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Fahrstuhl zu den Sternen

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Fahrstuhl zu den Sternen
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Als der fremde Besucher die Jupiterbahn kreuzte, gelang es den Instrumenten zum ersten Mal, Einzelheiten an ihm zu erkennen. Die erste Entdeckung verursachte eine kurzlebige Panik: Das Objekt besaß einen Durchmesser von fünfhundert Kilometern — den Umfang eines kleinen Mondes! Womöglich war es doch ein Transporter, der eine Invasionsarmee an Bord trug …

Die Furcht verflüchtigte sich, als genauere Beobachtungen ergaben, dass der feste Körperkern des Eindringlings nur ein paar Meter maß. Der Fünfhundert-Kilometer-Halo darum herum entpuppte sich als etwas den Menschen durchaus Vertrautes — ein nicht sonderlich stabiler, langsam rotierender Parabolreflektor, das genaue Gegenstück der im Erdumlauf befindlichen Radioteleskope. Vermutlich handelte es sich dabei um die Antenne, durch die der Besucher den Kontakt mit seiner fernen Heimatwelt aufrechterhielt. Und durch die er, in diesem Augenblick, Daten über das Sonnensystem und die Kommunikationstätigkeit der dort ansässigen Zivilisation nach Hause funkte.

Dann gab es eine weitere Überraschung. Die asteroidengroße Antenne war keineswegs auf Alpha Centauri gerichtet, sondern in eine ganz andere Gegend. Es sah allmählich so aus, als sei das Centaurus-System lediglich der letzte Anlegehafen, nicht aber der Ausgangsort des Fremdlings.

Die Astronomen waren noch dabei, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, als sich ein bemerkenswerter und glücklicher Zufall ereignete. Eine solare Wettersonde, die sich auf Routinepatrouille jenseits der Marsbahn befand, verstummte plötzlich und fand ihre Funkstimme erst eine Minute später wieder. Als man die Datenaufzeichnungen untersuchte, stellte man fest, dass die Instrumente der Sonde unter dem Einfluss überaus intensiver Strahlung vorübergehend versagt hatten. Die Sonde hatte den Funkstrahl des Besuchers gekreuzt, und jetzt war es ziemlich einfach, auszurechnen, auf welches Ziel er gerichtet war.

Der nächste Stern in dieser Richtung befand sich in zweiundfünfzig Lichtjahren Entfernung — ein unscheinbarer und vermutlich sehr alter roter Zwergstern, eine jener enthaltsamen kleinen Sonnen, die noch Jahrmilliarden, nachdem die strahlenden Giganten der Milchstraße die eigene Substanz aufgezehrt hatten, friedlich vor sich hin scheinen würde. Kein einziges Radioteleskop hatte sich je näher mit ihr beschäftigt. Jetzt jedoch richteten sich alle darauf, die nicht unbedingt für die Beobachtung des Besuchers gebraucht wurden.

Und tatsächlich: Da war es! Ein scharf begrenztes Signal auf dem Ein-Zentimeter-Band. Die Hersteller standen noch immer in Verbindung mit dem Fahrzeug, das sie vor Jahrtausenden vom Stapel gelassen hatten. Indes, die Nachrichten, die es jetzt empfing, waren nur ein halbes Jahrhundert alt.

Und dann, als er sich in der Nähe der Marsbahn befand, zeigte der Besucher auf die dramatischste und unmissverständlichste Weise, dass er sich der Existenz der Menschheit durchaus bewusst war. Er begann, Standardfernsehbilder von 3075 Zeilen, mit eingeblendetem Videotext in fließendem, wenn auch unbeholfenem Englisch und Mandarin-Chinesisch zu übertragen. Die erste interstellare Unterhaltung hatte begonnen — und nicht, wie man sich immer vorgestellt hatte, mit Pausen von Jahrzehnten, sondern von nur einigen Minuten.

Schatten im Morgengrauen

Morgan verließ sein Hotel in Ranapura um vier Uhr morgens. Die Nacht war klar und mondlos. Er war ungern so früh aufgestanden, aber Professor Sarath, dem er die Vorbereitungen zu diesem Ausflug verdankte, hatte ihm versprochen, es werde die Mühe wert sein. »Sie können Sri Kanda nicht einmal anfangen zu verstehen«, hatte er gesagt, »solange sie nicht die Morgendämmerung vom Gipfel aus beobachtet haben. Und Buddy — äh, der Maha Thero — empfängt Besucher zu keiner anderen Zeit. Er sagt, damit hält er sich diejenigen vom Leibe, die aus reiner Neugierde kommen.« Morgan hatte schließlich nachgegeben, ohne von seiner Ungehaltenheit allzu viel durchblicken zu lassen.

