Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Aus dem Korrespondenzkomitee.«
»Oh, natürlich«, sagte ich. »Du hättest es mir sagen können.« Natürlich hatte er einen Weg gefunden, sich in das Korrespondenzkomitee North Carolinas einzuschleichen; das Zentrum der politischen Intrige, wo die Saat der Rebellion ausgesät wurde – während er gleichzeitig für die britische Krone das Amt des Indianeragenten ausübte und nach außen hin daran arbeitete, die Indianer zu bewaffnen, um genau jene Saat der Rebellion im Keim zu ersticken.
»Ich sage es dir ja, Sassenach«, sagte er. »Dies ist das erste Mal, dass sie mich einladen, mich mit ihnen zu treffen, selbst inoffiziell.«
»Ich verstehe«, entgegnete ich leise. »Wirst du hingehen? Ist es – ist es Zeit?« Zeit, den Sprung zu wagen, sich offen als Whig zu bekennen, wenn auch noch nicht als Rebell. Zeit, öffentlich die Seiten zu wechseln und es zu riskieren, dass man ihn als Verräter brandmarkte. Erneut.
Er seufzte tief und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. Er hatte angestrengt nachgedacht; er hatte mehrere Wirbel, deren kürzere Haare jetzt zu Berge standen.
»Ich weiß es nicht«, sagte er schließlich. »Es sind noch zwei Jahre, nicht wahr? Der vierte Juli 1776 – das hat Brianna gesagt.«
»Nein«, sagte ich. »Es sind noch zwei Jahre bis zur Erklärung der Unabhängigkeit – aber, Jamie, dann haben die Kämpfe längst begonnen. Dann ist es viel zu spät.«
Er starrte auf die Briefe auf dem Tisch und nickte müde.
»Aye, dann muss es bald sein.«
»Wahrscheinlich ist es ja nicht allzu gefährlich«, sagte ich zögernd. »Was du mir über Hendersons Landkauf in Tennessee erzählt hast; wenn ihn niemand aufhält, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich irgendjemand in der Regierung so aufregt, dass er versucht, uns zu vertreiben. Und bestimmt nicht, wenn nur bekannt wird, dass du dich mit den Whigs vor Ort getroffen hast, oder?«
Er lächelte mich schwach und ironisch an.
»Es ist nicht die Regierung, die mir Sorgen macht, Sassenach. Es sind die Leute hier in der Gegend. Es war ja nicht der Gouverneur, der die O’Brians gehängt und ihr Haus niedergebrannt hat, aye? Und es war auch nicht Richard Brown und auch keine Indianer. Dabei ist es nicht um das Gesetz oder um Profit gegangen; es ist aus Hass geschehen, wahrscheinlich durch jemanden, der sie kannte.«
Jetzt huschte mir ein sehr viel deutlicherer Schauer über den Rücken. Es stimmte zwar, dass es in Fraser’s Ridge ein gewisses Maß an politischen Unstimmigkeiten und Disputen gab, aber es war noch nicht so weit, dass die Leute deswegen handgreiflich wurden, von Brandschatzung und Mord ganz zu schweigen.
Doch es würde so weit kommen.
Ich konnte mich zu gut daran erinnern. Luftschutzräume und Lebensmittelmarken, Verdunklungswarte und das Gefühl, gegen einen schrecklichen Feind zusammenzuarbeiten. Und die Geschichten aus Deutschland, aus Frankreich. Menschen, die angezeigt wurden, bei der SS denunziert und aus ihren Häusern gezerrt wurden – während man andere in Speicherzimmern und Scheunen versteckte oder über die Grenze schmuggelte.
Im Krieg stellten Regierungen und ihre Armeen zwar eine Bedrohung dar, aber sehr oft waren es die Nachbarn, die einen Menschen ins Verderben stürzten oder ihn retteten.
»Wer?«, sagte ich geradeheraus.
»Ich könnte raten«, sagte er achselzuckend. »Die McGillivrays? Richard Brown? Hodgepiles Freunde – falls er welche hatte? Die Freunde eines der anderen Männer, die wir umgebracht haben? Der Indianer, dem du begegnet bist – Donner? –, falls er noch lebt? Neil Forbes? Er trägt Brianna etwas nach, und sie und Roger Mac täten gut daran, das nicht zu vergessen. Hiram Crombie und Konsorten?«
»Hiram?«, sagte ich zweifelnd. »Zugegeben, er mag dich nicht besonders – und was mich angeht –, aber …«
»Nun, ich bezweifle es ebenfalls«, räumte er ein. »Aber möglich ist es, aye? Seine Leute hatten schon nichts für die Jakobiten übrig; sie werden bestimmt genauso wenig begeistert sein, wenn jemand von dieser Seite des Ozeans aus versucht, den König zu stürzen.«
Ich nickte. Crombie und der Rest waren mit Sicherheit gezwungen worden, einen Treueeid auf den König zu schwören, bevor man ihnen erlaubte, nach Amerika zu fahren. Jamie hatte denselben Eid geschworen – schwören müssen –, als man ihn begnadigte. Und musste ihn brechen – weil ihn die Umstände dazu zwangen. Doch wann?
