Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Natürlich«, sagte sie und erhob sich, um seiner Forderung nachzukommen, während sie noch geistesabwesend die verkohlten Überreste betrachtete. »Ihr habt ja seit fast einer Stunde nichts mehr gegessen. Was habt ihr –« Ihr Blick wanderte langsam von der Feuerstelle zu ihrem Sohn, dann heftete er sich abrupt auf die beiden kleinen Jungen, die grinsend dastanden, von Kopf bis Fuß mit Schlamm bedeckt.
»Wie seht ihr denn aus!«, sagte sie, doch ihre Bestürzung wurde durch Resignation gedämpft. »Wie habt ihr es nur geschafft, euch so schmutzig zu machen?«
»Oh, das ist doch ganz einfach«, versicherte ihr Vater ihr und erhob sich grinsend. »Es lässt sich aber auch ebenso einfach beheben.« Er bückte sich, packte Germain am Rücken seines Hemdes und an der Sitzfläche seiner Hose und schleuderte ihn zielsicher von dem Felsen in das darunterliegende Wasserbecken.
»Ich auch, ich auch! Ich auch, Opa!« Jemmy tanzte aufgeregt auf und ab und versprühte Erdklumpen in sämtliche Himmelsrichtungen.
»Oh, aye. Du auch.« Jamie bückte sich, packte Jem um die Taille und warf ihn mit flatterndem Hemd hoch in die Luft, ehe Brianna aufschreien konnte.
»Er kann nicht schwimmen!«
Dieser Einwand erklang gleichzeitig mit einem lauten Klatschen, als Jem im Wasser auftraf und prompt wie ein Stein versank. Sie hechtete schon auf die Felskante zu, um ihm nachzuspringen, als ihr Vater ihr die Hand auf den Arm legte, um sie aufzuhalten.
»Warte einen Moment«, sagte er. »Woher willst du wissen, ob er schwimmt oder nicht, wenn du es ihn nicht versuchen lässt?«
Germain hielt bereits wie ein Pfeil auf das Ufer zu, sein glänzendes blondes Haar dunkel vor Nässe. Jemmy tauchte planschend und spuckend hinter ihm auf, und Germain holte erneut aus, machte kehrt wie ein Otter und schwamm an seine Seite.
»Du musst treten!«, rief er Jemmy zu und produzierte zur Demonstration eine gewaltige Fontäne. »Leg dich auf den Rücken!«
Jemmy hörte auf, mit den Armen zu wedeln, legte sich auf den Rücken und strampelte wie verrückt mit den Beinen. Sein Haar klebte ihm im Gesicht, und das Spritzwasser seiner Anstrengungen musste ihm den Rest seiner Sicht nehmen – doch er strampelte tapfer weiter, begleitet von Jamies und Germains Ermunterungsgeheul.
Das Becken maß nicht mehr als drei Meter im Durchmesser, und er erreichte das flache Wasser am anderen Ufer in wenigen Sekunden und strandete zwischen den Felsen, indem er kopfüber damit zusammenstieß. Er hielt an, schlug im flachen Wasser um sich, dann sprang er spritzend auf und schob sich das nasse Haar aus dem Gesicht. Er sah total verdattert aus.
»Ich kann schwimmen!«, rief er. »Mama, ich kann schwimmen!«
»Das ist ja wunderbar!«, rief sie, hin- und hergerissen zwischen Anteilnahme an seinem ekstatischen Stolz, dem Bedürfnis, nach Hause zu laufen und Roger davon zu erzählen – und finsteren Visionen von Jemmy, der sich von nun an achtlos in abgrundtiefe Teiche und von Felszacken durchzogene Stromschnellen stürzte, dies alles in dem unbekümmerten Irrglauben, er könne tatsächlich schwimmen. Doch er war flügge geworden, da gab es keinen Zweifel – und es gab kein Zurück.
»Komm hierher!« Sie beugte sich in seine Richtung und klatschte in die Hände. »Kannst du auch zu mir zurückschwimmen? Komm schon, komm hierher!«
Er sah sie einen Moment verständnislos an, dann betrachtete er das aufgewühlte Wasser des Beckens. Das Leuchten der Aufregung in seinem Gesicht erstarb.
»Ich weiß nicht mehr«, sagte er, und seine Mundwinkel verzogen sich nach unten, schmollend vor plötzlicher Traurigkeit. »Ich weiß nicht mehr, wie!«
»Lass dich fallen und strample mit den Beinen!«, rief Germain hilfsbereit von seinem Aussichtspunkt auf dem Felsen. »Du kannst das, Jemmy!«
Jemmy stolperte ein oder zwei Schritte ins Wasser hinein, blieb dann aber mit zitternden Lippen stehen, weil Angst und Verwirrung ihn zu überwältigen begannen.
