Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Um das Verschulden seines Jägers wiedergutzumachen, bat Ilagin seinen neuen Bekannten dringend, doch nach seinem eigenen, eine Werst entfernten Gehege mitzukommen, das er für seinen persönlichen Gebrauch reserviert habe, und in dem es seiner Versicherung zufolge von Hasen wimmelte. Nikolai nahm diese Einladung an, und die nun auf das Doppelte angewachsene Jagdgesellschaft zog weiter.
Um nach dem Ilaginschen Gehege zu gelangen, mußten sie über die Felder reiten.
Die Jäger verteilten sich in gleichmäßigen Abständen, die Herrschaften jedoch ritten zusammen. Der Onkel, Rostow und Ilagin musterten die fremden Hunde, aber nur verstohlen, damit es die andern nicht merkten, und suchten voll Unruhe aus diesen Hunden diejenigen herauszufinden, die sich als Rivalen ihrer eigenen Hunde entpuppen würden.
Rostow war besonders von der Schönheit einer kleinen rotgescheckten Hündin in Ilagins Koppel überrascht. Es war dies ein Tier von reiner Rasse, schmal gebaut, aber mit stählernen Muskeln, mit feiner Schnauze und vorstehenden, schwarzen Augen. Er hatte von dem feurigen Temperament der Ilaginschen Hunde gehört und sah in dieser schönen Hündin eine Rivalin seiner Milka.
Mitten in einem soliden Gespräch über die diesjährige Ernte, welches Ilagin angeknüpft hatte, zeigte Nikolai auf die rotgescheckte Hündin.
»Da haben Sie eine schöne Hündin!« warf er lässig hin. »Ist sie schneidig?«
»Die? O ja, das ist ein braves Tier, fängt gut«, antwortete Ilagin in gleichgültigem Ton mit Bezug auf seine rotgescheckte Jorsa, für die er im vorigen Jahr seinem Nachbar drei Familien Leibeigene gegeben hatte. »Also bei Ihnen, Graf, ist der Erdrusch auch nicht zu rühmen?« fuhr er in dem begonnenen Gespräch fort. Da er es aber für ein Gebot der Höflichkeit hielt, dem jungen Grafen mit gleicher Münze zu zahlen, so musterte Ilagin dessen Hunde und wählte Milka aus, die ihm durch ihren breiten Körperbau in die Augen fiel.
»Eine schöne schwarzgescheckte haben Sie da; vortrefflich gebaut!« sagte er.
»O ja, es geht, sie jagt ganz gut«, antwortete Nikolai. Und im stillen dachte er: »Es sollte nur hier auf dem Feld ein tüchtiger Hase laufen, dann würde ich dir schon zeigen, was das für ein Hund ist!« Und sich zu dem Leibjäger umwendend, sagte er, er werde demjenigen einen Rubel geben, der einen liegenden Hasen auffinde.
»Es ist mir unbegreiflich«, fuhr Ilagin fort, »wie manche Jäger einander um das Wild oder um ihre Hunde beneiden können. Ich will Ihnen sagen, Graf, wie es in dieser Hinsicht mit mir selbst steht. Sehen Sie, mir macht es schon Vergnügen, nur so einen Ritt zu machen; da trifft man dann solche angenehme Gesellschaft … was kann man sich Schöneres denken?« (Er nahm wieder vor Natascha seine Bibermütze ab.) »Aber daß ich die Felle zählen sollte, die ich nach Hause bringe, nein, das ist mir völlig gleichgültig!«
»Ja, gewiß.«
»Oder daß ich mich gekränkt fühlen sollte, wenn ein fremder Hund das Wild greift, und nicht meiner … Ich will mich ja doch nur an dem Anblick der Hetze erfreuen; nicht wahr, Graf? Darum bin ich der Ansicht …«
»Faß ihn!« erscholl in diesem Augenblick der langgezogene Ruf eines Hundeaufsehers, der stehengeblieben war. Er stand auf dem halben Abhang eines Stoppelfeldes, hielt die Hetzpeitsche in die Höhe und wiederholte noch einmal gedehnt: »Fa-aß ih-ihn!« Dieser Ruf und die aufgehobene Hetzpeitsche bedeuteten, daß er einen liegenden Hasen vor sich sah.
»Ah, es scheint, er hat einen Hasen aufgefunden«, sagte Ilagin lässig. »Nun schön, dann lassen Sie uns hetzen, Graf!«
»Ja, wir wollen hinreiten … Was meinen Sie, wollen wir zusammen hetzen?« antwortete Nikolai und warf einen Blick auf Jorsa und auf des Onkels roten Rugai, zwei Rivalen, mit denen er noch nie Gelegenheit gehabt hatte seine Hunde konkurrieren zu lassen. »Aber wenn sie nun meiner Milka eine böse Niederlage bereiten?« dachte er, als er jetzt neben dem Onkel und Ilagin nach der Stelle hinritt, wo der Hase lag.
