Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
In der Tat ließ der Greis schon andern Tags den Notar kommen. Das erste Testament wurde vernichtet und ein anderes abgefaßt, nach dem sein ganzes Vermögen Valentine unter derBedingung zufiel, daß man sie nicht von ihm trennte.
Neugierige Leuteberechneten hieraus, als Erbin des Marquis und der Marquise von Saint‑Meran und alsBegünstigte ihres Großvaters werde Fräulein von Villefort eines Tags eine Rente von 300 000 Franken haben.
Während die Heirat zwischen Valentine und Herrn d'Epinay in dieBrüche ging, hatte der Graf von Morcerf denBesuch Monte Christos empfangen, und um Danglars seinen Eifer kundzugeben, zog jener seine große Generalsuniform an, die er mit allen seinen Kreuzen hatte schmücken lassen, undbefahl, seinebesten Pferde anzuspannen.
So geschmücktbegaber sich in die Rue de la Chaussee d'Antin und ließ sichbei Danglars melden, der eben seinen Monatsabschlußberechnete. Es war seit einiger Zeit nicht der Augenblick, in dem man denBankierbei guter Laune fand. Beim Anblicke seines alten Freundes nahm Danglars eine majestätische Miene an und setzte sich steif in seinem Lehnstuhle zurecht. Dagegen hatte der sonst so förmliche Morcerf eine freundliche Miene angenommen. In der Überzeugung, seiner Eröffnung würde ein guter Empfang zuteil werden, ging er nicht diplomatisch zu Werke, sondern sagte, mit einem Schritte auf das Ziel losgehend: Baron, hierbin ich. Seit geraumer Zeit drehen wir uns um das, was wir früherbesprochen…
Morcerf erwartete, er würdebei diesen Worten das Gesicht desBankiers, dessen Verdüsterung er seinem Stillschweigen zuschrieb, sich aufheitern sehen; aber Danglars' Gesicht wurde im Gegenteil noch viel kälter und unempfindlicher, weshalbMorcerf mitten in seinem Satze anhielt.
Was haben wirbesprochen, Herr Graf? fragte derBankier, als suchte er vergebens in seinem Geiste die Erklärung dessen, was der Graf sagen wollte.
Oh! Sie sind ein Formenmensch, versetzte der Graf, und Sie erinnern mich daran, daß das Zeremoniellbeobachtet werden muß. Meinetwegen. Da ich nur einen Sohn habe und dies das erstemal ist, daß ich an seine Verheiratung denke, sobin ich noch ein Lehrling hierin; wohl, es mag sein! Und Morcerf erhobsich mit einem gezwungenen Lächeln, machte eine tiefe Verbeugung vor Danglars und sagte: HerrBaron, ich habe die Ehre, Sie um die Hand von Fräulein Eugenie Danglars, Ihrer Tochter, für meinen Sohn, den Vicomte Albert von Morcerf, zubitten.
Doch statt diese Worte wohlwollend aufzunehmen, wie Morcerf sicher erwartet hatte, runzelte Danglars die Stirn, setzte sich, ohne den Grafen, der stehen geblieben war, zum Sitzen einzuladen, und sagte: Herr Graf, ehe ich Ihnen antworte, muß ich überlegen.
Überlegen? entgegnete Morcerf, immer mehr erstaunt, haben Sie seit den acht Jahren, da wir zum erstenmal von dieser Heirat sprachen, nicht Zeit gehabt, sich die Sache zu überlegen?
Herr Graf, sagte Danglars, es kommen täglich Dinge vor, die einen nötigen, eine einmal gemachte Überlegung zu wiederholen.
Wieso? Ichbegreife Sie nicht, Baron.
Ich will damit sagen, mein Herr, daß seit vierzehn Tagen neue Umstände…
Erlauben Sie mir, spielen wir Komödie?
Wie, Komödie?
Ja, wir wollen uns kategorisch erklären.
Das kann mir nur liebsein.
Haben Sie Herrn von Monte Christo gesehen?
Ich sehe ihn sehr häufig, antwortete Danglars, er gehört zu meinen Freunden.
Wohl, bei einem seiner letztenBesuche in Ihrem Hause sagten Sie ihm, ich schiene vergeßlich, unentschlossen, inBeziehung auf diese Heirat. — Das ist wahr.
Nun! hierbin ich. Ichbin weder vergeßlich, noch unentschlossen, wie Sie sehen, denn ich komme, um Sie aufzufordern, Ihr Versprechen zu halten.
Danglars antwortete nicht.
Haben sich Ihre Ansichten sobald geändert? fügte Morcerf hinzu, oder haben Sie mich nur herausgefordert, um mich zu demütigen?
Danglarsbegriff, daß die Sache, wenn er das Gespräch in dem Tone, wie er es angefangen, fortsetzte, eine schlimme Wendung für ihn nehmen konnte.
