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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Egwene gab einen Laut von sich. Byar sah Perrin unverwandt an, und er erwiderte den Blick. Er wagte dabei kaum zu zwinkern. »Ich verstehe nicht«, sagte er bedächtig.

»Es gibt nichts zu verstehen«, antwortete Byar. »Nichts als Gedankenspiele. Würdet ihr entkommen, dann hätten wir keine Zeit, euch zu suchen. Wir können keine einzige Stunde verschwenden, wenn wir Caemlyn rechtzeitig erreichen wollen. Wenn ihr, sagen wir, eure Fesseln an einem scharfkantigen Stein aufscheuern und in der Nacht verschwinden würdet, wären die Probleme des Lordhauptmanns gelöst.« Er wandte den Blick nicht von Perrin, griff unter seinen Umhang und warf etwas auf den Boden.

Automatisch sah Perrin hin. Als er erkannte, was es war, keuchte er. Ein Stein. Ein gespaltener Stein mit einer scharfen Kante.

»Einfach nur Gedankenspiele«, sagte Byar. »Eure Wachen heute nacht spekulieren auch.«

Perrins Mund war plötzlich ganz trocken. Denk darüber nach! Licht, hilf mir, aber denk genau darüber nach, und mache keine Fehler!

Konnte es wahr sein? Konnte die Notwendigkeit, schnell nach Caemlyn zu kommen, für die Weißmäntel so wichtig sein, daß sie als Schattenfreunde Verdächtigte laufen ließen? Es hatte keine Zweck, darüber zu spekulieren — er wußte zu wenig. Byar war der einzige Weißmantel, der mit ihnen sprach, außer natürlich Lordhauptmann Bornhald, und keiner von beiden war geneigt, sie großzügig zu informieren. Also andersherum. Wenn Byar wollte, daß sie entkamen, warum zerschnitt er nicht einfach ihre Fesseln? Falls Byar wirklich wollte, daß sie entkamen. Byar, der bis aufs Mark überzeugt war, daß sie Schattenfreunde seien? Byar, der Schattenfreunde mehr haßte als den Dunklen König selbst? Byar, der jeden Grund suchte, um ihm Schmerzen zuzufügen, weil er zwei Weißmäntel getötet hatte? Byar wollte sie entkommen lassen?

Wenn er vorher geglaubt hatte, sein Verstand arbeite schnell, dann wurde das Tempo seiner Gedanken nun halsbrecherisch. Trotz der Kälte rann ihm der Schweiß in Rinnsalen übers Gesicht. Er sah zu den Wachen hinüber. Sie waren nur blaßgraue Schatten, aber es schien ihm, als warteten sie gespannt. Wenn Egwene und er bei einem Fluchtversuch getötet würden, nachdem sie ihre Fesseln an einem Stein aufgeschnitten hätten, der zufällig dort lag... Das Problem des Lordhauptmanns wäre dann allerdings gelöst. Und Byar hätte sie getötet, was er ja sowieso wollte.

Der hagere Mann hob seinen Helm vom Boden neben der Laterne auf und war im Begriff, sich zu erheben.

»Wartet«, sagte Perrin heiser. Seine Gedanken überstürzten sich, als er vergeblich nach einem Ausweg suchte. »Wartet, ich will mit Euch sprechen. Ich... «

Es kommt Hilfe!

Der Gedanke blühte in seinem Verstand auf, ein Lichtausbruch mitten im Chaos, so überraschend, daß er einen Augenblick lang alles vergaß, sogar wo er sich befand. Scheckie lebte! Elyas, sprach er den Wolf in seinen Gedanken an, und ohne Worte wollte er wissen, ob der Mann ebenfalls noch lebte. Ein Bild formte sich als Antwort. Elyas, der neben einem kleinen Feuer auf einem Bett aus den Ästen von Nadelbäumen lag — in einer Höhle — und eine Wunde an seiner Seite verband. Es dauerte nur einen Augenblick lang. Er gaffte Byar an, und sein Gesicht verzog sich zu einem närrischen Grinsen. Elyas lebte. Scheckie lebte. Hilfe nahte.

Byar unterbrach seine Bewegung halb aufgerichtet und sah ihn an. »Dir ist ein Gedanke gekommen, Perrin von den Zwei Flüssen, und ich möchte wissen, was er bedeutet.«

Einen Moment lang glaubte Perrin, er meine den Gedanken, den ihm Scheckie gesandt hatte. Panik überzog sein Gesicht, von Erleichterung gefolgt. Byar konnte das auf keinen Fall wissen.

Byar beobachtete die Veränderungen seines Gesichtsausdrucks, und zum ersten Mal wanderte der Blick des Weißmantels zu dem Stein hin, den er auf den Boden geworfen hatte.

