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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Ma mère sagt, in Schottland ist es schön«, sagte Germain. »Sie weint manchmal, wenn sie davon erzählt. Aber ich bin mir nicht so sicher, dass es mir dort gefallen würde.«

»Warum denn nicht?«, fragte Brianna.

»Es ist voller Riesen und Wasserpferde und … Wesen«, erwiderte Germain stirnrunzelnd. »Denen möchte ich nicht begegnen. Und Porridge, sagt Maman, aber Porridge haben wir ja auch hier.«

»Das stimmt. Und ich glaube, es ist Zeit, dass wir welchen essen gehen.« Jamie stand auf und räkelte sich, stöhnend vor Vergnügen. Die untergehende Sonne tauchte Fels und Wasser in goldenes Licht, das die Wangen der Jungen und die hellen Haare auf den Armen ihres Vaters aufleuchten ließ.

Jemmy räkelte sich ebenfalls stöhnend und ahmte Jamie so anbetungsvoll nach, dass ihr Vater lachte.

»Dann komm, kleiner Fisch. Möchtest du nach Hause reiten?« Er bückte sich, so dass Jemmy auf seinen Rücken klettern konnte. Dann richtete er sich wieder auf, rückte den kleinen Jungen zurecht und nahm Germain bei der Hand.

Er sah, wie sie ihre Aufmerksamkeit noch einmal kurz auf den schwarzen Fleck am Rand des Felsens richtete.

»Lass es gut sein, Schatz«, sagte er leise. »Es ist irgendein Zauber. Fass es lieber nicht an.«

Dann trat er von dem Felsen hinunter und hielt auf den Pfad zu. Er hatte Jemmy auf dem Rücken und hielt Germain fest am Nacken gepackt. Beide Jungen kicherten, während sie sich ihren Weg durch den rutschigen Schlamm bahnten.

Brianna rettete ihren Spaten und Jamies Hemd von der Uferböschung und holte die Männer auf dem Pfad zum Haus ein. Ein Wind hatte sich zwischen den Bäumen erhoben und fuhr kalt durch den feuchten Stoff ihres Hemdes, doch vom Gehen war ihr so warm, dass sie nicht fror.

Germain sang leise vor sich hin, immer noch Hand in Hand mit seinem Großvater, und sein kleiner Blondschopf nickte hin und her wie ein Metronom.

Jemmy seufzte erschöpft und selig. Er hatte die Beine um Jamies Taille geschlungen, die Arme um seinen Hals gelegt und das sonnengerötete Gesicht an seinen narbigen Rücken gelehnt. Dann kam ihm ein Gedanke, denn er hob den Kopf und küsste seinen Großvater schmatzend zwischen die Schulterblätter.

Ihr Vater fuhr so heftig zusammen, dass er Jem beinahe fallen ließ, und stieß einen schrillen Laut aus, der sie zum Lachen brachte.

»Ist es jetzt besser?«, erkundigte sich Jem ernst. Er zog sich hoch und versuchte, über Jamies Schulter hinweg in sein Gesicht zu sehen.

»Oh. Aye, Kleiner«, versicherte ihm sein Großvater mit zuckendem Gesicht. »Viel besser.«

Es wimmelte jetzt von fliegenden Insekten. Sie verscheuchte eine ganze Wolke aus ihrem Gesicht und zerschlug eine Mücke, die auf Germains Hals landete.

»Ak!«, sagte er und zog den Kopf ein, sang dann aber ungestört weiter »Alouette«.

Jemmys Hemd war aus dünnem, abgetragenem Leinen, das sie aus einem von Rogers alten Hemden zurechtgeschnitten hatte. Der Stoff war ihm am Körper getrocknet, der sich kantig und solide darunter abzeichnete, und in der Spanne seiner kleinen, zarten Schultern spiegelten sich die breiteren, kräftigeren Schultern wider, an die er sich klammerte. Sie ließ den Blick von den Rotschöpfen zu Germain wandern, der dünn wie eine Spiere und anmutig durch Schatten und Licht wanderte und sang, und sie dachte, welch schmerzliche Schönheit Männer doch besaßen.

»Wer waren die bösen Männer, Opa?«, fragte Jemmy schläfrig, und sein Kopf nickte im Rhythmus von Jamies Schritten.

»Sassunaich«, erwiderte Jamie kurz. »Englische Soldaten.«

»Engländercanaille«, bekräftigte Germain und brach sein Lied ab. »Sie waren es auch, die meinem Papa die Hand abgeschnitten haben.«

»Wirklich?« Jemmy hob eine Sekunde konzentriert den Kopf, dann ließ er ihn so schwer zwischen Jamies Schulterblätter sinken, dass sein Großvater ächzte. »Hast du sie mit deinem Schwert getötet, Opa?«

»Einige von ihnen.«

»Ich werde den Rest töten, wenn ich groß bin«, verkündete Germain. »Wenn dann noch welche übrig sind.«

»Das könnte schon sein.« Jamie schob Jem ein wenig höher und ließ Germains Hand los, um Jemmys erschlaffende Beine dicht an seinen Körper zu halten.

