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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Der Onkel warf Petja und Natascha einen mißbilligenden Blick zu. Er konnte es nicht leiden, wenn man eine so ernste Sache wie die Jagd mit Kindereien verknüpfte.

»Guten Tag, Onkelchen, wir reiten auch mit!« rief Petja ihm zu.

»Guten Tag, guten Tag! Aber drängt doch die Hunde nicht so zusammen!« erwiderte der Onkel streng.

»Nikolaj, was für ein wonniges Hundevieh doch mein Trunila ist; er hat mich gleich wiedererkannt!« rief Natascha und zeigte auf ihren Lieblingsjagdhund.

Erstens ist Trunila kein wonniges Hundevieh, sondern ein Hühnerhund, dachte Nikolaj und warf der Schwester einen strengen Blick zu, bemüht, sie den Abstand fühlen zu lassen, der sie in diesem Augenblick trennen mußte. Natascha verstand dies.

»Glauben Sie nicht, Onkelchen, daß wir jemandem im Weg sein werden«, sagte Natascha. »Wir werden ganz ruhig auf unserem Fleck bleiben und uns nicht mucksen.«

»Schon gut, schon gut, Komteßchen«, entgegnete der Onkel. »Und fallen Sie mir nicht vom Pferd«, fügte er hinzu, »denn da ist nichts dran, woran man sich festhalten könnte – klare Sache und damit hopp!«

Plötzlich trat der Verhau von Otradnoje auf ein paar Meter Entfernung wie eine Insel aus dem Nebelmeer hervor, und die Treiber ritten darauf zu. Rostow beschloß nun mit dem Onkel endgültig, von welcher Seite man die Hunde loshetzen wollte, wies Natascha einen Stand an, den sie nicht verlassen durfte und wo sicher nichts vorbeikommen würde, und ritt dann auf einem Umweg um die Schlucht herum.

»Na, mein Junge, du wirst auf einen tüchtigen Kerl stoßen«, sagte der Onkel. »Laß ihn nur ja nicht durchwischen.«

»$Wies’s kommt, so kommt’s«, erwiderte Rostow. »Karaj, fjuit!« rief er wie als Antwort auf die Worte des Onkels seinem Hunde zu. Dieser Karaj war ein alter, häßlicher, tolpatschiger Hund, berühmt dadurch, daß er es ganz allein mit einem starken Wolf aufnahm.

Alle hatten ihre Plätze eingenommen. Da der alte Graf den glühenden Jagdeifer seines Sohnes kannte, hatte er sich tüchtig dazugehalten, um nicht zu spät zu kommen, und die Treiber waren noch nicht an Ort und Stelle angelangt, als Ilja Andrejewitsch mit vergnügtem, rotem Gesicht und zitternden Backen mit seinem Rappengespann über die Wintersaat auf den ihm angewiesenen Platz zugefahren kam. Nachdem er seinen Pelz in Ordnung gebracht und das Jagdgerät übergeworfen hatte, bestieg er seinen glatten, feisten, guten und friedlichen Wiflanka, der auch schon anfing, grau zu werden, ganz wie er selber. Wagen und Pferde wurden nach Hause geschickt. Obgleich Graf Ilja Andrejewitsch nicht mit Leib und Seele Jäger war, so kannte er doch die Jagdgesetze sehr genau und ritt nun in den Saum des Gebüsches, wo er seinen Stand hatte, hinein, legte die Zügel zurecht, setzte sich im Sattel gerade und sah sich dann lächelnd um, weil er wußte, daß er nun zu allem bereit war.

Neben ihm hielt sein Kammerdiener Semjon Tschekmar, ein alter, guter, aber nun auch etwas schwerfällig gewordener Reiter. Tschekmar hatte drei grimmige Wolfshunde am Koppelriemen, die aber, ebenso wie ihr Herr und dessen Pferd, auch schon etwas feist geworden waren. Zwei andere alte, sehr gelehrige Hunde lagen ohne Koppel daneben. Etwa hundert Schritte weiter im Busch stand des Grafen zweiter Leibjäger Mitka, der als toller Reiter und leidenschaftlicher Jäger bekannt war. Nach alter Gewohnheit trank der Graf vor der Jagd aus einem silbernen Becher einen Jagdschnaps, aß ein paar Bissen und leerte dann noch eine halbe Flasche von seinem Lieblingsbordeaux.

Vom Wein und von der flotten Fahrt hatte Ilja Andrejewitsch ein ganz rotes Gesicht bekommen, seine Augen zeigten einen feuchten Schimmer und ganz besonderen Glanz, und wie er so in seinen Pelz eingehüllt im Sattel saß, sah er aus wie ein Kind, das man zum Spazieren gehen fertiggemacht hat.