Er überlegte es sich doch noch einmal, erkannte Perrin. Wenn er seine Meinung in bezug auf den Stein änderte, würde er dann riskieren, sie am Leben zu lassen, da sie ihn ja verraten konnten? Fesseln konnte man auch durchwetzen, wenn die Menschen, die sie trugen, tot waren, selbst wenn man damit die Entdeckung riskierte. Er blickte Byar in die Augen — durch die dunklen Ringe und die tief eingefallenen Augenhöhlen des Mannes wirkte es, als starre er ihn aus tiefen Höhlen heraus an -, und er sah, daß sein Tod beschlossen war.

Byar öffnete den Mund, und während Perrin darauf wartete, daß er sein Todesurteil aussprach, begannen gedankenschnell viele Dinge auf einmal zu geschehen.

Plötzlich verschwand eine der Wachen. Im ersten Moment gab es noch zwei undeutliche Gestalten dort, im nächsten verschluckte die Nacht eine davon. Der zweite Wachsoldat drehte sich um, seine Lippen formten einen Schrei, doch bevor noch die erste Silbe seiner Kehle entwich, hörte man ein hartes Tschank, und er fiel wie ein gefällter Baum. Byar fuhr schnell wie eine Viper herum.

Die Axt wirbelte so schnell in seinen Händen, daß sie summte. Perrin machte große Augen, als die Nacht in den Laternenschein hineinzufließen schien. Sein Mund öffnete sich zu einem Schrei, aber seine Kehle war vor Angst zugeschnürt. Einen Moment lang vergaß er sogar, daß Byar sie töten wollte. Der Weißmantel war ein menschliches Geschöpf, und die Nacht war zum Leben erwacht, um sie alle zu verschlingen.

Dann entstand aus der Dunkelheit, die in das Licht eindrang, Lan, dessen Umhang bei seiner Bewegung verschiedene Grauschattierungen annahm. Die Axt in Byars Hand fuhr wie ein Blitz auf ihn zu... und Lan beugte sich nur ganz locker zur Seite. Die Schneide zischte so knapp an ihm vorbei, daß er den Luftzug gespürt haben mußte. Byars Augen weiteten sich, als ihn die Wucht des Schlags aus dem Gleichgewicht brachte, als der Behüter in schneller Folge mit Händen und Füßen zuschlug, so schnell, daß Perrin nicht sicher war, was er eigentlich gerade gesehen hatte. Er war sich allerdings sicher, daß Byar wie ein Mehlsack zusammenbrach. Bevor noch der stürzende Weißmantel richtig am Boden lag, befand sich der Behüter bereits auf den Knien und löschte die Laterne. In der plötzlich wieder eingebrochenen Dunkelheit konnte Perrin nichts erkennen. Lan war wieder verschwunden.

»Seid Ihr wirklich...?« Egwene schluchzte unterdrückt. »Wir dachten, Ihr seid tot. Wir glaubten, Ihr seid alle tot.«

»Noch nicht.« Das tiefe Flüstern des Behüters klang amüsiert.

Hände berührten Perrin, fanden seine Fesseln. Ein Messer zerschnitt die Seile; ein leichtes Ziehen, und er war frei. Seine schmerzenden Muskeln protestierten, als er sich aufsetzte. Er rieb sich die Handgelenke und spähte zu dem grauen Bündel hinüber, das Byar war. »Habt Ihr... ? Ist er...?«

»Nein«, antwortete Lans Stimme ruhig aus der Finsternis. »Ich töte nicht, wenn ich es nicht will. Aber er wird eine Weile lang niemanden mehr belästigen. Hört auf, Fragen zu stellen, und besorgt euch Umhänge von denen. Wir haben nicht viel Zeit.«

Perrin kroch hinüber, wo Byar lag. Er hatte Hemmungen, den Mann zu berühren, und als er das Heben und Senken der Brust des Weißmantels spürte, zuckte seine Hand beinahe wieder zurück. Seine Haut prickelte, als er sich zwang, den weißen Umhang zu lösen und wegzuziehen. Trotz der Worte Lans stellte er sich vor, der Mann mit dem Totenschädelgesicht werde sich plötzlich aufrichten. Hastig tastete er herum, bis er seine Axt fand, und kroch dann zu einem anderen Wächter. Zuerst kam es ihm seltsam vor, daß er nicht zögerte, den bewußtlosen Mann zu berühren, aber der Grund wurde ihm schnell klar. Alle Weißmäntel haßten ihn, aber das war ein menschliches Gefühl. Byar fühlte nichts, er wollte nur seinen Tod; es lag kein Haß darin — überhaupt kein Gefühl.

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