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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Wer seid Ihr, Halunke, und was wollt Ihr?«, verlangte Ian zu wissen und drückte Donner noch fester die Kehle zu. Die Augen des Indianers traten hervor, und er stieß leise Quäklaute aus.

»Wie soll er dir denn antworten, wenn du ihm die Luft abwürgst?« Dieser Appell an seine Vernunft bewog Ian, seinen Griff zu lockern, wenn auch widerstrebend. Donner hustete, rieb sich übertrieben die Kehle und musterte Ian voller Abneigung.

»Das war echt nicht nötig, Mann; ich hab ihr doch gar nichts getan.« Donners Blick wanderte von ihr zu Ian und zurück. Er wies mit einem Ruck seines Kopfes auf Ian. »Ist er …?«

»Nein, aber er weiß Bescheid. Setz dich. Du hast meine Mutter kennengelernt, als sie entführt wurde, oder?«

Bei diesen Worten schossen Ians feine Augenbrauen in die Höhe, und er schloss die Finger fester um das Palettenmesser, das zwar biegsam war, aber eine scharfe Spitze hatte.

»Ja.« Donner ließ sich vorsichtig auf den Hocker sinken und hielt die Augen argwöhnisch auf Ian gerichtet. »Mann, die haben mich fast erwischt. Deine Mutter hat mir gesagt, ihr Alter wäre sauer, und ich wäre besser weg, wenn er auftaucht, aber ich habe ihr nicht geglaubt. Zumindest fast nicht. Aber als ich diese Trommeln gehört habe, Mann, da bin ich auf und davon, und das war auch verdammt gut so.« Er schluckte, und sein Gesicht war bleich. »Ich bin am nächsten Morgen zurückgegangen. Oh, Mann.«

Ian sagte etwas vor sich hin, was Brianna für Mohawk hielt. Es klang extrem unfreundlich, und Donner verstand offenbar genug davon, um seinen Stuhl etwas weiter fortzurücken und den Kopf einzuziehen.

»Hey, Mann, ich hab ihr nichts getan, okay?« Er sah Brianna flehend an. »Ehrlich! Ich wollte ihr helfen zu fliehen – fragt sie, sie wird es euch bestätigen! Nur, dann sind Fraser und seine Jungs aufgetaucht, bevor ich dazu gekommen bin. Himmel, warum sollte ich ihr denn etwas tun? Sie ist doch die Erste, die ich hier gefunden habe – ich hab sie gebraucht!«

»Die Erste?«, sagte Ian stirnrunzelnd. »Die erste –?«

»Die erste … Reisende, meint er«, sagte Brianna. Ihr Herz schlug schnell. »Wozu hast du sie denn gebraucht?«

»Um mir zu sagen, wie ich – zurückkomme.« Er schluckte noch einmal, und seine Hand fuhr zu dem Wampum-Ornament an seinem Hals hinauf. »Du – bist du durch die Passage gekommen, oder bist du hier geboren? Ich nehme an, durchgekommen«, fügte er hinzu, ohne eine Antwort abzuwarten. »So große Frauen gibt es hier nicht. Kleine zarte Mädchen. Ich, ich mag große Frauen.« Er lächelte auf eine Weise, die eindeutig einnehmend sein sollte.

»Ich bin gekommen«, beschied Brianna ihm kurz. »Was zum Teufel machst du hier?«

»Ich versuche, nah genug an deine Mutter heranzukommen, um mit ihr zu reden.« Er sah sich beklommen um; es waren Sklaven im Gemüsegarten, man konnte ihre Stimmen hören. »Ich habe mich eine Zeitlang bei den Cherokee versteckt, dann dachte ich, es wäre wieder sicher, und ich könnte mich in Fraser’s Ridge mit ihr unterhalten, aber da hat mir die alte Frau gesagt, ihr wärt alle hier unten. Ein ziemlich weiter Weg, zu Fuß«, fügte er mit einer Miene hinzu, als könnte sie etwas dafür.

»Aber dann hat mich dieser schwarze Riesenkerl zweimal verjagt, als ich versucht habe, ins Haus zu gelangen. Habe wohl der Kleiderordnung nicht genügt.« Sein Gesicht zuckte, doch er schaffte es nicht ganz zu lächeln.

»Ich schleiche jetzt seit drei Tagen hier herum und versuche, sie zu Gesicht zu bekommen und sie allein im Freien anzutreffen. Aber dann habe ich gesehen, wie sie sich auf der Terrasse mit dir unterhalten hat, und gehört, wie du sie Mama genannt hast. Weil du so groß bist, habe ich gedacht, du müsstest wohl … na ja, ich dachte, wenn du das Lied nicht erkennst, ist es auch nicht schlimm, wie?«

»Dann wollt Ihr also dahin zurück, wo Ihr hergekommen seid?«, fragte Ian. Dies hielt er ganz offensichtlich für eine exzellente Idee.

