Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Villefort rief: Hören Sie, ichbesitze nicht die Kraft, die Sie haben, oder die Sie vielleicht nicht hätten, wenn es sich, statt um meine Tochter, um Ihre Tochter Madeleine handelte.
Der Doktor erbleichte.
Doktor, jeder Sohn einer Frau ist geboren, um zu leiden und zu sterben; ich werde leiden und den Tod erwarten.
Nehmen Sie sich in acht, sagte d'Avrigny, dieser Tod kann langsam sein; Sie werden ihn vielleicht herannahen sehen, nachdem Ihr Vater, Ihre Frau, Ihr Sohn getroffen ist.
Keuchend preßte Villefort den Arm des Doktors und rief:
Hören Sie mich, beklagen Sie mich, helfen Sie mir… Nein, meine Tochter ist nicht schuldig… Schleppen Sie uns vor ein Tribunal; ich werde abermals sagen: Nein, meine Tochter ist nicht schuldig… Es gibt kein Verbrechen in meinem Hause… Ich will nicht, hören Sie, ich will nicht, daß es ein Verbrechen in meinem Hause gibt; denn wenn das Verbrechen irgendwo eintritt, so ist es wie der Tod: es tritt nicht allein ein. Hören Sie, was ist Ihnen daran gelegen, wenn ich ermordet sterbe?… Sind Sie mein Freund, sind Sie ein Mensch, haben Sie ein Herz?… Nein, Sie sind Arzt!.. Wohl! ich sage Ihnen, nein, meine Tochter wird nicht durch mich in die Hände des Henkers geschleppt werden… Ha! das ist ein Gedanke, der mich verzehrt, der mich wie einen Wahnsinnigen aufreibt. Und wenn Sie sich täuschten! Wenn es ein anderer wäre, als meine Tochter!.. wenn ich eines Tages, bleich wie ein Gespenst, käme und zu Ihnen sagte: Mörder, du hast meine Tochter getötet!.. Hören Sie, wenn dies geschähe, ichbin ein Christ, Herr d'Avrigny, und dennoch würde ich mich töten!..
Es ist gut, sagte der Doktor nach kurzem Schweigen, ich werde warten.
Villefort schaute ihn an, als zweifelte er noch an seinen Worten.
Doch wenn eine Person Ihres Hauses krank wird, fuhr Herr d'Avrigny langsam und feierlich fort, wenn Sie sich selbst getroffen fühlen, rufen Sie mich nicht, denn ich werde nicht kommen. Wohl will ich mit Ihnen das furchtbare Geheimnis teilen, aber die Schande und die Reue sollen nicht in meinem Gewissen wachsen und furchtbar werden, wie das Verbrechen und das Unglück in Ihrem Hause wächst und Früchte treibt.
Sie verlassen mich also, Doktor?
Ja, ich kann Ihnen nicht ferner folgen, und ich verweile nicht am Fuße desBlutgerüstes. Eine andere Enthüllung wird kommen und das Ende dieser furchtbaren Tragödie herbeiführen. Gottbefohlen!
Doktor, ich flehe Sie an.
Alle Greuel, die meinen Geistbeflecken, machen mir Ihr Haus verhaßt und unselig. Gottbefohlen, mein Herr.
Ein Wort, nur ein einziges Wort, Doktor! Sie entfernen sich und überlassen mich allen Schrecknissen meiner Lage, Schrecknissen, die Sie durch Ihre Enthüllung noch vermehrt haben. Doch was wird man von dem plötzlichen Tode des armen alten Dieners sagen?
Es ist richtig, sagte der Arzt, geleiten Sie mich zurück!
Der Doktor ging zuerst hinaus, Herr von Villefort folgte ihm; dieBedienten standen unruhig in den Gängen und auf den Treppen, wo der Doktor vorbeikommen mußte.
Mein Herr, sagte d'Avrigny so laut, daß es jeder hörte, der armeBarrois mußte in der letzten Zeit zu viel im Zimmer sitzen; einst gewohnt, mit seinem Herrn sich zu Pferde oder zu Wagen in allen Ländern Europas umherzutreiben, hat ihn der eintönige Dienst am Lehnstuhl getötet. DasBlut ist schwer geworden, er wurde vom Schlage gerührt, und ich erhielt zu spät Nachricht. — Vergessen Sie nicht, fügte er leise hinzu, vergessen Sie nicht, die Tasse mit Veilchensirup in die Asche zu werfen.
