Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Tom Christie ließ den Blick wiederholt zwischen dem Kinderkörper auf dem Tisch und seiner Tochter hin- und herschweifen. Verunsichert trat sie einen Schritt zurück, ohne die Äthermaske loszulassen. Sein Kopf zuckte, und ein brennender grauer Blick durchbohrte mich.
»Was geht hier vor?«, wollte er wissen. »Was macht Ihr mit diesem Kind?«
»Sein Leben retten«, erwiderte ich gereizt. Ich vibrierte noch von der Intensität der Operation und war nicht in der Stimmung für Gezänk. »Wolltet Ihr etwas?«
Christie presste seine dünnen Lippen fest aufeinander, doch bevor er antworten konnte, schob sich sein Sohn Allan an ihm vorbei ins Zimmer. Er war mit ein paar Schritten bei seiner Schwester und packte sie am Handgelenk.
»Komm mit«, sagte er grob und zerrte an ihr. »Du hast hier nichts zu suchen.«
»Lasst sie los.« Rogers Stimme klang scharf, und er packte Allans Schulter, um ihn von ihr fortzuziehen. Allan fuhr auf dem Absatz herum und boxte Roger kurz und fest in den Bauch. Roger stieß ein hohles Krächzen aus, brach aber nicht zusammen. Stattdessen verpasste er Allan einen Kinnhaken. Allan stolperte rückwärts und stieß den kleinen Tisch mit den Instrumenten um – Messer und Retraktoren schepperten als metallene Flut zu Boden, und das Glas mit den Catgutfäden zersplitterte auf dem Boden, so dass Glas und Flüssigkeit in alle Richtungen spritzten.
Ein leiser Aufprall ließ mich in die Ecke blicken. Die Ätherdämpfe und der Gefühlsaufruhr hatten Amy McCallum überwältigt, und sie war in Ohnmacht gefallen.
Ich hatte keine Zeit, mich darum zu kümmern; Allan holte zu einem gewaltigen Hieb aus, Roger duckte sich, bekam den Schwung von Christie juniors Körper ab, und sie stolperten beide rückwärts, stießen gegen die Fensterbank und fielen ineinander verschlungen aus dem Fenster.
Tom Christie stieß ein leises Knurren aus und hastete zum Fenster. Malva nutzte die Gelegenheit und rannte zur Tür hinaus; ich hörte ihre Schritte eilends durch den Flur zur Küche trippeln – und wahrscheinlich zur Hintertür.
»Was in aller Welt …?«, begann Brianna und sah mich an.
»Sieh mich nicht an«, sagte ich und schüttelte den Kopf. »Ich habe keine Ahnung.« Was stimmte; ich hatte allerdings das dumpfe Gefühl, dass es eine Menge mit der Tatsache zu tun hatte, dass ich Malva an der Operation beteiligt hatte. Tom Christie und ich hatten uns einander wieder einigermaßen angenähert, seit ich seine Hand operiert hatte – doch das bedeutete nicht, dass er seine Ansichten in Bezug auf die Gottlosigkeit des Äthers geändert hatte.
Brianna richtete sich abrupt auf und erstarrte. Ächzen, Keuchen und unzusammenhängende Halbbeleidigungen vor dem Fenster deuteten darauf hin, dass der Kampf noch im Gange war – doch Allan Christie hatte Roger gerade lauthals einen Ehebrecher genannt.
Brianna warf einen scharfen Blick auf Amy McCallums hingestreckte Gestalt, und ich murmelte ein böses Schimpfwort. Ich hatte hier und da bereits Gerede über Rogers Besuche bei den McCallums gehört – und Jamie war schon kurz davor gewesen, Roger darauf anzusprechen. Aber ich hatte es ihm ausgeredet, sich einzumischen, und ihm gesagt, dass ich Brianna taktvoll darauf ansprechen würde. Dazu hatte ich jedoch keine Gelegenheit gehabt, und jetzt –
Mit einem letzten unfreundlichen Blick auf Amy McCallum schritt Brianna zur Tür hinaus, anscheinend um sich in den Kampf einzumischen. Ich fasste mir an die Stirn und muss gestöhnt haben, denn Tom Christie wandte sich abrupt vom Fenster ab.
»Ist Euch unwohl, Mistress?«
»Nein«, sagte ich ein wenig schwach. »Nur … hört mir zu, Tom. Ich bedaure, wenn ich Schwierigkeiten verursacht habe, als ich Malva um Hilfe gebeten habe. Sie hat eine wirkliche Gabe als Heilerin, glaube ich – aber es war nicht meine Absicht, sie zu etwas zu überreden, das Ihr nicht gutheißt.«
Er warf mir einen trostlosen Blick zu, den er dann auf Aidans erschlafften Körper richtete. Der Blick schärfte sich abrupt.