»O ja«, sagte Donner mit Nachdruck. »Oh, ja!«

»Wo bist du angekommen?«, fragte Brianna. Der erste Schreck über sein Auftauchen ließ jetzt nach und wich der Neugier. »In Schottland?«

»Nein, habt ihr es da gemacht?«, fragte er wissbegierig. Er wartete ihr Kopfnicken kaum ab, bevor er fortfuhr: »Deine Mutter sagt, sie ist gekommen und zurückgegangen, und dann ist sie noch einmal gekommen. Könnt ihr – alle kommen und gehen wie, du weißt schon, durch eine Drehtür?«

Brianna schüttelte heftig den Kopf und erschauerte bei dem Gedanken an die Passage.

»Himmel, nein. Es ist schrecklich, und es ist so gefährlich, selbst wenn man einen Edelstein nimmt.«

»Edelstein?« Er hakte nach. »Man braucht einen Edelstein dazu?«

»Nicht unbedingt, aber Edelsteine scheinen einen gewissen Schutz zu gewährleisten. Und eventuell gibt es eine Möglichkeit, mit Hilfe von Edelsteinen zu – zu steuern, sozusagen –, aber das wissen wir nicht genau.« Sie zögerte, denn sie hätte gern noch mehr gefragt, aber noch mehr drängte es sie, Claire zu holen. »Ian – könntest du Mama holen? Ich glaube, sie ist mit Phaedre im Gemüsegarten.«

Ihr Vetter warf dem Besucher einen giftigen Blick zu und schüttelte den Kopf.

»Ich lasse dich nicht mit diesem Kerl allein. Geh du sie holen; ich passe auf ihn auf.«

Sie hätte ihm gern widersprochen, aber ihre lange Erfahrung mit männlichen Wesen schottischer Abstammung hatte sie gelehrt, unnachgiebige Sturheit zu erkennen, wenn sie sie sah. Außerdem war Donners Blick auf eine Weise auf sie gerichtet, die sie etwas beklemmend fand – ihr wurde klar, dass er ihre Hand ansah, den großen Rubin in ihrem Ring. Sie war sich einigermaßen sicher, sich, wenn nötig, gegen ihn wehren zu können, aber trotzdem …

»Ich bin sofort zurück«, sagte sie und steckte hastig einen vergessenen Pinsel in das Terpentingefäß. »Nicht weggehen.«

Ich war zwar schockiert, aber nicht so heftig, wie es hätte sein können. Ich hatte es im Gefühl gehabt, dass Donner noch lebte. Es trotz allem gehofft. Dennoch verschlug es mir die Sprache, ihn leibhaftig in Jocastas Morgenzimmer sitzen zu sehen. Er redete gerade, als ich eintrat, brach aber ab, als er mich sah. Er stand natürlich nicht auf und sagte auch nichts dazu, dass ich noch lebte; er nickte mir einfach nur zu und nahm seinen Gesprächsfaden wieder auf.

»Um die Weißen aufzuhalten. Unser Land zu retten, unser Volk.«

»Aber du bist in der falschen Zeit herausgekommen«, sagte Brianna zu ihm. »Du warst zu spät.«

Donner sah sie verständnislos an.

»Nein, war ich nicht. 1766, da wollte ich landen, und das bin ich auch.« Er schlug sich mit der Handwurzel heftig an den Kopf. »Scheiße! Was war bloß mit mir los?«

»Angeborene Dummheit?«, schlug ich höflich vor, nachdem ich meine Stimme wiedergefunden hatte. »Das oder bewusstseinserweiternde Drogen.«

Der verständnislose Blick flackerte ein wenig, und Donners Mund zuckte.

»Oh. Ja, Mann. Das auch.«

»Aber wenn du 1766 herausgekommen bist –«, wandte Brianna ein, »was war dann mit Robert Springer – Otterzahn? Nach dem, was man Mama von ihm erzählt hat, wollte er die Eingeborenen vor den Weißen warnen und die Kolonialisierung verhindern. Aber er ist zu spät gekommen – und selbst er muss doch vierzig oder fünfzig Jahre vor euch angekommen sein!«

»Das war doch gar nicht der Plan, Mann!«, platzte Donner heraus. Er stand auf und rieb sich mit beiden Händen aufgeregt durch die Haare, so dass sie in alle Richtungen abstanden wie ein Brombeerbusch. »Himmel, nein!«

»Ach nein? Was zum Teufel war denn dann der Plan?«, wollte ich wissen. »Ihr hattet doch einen.«

»Ja. Ja, das hatten wir.« Er ließ die Hände sinken und sah sich um, als fürchtete er, dass jemand mithörte. Er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.

»Bob hatte das vor, was Sie gesagt haben – aber der Rest hat gesagt, es würde nicht funktionieren. Zu viele verschiedene Gruppen, zu viel Druck, mit den Weißen Handel zu betreiben … Das hätte einfach nie funktioniert. Wir konnten es nicht ganz verhindern; nur vielleicht das Schlimmste?«

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