»Bleib da, a chuisle! Ich komme zu dir!«, rief Jamie, der ohne Umschweife in das Becken sprang und als langer, heller Streifen unter Wasser verschwand, während Luftbläschen von seiner Hose und seinen Haaren aufstiegen. Direkt vor Jemmy tauchte er auf, holte tief Atem und schüttelte den Kopf, um sich die nassen roten Haarsträhnen aus dem Gesicht zu schütteln.
»Na, dann komm, Mann«, sagte er und machte auf Knien im flachen Wasser kehrt, so dass er Jemmy den Rücken zukehrte. »Halt dich hier an mir fest, aye? Wir schwimmen zusammen zurück.«
Und das taten sie auch, paddelnd wie die Hunde, strampelnd und spritzend, und Germain, der ins Wasser gesprungen war, um neben ihnen herzupaddeln, stimmte in Jemmys aufgeregtes Kreischen ein.
Nachdem sie sich auf den Felsen hochgezogen hatten, lagen sie alle drei klatschnass, keuchend und lachend zu ihren Füßen, und das Wasser breitete sich in Pfützen um sie aus.
»Nun, sauberer seid ihr jetzt«, sagte sie einsichtig und brachte ihren Fuß vor einem herannahenden Bächlein in Sicherheit. »Das muss ich zugeben.«
»Natürlich sind wir das.« Jamie setzte sich hin und wrang seine langen Haare aus. »Mir ist der Gedanke gekommen, dass es vielleicht einen einfacheren Weg gibt, das zu tun, was du vorhast.«
»Was ich v… oh. Du meinst das Wasser?«
»Aye, genau.« Er zog die Nase hoch und fuhr sich mit der Hand darunter hinweg. »Ich zeige es dir, wenn du nach dem Abendessen zu uns kommst.«
»Was ist das, Opa?« Jemmy, dem die Haare als rote Stacheln zu Berge standen, war aufgestanden und betrachtete neugierig Jamies Rücken. Er streckte zögernd den Finger aus und zeichnete eine der langen, geschwungenen Narben nach.
»Was? Oh … das.« Jamies Gesicht verlor für einen Moment jeden Ausdruck. »Das ist … äh …«
»Böse Männer haben Opa einmal weh getan«, unterbrach sie bestimmt und bückte sich, um Jemmy aufzuheben. »Aber das ist lange her. Jetzt ist er wieder gesund. Du wiegst ja eine Tonne!«
»Papa sagt, Grand-père ist vielleicht ein Silkie«, merkte Germain an, während er einen interessierten Blick auf Jamies Rücken warf. »Genau wie sein Vater vor ihm. Haben dich die bösen Männer in deinem Silkie-Fell gefunden, Grand-père, und versucht, es dir abzuschneiden? Dann wäre er natürlich wieder ein Mann geworden«, erklärte er ganz sachlich, während er zu Jemmy aufblickte, »und konnte sie mit seinem Schwert töten.«
Jamie starrte Germain an. Er kniff die Augen zu, öffnete sie wieder und wischte sich noch einmal über die Nase.
»Oh«, sagte er, »aye. Ähm. Aye, ich denke, so ist es gewesen. Wenn dein Vater es sagt.«
»Was ist ein Silkie?«, fragte Jemmy verwirrt, aber neugierig. Er wand sich in ihren Armen, weil er herunterwollte, und sie stellte ihn wieder auf den Felsen.
»Ich weiß es nicht«, gab Germain zu. »Aber er hat ein Fell. Was ist ein Silkie, Opa?«
Jamie schloss die Augen, um sie vor der sinkenden Sonne abzuschirmen, rieb sich mit der Hand über das Gesicht und schüttelte schwach den Kopf. Brianna hatte das Gefühl, dass er lächelte, konnte es aber nicht mit Sicherheit sagen.
»Äh, nun gut«, sagte er. Er setzte sich aufrecht hin, öffnete die Augen und warf sein nasses Haar zurück. »Ein Silkie ist ein Wesen, das an Land ein Mensch ist, im Meer aber ein Seehund wird. Und ein Seehund«, fügte er hinzu und schnitt damit Jemmy das Wort ab, denn dieser hatte den Mund schon zur nächsten Frage geöffnet, »ist ein großes, glänzendes Tier, das wie ein Hund bellt, so stark wie ein Ochse ist und so schön wie die schwarze Nacht. Sie leben im Meer, setzen sich aber manchmal auf die Felsen in der Nähe des Ufers.«
»Hast du schon einmal Seehunde gesehen, Grand-père?«, fragte Germain begierig.
»Oh, schon oft«, versicherte ihm Jamie. »An der Küste Schottlands gibt es viele Seehunde.«
»Schottland«, wiederholte Jemmy. Seine Augen waren kugelrund.