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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Der offizielle Plan der Gruppe war in einer etwas anderen Größenordnung angesiedelt gewesen. Die Reisenden sollten in den sechziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts eintreffen und im Lauf der nächsten zehn Jahre, in der Verwirrung und Neuordnung, der Bewegung, die am Ende des Franzosenkriegs unter den Stämmen und Dörfern herrschte, diverse Indianergruppierungen entlang der Vertragsgrenze in den Kolonien und bis hinauf in kanadisches Territorium infiltrieren.

Dann sollten sie ihre ganze Überzeugungskraft einsetzen, um die Indianernationen dazu zu bewegen, in der kommenden Revolution auf britischer Seite zu kämpfen, um für einen Sieg der Briten zu sorgen.

»Die Engländer behandeln die Indianer als souveräne Nationen«, erklärte er so glatt, dass es den Anschein hatte, als hätte er diese Theorie auswendig gelernt. »Wenn sie gewinnen würden, würden sie weiter Handel treiben und alles, was ja okay ist, aber sie würden nicht versuchen, die Indianer zu verdrängen und zu vernichten. Die Kolonisten –«, er wies verächtlich in Richtung der offenen Tür, »– die habgierigen Schweine drängen seit hundert Jahren ununterbrochen weiter auf Indianerland; sie werden nicht haltmachen.«

Brianna zog die Augenbrauen hoch, doch ich konnte sehen, dass sie diesen Gedankengang faszinierend fand. Offenbar war er nicht ganz so geisteskrank, wie er sich anhörte.

»Wie konntet ihr nur denken, dass euch das gelingen würde?«, wollte ich wissen. »Nur ein paar Männer gegen – o mein Gott«, sagte ich, als ich sah, wie sich sein Gesicht veränderte. »Ach du lieber Himmel – ihr wart nicht die Einzigen, nicht wahr?«

Donner schüttelte wortlos den Kopf.

»Wie viele?«, fragte Ian. Er klang ruhig, aber ich konnte sehen, dass er die Hände um seine Knie geklammert hatte.

»Keine Ahnung.« Donner setzte sich abrupt hin und sackte wie ein Mehlsack in sich zusammen. »Es waren bestimmt zwei- oder dreihundert in der Gruppe. Aber die meisten von ihnen konnten die Steine nicht hören.« Er hob ein wenig den Kopf und fixierte Brianna. »Kannst du es?«

Sie nickte mit gerunzelter Stirn.

»Aber du glaubst, es gab noch mehr … Reisende … als dich und deine Freunde?«

Donner zuckte hilflos mit den Achseln.

»Ich hatte den Eindruck, ja. Aber Raymond hat gesagt, es könnten immer nur fünf auf einmal passieren. Also haben wir in, na ja, Zellen zu fünft trainiert. Wir haben es geheim gehalten; keiner in der großen Gruppe wusste, wer reisen konnte und wer nicht, und Raymond war der Einzige, der sie alle kannte.«

Ich musste einfach fragen.

»Wie sah dieser Raymond aus?« Seit ich diesen Namen zum ersten Mal gehört hatte, regte sich ein Gedanke in meinem Hinterkopf.

Donner kniff die Augen zu und öffnete sie wieder. Mit dieser Frage hatte er nicht gerechnet.

»Oh, keine Ahnung«, sagte er hilflos. »Nicht sehr groß. Weiße Haare, die trug er lang, genau wie wir alle.« Er fuhr sich zur Demonstration durch seine verknoteten Locken und runzelte die Stirn, während er in seinen Erinnerungen grub.

»Mit einer ziemlich … breiten … Stirn?« Ich wusste, dass ich ihm keine Anhaltspunkte geben sollte, aber ich konnte es nicht lassen und fuhr mir zur Demonstration selbst mit beiden Zeigefingern über die Stirn.

Ein paar Sekunden lang starrte er mich verwirrt an.

»Mann, ich weiß es nicht mehr«, sagte er und schüttelte hilflos den Kopf. »Es ist schon so lange her. Wie soll ich mich an so etwas erinnern?«

Ich seufzte.

»Nun, erzähl mir, was passiert ist, als ihr durch die Steine gekommen seid.«

Donner leckte sich über die Lippen und blinzelte vor Anstrengung, während er sich zu erinnern versuchte. Ich sah, dass es nicht nur angeborene Dummheit war; er dachte nicht gern darüber nach.

»Ja. Tja, wir waren zu fünft, wie ich gesagt habe. Ich und Rob und Jeremy und Atta. Oh, und Jojo. Wir sind auf der Insel angekommen, und –«

»Welche Insel?«, sagten Brianna, Ian und ich im Chor.

»Ocracoke«, sagte er mit überraschter Miene. »Das ist das nördlichste Portal im Bermudadreieck. Wir wollten so dicht wie möglich an den –«

»Das Ber–«, setzten Brianna und ich an, brachen dann aber ab und sahen uns gegenseitig an.

