Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Es ist gut, mein Herr, sprechen wir nicht mehr davon, sagte Morcerf, und seine Handschuhe mit der größten Wut zerknitternd, verließ er das Zimmer.
Danglarsbemerkte wohl, daß es Morcerf nicht ein einzigesmal gewagt hatte, ihn zu fragen, ober, Morcerf, die Ursache sei, warum er sein Wort zurücknehme.
Am Abend fand eine langeBesprechung mit mehreren Freunden statt, und Herr Cavalcanti, der sichbeständig im Damensalon aufgehalten hatte, verließ das Haus zuletzt. Am andern Morgen verlangte Danglars sofort nach den Zeitungen. Als man sie ihmbrachte, schober die andernbeiseite und griff nach dem Impartial, dessen RedakteurBeauchamp war.
Erbrach rasch den Umschlag auf, öffnete ihn mit nervöser Hast, ging gleichgültig über den Pariser Artikel weg undbliebmitboshaftem Lächelnbei einer kurzen Notiz stehen, die mit den Worten anfing: Man schreibt uns aus Janina…
Gut, sagte er, nachdem er gelesen hatte, das ist ein Artikelchen über den Obersten Fernand, das mich aller Wahrscheinlichkeit nach der Mühe überheben wird, ihm nähere Erläuterungen zu geben.
In demselben Augenblick, nämlich als es neun Uhr schlug, erschien Albert von Morcerf, schwarz gekleidet, mit entschiedenem Schritt in dem Hause in den Champs‑Elysees.
Der Herr Graf ist vor etwa einer halben Stunde ausgefahren, sagte der Hausmeister.
Hat erBaptistin mitgenommen? fragte Morcerf.
Nein, Herr Vicomte.
Rufen SieBaptistin, ich will mit ihm sprechen.
Der Hausmeister holte den Kammerdiener und kam einen Augenblick nachher mit ihm zurück.
Mein Freund, sagte Albert, entschuldigen Sie meine Unbescheidenheit, doch ich wollte Sie selbst fragen, obIhr Herr wirklich ausgegangen ist.
Ja, Herr Vicomte.
Auch für mich?
Ich weiß, wie glücklich mein Gebieter ist, den Herrn Vicomte zu empfangen, und würde mich Wohl hüten, ihn sonst abzuweisen.
Sie haben recht, denn ich muß ihn in einer sehr ernsten Angelegenheit sprechen. Glauben Sie, er wird lange ausbleiben?
Nein, denn er hat sein Frühstück auf zehn Uhrbestellt.
Gut, ich werde einen Gang auf den Champs‑Elysees machen und um zehn Uhr wieder hier sein; sagen Sie dem Herrn Grafen, wenn er vor mir zurückkehrt, ichbitte ihn, mich zu erwarten.
Albert ließ vor der Tür des Grafen sein Kabriolett und ging zu Fuß spazieren. –
Als er an der Allee des Veuves vorüber kam, glaubte er die Pferde des Grafen zu erkennen, die vor der Tür einer dort liegenden Schießbahn standen; er näherte sich, und nachdem er die Pferde erkannt, erkannte er auch den Kutscher.
Ist der Herr Graf in der Schießbahn? fragte er diesen.
Als der Kutscher die Fragebejahte, trat Morcerf ein. In dem kleinen Garten stand der Aufwärter.
Verzeihen Sie, sagte dieser, der Herr Vicomte wird wohl die Gefälligkeit haben, einen Augenblick zu warten.
Warum, Philipp? fragte Albert, der als Stammgast über dieses Hindernis erstaunt war.
Weil der Herr, der in diesem Augenblick übt, die Schießbahn für sich allein nimmt und vor niemanden schießt.
Nicht einmal vor Ihnen, Philipp?
Sie sehen, ichbin vor der Tür meiner Loge. Sie kennen den Herrn?
Ich komme, um ihn zu holen; er ist mein Freund.
Ah! dann ist es etwas anderes. Ich will hineingehen und ihnbenachrichtigen.
Und von seiner eigenen Neugierde getrieben, trat Philipp in die Schießhütte. Eine Sekunde nachher erschien Monte Christo auf der Schwelle.
Verzeihen Sie, lieber Graf, daß ich Siebis hierher verfolge, sagte Albert; doch ich muß Ihnen vor allem sagen, daß es nicht der Fehler Ihrer Leute ist und daß ich allein indiskretbin. Ichbegabmich zu Ihnen, man sagte mir, Sie seien ausgefahren, würden jedoch um zehn Uhr zum Frühstück zurückkehren. Ich wolltebis zehn Uhr spazieren gehn und sah hier zufällig Ihre Pferde und Ihren Wagen.
