Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Auch die anderen Gefangenen leisteten kaum noch Widerstand. Wer sich trotzdem wehrte, wurde von den Soldaten einfach überrannt, doch die meisten ließen entmutigt ihre Waffen fallen und ergaben sich ohne Kampf. Torian wurde gepackt und genau wie die anderen brutal auf den Gang hinausgetrieben, wo Barul-Konos bereits auf sie wartete, die Arme vor der Brust verschränkt. »Narren«, sagte er abfällig. Er sprach leise, aber auf eine Art, die Torian unwillkürlich schaudern und begreifen ließ, was die Redewendung gefährlich leise bedeutete. »Ihr seid allesamt Narren. Was habt ihr euch bei dieser kindischen Rebellion nur gedacht? Glaubtet ihr ernsthaft, so aus Moran-Dur entkommen zu können? Ich hoffe, das wird euch eine Lehre sein.« Er warf Kawilas einen halb bedauernden, halb spöttischen Blick zu, dann gab er den Soldaten einen Wink. »Tötet ihn!«
»Das... das könnt ihr nicht...!« Kawilas’ Augen weiteten sich vor Entsetzen. »Ihr habt doch versprochen ...«
Das waren seine letzten Worte. Torian wandte den Kopf ab, als er sah, wie einer der Soldaten sein Schwert hob. Kawilas’ Schrei riß abrupt ab. Lähmendes Schweigen breitete sich aus.
»Und jetzt schafft sie in ihre Unterkünfte zurück!« befahl Barul-Konos kalt. Torian hörte seine Worte wie durch einen dichten Nebel. Während des ganzen Weges zurück fühlte er den Blick des Kommandanten auf sich ruhen und wußte, daß das Todesurteil für Kawilas in Wahrheit ihm galt und nur dazu diente, ihn zu warnen. Immer wieder hallten die Worte des bulligen Gefangenen in ihm wider, und nur ganz langsam begann er zu begreifen.
Es war alles geplant gewesen, auch der Aufstand war allein seinetwegen inszeniert worden. Ohne es zu wissen, hatte Kawilas nur als Werkzeug gedient. Barul-Konos hatte ihm etwas versprochen und ihn dann aus dem Weg geräumt. Der Aufstand sollte stattfinden. Aber warum? Torian konnte sich nicht vorstellen, daß es Barul-Konos nur darauf angekommen war, ihm seine Hilflosigkeit vor Augen zu führen, daß er nur deshalb mehr als zwei Dutzend Menschen, die meisten davon Wächter, sterben ließ, um ihm Hoffnung vorzugaukeln und sie anschließend um so gründlicher wieder zu zerstören.
Torian fand keine Lösung, so sehr er auch grübelte.
Er war so in Gedanken versunken, daß er den toten Nork vor der Tür des Verlieses erst entdeckte, als er fast über den Leichnam stolperte.
»Die haben es geschickter angestellt«, sagte Barul-Konos neben ihm. »Als ihr alle Aufmerksamkeit auf euch gelenkt habt, haben sie die Gelegenheit genutzt, um in aller Heimlichkeit zu fliehen. Aber meine Männer sind ihnen bereits auf der Spur. Wir werden sie ebenfalls wieder einfangen.«
Jedes seiner Worte traf Torian wie ein Schlag. Am liebsten hätte er sich selbst für seine Dummheit geohrfeigt. Statt zu versuchen, die anderen zur Vernunft zu bringen, hätte er nur bei Faron zu bleiben brauchen, und er wäre jetzt vielleicht wirklich frei. Einer kleinen Gruppe, die sich unauffällig davonschlich, konnte die Flucht viel eher gelingen als dem grölenden Haufen, der seinen Weg geradezu mit Leichen pflasterte.
Barul-Konos lachte schallend. Sein Lachen hallte Torian noch in den Ohren, als die Tür längst hinter ihm ins Schloß gefallen war. Es verklang erst, als Faron und sein Begleiter Stunden später in das Verlies getrieben wurden. Faron war übel zugerichtet und konnte sich kaum aus eigener Kraft auf den Beinen halten; man hatte ihn ausgepeitscht. Sein Fell war voller Blut, doch er schien den Schmerz kaum zu spüren. Kraftlos ließ er sich auf sein Lager fallen. Auf seinem Gesicht lag ein leises, triumphierendes Lächeln, als sich Torian neben ihm niederkauerte.
