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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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»Du Räuber! Du undankbare Kreatur! … Wie einen Hund sollte man dich verprügeln … stecke dich nicht hinter Papa! Bestohlen hast du uns! …« und so weiter.

Dann sahen diese Leute nicht minder erschrocken und schadenfroh, wie der junge Graf mit hochrotem Kopf und blutunterlaufenen Augen Mitenka am Kragen gepackt herauszerrte, wobei er ihm mit großer Geschicklichkeit gelegentlich zwischen seinen Worten mit Knie oder Fuß ein paar kräftige Tritte gegen das Hinterteil versetzte und dazu schrie: »R-raus! Daß du deinen Fuß nicht wieder über unsere Schwelle setzt, du Schurke!«

Mitenka flog kopfüber die sechs Stufen des Seitengebäudes hinunter und flüchtete in ein Boskett. Dieses Boskett war als ein rettender Hafen für alle Verbrecher in Otradnoje bekannt. Mitenka selber hatte sich, wenn er betrunken aus der Stadt gekommen war, schon oft hier versteckt, und auch viele Bewohner von Otradnoje hatten, wenn sie sich vor Mitenka verstecken mußten, die rettende Macht dieses Bosketts kennen gelernt.

Mitenkas Frau und seine Schwägerinnen schauten mit erschrockenen Gesichtern aus den Türen auf den Flur hinaus, drinnen im Zimmer sah man einen blanken Samowar sieden und das hohe Bett des Verwalters zur Decke streben, das mit einer aus Würfeln zusammengesetzten Steppdecke bedeckt war.

Der junge Graf, noch ganz außer Atem, schenkte ihnen nicht die geringste Beachtung und ging mit festen Schritten an ihnen vorüber und wieder ins Herrenhaus zurück.

Die Gräfin, die durch die Mädchen sogleich erfahren hatte, was im Seitengebäude vorgegangen war, empfand einerseits in der Annahme, daß es nun mit den Vermögensverhältnissen besser werden müsse, eine gewisse Beruhigung, andererseits sorgte sie sich aber auch wieder, wie ihr Sohn dies überstehen werde. Sie schlich ein paarmal auf den Zehenspitzen an seine Tür und erspähte, daß er eine Pfeife nach der anderen rauchte.

Am nächsten Tag rief der alte Graf seinen Sohn beiseite und sagte mit schüchternem Lächeln zu ihm: »Weißt du, mein Junge, du hast dich da gestern ganz unnötig aufgeregt. Mitenka hat mir alles erzählt.«

Das wußte ich doch, dachte Nikolaj, daß ich hier in dieser närrischen Welt niemals etwas verstehen werde.

»Du hast dich ereifert, weil er diese siebenhundert Rubel nicht gebucht hätte. Aber die stehen ja als Transport auf der anderen Seite, und du hast nur die eine Seite angesehen.«

»Daß er ein Halunke und ein Dieb ist, das weiß ich nun mal sicher, Papa. Und was ich getan habe, das habe ich getan. Wenn Sie es aber nicht wollen, werde ich ihm nie wieder ein Wort sagen.«

»Nein, mein Junge« – der Graf wurde ebenfalls verlegen: er fühlte, daß er ein schlechter Verwalter des Gutes seiner Frau gewesen war und sich vor seinen Kindern schuldig gemacht hatte, wußte aber nicht, wie er es wieder gutmachen sollte –, »nein, ich bitte dich sogar, dich mit diesen Angelegenheiten zu befassen, ich werde alt und ich …«

»Nein Papa, verzeihen Sie mir, wenn ich Ihnen Unannehmlichkeiten bereitet habe. Ich verstehe von Geschäften viel weniger als Sie.«

Mag sie alle der Teufel holen, diese Bauern, diese Geldgeschichten und diese Transporte auf der anderen Seite! dachte er. Wenn sich’s noch um Kunstkniffe beim Kartenspiel handelte, da habe ich früher mal was davon verstanden, aber von Transporten auf der anderen Seite – davon habe ich keinen Schimmer, sagte er bei sich und mischte sich von nun an nie wieder in geschäftliche Angelegenheiten.

Nur einmal rief die Gräfin ihren Sohn zu sich, teilte ihm mit, sie sei im Besitz eines Wechsels von Anna Michailowna über zweitausend Rubel, und fragte Nikolaj, was sie damit machen solle.

