Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Verständnislos starrte der Nork ihn an. »Ich habe doch schon gesagt...«
»Ich weiß, was du gesagt hast«, unterbrach ihn Torian. »Und du weißt genau, was ich meine. Du bist anders als die übrigen Gefangenen, und vor allem anders als die übrigen Norks.«
Faron schüttelte den Kopf. »Unsinn«, sagte er, doch sein Gesicht verfinsterte sich für den Bruchteil einer Sekunde. »Du täuschst dich. Ich bin auch nicht mehr als jeder andere hier.«
»Natürlich nicht.« Torian grinste flüchtig. Er glaubte selbst nicht richtig an seinen Verdacht, Faron könnte ein Spitzel sein. Wahrscheinlich ging es dem Nork genauso wie ihm auch. Keiner vertraute dem anderen, dafür kannten sie sich zuwenig. Dabei hatte sich gerade Torian in den vergangenen Jahren einen sehr zweifelhaften Ruf erworben, der ihm hier nur vorteilhaft sein konnte.
»Du sollst Fürst Limahrt umgebracht haben«, sagte Faron, als hätte er seine Gedanken gelesen. »War Limahrt wirklich dein Vater?«
»Ja. Aber ich habe ihn nicht umgebracht. Es war Warlon, mein Bruder. Er wollte selber Fürst werden.«
»Was er ja auch geschafft hat. Gibt es keine Möglichkeit, deine Unschuld zu beweisen?«
»Nein. Alles deutet auf mich hin, und der einzige Zeuge ist tot.« Torian machte eine kurze Pause, dann wechselte er rasch das Thema: »Und weshalb bist du hier?«
»Ich war einer der Führer des Nork-Aufstandes vor ein paar Jahren. Vor drei Monaten haben sie mich geschnappt und hierhergebracht.« Sein Gesicht verhärtete sich. »Man versprach, uns zu begnadigen, wenn wir die Waffen niederlegen. Als wir es taten, konnte sich plötzlich niemand mehr an das Versprechen erinnern und jagte uns genauso schlimm wie zuvor, bis sie mich und die meisten anderen geschnappt hatten. Am Anfang haben sie genauso versucht, mich fertigzumachen, wie sie es jetzt mit dir machen. Aber ich habe die Spielregeln Moran-Durs ziemlich schnell durchschaut.«
Das Gespräch versiegte, und wieder drohte Torian einzuschlafen. Er massierte seine Muskeln, um sie zu entkrampfen. Faron packte die leeren Holzteller und brachte sie weg. »Vor Kawilas wirst du dich in acht nehmen müssen«, sagte er, als er zurückkehrte. »Er versucht, die anderen gegen dich aufzuwiegeln.«
»Soll er«, murmelte Torian. »Ich bin überhaupt nicht besonders scharf darauf, den Anführer zu spielen, sondern wollte ihm nur zeigen, daß ich mich nicht so leicht einschüchtern lasse.«
»Warum erklärst du ihm das nicht?« fragte Faron spöttisch. »Vielleicht sieht er das ja ein und hört auf, dich zu hassen. Vorausgesetzt, du kannst schneller sprechen, als er dir die Zähne einschlägt. Verstehst du nicht, daß es ihm allein um seinen Stolz geht? Er wird unter allen Umständen versuchen, sich seine Position zurückzuerobern.«
»Wenn er sich jetzt noch einmal mit mir anlegen würde, hätte er leichtes Spiel«, sagte Torian schmerzlich. »Ich würde wahrscheinlich nicht einmal seinem ersten Schlag ausweichen können.«
»Genau deshalb wird er es auch nicht tun«, versicherte Faron. »Er weiß, wie erschöpft du bist, und es würde sein Ansehen in keiner Form steigern, dich jetzt zu verprügeln. Alle würden sich geschlossen gegen ihn stellen. Nein, er wird bis kurz vor den Spielen warten.«
»Was haben die Spiele damit zu tun?«
Faron lachte leise. »Du hast wohl nicht besonders viel Ahnung von Moran-Dur, wie? Die Spiele finden zweimal im Jahr statt. Das ist ein riesiges Spektakel, zu dem zahlreiche einflußreiche Besucher aus allen Teilen Scrooths kommen. Jeder Gefangenenblock stellt einen Kämpfer. Die zehn Gesamtsieger werden teilweise begnadigt und in eine Sondertruppe der Armee gesteckt. So bleiben sie zwar auch weiterhin Gefangene, aber sie sind dieser Hölle hier immerhin entkommen. Es gibt kaum jemanden auf Moran-Dur, der nicht zu den Kämpfern gehören möchte. Selbst wenn man verliert, hat man immerhin die Hoffnung auf einen raschen Tod.«
»Und wer bestimmt über die Teilnahme?«
»Jeder Gefangenenblock stellt seinen Kämpfer selbst auf. Natürlich kann sich immer der Stärkste durchsetzen. Ein klug ausgedachtes Prinzip, das einen doppelten Sinn erfüllt. Den Gefangenen bleibt eine letzte kleine Hoffnung, von hier zu entkommen, und da immer die Stärksten Moran-Dur verlassen, verhindert man, daß ihre Macht allzu groß wird. Außerdem entsteht niemals eine für die Wächter gefährliche Gemeinschaft der Gefangenen, weil es ständig Kämpfe um die Führung und die damit verbundene Chance zum Entkommen gibt.«
Erst allmählich begriff Torian. »Soll das heißen, daß ich an den Spielen teilnehme, nur weil ich Kawilas gestern besiegt habe?«
»Genau das. Deshalb wird er mit Sicherheit alles unternehmen, um sich seine Position zurückzuerobern. Ihm bleiben noch knapp drei Wochen. Wenn du dich bis dahin behaupten kannst, ist das deine Chance, von hier wegzukommen.«
Die Gedanken jagten wie kleine, bissige Ungeheuer durch Torians Geist. Einiges, was Faron ihm erzählt hatte, wußte er bereits, neu war für ihn aber das Prinzip, wie die Kämpfer ausgewählt wurden. Trotzdem glaubte er nicht, daß sich dadurch eine Chance für ihn ergab. Warlon und Barul-Konos würden verhindern, daß er auf diese Art von hier entkam.