»Ob es auch wohl ein tüchtiger Hase ist?« fragte Ilagin, während sie auf den Jäger zuritten, der den Hasen aufgefunden hatte, blickte sich unruhig nach seiner Jorsa um und pfiff ihr.
»Nun, und Sie, Michail Nikanorowitsch?« wandte er sich an den Onkel.
Der Onkel ritt mit mürrischem Gesicht neben den beiden andern.
»Wozu soll ich mich da hineinmischen! Eure Hunde haben ja, klar und selbstverständlich, jeder ein ganzes Dorf gekostet; das sind Tausendrubel-Hunde. Laßt eure miteinander wettkämpfen; ich werde zusehen!«
»Rugai! Hierher, hierher!« schrie er. »Rugajuschka!« fügte er hinzu und brachte unwillkürlich durch dieses Diminutiv seine Zärtlichkeit und die Hoffnung, die er auf diesen roten Hund setzte, zum Ausdruck. Natascha sah und spürte die Aufregung, welche diese beiden alten Männer und ihr Bruder zu verbergen suchten, und wurde selbst ganz aufgeregt.
Der Jäger auf der halben Höhe des Berges stand immer noch mit erhobener Hetzpeitsche da; die Herrschaften ritten im Schritt zu ihm heran; die Hetzhunde, die man fern am oberen Rand des Berges gegen den Himmel sah, zogen in einer von dem Hasen abgewandten Richtung; auch die Jäger, mit Ausnahme der Herrschaften, entfernten sich von ihm. Alles bewegte sich ruhig und langsam.
»Wohin liegt er mit dem Kopf?« fragte Nikolai, als sie sich dem Jäger, der den Hasen entdeckt hatte, auf etwa hundert Schritte genähert hatten.
Aber der Jäger hatte noch nicht Zeit gefunden zu antworten, als der Hase, dem die Sache unheimlich wurde, das Stilliegen aufgab und aufsprang. Die Meute der Hetzhunde, noch an den Koppelriemen, stürmte mit Gebell bergab auf den Hasen los; von allen Seiten eilten die Windhunde, die nicht angekoppelt waren, zu den Hetzhunden und zu dem Hasen hin. Alle diese Jäger, die sich noch soeben nur langsam bewegt hatten, jagten nun über das Feld: die einen suchten mit dem Ruf: »Halt!« ihre Hunde von einer falschen Richtung abzubringen, die andern mit dem Ruf: »Faß ihn!« den ihrigen die Richtung zu geben und sie anzufeuern. Der ruhige Ilagin, Nikolai, Natascha und der Onkel flogen dahin, ohne selbst zu wissen, wohin und wie; sie sahen nur die Hunde und den Hasen und fürchteten weiter nichts, als auch nur einen Augenblick lang den Gang der Hetzjagd aus den Augen zu verlieren. Der Hase erwies sich als ein großes, kräftiges Tier. Nachdem er aufgesprungen war, lief er nicht sogleich los, sondern bewegte die Ohren und horchte auf das Geschrei und Pferdegetrappel, das auf einmal von allen Seiten ertönte. Dann machte er nicht besonders schnell etwa zehn Sprünge, während deren die Hunde ihm näher kamen, und nun endlich, nachdem er die Gefahr begriffen und die Richtung gewählt hatte, legte er die Ohren an und lief aus Leibeskräften. Er hatte auf dem Stoppelfeld gelegen; aber vor ihm befand sich ein Wintersaatfeld, dessen Boden aufgeweicht war. Die beiden Hunde des Jägers, der den Hasen entdeckt hatte, waren, da sie ihm von allen am nächsten gewesen waren, auch die ersten, die ihn erblickten und sich an die Verfolgung machten; aber sie waren noch weit davon entfernt, ihn einzuholen, als von hintenher an ihnen vorbei Ilagins rotgescheckte Jorsa hervorschoß, sich dem Hasen auf eine Hundelänge näherte, nun ihre Geschwindigkeit ganz gewaltig steigerte, nach dem Schwanz des Hasen schnappte und, in der irrigen Meinung, ihn gefaßt zu haben, Hals über Kopf herumrollte. Der Hase bog den Rücken krumm und lief mit noch größerer Schnelligkeit weiter. An Jorsa vorbei stürmte nun die schwarzgescheckte Milka mit dem breiten Hinterteil vorwärts und begann schnell gegen den Hasen aufzurücken.
»Milka, mein braves Tier!« hörte man Nikolai triumphierend schreien. Es schien, daß Milka im nächsten Augenblick zupacken und den Hasen greifen werde; aber als sie ihn eingeholt hatte, schoß sie an ihm vorbei: der Hase hatte sich seitwärts geduckt. Nun setzte ihm wieder die schöne Jorsa zu und hing dicht über dem Schwanz des Hasen; um sich nicht wieder zu irren, beabsichtigte sie, wie es schien, nach dem einen Hinterlauf zu fassen.