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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Der Doktor öffnete halbdie Tür, nahm aus den Händen der Kammerfrau das Gefäß, auf dessenBoden ein paar Löffel Sirup waren, und schloß die Tür wieder.

Sehen Sie, sagte er zum Staatsanwalt, dessen Herz so heftig schlug, daß man es hätte hören können, hier in dieser Tasse ist Veilchensirup, und in dieser Flasche der Rest der Limonade, von derBarrois getrunken hat. Ist die Limonade rein und unschädlich, so wird der Sirup seine Farbebehalten; ist die Limonade aber vergiftet, so wird der Sirup grün werden. Schauen Sie!

Der Doktor goß langsam einige Tropfen Limonade aus der Flasche in die Tasse, und man sah auf der Stelle auf dem Grunde der Tasse eine Wolke sichbilden, die eine grünliche Farbe annahm. Der Versuch ließ keinen Zweifel übrig.

Der unglücklicheBarrois ist mit der falschen Angostura oder mit Ignatiusbohnen vergiftet worden, sagte d'Avrigny, dafürbürge ich vor den Menschen und Gott.

Villefort sagte nichts, aber er streckte die Arme zum Himmel empor, öffnete seine stieren Augen und sank wie vomBlitze getroffen auf einen Stuhl nieder.

Die Anklage.

D'Avrigny hatte den Staatsanwalt, der eine zweite Leiche in diesem Totenzimmer zu sein schien, bald wieder zu sich gebracht.

Oh! der Tod ist in meinem Hause! rief Villefort.

Sagen Sie das Verbrechen, entgegnete der Doktor.

Herr d'Avrigny, rief Villefort, ich kann Ihnen nicht sagen, was alles in diesem Augenblicke in mir vorgeht; es ist Schrecken, es ist Schmerz, es ist Wahnsinn.

Ja, sagte Herr d'Avrigny mit ausdrucksvoller Ruhe; doch ich glaube, es ist Zeit, daß wir handeln. Ich glaube, es ist Zeit, daß wir dieser Sterblichkeit einen Damm entgegensetzen. Ich meinesteils fühle mich nicht fähig, länger solche Geheimnisse zu tragen, ohne die Hoffnung, bald die Rache für die Gesellschaft und für die Opfer daraus hervorgehen zu sehen.

Villefort schaute düster umher und murmelte: In meinem Hause! in meinem Hause!

Hören Sie, Staatsanwalt, sagte d'Avrigny, seien Sie ein Mann, Ausleger des Gesetzes, ehren Sie sich durch eine völlige Aufopferung!

Sie lassen michbeben, Doktor. Haben Sie jemand im Verdacht?

Ich habe niemand im Verdacht; der Tod klopft an Ihre Tür, er tritt ein und geht, nichtblind, sondern hinterlistig, von Zimmer zu Zimmer. Nun wohl! ich folge seiner Spur, ich erkenne seinen Gang; ich tappe im Finstern umher, denn meine Freundschaft für Ihre Familie, meine Achtung für Sie sind zweiBinden auf meinen Augen! wohl…

Oh! sprechen Sie, sprechen Sie, ich werde Mut haben.

Wohl! mein Herr, Sie habenbei sich, in dem Schoße Ihres Hauses, in Ihrer Familie vielleicht eines von jenen furchtbaren, gräßlichen Phänomenen, wie jedes Jahrhundert irgend eines hervorbringt. Locusta und Agrippina, Brunhilde und Fredegunde. Alle diese Frauen waren jung und schön. Auf ihren Stirnenblühte dieselbeBlume der Unschuld, die man auch auf der Stirn der Schuldigen erblickt, die in Ihrem Hause ist.

Villefort stieß einen Schrei aus, faltete die Hände und schaute den Doktor mit flehender Gebärde an. Dieser aber fuhr ohne Erbarmen fort: Suche, wem das Verbrechen nutzt, lautet ein Grundsatz der Rechtslehre.

Doktor! rief Villefort, ach! Doktor, wie oft ist nicht die Gerechtigkeit der Menschen durch diesen unseligen Grundsatz getäuscht worden. Ich weiß nicht, aber es scheint mir, dieses Verbrechen…

Ah! Sie gestehen doch endlich ein, daß ein Verbrechen obwaltet?

Ja, ich muß es anerkennen, ich kann nicht anders. Doch lassen Sie mich fortfahren! Es scheint mir, sage ich, daß dieses Verbrechen auf mich allein fällt und nicht auf die Opfer. Unter all diesem seltsamen Unglück ahne ich ein schweres Verhängnis für mich.

Oh! Mensch, selbstsüchtigstes von allen Wesen, persönlichstes von allen Geschöpfen, das stets glaubt, die Erde drehe sich, die Sonne glänze, der Tod mähe für seine Person allein. Herr von Saint‑Meran, Frau von Saint‑Meran, Herr Noirtier…

Wie, Herr Noirtier!..

