Krieg und Frieden
- Автор: Tolstoi Leo
- Год: 2002
- Язык: немецкий
- Год: Patmos Verlag
- ISBN: 3-491-96054-1
- Переводчик: Marianne Kegel
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
Der Jäger, der in der Vertiefung gehalten hatte, ließ seine Hunde los, setzte sich in Bewegung, und nun sah Nikolaj auch einen roten, merkwürdig niedrigen Fuchs, der mit gesträubtem Schwanz hastig über die Wintersaat rannte. Die Hunde jagten hinter ihm her. Jetzt waren sie ihm schon ganz nahe, da schlug der Fuchs plötzlich mitten unter ihnen einen Haken, dann wieder einen und wieder einen und fegte mit seinem buschigen Schwänze um sich. Ein weißer Hund, den Nikolaj nicht kannte, schoß auf ihn los, ihm folgte ein schwarzer, und alles floß zu einem Knäuel zusammen. Schließlich blieben die Hunde sternförmig, mit den Hinterteilen nach außen, stehen und schienen sich kaum mehr zu rühren. Da sprengten zwei Jäger zu den Hunden heran, der eine mit roter Mütze, der andere, ein fremder, in langem grünem Rock.
Was soll das? dachte Nikolaj. Wo kommt denn dieser Jäger her? Der gehört doch nicht dem Onkel.
Die Jäger gaben dem Fuchs den Fang, blieben aber noch lange zu Fuß dort stehen, ohne daß einer die Jagdbeute an seiner Schlinge befestigt hätte. Die Pferde mit ihren hohen Sätteln hielten sie an den Zügeln neben sich, die Hunde hatten sich hingelegt. Die Jäger gestikulierten heftig mit den Armen und nahmen etwas mit dem Fuchs vor. Da ertönte von dort ein Hornruf, das Signal, daß ein Streit aufgebrochen war.
»Da streitet sich ein Ilaginscher Jäger mit unserm Iwanow herum«, sagte Nikolajs Leibjäger.
Nikolaj schickte den Jäger aus, um seine Schwester und Petja herbeizurufen, und ritt dann im Schritt nach der Stelle zu, wo die Treiber die Hetzhunde sammelten. Ein paar Jäger waren an den Ort des Streites geritten.
Nikolaj stieg vom Pferd, blieb mit Natascha und Peter, die herbeigeeilt waren, bei den Hunden stehen und wartete auf Nachricht, wie die Sache enden werde. Da kam der Jäger, der sich mit dem Fremden geprügelt hatte, mit dem Fuchs am Sattelriemen hinter dem Waldsaum vorgeritten und sprengte auf den jungen Herrn zu. Schon von weitem riß er die Mütze ab und bemühte sich, ehrerbietig zu sprechen, aber er war bleich und atemlos und machte ein wütendes Gesicht. Das eine Auge war ihm ganz blutig geschlagen, aber er schien das gar nicht einmal bemerkt zu haben.
»Was habt ihr denn da gehabt?« fragte Nikolaj.
»So eine Art! Unsern Hunden will er den Fuchs aus den Zähnen reißen! Und gerade meine Hündin, die mausgraue, hatte ihn doch erwischt. Aber warte, dich werd ich schon Mores lehren! Will er den Fuchs einfach zu packen kriegen! Da hab ich ihn aber gleich mit dem Fuchs ordentlich durchgewalkt! Hier ist er, am Sattel. Den möchtest du wohl nicht zu spüren bekommen, he?« sagte der Jäger und zeigte auf seinen Dolch, anscheinend in dem Glauben, daß er immer noch mit seinem Widersacher spreche.
Nikolaj sagte nichts weiter zu ihm, bat seine Schwester und Petja, auf ihn zu warten, und ritt nach der Stelle hin, wo sich die feindliche, Ilaginsche Jagdgesellschaft versammelt hatte. Der siegreiche Streiter ritt in den Kreis der Jäger hinein und erzählte dort, von mitfühlenden Neugierigen umringt, seine Heldentat noch einmal.
Die Sache war die, daß Ilagin, mit dem Rostow ewig Streitereien und Prozesse hatte, oft auf Revieren jagte, die hergebrachtermaßen der Familie Rostow gehörten, und jetzt wie absichtlich ebenfalls nach dem Verhau, wo die Rostows jagten, hinzureiten befohlen und seinem Jäger erlaubt hatte, ein von fremden Hunden gehetztes Wild ebenfalls zu verfolgen.
Nikolaj hatte Ilagin noch nie gesehen, da er aber wie immer in seinem Urteil und seinen Gefühlen keine Mittelstraße kannte, haßte er ihn nach alledem, was er von dem Ungestüm und der Eigenmächtigkeit dieses Gutsbesitzers gehört hatte, von ganzer Seele und hielt ihn für seinen grimmigsten Feind. So ritt er jetzt zornig erregt auf ihn zu, preßte die Hetzpeitsche fest in die Hand und war entschlossen, mit aller Entschiedenheit und schonungslos gegen seinen Feind vorzugehen.