»Ist das Kind tot?«, fragte er.
»Nein, nein«, sagte ich. »Ich habe ihm Äther verabreicht; er ist nur eingeschla…«
Mir erstarb die Stimme in der Kehle, denn ich bemerkte, dass Aidan just diesen unpassenden Moment gewählt hatte, um das Atmen einzustellen.
Mit einem unzusammenhängenden Aufschrei schob ich Tom Christie aus dem Weg, warf mich auf Aidan, legte meinen Mund fest auf den seinen und drückte meine Handfläche fest auf die Mitte seiner Brust.
Der Äther aus seinen Lungen wehte mir ins Gesicht, als ich meinen Mund hob, und mir wurde schwindelig. Ich packte mit der freien Hand die Tischkante und legte meinen Mund wieder auf den seinen. Ich durfte nicht in Ohnmacht fallen, ich durfte es nicht.
Alles verschwamm mir vor den Augen, und das Zimmer schien sich langsam um mich zu drehen. Doch ich klammerte mich hartnäckig an mein Bewusstsein, blies drängend Luft in seine Lungen, während ich spürte, wie sich die kleine Brust unter meiner Hand sanft hob und dann wieder senkte.
Es konnte nicht länger als eine Minute gedauert haben, doch es war ein einminütiger Alptraum, währenddessen sich alles um mich drehte und Aidans Körper der einzig feste Anker in einem Strudel aus Chaos war. Amy McCallum regte sich neben mir auf dem Boden, erhob sich schwankend auf die Knie – und stürzte sich mit einem Aufschrei auf mich, zerrte an mir, um mich von ihrem Sohn fortzuziehen. Ich hörte, wie sich Tom Christies Stimme im Befehlston erhob und versuchte, sie zu fassen zu bekommen; er musste sie beiseitegezogen haben, denn plötzlich hatte sie mein Knie losgelassen.
Ich beatmete Aidan noch einmal – und diesmal zuckte die Brust unter meiner Hand. Er hustete, würgte, hustete noch einmal und begann dann, gleichzeitig zu atmen und zu weinen. Ich stand auf; alles drehte sich, und ich musste mich am Tisch festhalten, um nicht hinzufallen.
Ich sah zwei Gestalten vor mir, schwarz, verschwommen, mit gaffenden Mündern, die sich in meine Richtung öffneten, voll scharfer Fangzähne. Ich blinzelte schwankend und holte in tiefen Zügen Luft. Blinzelte erneut, und die Gestalten verwandelten sich in Tom Christie und Amy McCallum. Er hatte sie um die Taille gefasst, um sie zurückzuhalten.
»Es ist schon gut«, sagte ich, und meine Stimme klang seltsam und weit entfernt. »Es geht ihm gut. Lasst sie zu ihm.«
Sie warf sich mit einem Schluchzer auf Aidan und zog ihn in ihre Arme. Tom Christie und ich starrten uns über das Bild der Verwüstung hinweg an. Im Freien war alles still geworden.
»Habt Ihr dieses Kind gerade von den Toten erweckt?«, fragte er, fast im Plauderton, obwohl er seine feinen Augenbrauen weit hochgezogen hatte.
Ich wischte mir mit der Hand über den Mund, der immer noch vom widerlich süßen Geschmack des Äthers erfüllt war.
»Das könnte man so sagen«, sagte ich.
»Oh.«
Er starrte mich mit ausdruckslosem Gesicht an. Das Zimmer roch nach Alkohol, der meine Nasenschleimhäute zu verätzen schien. Meine Augen tränten ein wenig; ich wischte mit meiner Schürze darüber. Schließlich nickte er wie zu sich selbst und wandte sich zum Gehen.
Ich musste mich um Aidan und seine Mutter kümmern. Aber ich konnte ihn nicht gehen lassen, ohne mich für Malva einzusetzen, soweit es mir möglich war.
»Tom – Mr. Christie.« Ich eilte ihm nach und erwischte ihn am Ärmel. Er drehte sich überrascht und stirnrunzelnd um.
»Malva. Es ist meine Schuld; ich habe Roger geschickt, um sie zu holen. Ihr werdet –« Ich zögerte, aber mir fiel keine taktvolle Formulierung dafür ein. »Ihr werdet sie doch nicht bestrafen, oder?«
Sein Stirnrunzeln vertiefte sich kurz, dann verblasste es. Er schüttelte kaum merklich den Kopf und zog mir mit einer kleinen Verbeugung den Ärmel aus der Hand.
»Stets zu Diensten, Mrs. Fraser«, sagte er leise, warf einen letzten Blick auf Aidan – der gerade etwas zu essen verlangte – und ging.