Er hatte aufgehört, mit den Fingern auf den Tisch zu trommeln; sie lagen vor ihm auf dem Brief.
»Ich verlasse mich darauf, dass du recht hast, Sassenach«, sagte er.
»In Bezug auf was? Auf das, was geschehen wird? Du weißt, dass ich recht habe«, sagte ich ein wenig überrascht. »Brianna und Roger haben es dir doch bestätigt. Wieso?«
Er fuhr sich langsam mit der Hand durch das Haar.
»Ich habe noch nie aus Prinzip zu den Waffen gegriffen«, sagte er nachdenklich und schüttelte den Kopf. »Nur aus Notwendigkeit. Ich frage mich, ob das nun besser wäre?«
Er klang nicht verstört; nur auf eine neutrale Weise interessiert. Dennoch fand ich das irgendwie bestürzend.
»Aber diesmal geht es doch ums Prinzip«, wandte ich ein. »Möglicherweise könnte dies sogar der erste Krieg werden, bei dem es um Prinzipien geht.«
»Nicht um Profanitäten wie Land oder Handelsvorteile?«, meinte Jamie und zog eine Augenbraue hoch.
»Ich behaupte ja nicht, dass Land und Handelsvorteile nicht ebenfalls eine Rolle spielen«, erwiderte ich und fragte mich, wie ich es fertiggebracht hatte, zur Advokatin der amerikanischen Revolution zu werden – einer historischen Periode, die ich nur aus Briannas Geschichtsbüchern kannte. »Aber es geht doch weit darüber hinaus, meinst du nicht? Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt wurden, worunter sind Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit.«
»Wer hat das gesagt?«, fragte er neugierig.
»Thomas Jefferson wird es sagen – als Vertreter der neuen Republik. Man nennt es die Unabhängigkeitserklärung. Wird es so nennen.«
»Alle Menschen«, wiederholte er. »Denkst du, er meint damit auch Indianer?«
»Das weiß ich nicht«, sagte ich gereizt, weil ich mich in die Ecke gedrängt fühlte. »Ich bin ihm noch nicht begegnet. Wenn ich ihn treffe, werde ich ihn fragen, ja?«
»Sei’s drum.« Er hob die Finger, um das Thema zu beenden. »Ich werde ihn selbst fragen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. In der Zwischenzeit werde ich Brianna fragen.« Er sah mich an. »Was allerdings das Prinzip angeht, Sassenach –«
Er lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und schloss die Augen.
»Solange auch nur hundert von uns noch am Leben sind«, zitierte er betont, »werden wir uns unter keinen Umständen den Engländern unterwerfen. In Wahrheit sind es nicht Ruhm, Reichtum oder Ehre, um die wir kämpfen, sondern die Freiheit – nur um sie, die kein aufrechter Mann aufgibt, koste es ihn auch das Leben selbst.«
Er öffnete die Augen und lächelte mich schief an. »Die Deklaration von Arbroath. Verfasst vor ungefähr vierhundert Jahren. Wenn wir schon von Prinzipien sprechen, aye?«
Dann stand er auf, blieb aber vor dem abgenutzten Tisch stehen, der ihm als Schreibtisch diente, und fixierte Ashes Brief.
»Und was meine eigenen Prinzipien angeht …«, murmelte er wie zu sich selbst, doch dann sah er mich an, als würde ihm plötzlich klar, dass ich auch noch da war.
»Aye, ich denke, ich werde Bird die Musketen geben«, sagte er. »Obwohl es gut möglich ist, dass ich Grund haben werde, das zu bedauern, wenn ich sie in zwei oder drei Jahren auf mich gerichtet sehe. Aber er soll sie haben und damit tun, was er für das Beste hält, um sich und die Seinen zu verteidigen.«
»Der Preis der Ehre, ja?«
Er sah mit dem Hauch eines Lächelns zu mir herunter.
»Nennen wir es Blutgeld.«