Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Er legte sich die beiden Umhänge über den Arm und drehte sich um. Panik überkam ihn. In der Dunkelheit hatte er plötzlich die Orientierung verloren und wußte nicht, in welcher Richtung er Lan und Egwene suchen sollte. Seine Füße schienen Wurzeln zu schlagen. Er wagte nicht, sich zu rühren. Sogar Byar war ohne seinen weißen Umhang in der Nacht verborgen. Es gab nichts, woran er sich hätte halten können. Jeder Weg, den er wählte, konnte ihn hinaus ins Lager führen.
»Hier.«
Er stolperte auf Lans Flüstern zu, bis Hände ihn aufhielten. Egwene war ein undeutlicher Schatten und Lans Gesicht verschwommen — der Rest des Behüters schien überhaupt nicht vorhanden zu sein. Er konnte fühlen, wie ihre Blicke auf ihm ruhten, und er fragte sich, ob er ihnen eine Erklärung schuldig sei.
»Legt die Umhänge über«, sagte Lan leise. »Schnell. Rollt eure eigenen zusammen. Und macht keinen Laut. Ihr seid noch nicht in Sicherheit.«
Hastig reichte Perrin Egwene einen der Umhänge. Er war erleichtert darüber, daß er nicht von seinen Ängsten hatte erzählen müssen. Er rollte seinen eigenen Umhang zu einem Bündel zusammen, das er leicht tragen konnte, und schwang den weißen Umhang statt dessen um seine Schultern. Seine Haut prickelte, als er sich auf seine Schultern legte. Es gab ihm einen Stich zwischen die Schulterblätter. War es Byars Umhang, den er erwischt hatte? Er bildete sich fast ein, den hageren Mann daran riechen zu können.
Lan bedeutete ihnen, sich an den Händen zu halten, und so packte Perrin seine Axt mit einer Hand und nahm Egwenes in die andere. Er wünschte, der Behüter werde schnell mit ihnen fliehen, damit seine Phantasie nicht inzwischen mit ihm durchginge. Aber sie standen nur so herum, von den Zelten der Kinder umgeben — zwei Gestalten in weißen Umhängen und eine, die man fühlen, aber nicht sehen konnte.
»Bald«, flüsterte Lan. »Sehr bald.«
Ein Blitz zerriß die Nacht über dem Lager, so nah, daß Perrin fühlte, wie sich ihm die Haare an den Armen und auf dem Kopf sträubten, als der Blitzschlag die Luft auflud. Genau jenseits der Zelte explodierte der Boden unter dem Einschlag. Die Explosion am Boden verschmolz mit der am Himmel. Bevor das Licht verblaßte, führte Lan sie auch schon los.
Beim ersten Schritt zerschnitt ein weiterer Blitz die Schwärze. Nun hagelte es Blitze, so daß die Nacht flackerte, als käme die Dunkelheit nur in sekundenschnellen Intervallen. Donner rollte wild. Ein Grollen ging in das nächste über — ein fortwährendes, wellenschlagendes Läuten. Verängstigte Pferde wieherten. Ihr Wiehern ging im Donner unter, bis auf die Momente, wenn der Donner verhallte. Männer taumelten aus ihren Zelten, einige in ihren weißen Umhängen, andere nur halb bekleidet. Einige rannten in Panik hin und her, andere standen wie betäubt da.
Lan zerrte sie im Laufschritt mitten durch das Durcheinander. Perrin bildete den Abschluß. Weißmäntel sahen sie mit wildaufgerissenen Augen an, als sie vorbeikamen. Ein paar schrien ihnen etwas zu, doch die Schreie verloren sich im Trommelschlag des Himmels. Sie hatten ihre weißen Umhänge eng um sich gewickelt, und so versuchte niemand, sie aufzuhalten. Sie hasteten zwischen den Zelten hindurch, aus dem Lager hinaus und in die Nacht hinein, und keiner erhob seine Hand gegen sie.
Der Boden unter Perrins Füßen wurde uneben, und Unterholz peitschte ihn, als er sich weiterziehen ließ. Der letzte Blitz zuckte krampfhaft und war verblaßt. Echos des Donners rollten über den Himmel und verklangen ebenfalls. Perrin sah nach hinten. Zwischen den Zelten brannten eine Handvoll Feuer. Einige der Blitze mußten dort eingeschlagen haben, oder vielleicht hatten Männer in ihrer Panik Lampen umgestoßen. Immer noch schrien Männer mit dünnen Stimmen durch die Nacht, bemühten sich, die Ordnung wiederherzustellen und herauszufinden, was geschehen war. Der Boden stieg an, und Zelte und Feuer und Schreie lagen bald hinter ihnen.
