treiben lassen. Hier und dort hatte er als Handlanger gearbeitet, sich in den Alkohol geflüchtet, wenn er es sich erlauben konnte – und sich schließlich vor etwa einem Jahr Hodgepile und Konsorten angeschlossen.
Die Wampum-Halsbänder, sagte er, waren dazu da, dass sich die Verschwörer gegenseitig erkennen konnten, falls sie sich je begegneten – doch er hatte nie jemanden gesehen, der eins trug.
Brianna hörte diesem weitschweifigen Teil der Geschichte jedoch nicht mehr zu; sie hatte schon weitergedacht.
»Meinst du, Otterzahn – Springer – hat eure Gruppe gesprengt, indem er absichtlich versucht hat, in einer anderen Zeit zu landen?«
Er sah sie mit offenem Mund an.
»Darauf bin ich gar nicht gekommen. Er ist als Erster gegangen. Er ist als Erster gegangen«, wiederholte er irgendwie verwundert.
Brianna setzte zu einer anderen Frage an, wurde aber durch Stimmen im Flur unterbrochen, die auf das Morgenzimmer zukamen. Donner war blitzartig auf den Beinen, die Augen vor Schreck geweitet.
»Mist«, sagte er. »Da ist er. Ihr müsst mir helfen!«
Bevor ich mich erkundigen konnte, warum genau er das meinte oder wer »er« war, tauchte Ulysses mit gestrenger Miene in der Tür auf.
»Ihr«, sagte er in vernichtendem Ton zu Donner, der immer kleiner wurde. »Sagte ich Euch nicht, Ihr sollt verschwinden, Sir? Wie könnt Ihr es wagen, Mrs. Innes’ Haus zu betreten und ihre Verwandten zu belästigen?«
Dann trat er beiseite, nickte jemandem zu, der hinter ihm stand, und ein kleiner, runder, gereizt aussehender Herr mit einem zerknitterten Anzug trat ein.
»Das ist er«, sagte er und hob anklagend den Finger. »Das ist der Verbrecher, der mir heute Morgen in Jacobs’ Gastwirtschaft die Börse gestohlen hat! Aus meiner Tasche, mitten beim Schinkenfrühstück!«
»Das war ich nicht!« Donner unternahm einen wenig überzeugenden Versuch, sich entrüstet zu zeigen, doch die Schuld stand ihm ins Gesicht geschrieben, und als ihn Ulysses am Kragen packte und ohne Umschweife seine Kleider durchsuchte, kam die Geldbörse zur ausgesprochenen Dankbarkeit ihres Besitzers zum Vorschein.
»Dieb!«, rief er und rüttelte seine Faust. »Ich verfolge Euch schon den ganzen Morgen. Verdammter, verlauster, nichtsnutziger Wilder – oh, Verzeihung, die Damen«, fügte er hinzu und verbeugte sich verspätet vor mir und Brianna, bevor er damit fortfuhr, Donner anzuprangern.
Brianna sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an, doch ich zuckte mit den Achseln. Es gab keine Möglichkeit, Donner vor dem berechtigten Zorn seines Opfers zu bewahren, selbst wenn ich das wirklich gewollt hätte. Auf Bitten des Herrn ließ Ulysses ein paar Stallknechte holen, die einen Satz Handeisen mitbrachten – ein Anblick, bei dem Brianna erbleichte –, und Donner wurde abgeführt, um dem Gefängnis von Cross Creek übergeben zu werden – unter lautem Protest, er sei es nicht gewesen, man hätte ihm die Sache angehängt, er sei ein Freund der Damen, wirklich, Mann, fragt sie nur …
Er hinterließ tiefes Schweigen. Schließlich schüttelte Ian den Kopf, als versuchte er, sich von lästigen Fliegen zu befreien, und legte endlich das Palettenmesser hin. Er ergriff den Skizzierblock, auf dem Brianna versucht hatte, Donner das Muster zeichnen zu lassen, das die Männer gegangen waren. Es war ein hoffnungsloses Gekritzel aus Kreisen und Kringeln, das aussah wie eine von Jemmys Zeichnungen.
»Was für ein Name ist denn Wendigo?«, fragte Ian und legte den Block wieder hin.
Brianna hatte ihren Stift so fest gehalten, dass ihre Fingerknöchel weiß waren. Sie öffnete die Hand und legte ihn hin, und ich sah, dass ihre Hände zitterten.
»Wendigo«, sagte sie. »Ein Waldgeist der Ojibwe. Er heult im Sturm und ist ein Menschenfresser.«
Ian warf ihr einen langen Blick zu.
»Netter Zeitgenosse«, sagte er.
»Nicht wahr?« Ich war selbst durch und durch erschüttert. Abgesehen von dem Schreck, den mir Donners Auftauchen, seine Enthüllungen und seine darauf folgende Festnahme eingejagt hatten, schossen mir die Erinnerungen an unsere erste Begegnung wie kleine Blitze durch den Kopf, unkontrollierbar trotz meiner Versuche, sie auszusperren. Ich konnte Blut schmecken, und der Duft der Blumen auf der Terrasse ging im Gestank ungewaschener Männer unter.
»Ich nehme an, man würde es einen nom de guerre nennen«, sagte ich und versuchte, mich unbekümmert zu geben. »Er ist ja wohl kaum so getauft worden.«
»Geht es dir nicht gut, Mama?« Brianna sah mich stirnrunzelnd an. »Soll ich dir etwas holen? Ein Glas Wasser?«
»Whisky«, sagten Ian und ich wie aus einem Munde, und ich lachte, obwohl ich so zittrig war. Als der Whisky kam, hatte ich mich wieder im Griff.
»Was glaubst du, was mit ihm geschehen wird, Ulysses«, fragte ich, als er mir das Tablett hinhielt. Dem unerschütterlichen, wohlgeformten Gesicht des Butlers war nur ein schwacher Ekel gegenüber dem Besucher anzusehen; ich sah, wie er einen stirnrunzelnden Blick auf die Schmutzkrümel warf, die Donners Schuhe auf dem Parkettboden zurückgelassen hatten.