Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Egwene hielt sich nahe bei Nynaeve. Leise Bruchstücke einer erregten Unterhaltung drangen an Perrins Ohren. Die beiden waren so froh, als hätten sie die Heimat schon wieder erreicht. Er hielt sich am Ende der kleinen Kolonne. Manchmal drehte sich die Seherin im Sattel um und sah ihn an, und jedesmal winkte er ihr zu, als wolle er sagen, er sei schon in Ordnung, aber er blieb, wo er war. Er mußte über eine Menge nachdenken, auch wenn in seinem Kopf noch immer ein großes Durcheinander herrschte. Was würde kommen? Was würde kommen?
Perrin glaubte, es könne nicht mehr lange bis zur Morgendämmerung sein, als Moiraine sie endlich anhalten ließ. Lan fand ein ausgetrocknetes Bachbett, wo er in einer Aushöhlung in einer der Uferböschungen ein Feuer entzündete.
Schließlich konnten sie ihre weißen Umhänge loswerden. Sie vergruben sie in einem Loch nahe dem Feuer. Als er gerade dabei war, den Umhang, den er benutzt hatte, hineinzuwerfen, fiel ihm die auf die Brust aufgestickte goldene Sonne auf und die beiden goldenen Sterne darunter. Er ließ den Umhang fallen, als sei er brennend heiß, und ging zur Seite, wobei er sich die Hände an seinem Mantel abwischte. Er setzte sich abseits von den anderen hin.
»Aber jetzt«, sagte Egwene, während Lan Erde in das Loch schaufelte, »könnte mir doch jemand sagen, wo Rand und Mat sind!«
»Ich glaube, sie sind in Caemlyn«, sagte Moiraine vorsichtig, »oder auf dem Weg dorthin.« Nynaeve schnaubte laut und vernehmlich, aber die Aes Sedai fuhr fort, als habe es keine Unterbrechung gegeben: »Wenn nicht, werde ich sie trotzdem finden. Das verspreche ich.«
Sie aßen schweigend Brot und Käse und tranken heißen Tee. Selbst Egwenes Begeisterung unterlag nun langsam der Erschöpfung. Die Seherin holte eine Tinktur aus ihrer Tasche, die sie auf die Spuren der Fesseln an Egwenes Handgelenken auftrug, und eine andere für die übrigen Abschürfungen. Als sie dorthin kam, wo Perrin am Rande des Feuerscheins saß, blickte er nicht auf.
Sie stand eine Weile schweigend da und blickte auf ihn hinunter. Dann kauerte sie sich nieder — ihre Tasche neben sich — und sagte knapp: »Zieh deinen Mantel und dein Hemd aus, Perrin. Ich habe gehört, daß einer der Weißmäntel dich offensichtlich nicht leiden konnte.«
Er zog sich langsam aus, immer noch in Gedanken an Scheckie und ihre Botschaft versunken, bis Nynaeve erschreckt nach Luft schnappte. Überrascht sah er erst sie an und dann seinen nackten Oberkörper. Er wirkte wie eine verfärbte Masse. Die neueren blauen Flecken überlagerten ältere, die schon zu Braun- und Gelbschattierungen verblaßt waren. Nur dicke Muskelpakete, die er sich in den Stunden in Meister Luhhans Schmiede erworben hatte, hatten ihn vor Rippenbrüchen bewahrt. Da er sich innerlich mit den Wölfen beschäftigt hatte, hatte er den Schmerz vergessen können, doch jetzt wurde er daran erinnert, und der Schmerz kehrte froh zurück. Unwillkürlich holte er tief Luft und biß die Zähne zusammen, um nicht zu stöhnen.
»Wieso haßte er dich denn so sehr?« fragte Nynaeve erstaunt.
Ich habe zwei Menschen getötet. Laut sagte er: »Ich weiß nicht.«
Sie kramte in ihrer Tasche herum, und er zuckte zusammen, als sie ihm eine schmierige Paste auf die Schwellungen auftrug. »Jungfernrebe, roter Fingerhut und Rosettenwurzel«, zählte sie auf.
Es war gleichzeitig heiß und kalt und ließ ihn erschauern, während ihm gleichzeitig der Schweiß ausbrach, aber er protestierte nicht. Er hatte mit Nynaeves Tinkturen und Packungen schon früher Erfahrungen gesammelt. Während ihre Finger die Mixtur sanft einmassierte, verschwanden Hitze und Kälte und nahmen den Schmerz mit. Die blauen Flecken verblaßten zu braunen, die braunen und gelben verschwanden zum Teil ganz. Zur Probe holte er ganz tief Luft. Er verspürte kaum noch ein Zwicken.
