Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ned Gowan hat es mir aus Leoch mitgebracht«, sagte Jenny und berührte den Rahmen mit einer gewissen Ehrfurcht. »Er hat es gerettet, als die Engländer das Schloss geschleift haben, nach dem Aufstand.« Sie lächelte schwach. »Er hat eine Vorliebe für die Familie, unser Ned. Er ist ein Lowlander aus Edinburgh und hat keine eigenen Verwandten, aber er hat die MacKenzies zu seinem Clan gemacht – selbst jetzt, wo es den Clan nicht mehr gibt.«
»Nicht mehr?«, platzte Brianna heraus. »Sie sind alle tot?« Der Schrecken in ihrer Stimme brachte Jenny dazu, sie überrascht anzusehen.
»Och, nein. Das habe ich nicht gemeint, Kleine. Aber Leoch steht nicht mehr«, fügte sie in leiserem Ton hinzu. »Und seine letzten Anführer leben nicht mehr – Colum und sein Bruder Dougal … sie sind für die Stuarts gestorben.«
Das hatte sie natürlich gewusst; Claire hatte es ihr erzählt. Was überraschend war, war der plötzliche Anflug unerwarteter Trauer; Bedauern um diese Fremden in ihrer neugefundenen Verwandtschaft. Mühsam schluckte sie den Kloß in ihrem Hals hinunter, wandte sich um und folgte Jenny die Treppe hinauf.
»War Leoch ein großes Schloss?«, fragte sie. Ihre Tante blieb stehen, eine Hand auf dem Geländer.
»Ich weiß es nicht«, sagte sie. Jenny blickte zurück auf Ellens Bild, so etwas wie Bedauern im Blick.
»Ich habe es nie gesehen – und jetzt ist es fort.«
Wenn man das Schlafzimmer betrat, so war es, als käme man in eine Unterwasserhöhle. Wie alle Zimmer war auch dieses klein und hatte niedrige, von den jahrelangen Torffeuern rauchgeschwärzte Deckenbalken, doch die Wände waren frisch und weiß, und das Zimmer selbst war von einem grünlichen, wogenden Licht erfüllt, das sich durch zwei große Fenster ergoss, gefiltert von den Blättern des schwankenden Rosenstockes.
Hier und dort blinkte ein glänzender Gegenstand auf oder glitzerte im schummrigen Halbdunkel wie ein Fisch in einem Riff; eine bemalte Puppe, die auf dem Teppich vor der Feuerstelle lag, wo eines der Enkelkinder sie vergessen hatte, ein chinesischer Korb, an dessen Deckel eine durchbohrte Münze als Verzierung festgebunden war. Ein Kerzenständer aus Messing auf dem Tisch, ein kleines Gemälde an der Wand, dessen kräftige Farben sich deutlich von dem weißen Putz abhoben.
Jenny ging unverzüglich zu dem großen Kleiderschrank an der Zimmerwand und stellte sich auf die Zehenspitzen, um ein großes, mit Saffianleder überzogenes Kästchen herunterzuholen, dessen Ecken vom Alter abgestoßen waren. Als sie den Deckel aufklappte, sah Brianna ein metallisches Glitzern und ein kurzes, scharfes Aufblitzen wie von Sonnenlicht auf Edelsteinen.
»Hier ist er.« Jenny brachte ein dickes Bündel aus zusammengefaltetem Papier zum Vorschein, das weitgereist und vielgelesen aussah, und drückte es Brianna in die Hand. Es war versiegelt gewesen; ein fettiger Wachsfleck klebte immer noch am Rand eines Bogens.
»Sie sind in der Kolonie North Carolina, aber sie leben nicht in der Nähe einer Stadt«, erklärte Jenny. »Jamie schreibt abends ein bisschen, wenn er kann, und er behält die Blätter, bis entweder er oder Fergus nach Cross Creek reiten oder ein Reisender vorbeikommt, der den Brief mitnimmt. So ist es angenehm für ihn; das Schreiben fällt ihm nicht leicht – besonders, seit er sich damals die Hand gebrochen hat.«
Bei dieser beiläufigen Bemerkung fuhr Brianna auf, doch das ruhige Gesicht ihrer Tante zeigte keine besondere Regung.
»Setz dich hin, Kleine.« Sie winkte mit der Hand und ließ Brianna die Wahl zwischen Hocker oder Bett.
»Danke«, murmelte Brianna und wählte den Hocker. Also wusste Jenny vielleicht nicht alles über Jamie und Black Jack Randall? Die Vorstellung, dass sie vielleicht Dinge über diesen unbekannten Mann wusste, die nicht einmal seiner geliebten Schwester bekannt waren, hatte etwas Verwirrendes. Um den Gedanken zu verscheuchen, öffnete sie eilig den Brief.
