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Kinder der Sonne

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Kinder der Sonne
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Protassow:  Ja.

Mischa:  Man erzählt, sie werde sich verheiraten, und noch dazu mit einem reichen Mann?

Protassow:  Davon ist mir nichts bekannt … wie käme ich dazu, das zu wissen?

Mischa:  War sie ehrlich … das Mädchen?

Protassow:  unbedingt! Nur ungeschickt … sie zerschlug viel Geschirr …

Mischa:  So … was Sie sagen! Hm … Aber so … was ich sagen wollte … hat mein Vater nicht mit Ihnen über eine chemische Fabrik gesprochen, Pawel Fjodorowitsch?

Protassow  erstaunt:  Über eine Fabrik? Nein! Was für eine Fabrik sollte das sein?

Mischa:  Wir hatten die Idee, eine chemische Fabrik aufzubauen und Sie als Leiter zu nehmen …

Protassow:  Entschuldigen Sie … Was soll das heißen? Zu nehmen! Ich bin doch kein Sack! Sie drücken sich einigermaßen merkwürdig aus …

Mischa:  Pardon! Es handelt sich hier nicht um leere Worte … die Sache ist ernster … Wir, das heißt ich und Papa … hegen vor Ihnen persönlich die größte Hochachtung …

Protassow  trocken:  Ich bin sehr gerührt.

Mischa:  Unsere Mittel sind Ihnen bekannt, und wir wissen, daß Sie voraussichtlich in absehbarer Zeit gezwungen sein werden, sich nach einer Stellung umzusehen. Angestellter zu sein ist aber schwer … und würde Ihnen besonders schwerfallen.

Protassow:  Hm - ja! Sie könnten vielleicht recht haben.

Mischa:  Da haben denn ich und Papa, in Würdigung Ihrer Talente und Ihres Wissens,. In Anbetracht dessen, daß sie eine Persönlichkeit sind, die für eine Gesellschaft paßt, beschlossen, Ihnen vorzuschlagen, uns einen Kostenanschlag für die Errichtung einer Fabrik zu machen …

Protassow:  Aber - erlauben Sie - ich bin durchaus nicht imstande, einen derartigen Kostenanschlag zu machen …, ich habe das noch nie getan! Die technische Chemie hat überdies für mich kein Interesse … ich bin Ihnen für Ihre Liebenswürdigkeit dankbar, aber -

Mischa:  Für Technik interessieren Sie sich also nicht?

Protassow:  O nein … das ist langweilig … das ist nichts für mich!

Mischa  sieht Protassow mitleidig an:  Sprechen sie im Ernst?

Protassow:  Vollkommen im Ernst.

Mischa:  Das ist sehr bedauerlich … Aber, Sie sollten - nach meinem Dafürhalten wenigstens … sich die Sache doch noch überlegen - vorläufig - auf Wiedersehen. Ab. Jelena kommt aus dem Hause.

Jelena  aufgeregt:  Pawel …

Protassow:  Was gibt's?

Jelena:  Ich glaube, Lisa:  ist ernstlich krank …

Protassow:  Nach einem Anfall ist das mit ihr immer so … Es wird nichts Ernstliches sein … Ich habe soeben eine Unterredung mit diesem … Sohn des Hauswirts gehabt … Ein widerwärtiger Bengel - und stell dir nur vor - er hat eine so warme Teilnahme für mich verraten … Die Art und Weise, in der er es tat, war allerdings nicht fein … aber dennoch … er schlug mir vor, irgendeinen Kostenanschlag zu machen, und überhaupt …

Jelena:  Und überhaupt will er dich ausnützen, dich als Werkzeug für seine Bereicherung gebrauchen …-Ich kenne ihre Pläne … der Alte hat mit mir darüber gesprochen … Was fehlt dir … Ist dir kalt?

Protassow:  Warum? Durchaus nicht.

Jelena:  Warum hast du deine Überschuhe angezogen?

Protassow  blickt auf seine Füße:  In der Tat … die Überschuhe! … Wann habe ich sie nur angezogen? Merkwürdig … Ich weiß wirklich nicht, wie sie …

Jelena:  Vielleicht hat das neue Mädchen dir die Überschuhe hingestellt, und du hast es nicht bemerkt …

Protassow:  Ja - bitte, laß sie nicht zu mir hinein … sie macht mich nervös. Sie ist so ungeschlacht! Sie wird bei mir noch alles zerschlagen oder sich mit irgend etwas begießen … heute morgen habe ich sie angetroffen, als sie sich den Kopf mit Wasserstoffsuperoxyd wusch; sie hat es offenbar für Kölnisches Wasser gehalten. Faßt Jelena an der Hand.  Meine liebe Jelena, wie hast du mich gestern … gepeinigt!