»Das will ich Ihnen sagen«, erwiderte Nikolaj. »Ich liebe zwar Ihre Anna Michailowna nicht und kann auch Boris nicht ausstehen, aber sie sind immerhin mit uns befreundet und arm. Da Sie nun soeben gesagt haben, daß Sie es mir ganz überlassen, wie ich damit verfahren will, so werde ich es so machen …« und er zerriß den Wechsel in kleine Stücke, was die alte Gräfin veranlaßte, über diese edle Tat in Freudentränen auszubrechen.

Nach diesem Vorfall kümmerte sich der junge Rostow nie wieder um geschäftliche Dinge und gab sich mit Leidenschaft dem für ihn noch neuen Zeitvertreib der Hetzjagd hin, die bei dem alten Grafen jetzt in immer größerem Umfang abgehalten wurde.

3

Es ging schon auf den Winter zu; schon legten die Morgenfröste der vom Herbstregen durchweichten Erde eisige Fesseln an, schon sproßte buschig die Wintersaat und hob sich leuchtend grün von der braun gewordenen, vom Vieh zerstampften Winterstoppel, den bleichgelben Sommerfeldern und den rötlichen Buchweizenstreifen ab. Die Gipfel der Bäume und Wälder, die Ende August noch wie grüne Eilande zwischen den damals noch schwarzen Feldern der Wintersaat und den Stoppelfeldern erschienen waren, schwammen jetzt wie goldene, leuchtend rote Inseln zwischen der hellgrün aufkeimenden Saat. Die Hasen hatten schon halb und halb ihren Winterpelz bekommen, die Fuchsbrut fing an auszuschwärmen, und die jungen Wölfe waren bereits größer als die Hunde. Die schönste Zeit für die Jagd nahte heran. Die Jagdmeute des begeisterten jungen Jägers Rostow befand sich nicht nur in der besten Verfassung für eine Jagd, sondern war kaum noch zu halten, so daß man im allgemeinen Rat der Jäger beschloß, den Hunden noch drei Tage Ruhe zu lassen und am 16. September die erste Jagd zu veranstalten. Und zwar wollte man bei dem Eichenwäldchen anfangen, wo eine Wolfsfamilie noch ungestört hauste.

So lagen die Dinge am 14. September. Diesen ganzen Tag über blieben alle, die an der Jagd teilnehmen wollten, zu Hause. Es hatte gefroren und war bitter kalt, aber gegen Abend ließ der Frost nach, und es fing an zu tauen. Und als dann am 15. September der junge Rostow frühmorgens im Schlafrock den Kopf zum Fenster hinaussteckte, sah er einen Morgen, wie er ihn sich zur Jagd gar nicht besser hätte wünschen können: der ganze Himmel schien sich tauend zu lösen und auf die Erde herabzusenken, ohne daß sich ein Lüftchen rührte. Die einzige Bewegung, die sich in der Luft wahrnehmen ließ, war das leise Fallen mikroskopisch kleiner Tau- und Nebeltröpfchen. An den entlaubten Zweigen im Garten hingen winzige durchscheinende Tropfen und fielen auf die erst vor kurzem herabgefallenen Blätter nieder. Die Erde im Gemüsegarten glänzte schwarz und ölig wie Mohnsamenkörner und verschwamm in kurzer Entfernung mit den trüben, nassen Nebelschwaden. Nikolaj trat auf die feuchte Freitreppe hinaus, auf die man von unten her allen Schmutz mit hinaufgeschleppt hatte; es roch nach modrigem Laub und nach Hunden. Die schwarzgefleckte, hinten sehr breit gebaute Hündin Milka mit ihren großen, hervorstehenden schwarzen Augen stand auf, als sie ihren Herrn kommen sah, streckte die Hinterbeine, legte sich wie ein Hase ganz flach auf den Boden, sprang dann unvermutet an ihrem Herrn hoch und leckte ihm die Nase und den Schnurrbart. Ein anderer Hund, ein Windspiel, der seinen Herrn von einem schmalen Pfad im Blumengarten aus erkannt hatte, kam mit krummem Rücken spornstreichs auf die Freitreppe zugelaufen und rieb sich mit erhobener Rute an Nikolajs Bein.

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