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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Selim, sagte sie, wie lautet derBefehl des Herrn?

Schickt er mir seinen Dolch, so weigert sich der Sultan, ihn in Gnade zu empfangen, und ich lege Feuer an; schickt er mir seinen Ring, so verzeiht ihm der Sultan, und ich lösche meine Flamme aus.

Freund, versetzte meine Mutter, wenn derBefehl des Herrn kommt er schickt dir den Dolch, so reichen wir dir, statt eines Todes zu sterben, der uns erschreckt, dieBrust, und du tötest uns mit diesem Dolche.

Ja, Wasiliki, antwortete Selim ruhig.

Plötzlich vernahmen wir ein Geschrei; wir horchten: es war ein Freudengeschrei; der Name des Franken, den man nach Konstantinopel, geschickt, erscholl wiederholt aus dem Munde unserer Palikaren; offenbarbrachte er die Antwort des Großherrn, und die Antwort lautete günstig.

Und Sie erinnern sich dieses Namens nicht? fragte Morcerf.

Monte Christo machte ihr ein Zeichen.

Ich erinnere mich seiner nicht, sagte Haydee.

Der Lärm vermehrte sich, es erschollen immer näher kommende Tritte; man stieg die Stufen des unterirdischen Gewölbes hinab. Selim hielt seinen Spießbereit. Bald erschien ein Schatten in derbläulichen Dämmerung, mit welcher die durch den Eingang des unterirdischen Gewölbes eindringenden Strahlen den Raum erfüllten. Werbist du? rief Selim. Wer du auch sein magst, tue keinen Schritt weiter.

Ehre dem Sultan! sagte der Schatten. Dem Wesir Ali ist volleBegnadigung zugestanden, und man hat ihm nicht nur das Leben gesichert, sondern man gibt ihm auch sein Vermögen und seine Güter zurück. Meine Mutter stieß einen Freudenschrei aus und drückte mich an ihr Herz. Halt! sagte Selim, als er sah, daß sie forteilen wollte, du weißt, daß ich den Ring haben muß.

Es ist richtig, sagte meine Mutter, und fiel auf die Knie und hobmichbetend zum Himmel empor.

Wieder schwieg Haydee, von einer so furchtbaren Erschütterung überwältigt, daß ihr der Schweiß von derbleichen Stirn floß und ihre zusammengepreßte Stimme nicht mehr durch die Kehle dringen zu können schien. Monte Christo goß ein wenig Eiswasser in ein Glas, bot es ihr und sprach mit weichem, aber doch auch ein wenig gebieterischem Tone: Mut gefaßt, meine Tochter!

Haydee trocknete ihre Augen und fuhr fort: An die Dunkelheit gewöhnt, hatten mittlerweile unsere Augen den Abgesandten des Paschas erkannt; es war ein Freund. Selim hatte ihn ebenfalls wahrgenommen, doch derbrave junge Mann kannte nur eines: Gehorsam.

In wessen Namen kommst du? fragte er.

Ich komme im Namen deines Herrn, Ali Tependelini, Wenn du im Namen Alis kommst, so weißt du, was du mir zu übergeben hast.

Ja, sagte der Abgeordnete, ichbringe dir seinen Ring, Gleichzeitig hober seine Hand empor, aber er stand zu weit entfernt, und es war nicht hell genug, als daß Selim den Gegenstand, den er ihm zeigte, zu unterscheiden vermochte. Ich weiß nicht, was du in der Hand hältst, sagte Selim.

Nähere dich! sagte derBote, oder ich werde mich dir nähern.

Weder das eine noch das andere, entgegnete der junge Soldat, lege auf die Stelle, wo dubist, und unter den Lichtstrahl den Gegenstand, den du mir zeigst, und ziehe dich zurück, bis ich ihn gesehen habe.

Es sei, sagte derBote.

Und er zog sich zurück, nachdem er das Erkennungszeichen niedergelegt hatte. Unser Herz schlug gewaltig, denn es schien wirklich ein Ring zu sein. Nur fragte es sich, obes der Ring meines Vaters war. Beständig die angezündete Lunte in der Hand haltend, ging Selim an die Öffnung, bückte sich unter den Lichtstrahl und hobdas Zeichen auf. Der Ring des Herrn, sagte er, ihn küssend, es ist gut! Und die Lunte auf denBoden werfend, trat er darauf und löschte sie aus. DerBote stieß einen Freudenschrei aus und klatschte in die Hände.

Auf dieses Zeichen liefen vier Soldaten des Seraskiers Kurschid herbei, und Selim stürzte, von fünf Dolchstößen durchbohrt, nieder.

