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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Aye, Tante Jocasta«, sagte Jamie leise und berührte ihr Handgelenk.

»Da sind Abdrücke.«

So war es; es waren drei rötliche Flecken, kleine Ovale, die von zupackenden Fingern hinterlassen worden waren.

»Er hat zugedrückt und mir dann so fest das Handgelenk verdreht, dass ich dachte, es sei gebrochen. Dann hat er losgelassen, ist aber nicht zurückgetreten. Er ist über mir stehen geblieben, und ich konnte seinen heißen Atem und Tabakgestank in meinem Gesicht spüren.«

Ich hatte ihr anderes Handgelenk ergriffen und fühlte dort ihren Pulsschlag. Er war kräftig und schnell, setzte aber hin und wieder einen Schlag aus. Kaum überraschend. Ich fragte mich, wie oft sie wohl Laudanum nahm – und wie viel.

»Also habe ich in meinen Handarbeitskorb gegriffen, mein kleines Messer aus der Scheide gezogen und auf seine Eier gezielt«, schloss sie ihren Bericht.

Jamie lachte überrascht.

»Hast du ihn erwischt?«

»Ja, das hat sie«, sagte ich, bevor Jocasta antworten konnte. »Ich habe getrocknetes Blut an dem Messer gesehen.«

»Nun, das wird ihn lehren, eine hilflose blinde Frau in Angst und Schrecken zu versetzen, nicht wahr?« Jamie tätschelte ihr die Hand. »Gut gemacht, Tante Jocasta. Ist er dann gegangen?«

»Ja.« Die Erinnerung an ihren Erfolg hatte sie gekräftigt; sie entzog mir ihre Hand, um sich gerader in die Kissen zu setzen. Sie entfernte das Handtuch, das immer noch um ihren Hals drapiert war, und warf es mit einer kurzen, angewiderten Grimasse auf den Boden.

Als er sah, dass es ihr eindeutig besserging, warf mir Jamie einen Blick zu und erhob sich.

»Dann werde ich mich jetzt umsehen, ob hier jemand herumhumpelt.« Doch an der Tür blieb er stehen und wandte sich noch einmal an Jocasta.

»Tante Jocasta. Du hast gesagt, du bist diesem Kerl schon zweimal begegnet? In dem Wirtshaus in Coigach, wo ihr das Gold an Land gebracht habt – und vor ein paar Jahren beim Gathering?«

Sie nickte und strich sich das feuchte Haar aus dem Gesicht.

»Ja. Es war am letzten Tag. Er ist in mein Zelt gekommen, als ich dort allein war. Ich wusste, dass jemand da war, obwohl er zuerst nichts gesagt hat, und habe gefragt, wer er war. Da hat er kurz gelacht und gesagt, ›Dann stimmt es also, was man mir gesagt hat – Ihr seid völlig blind?‹«

Sie war aufgestanden und hatte sich dem unsichtbaren Besucher gegenübergestellt, dessen Stimme sie erkannte, ohne jedoch so recht zu wissen, warum.

»Dann erkennt Ihr mich nicht, Mrs. Cameron? Ich war ein Freund Eures Gatten – obwohl unsere letzte Begegnung viele Jahre her ist. An der schottischen Küste – in einer mondhellen Nacht.«

Sie leckte sich über die trockenen Lippen, während sie daran zurückdachte.

»Und da habe ich ganz plötzlich begriffen und gesagt: ›Ich bin zwar vielleicht blind, aber ich erkenne Euch genau, Sir. Was wollt Ihr?‹ Doch er war fort. Und im nächsten Moment habe ich Phaedre und Ulysses reden gehört, als sie ins Zelt kamen; er hatte sie entdeckt und die Flucht ergriffen. Ich habe sie gefragt, aber sie waren so in ihren Disput vertieft, dass sie ihn nicht gesehen haben. Danach hatte ich ständig jemanden bei mir, bis wir die Rückreise angetreten haben – aber er ist nicht mehr in meine Nähe gekommen. Bis jetzt.«

Jamie runzelte die Stirn und rieb sich langsam mit dem Fingerknöchel über seinen langen, geraden Nasenrücken.

»Warum hast du mir damals nichts gesagt?«

Ein Hauch von Humor erschien in ihrem erschöpften Gesicht, und sie schlang die Finger um ihr verletztes Handgelenk.

»Ich dachte, ich hätte Halluzinationen.«

Phaedre hatte die Laudanumflasche dort gefunden, wo Jocasta sie fallen gelassen hatte, unter ihrem Sessel im Wohnzimmer. Außerdem eine Spur winziger Blutflecken, die ich in meiner Eile übersehen hatte. Sie verschwanden jedoch, bevor sie die Tür erreichten; die Wunde, die Jocasta dem Eindringling zugefügt hatte, war nur geringfügig.