Aber einen Versuch war es zumindest wert.
Wieder ertönte ein dumpfer Gongschlag und zeigte das Ende der Pause an. Torian wußte nicht, wie er den Nachmittag lebend überstand. Er brauchte einen Zusammenbruch gar nicht erst zu spielen. Irgendwann konnte er einfach nicht mehr. Sofort waren zwei Wächter zur Stelle, die auf ihn einpeitschten. Sie schlugen ihn halbtot, bis sie schließlich einsahen, daß er an die Grenzen seiner Kraft gestoßen war und ihn einfach liegenließen. Ein anderer Gefangener übernahm seine Aufgabe. Am Abend mußte er sich von Faron und einem anderen Nork in ihre Unterkunft schleppen lassen. Er nahm vage wahr, daß Shyleen nicht mehr bei ihnen war, doch seine Erschöpfung war zu groß, als daß er darüber nachdenken konnte. Kaum hatte er sein Lager erreicht, war er auch schon eingeschlafen. Er schlief die ganze Nacht durch, bis die gleiche Tortur am nächsten Morgen erneut begann.
Aber auch in diesem Punkt behielt Faron recht: Man schonte ihn etwas mehr, um ihn nicht innerhalb weniger Tage zu Tode zu hetzen, wobei auch klar war, daß dies keinesfalls aus Mitleid geschah. Shyleen sah er nicht wieder. Wahrscheinlich hatte man sie zu einer anderen Gruppe gebracht, um sie von ihm zu trennen und ihn dadurch noch zusätzlich zu quälen. Als er sich am dritten Tag bei einem Wächter nach ihr erkundigte, bestand die einzige Antwort aus einem Peitschenhieb.
Er fragte kein zweites Mal.
Allmählich gewöhnte sich sein Körper an die Strapazen. Außerdem wurde er nicht mehr auf Schritt und Tritt bewacht, so daß er während der Arbeit immer wieder kurze Pausen einlegen und seine Kräfte einteilen konnte. Mit Kawilas gab es zwar ständig kleinere Reibereien, aber keine weiteren Kämpfe mehr. Die Gefangenen seiner Gruppe waren in zwei Lager gespalten. Die einen hielten nach wie vor zu Kawilas, weil sie glaubten, daß er sich auf Dauer durchsetzen würde, doch der größere Teil hatte sich auf Torians Seite geschlagen. Kawilas wartete noch ab.
Der Vorfall ereignete sich am zwölften Tag von Torians Gefangenschaft, und er bekam selbst nicht genau mit, wie es eigentlich begann. Als sie morgens in die Minen getrieben wurden, kam es zum Kampf zwischen Kawilas und einem Wächter. Kawilas entriß dem Mann die Peitsche und erwürgte ihn, bevor irgend jemand eingreifen konnte. Als Torian Kawilas erreichte, war der Wächter bereits tot.
»Du verdammter Idiot«, keuchte Torian. Er deutete auf ein halbes Dutzend bewaffneter Wächter, das durch den Stollen herangestürmt kam. »Auf diese Art haben wir keine Chance. Die werden ...« Erst jetzt erkannte er, daß Kawilas längst nicht so spontan gehandelt hatte, wie es zuerst aussah. Gefangene sprangen plötzlich aus den Türöffnungen und überwältigten die völlig überraschten Wächter. Sie waren tot, erschlagen von ihren eigenen Schwertern, bevor sie die neue Gefahr überhaupt erkannten. Keiner von ihnen hatte eine Chance. Es war kein Kampf, sondern ein Schlachten. »Das ist trotzdem Wahnsinn!« stieß Torian hervor. Er verdrängte die Frage, wie es Kawilas gelungen war, Kontakt zu einem anderen Gefangenenblock aufzunehmen, und packte ihn am Arm. »Sag ihnen, daß sie die Waffen wegwerfen sollen, dann haben wir vielleicht noch eine Chance, alles lebend zu überstehen.«