Und ohne Villeforts Hand zuberühren, entfernte er sich, geleitet von den Tränen und Wehklagen der Zurückbleibenden.
Am Abend kamen alle Dienstboten Villeforts, die sich in der Küche versammelt und lange miteinanderbesprochen hatten, zu Frau von Villefort undbaten um ihren Abschied. Keine Ermahnung, kein Versprechen höheren Lohnes vermochte sie zurückzuhalten; auf alles, was man sagte, erwiderten sie: Wir wollen gehen, weil der Tod im Hause ist.
Sie gingen also, trotz allerBitten, die man an sie richtete, und äußerten nur, siebedauerten lebhaft, so gute Gebieter undbesonders Fräulein Valentine zu verlassen, die so mild, so wohltätig, so sanft wäre.
Villefort schautebei diesen Worten Valentine an. Sie weinte.
Seltsam! Von den Tränen der Tochter erschüttert, schaute er auch Frau von Villefort an, und es kam ihm vor, als obein flüchtiges, düsteres Lächeln über ihre dünnen Lippen hingeschwebt wäre.
Das Zimmer des ehemaligenBäckers.
Am Abend des Tages, als der Graf von Morcerf mit einer Wut, die sich aus der Weigerung desBankiers erklärt, Danglars' Haus verlassen hatte, fuhr Herr Andrea Cavalcanti, die Haare frisiert und glänzend, den Schnurrbart zugespitzt, mit weißen Handschuhen, auf seinem Phaeton in den Hof desBankiershauses.
Als er zehn Minuten im Salon war, fand er Gelegenheit, Danglars in eine Fenstervertiefung zu ziehen, wo er ihm die Qualen seines Lebens seit der Abreise seines edlen Vaters auseinandersetzte. Seit dieser Abreise, sagte er, habe er in der Familie desBankiers, wo man so wohlwollend gewesen, ihn wie einen Sohn aufzunehmen, alle Garantien des Glückes gefunden, die ein Mensch immer suchen müsse, bevor er sich von den Launen der Leidenschaft hinreißen lasse, — und was die Leidenschaft selbstbetreffe, so habe er das Glück gehabt, ihr in den schönen Augen von Fräulein Danglars zubegegnen.
Danglars hörte mit der größten Aufmerksamkeit; seit einigen Tagen erwartete er diese Erklärung, und als sie endlich kam, erheiterte sich sein Auge ebensosehr, als es sichbei Morcerfs Worten verdüstert hatte. Er wollte indessen den Antrag des jungen Mannes nicht so annehmen, ohne irgend eine Einwendung zu machen.
Herr Andrea, sind Sie nicht ein wenig zu jung, um an das Heiraten zu denken? sagte er.
Nein, mein Herr, erwiderte Cavalcanti, ich wenigstens finde es nicht; in Italien verheiraten sich die vornehmen Herren im allgemeinen jung. Das Leben ist so vielen Wechselfällen unterworfen, daß man das Glück ergreifen muß, sobald es in unsernBereich kommt.
Mein Herr, sagte Danglars, wenn ich nun voraussetze, Ihr Antrag, der mich ehrt, werde von meiner Frau und von meiner Tochter angenommen, so fragt es sich noch, mit wem werden wir über das Materielle verhandeln? Es ist dies, scheint mir, ein wichtiges Geschäft, das die Väter allein zum Heil ihrer Kinder abzumachen wissen.
Mein Vater ist ein weiser Mann. Er hat in Voraussicht des Umstandes, daß ich dasBedürfnis fühlen würde, mich in Frankreich niederzulassen, alle Papiere, die meine Identität erweisen, und einenBrief zurückgelassen, in dem er mir, für den Fall, daß ich eine ihm angenehme Wahl treffe, vom Tage meiner Heirat an eine Rente von 150 000 Franken zusichert. Es ist dies, soviel ichbeurteilen kann, der vierte Teil der Einkünfte meines Vaters.
Ich hatte immer die Absicht, meiner Tochter 500 000 Frankenbei ihrer Verheiratung zu geben; überdies ist sie meine einzige Erbin.