Jelena:  In den wenigen Minuten? Und ich habe mich monatelang … jahrelang gequält …

Protassow:  Nun, nun, lassen wir das. Das ist nicht nötig -

Jelena:  Wenn du wüßtest, wie erniedrigt man sich vorkommt, wenn man liebt und keine Gegenliebe fühlt! Du hast aus mir eine Bettlerin gemacht, die auf ein wenig Aufmerksamkeit, eine kleine Zärtlichkeit warten mußte. Wie demütigend ist es, auf Liebkosungen zu warten! … Dein Geist ist so hell, dein teures Haupt denkt an so viel Großes, aber zu wenig an das Beste vom Großen - an die Menschen!

Protassow:  Das ist jetzt alles vorüber, Jelena … Das wird nun ganz anders … Nur Dimitrij … es tut mir wirklich leid um ihn … Es schellt … aha … die Pforte ist geschlossen! Wahrscheinlich Dimitrij … ich wollte aber, es wäre Tschepurnoi, um Lisas willen natürlich.

Jelena  schelmisch:  Um Lisas willen? Ja?

Protassow:  nun, Jelena … Du wirst doch nicht denken, daß ich eifersüchtig bin … und so weiter …

Jelena  feierlich:  Oh, natürlich nicht! Du, für den, außer der Wissenschaft …

Protassow:  Du willst also durchaus, daß ich dich mal schlage? Nicht, Lenka? Will sie küssen, blickt in den Garten und sieht Melanija kommen. Verwirrt. Spricht etwas verlegen.  Du, Jelena, da ist sie … auf deiner Schulter … hast du eine Feder …

Melanija  mit verlegenem Lächeln:  Guten Tag.

Protassow  übertrieben freudig:  Ah, Melanija Nikolajewna! Sie! Sie haben sich so lange nicht sehen lassen …

Melanija:  Wie, lange nicht? Ich war doch erst gestern hier, und das haben Sie schon vergessen?

Protassow:  Ach - ja! Nein,. Wie denn … Ich entsinne mich …

Melanija:  Und ich glaubte, Sie würden sich wegen gestern über mich lustig machen!

Protassow  schnelclass="underline"   Aber wie können sie nur denken? Das ist ja Unsinn hat seine Fassung wiedergewonnen  … das heißt, ich wollte eigentlich sagen, daß das ja jedem passieren könnte. Wird ganz verwirrt.

Jelena:  Pawel, es wäre besser, du sprächest nicht.

Melanija  liebevoll, aber traurig:  Oh - Sie!

Protassow:  Ja! Ich will es auch nicht tun! Ich gehe … meine Überschuhe ausziehen … Weiß der Kuckuck, wozu ich sie anhabe … Ab.

Melanija:  lächelt traurig:  Hören Sie nur - dummes Zeug, sagt er … Ich habe ihm mein ganzes Herz aufgedeckt … und er sagt, so etwas könne jedem passieren … Gerade, als hätte ich ihn aufs Hühnerauge getreten …

Jelena:  Nehmen Sie es ihm nicht übel, Melanija Jakowlewna!

Melanija  aufrichtig:  Meine Liebste! Wie sollte ich es ihm übelnehmen? Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen und bin durch die Zimmer gelaufen - ich habe darüber nachgedacht, woher ich die Dreistigkeit genommen habe, so mit ihm zu reden. Wissen Sie was? ich hatte mir die Sache ungefähr so gedacht: mit deinem Gelde wirst du ihn locken. Wer kann vielem Gelde widerstehen? - so dachte ich … Aber er hat sich nicht verlocken lassen.

Jelena:  Vergessen Sie es … Lisa kommt langsam gegangen.  Was willst du, Lisa?

Lisa  beklommen, traurig:  Ist Boris Nikolajewitsch noch nicht gekommen?

Jelena:  Nein, er ist noch nicht hier gewesen.

Lisa:  Nein, noch nicht … Ab ins Haus.

Melanija:  sie hat mir ja gar nicht guten Tag gesagt - wie blaß sie ist!

Jelena:  Sie hatte gestern wieder einen Anfall …

Melanija:  Wieder? Die Ärmste! … Sie sagen, ich soll es vergessen. - Nein, ich werde nicht vergessen, ich darf es nicht vergessen. Vergesse ich es, so stelle ich nächstens wieder so etwas an. Meine teure, was bin ich für ein schlechtes Geschöpf! Frech, verdorben … Viele Gedanken habe ich nicht, und auch diese sind nicht gerade, sondern krümmen sich wie die Würmer nach allen Seiten hin. Und ich will diese Gedanken nicht haben … ich will sie nicht! Ich will anständig sein, es ist mir ein Bedürfnis, anständig zu sein, sonst kann ich noch so viel Schaden anrichten.

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