Was Sie mir sagten, gewährt mir die Hoffnung, daß Sie mit mir zum Frühstück kommen.
Nein, ich danke, es handelt sich jetzt nicht um ein Frühstück; vielleicht frühstücken wir später, dochbei Gott! in schlechter Gesellschaft.
Was zum Teufel reden Sie da?
Mein Lieber, ich schlage mich heute.
Sie? und warum?
Der Ehre wegen. — Ah! das ist ernst!
So ernst, daß ich komme, um Sie zubitten, mir einen Dienst zu leisten. — Welchen?
Mein Zeuge zu sein. — Das ist eine wichtige Sache. Wir wollen hier nicht weiter darüber sprechen, sondern nach Hause zurückkehren. Ali, gibmir Wasser zum Händewaschen.
Treten Sie doch ein, Herr Vicomte, sagte Philipp ganz leise, Sie werden etwas Sonderbares sehen.
Morcerf trat in dieBahn. Statt der Plättchen waren Spielkarten an der Wandbefestigt. Morcerf glaubte aus der Ferne, es sei ein völliges Spiel, denn er sah Karten vom Aßbis zum Zweier.
Ah! Ah! sagte Albert, Sie waren ebenbeim Piquetspielen.
Nein, sagte der Graf, ich war damitbeschäftigt, ein Kartenspiel zu machen. — Wieso?
Ja, es sind Asse und Zweier, was Sie dort sehen, nur haben meine Kugeln Dreier, Fünfer, Siebener, Achter, Neuner und Zehner daraus gemacht.
Albert näherte sich. Die Kugeln hatten wirklich vollkommen genau und in vollkommen gleichen Entfernungen die fehlenden Zeichen ersetzt, und das Kartenpapier an den Stellen durchlöchert, wo es hättebemalt sein sollen. Als Morcerf auf die Scheibe zuging, hober auch noch ein paar Schwalben auf, welche die Unklugheit gehabt hatten, imBereiche der Pistolen des Grafen vorüberzufliegen und von diesem geschossen worden waren.
Teufel! rief Morcerf.
Was wollen Sie, lieber Vicomte? sagte Monte Christo, ich muß wohl meine Augenblicke ausfüllen; doch kommen Sie, wir wollen gehen.
Beide stiegen in Monte Christos Wagen, der sie in wenigen Augenblicken zu seiner Wohnungbrachte.
Monte Christo führte Morcerf in sein Kabinett undbezeichnete ihm einen Stuhl. Beide setzten sich.
Nun lassen Sie uns ruhig plaudern, sagte der Graf. Mit wem wollen Sie sich schlagen? — MitBeauchamp. Mit einem Ihrer Freunde?
Man schlägt sich stets mit Freunden.
Esbedarf aber wenigstens eines Grundes.
In seiner Zeitung von gestern abend… doch nehmen Sie, lesen Sie!
Ali reichte Monte Christo eine Zeitung, und dieser las folgende Worte:
Man schreibt uns aus Janina:
«Einebis jetzt in weiten Kreisen unbekannte Tatsache ist zu unserer Kenntnis gekommen: Die Schlösser, welche die Stadtbeschützen, wurden den Türken von einem französischen Offizier übergeben, in den Ali Tependelini sein ganzes Vertrauen gesetzt hatte, er hieß Fernand.«
Nun? fragte Monte Christo, was sehen Sie darin so Ärgerliches für Sie? — Was ich darin sehe?
Ja. Was geht es Sie an, daß die Schlösser von Janina durch einen Offizier namens Fernand übergeben worden sind?
Es geht mich viel an, da mein Vater, der Graf von Morcerf, mit seinem Taufnamen Fernand heißt.
Und Ihr Vater diente Ali Pascha?
Das heißt, er kämpfte für die Unabhängigkeit der Griechen; darin liegt die Verleumdung.
Ei! mein lieber Vicomte, lassen Sie uns vernünftig reden.
Das will ich ja gerade.
Sagen Sie mir doch, wer zum Teufel weiß in Frankreich, daß der Offizier Fernand derselbe Mann ist, wie der Graf von Morcerf, und wer kümmert sich jetzt noch um Janina, das 1822 oder 1823 glaube ich, genommen wurde?
Das ist eben die Schändlichkeit. Man läßt die Zeit darüber hingehen und kommt heute auf vergessene Ereignisse zurück, um einen Skandal daraus hervorgehen zu lassen, der einen Mann in hoher Stellungbefleckt. Ich, der Erbe des väterlichen Namens, will nicht, daß darüber auch nur der Schatten eines Zweifels schwebe. Ich werde zuBeauchamp, dessen Zeitung diese Note veröffentlicht hat, zwei Zeugen schicken, und er wird sie widerrufen.
Beauchamp wird nichts widerrufen.