»Ich auch«, murmelte Jemmy, und seine Augenlider wurden schwer. »Ich töte sie auch.«

An der Weggabelung überreichte ihr Jamie ihren fest schlafenden Sohn und nahm sein Hemd wieder in Empfang. Er zog es an und strich sich das zerzauste Haar aus dem Gesicht, als er den Kopf hindurchsteckte. Er lächelte sie an, dann beugte er sich, küsste sie sanft auf die Stirn und legte die Hand auf Jemmys runden, roten Kopf, der an ihrer Schulter lag.

»Mach dir keine Sorgen«, sagte er leise. »Ich werde mit Mordecai sprechen. Und mit deinem Mann. Kümmere du dich um den Kleinen hier.«

»Das hier ist etwas Persönliches«, hatte ihr Vater gesagt und damit mehr oder weniger gemeint, dass sie die Sache ruhen lassen sollte. Und vielleicht hätte sie das auch getan, wären da nicht zwei Dinge gewesen. Zum einen, dass Roger weit nach Anbruch der Dunkelheit heimgekommen war und ein Lied gepfiffen hatte, von dem er sagte, Amy McCallum hätte es ihm beigebracht. Zum anderen diese andere beiläufige Bemerkung, die ihr Vater über das Feuer auf dem Flat Rock gemacht hatte – dass es nach den Highlands roch.

Brianna hatte eine ausgezeichnete Nase, und hier roch sie Lunte. Außerdem hatte sie verspätet begriffen, wie ihr Vater darauf gekommen war. Der merkwürdige Geruch des Feuers, dieser Hauch von Arznei – es war Jod, der Geruch verbrannter Algen. In ihrer eigenen Zeit hatte sie einmal am Strand bei Ullapool ein Seetangfeuer gerochen, als sie mit Roger dort picknickte.

An der Küste gab es mit Sicherheit Seetang, und es war nicht unmöglich, das irgendjemand irgendwann etwas davon ins Landesinnere mitgebracht hatte. Es war aber auch nicht unmöglich, dass ein paar der Fischersleute Seetang aus Schottland mitgebracht hatten, so wie manche Menschen ein Glas mit Erde oder eine Handvoll Kiesel mit ins Exil nahmen, um sich an das Land zu erinnern, das sie hinter sich gelassen hatten.

Ein Zauber, hatte ihr Vater gesagt. Und das Lied, das Roger von Amy McCallum gelernt hatte, hieß »Der Deasilzauber«, sagte er.

Dies alles bedeutete noch gar nichts. Dennoch erwähnte sie das kleine Feuer und seinen Inhalt aus reiner Neugier gegenüber Mrs. Bug. Mrs. Bug wusste eine ganze Menge über Highland-Magie aller Art.

Mrs. Bug runzelte nachdenklich die Stirn über ihre Beschreibung und spitzte die Lippen.

»Knochen, sagt Ihr? Was für Knochen – waren es Tierknochen oder Menschenknochen?«

Brianna fühlte sich, als hätte ihr jemand eine Schnecke auf den Rücken gesetzt.

»Menschenknochen?«

»Oh, aye. Für manche Zaubersprüche braucht man Erde von einem Grab, wisst Ihr, und für andere Knochenstaub oder die Asche einer Leiche.« Die Erwähnung von Asche brachte Mrs. Bug offenbar auf einen Gedanken, und sie zog eine große Rührschüssel aus Keramik aus der warmen Asche des Herdfeuers und blinzelte hinein. Ein paar Tage zuvor war der Sauerteig eingegangen, und sie hatte eine Schüssel mit Mehl, Wasser und Honig aufgestellt, weil sie hoffte, auf diese Weise wilde Hefe aus der Luft einzufangen.

Die rundliche kleine Schottin blickte stirnrunzelnd auf die Schüssel, schüttelte den Kopf und stellte sie mit einem kurzen, gemurmelten Vers auf Gälisch wieder zurück. Natürlich, dachte Brianna etwas belustigt, es musste ein Gebet zum Einsammeln von Hefe geben. Welcher Schutzheilige war wohl dafür zuständig?

»Aber was Ihr gesagt habt«, sagte Mrs. Bug, die sich wieder ans Rübchenhacken machte und zum Thema zurückkam. »Dass Ihr es auf dem Flat Rock gefunden habt. Seetang, Knochen und eine Felsplatte. Das ist ein Liebeszauber. Man nennt ihn des Nordwinds Gift.«

»Was für ein überaus seltsamer Name für einen Liebeszauber«, sagte sie und starrte Mrs. Bug an. Diese lachte.

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