Ah ja! glauben Sie vielleicht, es sei auf den unglücklichenBedienten abgesehen gewesen? Nein, nein: er ist, wie Poloniusbei Shakespeare, für einen andern gestorben. Noirtier sollte die Limonade trinken; Noirtier hat es auch, wie vorausgesehen, getan; der andere hat nur zufällig davon getrunken, und wenn auchBarrois gestorben ist, so sollte doch Noirtier sterben.

Wie kommt es dann, daß mein Vater nicht unterlag?

Ich habe es Ihnenbereits einmal, nach dem Tode der Frau von Saint‑Meran, gesagt, weil sich sein Körper an den Gebrauch gerade dieses Giftes gewöhnt hatte; weil die Dose, unbedeutend für ihn, für jeden andern tödlich war; weil niemand, und auch der Mörder nicht, weiß, daß ich Herrn Noirtiers Lähmung mitBrucinbehandle, während es dem Mörder nicht unbekanntblieb, daßBrucin ein heftiges Gift ist.

Mein Gott! murmelte Villefort, die Hände ringend.

Verfolgen Sie den Gang des Verbrechers; er tötete Herrn von Saint‑Meran. — Oh, Doktor!

Ich würde darauf schwören; das, was man mir von den Symptomen gesagt hat, stimmt zu sehr mit dem überein, was ich mit eigenen Augen gesehen habe.

Villefort hörte auf zu widersprechen und stieß einen Seufzer aus.

Er tötete Herrn von Saint‑Meran, wiederholte der Doktor, er tötete Frau von Saint‑Meran; es ist eine doppelte Erbschaft zu machen.

Villefort wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Herr Noirtier, fuhr Herr d'Avrigny fort, hatte kürzlich gegen Ihre Familie zu Gunsten der Armen testiert; Herr Noirtier wird verschont, man erwartet nichts von ihm. Doch, er hat sein erstes Testament umgestoßen und ein anderes gemacht, worauf man, ohne Zweifel aus Furcht, er könnte ein drittes machen, auch ihn angreift. Das Testament ist, glaube ich, von vorgestern, Sie sehen, man hat keine Zeit verloren.

Oh! Gnade, Herr d'Avrigny!

Keine Gnade, mein Herr! Ist das Verbrechenbegangen worden, so kommt es dem Arzte zu, die Tatsache zu enthüllen.

Gnade für meine Tochter, Herr! murmelte Villefort.

Sie sehen, Sie haben sie genannt, Sie, ihr Vater?

Gnade für Valentine! Hören Sie, es ist unmöglich. Ich würde lieber mich selbst anklagen! Valentine, ein Herz von Diamant, eine Lilie der Unschuld!

Keine Gnade, Herr Staatsanwalt, das Verbrechen ist unleugbar. Fräulein von Villefort hat selbst die Medikamente eingepackt, die an Herrn von Saint‑Meran abgeschickt worden sind, und Herr von Saint‑Meran ist gestorben. — Fräulein von Villefort hat die Tisanen für Frau von Saint‑Meranbereitet, und Frau von Saint‑Meran ist gestorben. Fräulein von Villefort hat ausBarrois' Händen die Flasche mit Limonade genommen, die der Greis gewöhnlich am Morgen genießt, und der Greis ist nur durch ein Wunder entkommen. Fräulein von Villefort ist die Schuldige! Sie ist die Giftmischerin! Herr Staatsanwalt, ich zeige Fräulein von Villefortbei Ihnen an; tun Sie Ihre Pflicht!

Doktor, ich widerstehe nicht länger, ich verteidige mich nicht mehr, ich glaube Ihnen; doch haben Sie Mitleid, schonen Sie mein Leben, meine Ehre!

Herr von Villefort, erwiderte der Doktor mit wachsender Kraft, es gibt Umstände, wo ich alle Grenzen der albernen menschlichenBedachtsamkeit überschreite. Hätte Ihre Tochter nur ein Verbrechenbegangen, uns ich sähe sie auf ein neues sinnen, so würde ich zu Ihnen sagen: Warnen Sie Ihre Tochter, mag sie den Rest ihres Lebens in einem Kloster zubringen, um zu weinen und zubeten. Hätte sie ein zweites Verbrechenbegangen, so würde ich Ihnen sagen: Hören Sie, Herr von Villefort, hier ist ein Gift, das die Giftmischerin nicht kennt, ein Gift, das keinbekanntes Gegengift hat, ein Gift, schnell wie der Gedanke, rasch wie derBlitz, geben Sie ihr dieses Gift, empfehlen Sie Ihre Seele Gott, und retten Sie so Ihre Seele und Ihr Leben, denn nunmehr gedenkt sie Ihre Tage abzukürzen, und ich sehe sie mit ihrem heuchlerischen Lächeln und ihren sanften Ermahnungen an IhrBett treten… Wehe Ihnen, Herr von Villefort, wenn Sie sich nichtbeeilen, zuerst zu schlagen. Das würde ich Ihnen sagen, hätte sie nur zwei Personen getötet; aber sie hat drei Todeskämpfe gesehen, hat drei Sterbendebetrachtet, bei drei Leichen gekniet; der Henker für die Giftmischerin! der Henker! Sie sprechen von Ihrer Ehre, tun Sie, was ich Ihnen sage!

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