Plötzlich trat er beinahe Egwene in die Fersen, als Lan stehenblieb. Vor ihnen im Mondschein standen drei Pferde. Ein Schatten bewegte sich, und Moiraines Stimme erklang, angespannt und ärgerlich. »Nynaeve ist nicht zurückgekommen. Ich fürchte, diese junge Frau hat eine Dummheit begangen.« Lan fuhr auf der Stelle herum, als wolle er zurück, woher sie gekommen waren, aber ein Ruf Moiraines, der wie ein Peitschenknall klang, hielt ihn zurück. »Nein!« Er stand da und sah sie von der Seite her an. Nur sein Gesicht und seine Hände waren wirklich sichtbar, doch selbst sie nur als undeutliche und schattenhafte Flecke. Sie fuhr in sanfterem Tonfall fort; sanfter, aber nicht weniger fest. »Manche Dinge sind wichtiger als andere. Das weißt du.« Der Behüter rührte sich nicht, und ihre Stimme wurde wieder härter. »Denk an deine Eide, al'Lan Mandragoran, Herr der Sieben Türme! Wie steht es mit dem Eid eines mit dem Diadem ausgezeichneten Feldherrn der Malkieri?«
Perrin blinzelte. Das alles war Lan? Egwene murmelte etwas, aber er konnte den Blick nicht von der Szene vor ihm wenden. Lan stand da wie ein Wolf aus Scheckies Rudel, ein Wolf, der von der kleinen Aes Sedai in die Enge getrieben worden war und der vergeblich versuchte, dem Untergang zu entrinnen.
Die erstarrte Szene wurde durch das Krachen brechender Äste im Wald unterbrochen. Mit zwei langen Schritten befand sich Lan zwischen Moiraine und dem Geräusch. Der blasse Mondschein spielte über sein Schwert. Unter dem Krachen und Knacken des Unterholzes brachen zwei Pferde aus dem Wald hervor; eines mit einem Reiter darauf.
»Bela!« rief Egwene zur selben Zeit, als Nynaeve vom Rücken der zotteligen Stute her sagte: »Ich hätte euch beinahe nicht mehr gefunden. Egwene! Dem Licht sei Dank, daß du lebst!«
Sie glitt von Bela herunter, aber als sie auf die Emondsfelder zuging, packte Lan sie am Arm, und sie blieb abrupt stehen und sah zu ihm hoch.
»Wir müssen gehen, Lan«, sagte Moiraine, die nun wieder ruhiger klang, und der Behüter ließ Nynaeves Arm los.
Nynaeve rieb sich den Arm, während sie zu Egwene eilte und sie umarmte, aber Perrin glaubte, ein leises Lachen von ihr gehört zu haben. Das verblüffte ihn, denn er konnte sich nicht denken, daß es etwas mit ihrer Wiedersehensfreude zu tun gehabt hatte.
»Wo sind Rand und Mat?« fragte er.
»Woanders«, antwortete Moiraine, und Nynaeve äußerte etwas in so scharfem Tonfall, daß Egwene vor Überraschung nach Luft schnappte. Perrin blinzelte. Er hatte einen Teil verstanden — einen Wagenlenkerfluch, und einen deftigen noch dazu. »Das Licht behüte sie«, fuhr die Aes Sedai fort, als habe sie nichts bemerkt.
»Keinem von uns wird es gutgehen«, sagte Lan, »wenn uns die Weißmäntel finden. Wechselt eure Umhänge und steigt auf die Pferde.«
Perrin kletterte auf das Pferd, das Nynaeve hinter Bela hergeführt hatte. Es störte ihn nicht, daß kein Sattel vorhanden war; zu Hause war er nicht oft geritten, aber wenn, dann meistens ohne Sattel. Er trug immer noch den weißen Umhang, jetzt aber zusammengerollt und an seinen Gürtel gehängt. Der Behüter hatte gesagt, sie sollten so wenig Spuren wie möglich für die Weißmäntel hinterlassen. Er glaubte immer noch, Byars Geruch daran zu spuren.
Als sie losritten, Lan auf seinem hohen schwarzen Hengst voraus, fühlte Perrin noch einmal Scheckies gedankliche Berührung. Noch ein Tag. Mehr ein Gefühl als Worte, so hauchte es das Versprechen eines vorbestimmten Zusammentreffens, Vorfreude auf das Kommende, Enttäuschung über das, was kommen würde, alles in sich überlagernden Schichten. Er versuchte, zu fragen, wann und warum, und stammelte vor Eile und plötzlich aufkommender Angst. Die Spur der Wölfe wurde schwächer und verflog. Seine angsterfüllten Fragen brachten nur die gleiche schwerfällige Antwort: Noch ein Tag. Sie verfolgte ihn noch, lange nachdem das Bewußtsein der Nähe der Wölfe aus seinem Verstand verschwunden war.
Lan führte sie langsam, aber gleichmäßig, nach Süden. Die in tiefe Nacht gehüllte Wildnis — welliger Boden mit verborgenem Unterholz, das man erst zu spüren bekam, wenn man darüber stolperte, dazu schattenhafte Bäume, die sich in dichten Gruppen vom Nachthimmel abhoben -ließ sowieso keine schnellere Gangart zu. Zweimal verließ der Behüter sie und ritt zurück in Richtung auf die Mondsichel. Er und Mandarb verschmolzen mit der Nacht hinter ihnen. Beide Male kehrte er zurück und hatte nichts von einer Verfolgung bemerkt.