Jeder hatte ihm einen Stoß versetzt. Und trunken von ihrem Verbrechen, obgleich nochbleich vor Schrecken, stürzten sie in das Gewölbe, suchten überall, obFeuer da wäre, und wälzten sich auf den Goldsäcken.

Mittlerweile faßte mich meine Mutter in ihre Arme und gelangte zu einer Geheimtreppe des Kiosks, in dem ein furchtbarer Aufruhr herrschte. Die unteren Säle waren ganz gefüllt von den Tschodoars von Kurschid, das heißt von unseren Feinden. In dem Augenblick, wo meine Mutter die kleine Tür aufstoßen wollte, hörten wir furchtbar und drohend die Stimme des Paschas ertönen. Meine Mutter hielt ihr Auge an eine Spalte in denBrettern; auch ich fand eine undblickte hindurch.

Was wollt ihr? sagte mein Vater zu den Leuten, die ein Papier mit goldenenBuchstaben in der Hand hielten.

Was wir wollen? entgegnete einer von ihnen, dir den Willen Seiner Hoheit mitteilen. Siehst du diesen Ferman?

Ich sehe ihn.

So lies; er fordert deinen Kopf.

Mein Vaterbrach in ein Gelächter aus, das furchtbarer war, als irgend eine Drohung hätte sein können; doch er hatte noch nicht zu lachen aufgehört, alsbereits von zwei Pistolenschüssen aus seinen Händen zwei Männer tot niedergestreckt waren. Die Palikaren, die, mit dem Gesicht zur Erde, um meinen Vater lagen, erhoben sich und gaben Feuer, das Gemach füllte sich mit Geschrei, Flammen und Rauch. Aus der Stellebegann das Feuer von der andern Seite, und die Kugeln durchlöcherten dieBretter um uns her. Oh! wie schön, wie groß er war, der Wesir Ali Tependelini, mein Vater, mitten unter den Kugeln, den Säbel in der Faust, das Gesicht von Pulver geschwärzt! Wie seine Feinde flohen!

Selim! Selim! schrie er, Feuerwächter, tu deine Pflicht!

Selim ist tot, antwortete eine Stimme, die aus den Tiefen des Kiosks zu kommen schien, und du, Herr, bist verloren!

Gleichzeitig vernahm man einen dumpfen Ton, und derBoden flog um meinen Vater in Stücke. Die Tschodoars schossen durch denBoden, und drei oder vier Palikarenbrachen, schrecklich verwundet, zusammen. Mein Vaterbrüllte, streckte seine Finger durch die von den Kugeln gemachten Löcher und riß ein ganzesBrett aus. In demselben Augenblicke aber krachten durch diese Öffnung zwanzig Flintenschüsse, und wie aus dem Krater eines Vulkans hervorströmend, ergriff die Flamme die Tapeten und verzehrte sie.

Mitten unter diesem furchtbaren Aufruhr, mitten unter diesem gräßlichen Geschrei, ließen mich zweibesondere Schüsse, denen zwei herzzerreißende, alles andere übertönende Schreie folgten, vor Schrecken zu Eis erstarren: die Schüsse hatten meinen Vater tödlich getroffen, und er hatte die Schreie ausgestoßen. Trotzdem war er, sich an ein Fenster klammernd, aufrecht stehen geblieben. Meine Mutter rüttelte an der Tür, um mit ihm zu sterben, aber die Tür war verschlossen. Rings um ihn her krümmten sich Palikaren, im Todeskampfe zuckend; zwei oder drei, die ohne Wunden oder nur leicht verwundet waren, sprangen durch die Fenster. Zu gleicher Zeit krachte der ganzeBoden, von unten zertrümmert. Mein Vater fiel auf ein Knie, zwanzig Arme streckten sich, mit Säbeln, Pistolen, Dolchenbewaffnet, nach ihm aus; zwanzig Streiche trafen in derselben Sekunde einen einzigen Mann, und mein Vater verschwand in einem von diesenbrüllenden Teufeln angezündeten Feuerwirbel, als obsich die Hölle unter seinen Füßen geöffnet hätte. Ich fühlte, wie ich zuBoden rollte; meine Mutter stürzte ohnmächtig nieder.

Haydee ließ, einen Seufzer ausstoßend, ihre Arme sinken und schaute den Grafen an, als wollte sie ihn fragen, ober mit ihrem Gehorsam zufrieden sei.

Der Graf stand auf, faßte siebei der Hand und sagte in neugriechischer Sprache zu ihr: Beruhige dich, liebes Kind, fasse Mut undbedenke, daß es einen Gott gibt, der die Verräterbestraft.

Das ist eine furchtbare Geschichte, Graf, sagte Albert, ganz erschrocken über HaydeesBlässe; ich mache es mir zum Vorwurf, daß ich so grausam unbescheiden gewesenbin.

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