Duncan, den wir diskret hatten rufen lassen, war herbeigeeilt, um Jocasta zu trösten – wurde allerdings postwendend wieder hinausgeschickt, mit der Anweisung, nach den Gästen zu sehen; weder Verletzung noch Krankheit würden einen solchen Anlass beeinträchtigen!

Ulysses wurde ein wenig herzlicher empfangen. Ihn zitierte Jocasta sogar selbst herbei. Als ich in ihr Zimmer blickte, um mich nach ihrem Zustand zu erkundigen, sah ich ihn neben dem Bett sitzen und die Hand seiner Herrin mit einem solchen Ausdruck der Sanftheit halten, dass es mich rührte und ich leise wieder in den Flur trat, um sie nicht zu stören. Doch er bemerkte mich und nickte.

Sie unterhielten sich leise; sein Kopf mit der steifen weißen Perücke war dem ihren zugeneigt. Er schien höchst respektvoll mit ihr zu streiten; sie schüttelte den Kopf und stieß einen kurzen Schmerzenslaut aus. Seine Hand schloss sich fester um die ihre, und ich sah, dass er seine weißen Handschuhe ausgezogen hatte; ihre lange Hand lag zerbrechlich und bleich in seiner kraftvollen dunklen Umklammerung.

Sie atmete tief durch, um sich wieder in den Griff zu bekommen. Dann sagte sie etwas Endgültiges, drückte ihm die Hand und legte sich zurück. Er erhob sich, blieb einen Moment neben dem Bett stehen und blickte auf sie hinunter. Dann richtete er sich auf, nahm die Handschuhe aus seiner Tasche und kam hinaus in den Flur.

»Wenn Ihr Euren Gatten holen würdet, Mrs. Fraser?«, sagte er leise. »Meine Herrin wünscht, dass ich ihm etwas sage.«

Der Empfang war immer noch in vollem Gange, auch wenn man jetzt zu gemächlicher Verdauung übergegangen war. Die Leute grüßten Jamie oder mich, als wir Ulysses ins Haus folgten, doch niemand versuchte, uns anzuhalten.

Er führte uns die Treppe hinunter in seine Butlerkammer, ein winziges Zimmerchen, das von der Winterküche abging und dessen Wandborde vollgestopft waren mit Silberornamenten, Politurflaschen, Essig, schwarzer und blauer Schuhwichse, einem Nadelkissen mit Nähnadeln, Stecknadeln und Faden, kleinen Flickwerkzeugen und etwas, das wie ein beträchtlicher Privatvorrat an Brandy, Whisky und diversen Kräuterlikören aussah.

Er nahm die Flaschen von ihrem Bord, griff an ihren Platz und drückte mit beiden weiß behandschuhten Händen gegen das Holz der Rückwand. Etwas klickte, und ein kleines Paneel glitt leise knirschend beiseite.

Er trat zurück und lud Jamie wortlos ein, einen Blick darauf zu werfen. Jamie zog eine Augenbraue hoch und beugte sich vor, um in die Lücke zu spähen. Die Butlerkammer war dunkel und voller Schatten, und nur die hohen Kellerfenster, die an der Oberkante der Küchenwände entlangliefen, spendeten gedämpftes Licht.

»Es ist leer«, sagte er.

»Ja, Sir. Das sollte aber nicht so sein.« Ulysses’ Stimme war leise und respektvoll, aber fest.

»Was ist denn da gewesen?«, fragte ich und lugte zur Kammer hinaus, um sicherzugehen, dass uns niemand hörte. Die Küche sah aus, als sei eine Bombe darin hochgegangen, doch es war nur ein Küchenjunge dort, ein geistig behinderter Junge, der leise vor sich hin sang.

»Ein Stück von einem Goldbarren«, erwiderte Ulysses leise.

Das Franzosengold, das Hector Cameron aus Schottland mitgebracht hatte, zehntausend Pfund, in Goldbarren gegossen und mit der Königslilie markiert, war das Fundament des Reichtums von River Run. Doch diese Tatsache durfte natürlich nicht bekannt werden. Zuerst war es Hector gewesen und nach seinem Tod Ulysses, der sich einen Goldbarren genommen und Teile des weichen gelben Metalls abgeschabt hatte, bis er einen kleinen Haufen hatte, der nicht mehr zu identifizieren war. Diese Späne konnte man zu den Lagerhäusern am Fluss mitnehmen – oder zur zusätzlichen Sicherheit manchmal auch bis zu den Küstenstädten, Edenton, Wilmington oder New Bern – und sie dort in kleinen Mengen, die kein Gerede nach sich zogen, gegen Bargeld oder Lagerhauszertifikate eintauschen, die man überall gefahrlos benutzen konnte.

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