Die Sache wurde dadurch nicht besser, dass der taprobanische Chauffeur darauf bestand, eine forsche, wenn auch einseitige Unterhaltung zu führen, deren Zweck es offenbar war, ein komplettes Profil der Persönlichkeit seines Fahrgasts zu entwickeln. Das tat er mit derart naiver Freundlichkeit, dass man es ihm nicht übelnehmen konnte. Aber Schweigen wäre Morgan lieber gewesen.

Überdies wünschte er sich, dass sein Fahrer sich etwas mehr auf die zahllosen Haarnadelkurven konzentrieren möge, die sie mit beängstigender Geschwindigkeit in der Finsternis durchfuhren. Für Morgans seelisches Gleichgewicht war es wahrscheinlich besser, dass er die Felsenstürze und Schluchten nicht zu sehen bekam, an denen sie vorbeibrausten, während der Wagen durch die Vorberge allmählich an Höhe gewann. Die Straße war erstklassige Pionierarbeit aus dem neunzehnten Jahrhundert — angelegt von der letzten Kolonialmacht während der abschließenden Kampagne gegen die stolzen Bergvölker im Innern. Sie war indes niemals auf automatische Steuerung umgestellt worden, und es gab Augenblicke, in denen Morgan sich fragte, ob er die Fahrt überleben werde.

Plötzlich aber vergaß er seine Furcht und den Ärger über den versäumten Schlaf.

»Da ist er!«, sagte der Fahrer stolz, als der Wagen die Flanke eines Hügels umrundete.

Sri Kanda selbst war völlig unsichtbar. Noch enthielt die Dunkelheit keine Spur des herannahenden Morgens. Die Anwesenheit des Berges wurde durch ein dünnes Band aus Licht preisgegeben, das zickzackförmig in der Nacht hing, als würde es durch eine magische Kraft gehalten. Morgan wusste, dass er weiter nichts sah als die Lampen, die vor zweihundert Jahren angebracht worden waren, um den Pilgern zu leuchten, die die längste Treppe der Welt emporklommen. Aber in ihrer Missachtung von Logik und Schwerkraft erschienen sie ihm fast wie eine Vorherschau auf seinen eigenen Traum. Zeitalter vor seiner Geburt, geleitet von Philosophen, die er sich kaum vorstellen konnte, hatten Menschen das Werk begonnen, das er zu vollenden hoffte. Sie hatten buchstäblich die ersten rohen Stufen der Treppe zu den Sternen gebaut.

Morgan fühlte keine Müdigkeit mehr, während er beobachtete, wie das leuchtende Band sich in unzählige einzelne Lichtquellen auflöste, je näher sie ihm kamen. Jetzt wurde auch der Berg selbst allmählich sichtbar, als ein riesiges schwarzes Dreieck, das die Hälfte der Sterne am Himmel verdeckte. Es lag etwas Düsteres in dieser schweigsam brütenden Masse; Morgan konnte sich gut vorstellen, dass sie wirklich die Wohnung der Götter war, die von seinem Vorhaben erfahren hatten und nun ihre Kräfte gegen ihn massierten.

Ominöse Gedanken dieser Art waren jedoch wie weggewischt, als sie die Talstation der Seilbahn erreichten und Morgan zu seiner großen Überraschung feststellte, dass sich bereits mehr als einhundert Leute — es war noch immer erst fünf Uhr — in dem kleinen Warteraum befanden. Er besorgte für sich und seinen geschwätzigen Fahrer einen angenehm heißen Kaffee. Der Chauffeur übrigens zeigte zu Morgans Erleichterung keinerlei Interesse, den Berg hinaufzufahren. »Das habe ich mindestens schon zwanzigmal gemacht«, erklärte er reichlich blasiert. »Ich schlafe im Auto, bis Sie wieder herunterkommen.«

Morgan kaufte ein Billett und berechnete überschlägig, dass er mit der dritten oder vierten Ladung von Passagieren an die Reihe kommen würde. Er war froh, dass er Saraths Rat angenommen und eine Thermohülle in die Tasche gesteckt hatte. Schon hier, in zwei Kilometern Höhe, war es empfindlich kalt. Auf dem Gipfel, noch drei Kilometer weiter oben, mussten die Temperaturen unter dem Nullpunkt liegen.

Während er sich in der langen Schlange von schläfrigen und nicht besonders gesprächigen Touristen allmählich vorwärtsbewegte, stellte er zu seiner Erheiterung fest, dass er der einzige Anwesende war, der keine Kamera trug. Wo waren die echten Pilger, fragte er sich. Dann erinnerte er sich. Er würde sie hier nicht finden. Es gab keinen leichten Weg zum Himmel, ins Nirwana, oder was immer es auch war, das die Gläubigen zu erlangen trachteten. Verdienst wurde nur durch das eigene Bemühen erworben, nicht mit der Hilfe von Maschinen. Eine interessante Doktrin, fand er, mit viel Wahrheitsgehalt. Aber es gab auch Situationen, in denen sich das Ziel nur mit Maschinen erreichen ließ.

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