»Du weißt, wo sich mehrere dieser Portale befinden?«, sagte ich, um Ruhe bemüht.

»Wie viele gibt es denn?«, fiel Brianna ein, ohne seine Antwort abzuwarten.

Die Antwort fiel sowieso verworren aus – was nicht überraschend kam. Raymond hatte ihnen gesagt, dass es auf der ganzen Welt viele solcher Stellen gab, aber dass sie meistens in Gruppen vorkamen. Es gab eine solche Gruppe in der Karibik, eine andere im Nordosten an der kanadischen Grenze. Eine in der südwestlichen Wüste – Arizona, so glaubte er, bis hinunter nach Mexiko. Nordbritannien und die französische Küste bis hin zur Spitze der Iberischen Halbinsel. Wahrscheinlich noch mehr, aber das waren alle, die er erwähnt hatte.

Nicht alle Portale waren mit Steinkreisen markiert, doch dort, wo schon seit langem Menschen lebten, waren sie es meistens.

»Raymond hat gesagt, sie sind sicherer«, sagte er achselzuckend. »Keine Ahnung, wieso.«

Die Stelle auf Ocracoke war nicht von einem vollständigen Steinkreis umrahmt. Doch auch sie war markiert. Vier Steine, sagte er. Einer davon trug Markierungen, von denen Raymond sagte, sie wären afrikanisch – Sklaven hätten sie angebracht. »Die Stelle hat mit Wasser zu tun – es läuft ein kleiner Bach hindurch, meine ich. Ray sagt, er wüsste nicht, ob das Wasser einen Unterschied ausmacht, aber er glaubte es schon. Doch wir wussten nicht, was für einen Unterschied. Wisst ihr etwas davon?«

Brianna und ich schüttelten mit großen Augen die Köpfe wie zwei Eulen. Die Falten auf Ians sowieso schon gerunzelter Stirn vertieften sich noch. Hatte er während seiner Zeit bei Geillis Duncan etwas gehört?

Die fünf – und Raymond – waren so weit wie möglich gefahren; die Straße, die durch die Outer Banks führte, war schlecht und wurde oft durch Stürme fortgespült, und sie hatten den Wagen mehrere Meilen von der Stelle entfernt stehenlassen müssen und sich dann durch die Krüppelkiefern des Küstenwaldes und durch unerwarteten Treibsand kämpfen müssen. Es war Spätherbst –

»Samhain«, sagte Brianna leise, so leise, dass Donner nicht in seinem Erzählfluss gestört wurde.

Spätherbst, sagte er, und das Wetter war schlecht. Es regnete schon seit Tagen, und das Terrain war schwierig, abwechselnd rutschig und sumpfig. Es wehte ein kräftiger Wind, und die Sturmbrandung hämmerte gegen die Strände; sie konnten sie hören, selbst an der abgeschiedenen Stelle, an der das Portal lag.

»Wir hatten alle Angst – außer Rob vielleicht –, aber es war auch aufregend, Mann«, sagte er und begann, einen Schimmer von Begeisterung zu zeigen. »Die Bäume haben beinahe flach am Boden gelegen, und der Himmel, er war grün. Der Wind war so stark, dass man die ganze Zeit Salz schmecken konnte, weil Meerwasser mit dem Regen durch die Luft flog. Wir waren nass bis auf den Feinripp.«

»Den was?«, sagte Ian stirnrunzelnd.

»Die Unterwäsche«, sagte Brianna mit einer ungeduldigen Geste. »Weiter.«

Nach ihrer Ankunft hatte Raymond überprüft, ob sie auch alle das Notwendigste dabeihatten – Zunderschachteln, Tabak, etwas Geld aus der Zeit –, und dann hatte er jedem von ihnen ein Wampum-Halsband und einen kleinen Lederbeutel gegeben, von dem er sagte, dass es ein Amulett mit zeremoniellen Kräutern war.

»Oh, Sie wissen also davon«, sagte er, als er meinen Gesichtsausdruck sah. »Welche Sorte haben Sie denn benutzt?«

»Gar keine«, sagte ich, denn ich wollte nicht, dass er von seiner Geschichte abschweifte. »Weiter. Wie habt ihr euch darauf vorbereitet, die richtige Zeit zu treffen?«

»Oh. Tja.« Er seufzte und zog auf seinem Hocker den Kopf ein. »Gar nicht. Ray hat gesagt, es würden ungefähr zweihundert Jahre sein, plus/minus. Wir konnten es nicht steuern – ich hatte gehofft, ihr wüsstet vielleicht, wie man das macht. Wie man in eine bestimmte Zeit zurückkommt. Weil, Mensch, ich würde wirklich gern dort landen, bevor ich es mit Ray und den anderen zu tun bekommen habe.«

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