»Du wirkst überrascht«, sagte Nynaeve. Auch sie selbst sah ein wenig überrascht drein, und seltsamerweise schien sie sich zu fürchten. »Das nächste Mal gehst du eben zu ihr.«
»Nicht überrascht«, sagte er beruhigend. »Nur froh.« Manchmal wirkten Nynaeves Tinkturen schnell und manchmal langsam, aber sie wirkten immer. »Was... was ist mit Rand und Mat passiert?«
Nynaeve räumte ihre Fläschchen und Tiegel zurück in die Tasche. Sie stieß sie förmlich hinein, als müsse sie damit eine Sperre durchbrechen. »Sie sagt, daß es ihnen gutgeht. Sie sagt, wir würden sie finden. In Caemlyn, sagt sie. Sie sagt, es sei wichtig für uns, keine Zeit zu verlieren, was das nun auch wieder heißen mag. Sie sagt viel, wenn der Tag lang ist.«
Perrin mußte nun doch grinsen. Was sich auch immer geändert haben mochte, die Seherin war immer noch derselbe Mensch geblieben, und sie und die Aes Sedai waren nach wie vor alles andere als Freundinnen.
Mit einem Mal erstarrte Nynaeve und sah entgeistert sein Gesicht an. Sie ließ ihre Tasche fallen und preßte die Handrücken auf seine Wangen und seine Stirn. Er versuchte, zurückzuweichen, doch sie nahm seinen Kopf in beide Hände und zog mit den Daumen seine Augenlider hoch. Sie sah sich seine Augen ganz genau an und murmelte etwas vor sich hin. Trotz ihrer geringen Größe konnte sie sein Gesicht leicht festhalten; es war niemals leicht, Nynaeve zu entkommen, wenn sie einen nicht loslassen wollte.
»Ich verstehe das nicht«, sagte sie schließlich, ließ ihn los und hockte sich zurück auf die Fersen. »Hättest du Gelbaugenfieber, dann wärst du nicht in der Lage, auch nur aufzustehen. Aber du hast überhaupt kein Fieber, und das Weiße in deinen Augen ist auch nicht gelb geworden -nur die Pupillen!«
»Gelb?« fragte Moiraine, und Perrin wie auch Nynaeve fuhren auf ihren Plätzen zusammen. Die Aes Sedai hatte sich völlig lautlos genähert. Egwene lag schlafend am Feuer, in ihren Umhang gehüllt, wie Perrin sah. Seine eigenen bleischweren Lider wollten sich ebenfalls schließen.
»Es ist nichts«, sagte er, doch Moiraine hielt sein Kinn mit der Hand hoch und drehte sein Gesicht herum, so daß sie wie zuvor Nynaeve in seine Augen blicken konnte. Er zuckte mit prickelnder Haut zurück. Die beiden Frauen behandelten ihn wie ein Kind. »Ich sagte, es ist nichts.«
»Das war nicht vorauszusehen.« Moiraine sprach mehr zu sich selbst. Ihr Blick ging durch ihn hindurch in die Ferne. »Etwas, das im Gewebe vorgesehen war, oder eine Änderung im Muster? Wenn es eine Änderung ist, wer hat sie dann verursacht? Das Rad webt, wie das Rad es will. Das muß es sein.«
»Wißt Ihr, was es bedeutet?« fragte Nynaeve widerwillig. Sie zögerte. »Könnt Ihr etwas für ihn tun? Eure Heilkunst?« Die Bitte um Hilfe, das Zugeständnis, daß sie nichts tun konnte, entrangen sich ihr nur schwerfällig.
Perrin funkelte die beiden Frauen an. »Wenn Ihr über mich sprechen wollt, dann sprecht gefälligst mit mir. Ich sitze hier vor Euch!« Keine sah ihn an.
»Heilkunst?« Moiraine lächelte. »Daran ist nichts, was man heilen könnte. Es ist keine Krankheit, und es wird nicht...« Sie zögerte kurz. Dann blickte sie zu Perrin hinüber; ein kurzer Blick, der vieles zu bedauern schien. Der Blick schloß ihn aber nicht mit ein, und er knurrte beleidigt vor sich hin, während sie sich wieder Nynaeve zuwandte. »Ich wollte sagen, es wird ihm nicht schaden, aber wer weiß schon, was am Ende dabei herauskommt? Zumindest kann ich behaupten, daß es ihm nicht direkt schaden wird.«
Nynaeve stand auf, klopfte sich den Staub von den Knien, stellte sich vor die Aes Sedai und sah ihr in die Augen. »Das reicht mir nicht. Wenn etwas mit ihm nicht... «