Nachdem Tschekmar mit seinen mageren, eingefallenen Wangen alle seine Obliegenheiten erledigt hatte, sah er seinen Herrn an, mit dem er dreißig Jahre wie ein Herz und eine Seele zusammengelebt hatte, und da er dessen gute Laune herausfühlte, wartete er nun darauf, daß er ein angenehmes Gespräch anfangen werde.

Da kam noch eine dritte Gestalt vorsichtig – augenscheinlich hatte man ihr das so eingeprägt – um die Waldecke herumgeritten und hielt hinter dem Grafen an. Es war dies der Narr Nastasja Iwanowna, ein alter Mann in grauem Bart, einem Frauenmantel und einer hohen Zipfelmütze.

»Na, Nastasja Iwanowna«, flüsterte ihm der Graf blinzelnd zu, »stampf nur recht mit deinem Pferd, damit uns der Wolf auf und davon geht, da wird dir’s Danila aber stecken!«

»Hab selber Haare auf den Zähnen …« erwiderte Nastasja Iwanowna.

»Pssst!« machte der Graf und wandte sich an Semjon.

»Hast du Natalja Iljinitschna gesehen?« fragte er ihn. »Wo ist sie?«

»Das gnädige Fräulein stehen mit Peter Iljitsch nach der Steppe von Scharowo zu«, erwiderte Semjon lächelnd. »Ist doch eine Dame und hat so großes Vergnügen an der Jagd!«

»Ja, da staunst du, Semjon, und wie sie reitet! Nicht wahr?« sagte der Graf. »Ganz wie ein Mann!«

»Ja, da muß man sich wirklich wundern! So kühn, so gewandt!«

»Und wo ist Nikolaj? Wohl auf der Anhöhe von Ljadowskij, nicht wahr?« fragte der Graf immer flüsternd weiter, »Gewiß, ebenda. Der weiß schon, wo er sich hinstellen muß. Und reiten kann er, daß Danila und ich manchmal Mund und Nase aufsperren!« sagte Semjon, der genau wußte, womit er seinem Herrn am besten schmeicheln konnte.

»Er reitet gut, was? Und wie er aussieht zu Pferde, nicht?«

»Wie ein Bild zum Malen! Da hat er vor ein paar Tagen einen Fuchs aus der Sawarsinskij-Steppe losgelassen. Und er zu Pferde nach, von ganz hinten her, und kriegt ihn. Das war eine Jagd! Das Pferd ist tausend Rubel wert, der Reiter aber unbezahlbar! Ja, solch einen jungen Herrn kann man suchen.«

»Den kann man suchen«, wiederholte der Graf, offensichtlich tat es ihm leid, daß Semjons Redestrom schon so bald wieder versiegt war. »Den kann man suchen«, sagte er noch einmal, schlug die Schöße seines Pelzes zurück und zog seine Tabaksdose hervor.

»Und als neulich der junge Herr in vollem Staat aus der Messe kam, da meinte der Michail Sidorowitsch …« Semjon sprach nicht zu Ende, er hörte, wie das Bellen und Heulen von nicht mehr als zwei oder drei Hunden deutlich durch die stille Luft drang. Er ließ den Kopf hängen und horchte und machte stumm seinem Herrn ein warnendes Zeichen. »Sie sind ihnen auf der Spur …« flüsterte er, »gerade auf Ljadowskij treiben sie zu.«

Der Graf vergaß vor Aufregung sein lächelndes Gesicht zu glätten, spähte vor sich die Waldblöße entlang und hielt die Tabaksdose immer noch in der Hand, ohne eine Prise genommen zu haben. Gleich nach dem Hundegebell ertönte aus Danilas tiefem Horn das Jagdsignal, eine ganze Meute fiel in das Gebell der ersten drei Hunde mit ein, und man hörte, wie die Hetzhunde jenes besondere, gellende Geheul anstimmten, das stets als Zeichen dafür dient, daß sie die Verfolgung eines Wolfes aufgenommen haben. Die Treiber hetzten jetzt nicht nur, sondern brüllten immer toller »Uljulju!« und aus all dem Geschrei hörte man, bald im tiefsten Baß, bald scharf und gellend, Danilas Stimme. Es schien, als ob diese Stimme den ganzen Wald erfüllte, noch über seine Grenzen hinausdrang und weit bis in die Felder hinein tönte.

Nachdem der Graf und sein Leibjäger ein paar Augenblicke stumm zugehört hatten, kamen sie zu der Überzeugung, daß sich die Hetzhunde in zwei Meuten geteilt haben mußten: die eine, größere, die ganz besonders leidenschaftlich heulte, entfernte sich mehr und mehr, während die andere, kleinere, im Gehölz entlang in der Nähe des Grafen vorbeijagte, und bei dieser Meute hörte man auch das Uljulju Danilas. Dann schienen sich beide Teile wieder vereinigt zu haben, das Geschrei und Gebell floß zusammen, aber alles klang schon ferner.

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