Kaum war er um die Waldecke herumgeritten, als er einen dicken Herrn mit einer Bibermütze auf einem prächtigen Rappen gewahrte, der, von zwei Leibjägern begleitet, auf ihn zugeritten kam.
Statt eines grimmigen Feindes fand Nikolaj in Ilagin einen stattlichen, artigen Herrn, der schon lange den besonderen Wunsch gehegt hatte, den jungen Grafen kennenzulernen. Als er bis zu Rostow herangeritten war, nahm Ilagin seine Bibermütze ab und sagte, er bedauere den unliebsamen Vorfall ungemein und habe bereits Befehl gegeben, den Jäger zu bestrafen, der sich unterstanden habe, ein von fremden Hunden gehetztes Wild zu verfolgen, bat den Grafen um seine Bekanntschaft und bot ihm sein eigenes Revier zur Jagd an.
Natascha, die gefürchtet hatte, ihr Bruder werde etwas Entsetzliches tun, war in ihrer Aufregung nicht weit hinter ihm hergeritten. Als sie sah, daß sich die beiden Feinde freundschaftlich begrüßten, ritt sie zu ihnen hin. Ilagin zog vor Natascha seine Bibermütze noch tiefer und sagte mit einem liebenswürdigen Lächeln, daß die Komtesse sowohl durch ihre Jagdpassion als auch durch ihre Schönheit, von der er schon viel gehört habe, ganz einer Diana gleiche.
Um die Schuld seines Jägers wiedergutzumachen, bat Ilagin Rostow inständig, doch mit auf sein etwa eine Werst entferntes Revier zu kommen, das er nur für sich allein reserviert habe, und wo, seinen Worten nach, es vor Hasen nur so wimmeln sollte. Nikolaj willigte ein, und die Jagdgesellschaft, die nun noch einmal so groß geworden war, ritt weiter.
Um nach Ilagins Revier zu kommen, mußte man über Felder reiten. Die Jäger verteilten sich; die Herrschaft ritt zusammen. Der Onkel, Rostow und Ilagin schielten verstohlen nach den fremden Hunden, ängstlich bemüht, daß die anderen dies nicht merkten, und suchten aus ihnen voller Ungeduld diejenigen heraus, die wohl als Konkurrenten für ihre eigenen Hunde in Frage kämen.
Eine kleine, reinrassige, rotgescheckte Hündin aus Ilagins Koppel mit feiner Schnauze und vorstehenden schwarzen Augen, die zwar schmal und zierlich gebaut war, dabei aber doch Muskeln hatte wie Stahl, fiel durch ihre Schönheit Rostow ganz besonders auf. Er hatte schon von Ilagins Passion für Hunde gehört und erblickte nun in dieser schönen Hündin eine Konkurrentin für seine Milka.
Mitten in einem ehrbaren Gespräch über die heurige Ernte, das Ilagin angeregt hatte, zeigte Nikolaj auf dessen rotscheckige Hündin.
»Eine schöne Hündin haben Sie da«, sagte er in lässigem Ton. »Ist sie gut?«
»Die? Ja, das ist ein braver Kerl, macht ihre Sache«, erwiderte Ilagin in gleichgültigem Ton von seiner Jorsa, für die er im vorigen Jahr einem Nachbarn drei Familien Leibeigene gegeben hatte. »Also auch bei Ihnen ist der Ausdrusch nicht allzu rühmlich ausgefallen, Graf?« setzte er das angefangene Gespräch fort. Und da er es für artig hielt, dem jungen Grafen das Lob seiner Hündin mit gleicher Münze heimzuzahlen, musterte er die Rostowschen Hunde und wählte sich Milka aus, die ihm durch ihren breiten Bau auffiel.
»Die Schwarzgescheckte da von Ihnen ist auch nicht übel, ganz famos!« sagte er.
»Ja, ganz leidlich, läuft ganz gut«, erwiderte Rostow. Wenn jetzt bloß ein Hase übers Feld liefe, dann wollte ich dir schon zeigen, was das für ein Hund ist! dachte er im stillen, wandte sich heimlich an seinen Leibjäger und flüsterte ihm zu, daß er demjenigen einen Rubel verspreche, der ihm sogleich einen geduckten Hasen aufspüre.
»Ich begreife nicht«, fuhr Ilagin fort, »wie ein Jäger den anderen um seine Beute oder seine Hunde beneiden kann. Um von mir zu reden, Graf, kann ich Ihnen nur sagen: ich freue mich vor allem, wissen Sie, einen Spazierritt zu machen, da reitet man so hin in netter Gesellschaft … Was kann es Schöneres geben?« Und wieder nahm er seine Bibermütze vor Natascha ab. »Aber etwa die Bälge zählen, wie viele ich davon mit heimbringe – das ist mir ganz gleichgültig.«
»Nun, ja, gewiß.«
»Oder mich gar darüber ärgern, wenn ein fremder Hund das Wild einholt und nicht meiner? Mir ist es nur um die Hetzjagd zu tun, nur der Anblick allein ergötzt mich, habe ich nicht recht, Graf? Deshalb halte ich dafür …«