Die hingekritzelten Worte sprangen ihr schwarz und lebhaft ins Gesicht. Sie hatte diese Handschrift schon einmal gesehen – die verkrampften, widerspenstigen Buchstaben mit den großen, geschwungenen Abschlüssen, doch das war auf einem zweihundert Jahre alten Dokument gewesen, dessen Tinte braun und verblichen war, die Handschrift gezähmt durch sorgsame Überlegung und Formalität. Hier hatte er sich frei gefühlt – seine Handschrift rollte in kühnem, sprunghaftem Gekritzel über die Seite, und die Zeilen drehten sich an den Enden betrunken aufwärts. Es war unordentlich, aber trotzdem lesbar.
Fraser’s Ridge, Montag, 19. September
Meine liebste Jenny,
hier sind alle bei bester Gesundheit und guter Dinge und hoffen, dass dieser Brief alle Mitglieder Deines Haushaltes ähnlich zufrieden antrifft.
Dein Sohn grüßt Dich aufs herzlichste und bittet mich, seinen Vater, seine Brüder und seine Schwestern an ihn zu erinnern. Er möchte, dass Du Matthew und Henry sagst, dass er ihnen das beigefügte Objekt schickt, welches der präparierte Schädel eines Tieres ist, das man seiner außergewöhnlichen Stacheln wegen Stachelschwein nennt (es hat keine Ähnlichkeit mit unserem kleinen Igel, denn es ist viel größer und lebt in den Wipfeln der Bäume, wo es sich von zarten Schösslingen ernährt). Sag Matthew und Henry, dass ich nicht weiß, warum seine Zähne orange sind. Zweifellos findet das Tier es dekorativ.
Außerdem findest Du hier ein kleines Geschenk für Dich selbst; das Muster wird mit Hilfe der Stacheln des erwähnten Tiers erzielt, welche die Indianer mit den Säften verschiedener Pflanzen einfärben, bevor sie sie auf die einzigartige Weise verweben, die Du vor Dir siehst.
Claire hat in letzter Zeit großes Interesse an der Unterhaltung – wenn man das Wort für eine Kommunikation benutzen kann, die sich zum großen Teil auf Gestikulieren und das Schneiden von Grimassen beschränkt (sie besteht darauf, dass sie keine Grimassen schneidet, worauf ich ihr antworte, dass ich in der besseren Position bin, dies zu beurteilen, da ich das dazugehörige Gesicht sehen kann und sie nicht) – an der Unterhaltung mit einer alten Indianerfrau gezeigt, die in dieser Gegend als Heilerin sehr geschätzt wird und ihr viele solcher Pflanzen gegeben hat. Demzufolge sind ihre Finger im Augenblick lila, was ich höchst dekorativ finde.
Dienstag, 20. Sept.
Heute war ich sehr damit beschäftigt, den Pferch zu reparieren und zu verstärken, in dem wir nachts unsere paar Kühe, Schweine etc. halten, um sie vor den Raubzügen der Bären zu schützen, die sehr zahlreich sind. Als ich heute Morgen zum Abort ging, habe ich einen großen Pfotenabdruck im Schlamm erspäht, der genauso lang war wie mein eigener Fuß. Das Vieh kam mir nervös und verstört vor, was ich ihm kaum zum Vorwurf machen kann.
Ich bitte Dich, mach Dir um uns keine Sorgen. Die Schwarzbären in diesem Land nehmen sich vor den Menschen in Acht und hassen es, selbst einem einzelnen Mann gegenüberzutreten. Außerdem ist unser Haus stabil gebaut, und ich habe es Ian verboten, nach Anbruch der Dunkelheit noch unterwegs zu sein, es sei denn, er ist gut bewaffnet.
Was unsere Bewaffnung angeht, so hat sich unsere Situation sehr verbessert. Fergus hat aus High Point ein gutes Gewehr von der neuen Sorte und einige exzellente Messer mitgebracht.
Außerdem einen großen Kochkessel, dessen Erwerb wir mit einer Riesenportion leckerem Eintopf gefeiert haben, der aus Hirschfleisch, wilden Zwiebeln aus dem Wald, getrockneten Bohnen und einigen getrockneten Tomatenfrüchten vom letzten Sommer bestand. Keiner von uns ist nach dem Genuss dieses Eintopfes gestorben oder krank geworden, also hat Claire wahrscheinlich recht, Tomaten sind nicht giftig.
Mittwoch, 21. Sept.
Der Bär ist wieder da gewesen. Ich habe heute große Fußspuren und Kratzer in Claires frisch umgegrabenem Garten gefunden. Das Tier mästet sich wohl für seinen Winterschlaf und will sicher in der frischen Erde nach Maden graben.