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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Barrois kam allmählich wieder zu sich; die Krise war vorüber, er seufzte und erhobsich auf ein Knie. D'Avrigny und Villefort trugen ihn auf ein Ruhebett.

Wasbefehlen Sie, Doktor? fragte Villefort.

Manbringe mir Wasser und Äther, etwas Terpentinöl und einBrechmittel, Sie haben doch alles im Hause? Sodann entferne sich jedermann!

Ich auch? fragte Valentine schüchtern.

Ja, mein Fräulein, Siebesonders, erwiderte der Doktor mit strengem Tone.

Valentine schaute Herrn d'Avrigny erstaunt an, küßte Herrn Noirtier auf die Stirn und ging hinaus. — Hinter ihr schloß der Arzt die Tür.

Sehen Sie! sagte Villefort, Doktor, er kommt wieder zu sich, es war nur ein Anfall ohneBedeutung.

Herr d'Avrigny lächelte düster und fragte: Wie fühlen Sie sich, Barrois?

Ein wenigbesser, mein Herr.

Können Sie dieses Glas Wasser mit Äther trinken?

Ich will es versuchen, dochberühren Sie mich nicht, es kommt mir vor, als müßte sich der Anfall wiederholen, wenn Sie michberühren, und wäre es auch nur mit der Fingerspitze.

Barrois nahm das Glas, näherte es seinenblauen Lippen und leerte es ungefährbis zur Hälfte.

Wo leiden Sie? — Überall; ich habe furchtbare Krämpfe.

Haben Sie Verdunkelungen, Blendungen? — Ja.

Ein Klingeln in den Ohren? — Gräßlich.

Wann ist dieser Anfall gekommen? — Soeben ganz plötzlich.

Nichts gestern? nichts vorgestern? — Nichts.

Keine Schlafsucht? Keine Schwere? — Nein.

Was haben Sie heute gegessen? — Ich habe nichts gegessen, ich habe nur ein Glas Limonade von dem Herrn getrunken und sonst nichts.

Barrois machte mit dem Kopfe eine Gebärde, um Herrn Noirtier zubezeichnen, der von seinem Lehnstuhle diese furchtbare Szenebetrachtete, ohne daß ihm die geringsteBewegung oder auch nur ein Wort entging.

Wo ist die Limonade? — In der Küche.

Soll ich sie holen, Doktor? fragte Villefort.

Nein, bleiben Sie hier und machen Sie, daß der Kranke den Rest dieses Glases Wasser trinke, ich gehe selbst.

D'Avrigny machte einen Sprung, öffnete die Tür, stürzte nach der Treppe, die nach der Küche führte, und hättebeinahe Frau von Villefort, die ebenfalls nach der Küche ging, umgeworfen. Sie stieß einen Schrei aus.

D'Avrigny achtete nicht daraus; von einem einzigen Gedanken fortgerissen, sprang er die letzten paar Stufen hinab, stürzte in die Küche und erblickte die zu drei Vierteln leere Flasche auf der Platte, auf die er sich warf, wie ein Adler auf seineBeute. Keuchend stieg er dann in das Erdgeschoß hinauf und kehrte ins Zimmer zurück, während Frau von Villefort langsam die Treppe emporstieg, die in ihre Wohnung führte.

Ist dies die Flasche? fragte er. — Ja, Herr Doktor.

Was für einen Geschmack fanden Sie in der Limonade? — Einenbittern Geschmack.

Der Doktor goß ein paar Tropfen Limonade in seine hohle Hand, schlürfte sie mit den Lippen ein und spuckte dann die Flüssigkeit wieder aus.

Es ist dieselbe, sagte er. Und Sie haben auch davon getrunken, Herr Noirtier? — Ja, machte der Greis.

Und Sie haben denselbenbittern Geschmack gefunden? — Ja.

Ach! Herr Doktor, riefBarrois, es packt mich wieder! Mein Gott und Vater, habe Mitleid mit mir!

Der Doktor lief zu dem Kranken.

DasBrechmittel, Villefort, sehen Sie, obes kommt.

Villefort stürzte hinaus und schrie: DasBrechmittel! dasBrechmittel! Hat man es gebracht?

Niemand antwortete. Es herrschte der tiefste Schrecken im Hause.

Wenn ich nur imstande wäre, ihm Luft in die Lunge zublasen, sagte d'Avrigny, im Zimmer umherschauend, vielleicht vermöchte man dem Schlage vorzubeugen. Doch nein! nein! nichts!

Oh! Herr, werden Sie mich so ohne Hilfe sterben lassen? riefBarrois. Oh, ich sterbe! mein Gott! ich sterbe!

Eine Feder! eine Feder! sagte der Doktor.

D'Avrigny erblickte eine auf dem Tische und suchte sie in den Mund des Kranken zu stecken, der mitten unter Krämpfen sich anstrengte, sich zu erbrechen; aber die Kinnbacken waren so zusammengepreßt, daß die Feder nicht hindurch gebracht werden konnte.