Herr Graf, sagte er, Sie müssen mit vollem Rechte über meine Zurückhaltung erstaunt sein. Glauben Sie mir, ichbegreife dies undbedaure es sehr. Seien Sie überzeugt, daß mir diese Zurückhaltung durch gebieterische Umstände vorgeschrieben wird.
Das sind Worte in die Luft gesprochen, mein lieber Herr, mit denen sich der erstebestebegnügen könnte. Der Graf von Morcerf ist aber nicht der erstebeste, und wenn ein Mann wie ich einen andern Mann aufsucht, ihn an ein gegebenes Wort erinnert, und dieser Mann sein Wort nicht hält, so hat er wenigstens das Recht, auf der Stelle zu verlangen, daß man ihm einen vernünftigen Grund angibt.
Danglars war feige, aber er wollte es nicht scheinen; von Morcerfs Ton gereizt, erwiderte er: Es fehlt mir auch nicht an einem vernünftigen Grunde.
Was wollen Sie damit sagen?
Daß ich einen vernünftigen Grund habe, daß er aber schwer anzugeben ist.
Sie fühlen doch, mein Herr, entgegnete Morcerf, daß ich mich damit nicht abspeisen lassen kann. Eines ist allerdings sehr klar, nämlich, daß Sie eine Verbindung mit mir ausschlagen.
Nein, mein Herr, sagte Danglars, ich verschiebe nur meinen Entschlußbis auf weiteres.
Doch Sie werden wohl nicht die Anmaßung haben, zu glauben, daß ich mich Ihren Launen füge und demütig auf die Rückkehr Ihrer Gunst warte?
Wenn Sie nicht warten können, Herr Graf, so wollen wir unsere Pläne als nicht geschehenbetrachten.
Der Grafbiß sichbis aufsBlut in die Lippen, um den Ausbruch zurückzudrängen, zu dem ihn sein stolzer, reizbarer Charakter trieb. Da er jedochbegriff, die Lächerlichkeit wäre unter diesen Umständen auf seiner Seite, so ging erbereits zur Tür des Salons, besann sich aberbald wieder eines andern und kehrte zurück. Eine Wolke zog über seine Stirn hin und ließ darauf, statt desbeleidigten Stolzes, die Spur einer unbestimmten Unruhe zurück.
Lieber Herr Danglars, sagte er, wir kennen uns seit langen Jahren und müssen folglich einige Schonung gegeneinander üben. Sie sind mir eine Erklärung schuldig, und es ist doch das mindeste, daß ich erfahre, welchem Unglücklichen Ereignis mein Sohn den Verlust Ihrer guten Absichten inBeziehung auf ihn zuzuschreiben hat.
Esbetrifft den Vicomte nicht persönlich, mehr kann ich Ihnen nicht sagen, antwortete Danglars, der wieder frech wurde, als er sah, daß Morcerf sichbesänftigte.
Und wenbetrifft es denn? fragte Morcerf, dessen Stirn sich mitBlässebedeckte, bebend.
Danglars, dem keines dieser Symptome entging, heftete auf ihn einen ungewöhnlich festenBlick und sagte: Danken Sie mir, daß ich mich nicht näher erkläre.
Ein zweifellos dem unterdrückten Zorne entspringendes nervöses Zittern schüttelte Morcerf, und er erwiderte, sich gewaltsambezwingend: Ichbinberechtigt, eine Erklärung von Ihnen zu verlangen. Haben Sie etwas gegen Frau von Morcerf? Ist mein Vermögen nicht hinreichend? Sind es meine politischen Ansichten…
Nichts von dem allem, sagte Danglars; ich wäre unentschuldbar, denn dies alles ist mir schon jahrelangbekannt. Nein, suchen Sie nicht weiter, lassen Sie uns hierbei stehenbleiben. Einigen wir uns auf dem Worte Aufschub, das weder einenBruch noch eine zweifellose Verbindlichkeitbedeutet. Mein Gott! nichts drängt uns. Meine Tochter ist siebzehn Jahre alt, Ihr Sohn einundzwanzig. Inzwischen schreitet die Zeit fort, sie führt die Ereignisse herbei. Die Dinge, die noch gestern dunkel schienen, sind heute vielleicht klar; oft enthüllen sich an einem Tage die grausamsten Verleumdungen.
Verleumdungen, haben Sie gesagt, mein Herr? rief Morcerf leichenbleich. Man verleumdet mich also?
Herr Graf, wir wollen uns nicht weiter erklären.
Ich soll mich also ruhig dieser Weigerung unterwerfen?
Welche für mich peinlicher ist als für Sie, denn ich rechnete auf die Ehre einer Verbindung mit Ihnen, und eine fehlgeschlagene Heirat schadet immer mehr derBraut, als demBräutigam.