»Dein Freund lebt und ist in Sicherheit«, flüsterte der Nork beinahe unhörbar. »Ich habe gerade mit Garth gesprochen.«
Dann verlor er das Bewußtsein. Ungeduldig wartete Torian darauf, daß Faron endlich wieder aufwachte. Sein Herz raste, und die Gedanken überschlugen sich in seinem Kopf, selbst jetzt noch. Es war ihm nicht gelungen, ruhiger zu werden, obwohl Faron bereits seit mehr als einer Stunde ohne Bewußtsein war. Die anderen Norks hatten seine Wunden versorgt und verbunden, so gut es ihnen mit den wenigen Hilfsmitteln möglich war, dann hatte Torian sie zurückgescheucht, um sofort ungestört mit Faron sprechen zu können, wenn er aufwachte. Dieses Gespräch ging niemanden etwas an, es konnte sogar gefährlich werden, wenn zuviel davon bekannt wurde. Etwas sagte ihm, daß Farons Worte nicht nur einem Fieberwahn entsprangen, wenn er sich auch nicht vorstellen konnte, wie der Nork mit Garth gesprochen haben sollte. Es konnte höchstens bedeuten, daß Warlon und Barul-Konos ihn belegen hatten und sich Garth ebenfalls als Gefangener in Moran-Dur befand. Aber warum hatte Faron dann gesagt, Garth wäre in Sicherheit? Er hatte diesen verfluchten Berg bestimmt nicht verlassen und war dann freiwillig zurückgekehrt, um sich halbtot schlagen und wieder einsperren zu lassen.
Torian merkte, wie seine Gedanken sich im Kreis zu drehen begannen. Er wußte einfach zu wenig, um irgendwelche Spekulationen anstellen zu können, und all seine Grübeleien endeten im Nichts.
Garth lebte, das war alles, was im Moment zählte.
Wenn sich Faron nicht doch geirrt oder schlichtweg phantasiert hat, meldete sich wieder die leise, böse Stimme des Zweifels in seinen Gedanken. Mit Macht kämpfte Torian dagegen an. Er wußte, daß es falsch war, sich allzu stark an diese Hoffnung zu klammern. Wenn sie trügerisch war, würde der Schmerz anschließend um so schlimmer sein, doch das war ihm momentan gleichgültig. Nach all den Schrecken und Rückschlägen der letzten Tage waren Farons Worte endlich einmal ein Lichtblick.
Endlos langsam verstrichen die Sekunden, jede Minute dehnte sich zu einer wahren Ewigkeit, bis Faron endlich wieder ein schwaches Lebenszeichen von sich gab. Er stöhnte leise auf und bewegte den Kopf ein wenig. Torian rüttelte ihn sanft an der Schulter und rief immer wieder den Namen des Norks, bis Faron nach einigen weiteren Minuten die Augen aufschlug und ihn verwirrt anschaute. Dann klärte sich sein Blick. »Torian«, murmelte er leise. Seine Stimme war kaum zu verstehen.
»Was ist mit Garth?« fragte Torian voll Ungeduld mit bebender Stimme, aber ebenso leise, damit die anderen ihn nicht hörten. »Du hast gesagt, du hättest ihn gesprochen. Wo ist er? Wie geht es ihm?«
Mühsam stemmte sich Faron in die Höhe und verzog vor Schmerz das Gesicht. Torian reichte ihm einen Krug, in dem sich noch ein kleiner Rest Wasser befand. Mit einem dankbaren Nicken griff der Nork danach, trank und stellte den leeren Krug zu Boden. »Hilf mir hoch«, bat er, ohne auf Torians Frage zu antworten. »Ich muß mit dir reden, aber so, daß niemand mithören kann.«
Torian mußte ihn stützen, als sie in die hinterste Ecke des Verlieses schlichen und sich dort niederkauerten. Die meisten Gefangenen schliefen und bekamen ohnehin nichts mit, die anderen, die neugierig näherkamen, scheuchte er mit einigen barschen Worten zurück. Niemand wagte es, gegen ihn aufzubegehren.
»Also, was ist nun mit Garth?« flüsterte er, als er sicher war, daß niemand hören konnte, was sie sprachen.
»Er war so schwer verletzt, daß man ihn für tot hielt und liegenließ. Meine Leute kümmerten sich um ihn und pflegten ihn. Mittlerweile ist er außer Lebensgefahr und erholt sich sogar erstaunlich schnell. Er ist ungeheuer zäh. In ein paar Tagen wird er wieder ganz gesund sein.«
»Wer sind deine Leute?« unterbrach Torian, bewußt den Tonfall seines Gegenübers nachahmend. »Willst du sagen, daß du Moran-Dur wirklich verlassen hast?«
»Ich habe dir doch erzählt, daß ich einer der Führer des Nork-Aufstandes vor ein paar Jahren war. Nicht alle von uns haben sich damals ergeben, viele konnten fliehen und sich verbergen. Wir sind nicht nach Tremon gegangen, weil wir rasch erkannten, daß wir dem Namen nach dort zwar keine Sklaven waren, ansonsten jedoch genauso unterdrückt und ausgenutzt wurden. Deshalb blieben wir hier, in unmittelbarer Nähe, wo uns niemand vermutet. Es gibt geheime Höhlen und Katakomben unter diesem Berg, die sicherer sind als jedes andere Versteck. Aber wir konnten nicht einfach nur tatenlos abwarten. Viele meiner Brüder werden in Moran-Dur gefangengehalten. Wir werden sie befreien. Deshalb bin ich zurückgekommen.«