Barrois hatte einen noch heftigeren Anfall als das erstemal. Er war von dem Ruhebette auf die Erde herabgesunken und streckte sich steif auf demBoden aus. Der Doktor überließ ihn diesem Anfalle, bei dem er ihm keine Erleichterung verschaffen konnte, ging auf Noirtier zu und sagte hastig und mit leiser Stimme zu ihm: Wiebefinden Sie sich? Gut? — Ja.

Leicht im Magen oder schwer? Leicht? — Ja.

Wie wenn Sie die Pille genommen haben, die ich Ihnen jeden Sonntag geben lasse? — Ja.

HatBarrois Ihre Limonade gemacht? — Ja.

Haben Sie ihn aufgefordert, davon zu trinken? — Nein.

Herr von Villefort? — Nein.

Valentine also? — Ja.

Ein Seufzer vonBarrois, ein Gähnen, das die Knochen seines Kiefers krachen ließ, erregten d'Avrignys Aufmerksamkeit; er verließ Noirtier und lief zu dem Kranken.

Barrois, fragte der Doktor, können Sie sprechen?

Barrois stammelte ein paar unverständliche Worte.

Versuchen Sie es, mein Freund.

Barrois öffnete seineblutigen Augen.

Wer hat die Limonade gemacht? — Ich.

Haben Sie sie sogleich Ihrem Herrn gebracht, nachdem siebereitet war? — Nein.

Sie haben sie irgendwo stehen lassen? — In der Küche; man rief mich.

Wer hat sie hierher gebracht? — Fräulein Valentine.

D'Avrigny schlug sich vor die Stirn und murmelte: Oh! mein Gott!

Doktor! Doktor! riefBarrois, der einen dritten Anfall kommen fühlte.

Wird man denn dasBrechmittel nichtbringen! rief der Doktor.

Hier ist ein Glas, sagte Villefort, zurückkehrend.

Wer hat'sbereitet?

Der Apothekergehilfe, der mit mir gekommen ist.

Trinken Sie!

Unmöglich, Doktor, es ist zu spät: meine Kehle schnürt sich zusammen, ich ersticke! Oh mein Magen, Oh mein Kopf… Oh! welche Hölle… Werde ich lange so leiden?

Nein, nein, mein Freund, antwortete der Doktor, Sie werdenbald nicht mehr leiden.

Oh! ich verstehe! rief der Unglückliche; mein Gott, erbarme dich meiner!

Und einen Schrei ausstoßend, fiel er rückwärts, als obihn derBlitz getroffen hätte.

D'Avrigny legte eine Hand auf sein Herz und hielt einen Spiegel an seine Lippen.

Nun? fragte Herr von Villefort.

Sagen Sie in der Küche, man soll sehr schnell Veilchensirupbringen.

Villefort eilte sogleich hinab.

Erschrecken Sie nicht, Herr Noirtier, sagte d'Avrigny, ichbringe den Kranken in ein anderes Zimmer, um ihm zur Ader zu lassen; dergleichen Anfälle sind gräßlich anzuschauen.

UndBarrois unter den Armen fassend, schleppte er ihn in ein anstoßendes Zimmer; dochbeinahe in demselben Augenblick kehrte er zu Noirtier zurück, um den Rest der Limonade zu nehmen.

Noirtier schloß das rechte Auge.

Nicht wahr, Sie wollen Valentine? Ich will sagen, daß man nach ihr schickt.

Villefort kam wieder herauf; d'Avrignybegegnete ihm im Gange. Nun? fragte er.

Kommen Sie, sagte d'Avrigny und führte ihn in das Zimmer.

Immer noch ohnmächtig? — Er ist tot.

Villefort wich drei Schritte zurück, schlug die Hände über dem Kopfe zusammen und sagte, den Leichnam anschauend, mit unzweideutigem Mitleid: So schnell gestorben!

Ja, sehr schnell, nicht wahr? entgegnete d'Avrigny; doch das darf Sie nicht in Erstaunen setzen: Herr und Frau von Saint‑Meran sind ebenso plötzlich gestorben. Oh! man stirbt schnell in Ihrem Hause, Herr von Villefort.

Wie! rief der Staatsanwalt mit einem Ausdrucke des Abscheus und derBestürzung, Sie kommen wieder auf diesen furchtbaren Gedanken zurück?

Immer, mein Herr, immer, sagte d'Avrigny feierlich, denn er hat mich nicht einen Augenblick verlassen; und damit Sie überzeugt sind, daß ich mich diesmal nicht täusche, so hören Sie wohl, Herr von Villefort: Es gibt ein Gift, das, beinahe ohne irgend eine Spur zurückzulassen, tötet. Ich kenne dieses Gift, ich habe es in allen Erscheinungen, die es erzeugt, studiert, und ich habe es soebenbei dem armenBarrois erkannt, wie ich esbei Frau von Saint‑Meran erkannte. Es gibt ein Mittel, sein Vorhandensein festzustellen: es stellt dieblaue Farbe des von der Säure geröteten Lackmuspapiers wieder her und färbt den Veilchensirup grün. Wir haben kein Lackmuspapier; doch manbringt mir soeben den Veilchensirup, den ich verlangt habe.

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