Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Sie werden es mir glauben. Da das Mädchen so etwas sagte, musste es bereits Gerede gegeben haben. Jamie hatte wahrscheinlich davon gehört; er konnte nur hoffen, dass Brianna nichts davon wusste.
Über den Lorbeerbüschen kam der schiefe Schornstein in Sicht; sein Rauch ein beinahe durchsichtiger Hauch, der die reine Luft über dem Dachbalken erzittern ließ, als sei die Hütte verwunschen und könnte im nächsten Moment verschwunden sein.
Das Schlimmste daran war, dass er genau wusste, wie sich die Geschichte entwickelt hatte. Er hatte eine Schwäche für junge Mütter, eine schreckliche Zärtlichkeit, ein Bedürfnis, sich um sie zu kümmern. Die Tatsache, dass er genau wusste, warum er ein solches Bedürfnis verspürte – die Erinnerung an seine eigene junge Mutter, die im Bombenkrieg gestorben war, als sie ihm das Leben rettete –, half ihm absolut nicht weiter.
Es war eine Schwäche, die ihn in Alamance fast das Leben gekostet hätte, als dieser verfluchte Dummkopf William Buccleigh MacKenzie Rogers Sorge um Morag MacKenzie irrtümlich … nun gut, er hatte sie geküsst, aber nur auf die Stirn, und zum Kuckuck, sie war seine eigene Urahnin … und die unglaubliche Idiotie, beinahe von seinem eigenen Ururgroßvater umgebracht zu werden, weil man dessen Frau belästigte … Sie hatte ihn die Stimme gekostet, und er hätte seine Lektion lernen sollen, aber das hatte er nicht, nicht gründlich genug.
Plötzlich wütend auf sich selbst – und auf Malva Christie, dieses boshafte kleine Schandmaul –, hob er einen Stein vom Weg auf und schleuderte ihn bergab in den Bach. Er traf im Wasser einen anderen Stein, hüpfte zweimal und verschwand in der gurgelnden Strömung.
Seine Besuche bei den McCallums mussten aufhören, und zwar sofort. Das war ihm klar. Er musste eine andere Möglichkeit für sie finden … aber einmal musste er noch hingehen, um es ihnen zu erklären. Amy würde es verstehen, dachte er – aber wie erklärte man Aidan, was ein Ruf war, warum Gerede eine Todsünde war und warum Roger nicht mehr kommen konnte, um mit ihm zu angeln oder ihm das Schreinern beizubringen …
Unter unablässigen Flüchen bewältigte er die letzte kurze, steile Steigung und betrat den verwahrlosten kleinen Hof. Bevor er sich jedoch rufend bemerkbar machen konnte, flog die Tür auf.
»Roger Mac!« Amy McCallum fiel fast die Stufen hinunter und landete keuchend und weinend in seinen Armen. »Oh, Ihr seid hier, Ihr seid hier! Ich habe gebetet, dass jemand kommt, aber ich habe nicht geglaubt, dass es rechtzeitig geschehen würde, und gedacht, er stirbt, aber Ihr seid hier, Gott sei Dank!«
»Was ist denn? Was ist passiert? Ist Orrie krank?« Er hielt sie an den Armen fest, um sie zu stützen, und sie schüttelte so heftig den Kopf, dass ihre Haube halb herunterrutschte.
»Aidan«, keuchte sie. »Es ist Aidan.«
Aidan McCallum lag zusammengekrümmt auf meinem Sprechzimmertisch. Er war weiß wie ein Leintuch und stieß kleine keuchende Stöhnlaute aus. Meine erste Hoffnung – unreife Äpfel oder Stachelbeeren – verschwand, als ich ihn mir näher ansah. Ich war mir ziemlich sicher, womit ich es hier zu tun hatte, aber eine Blinddarmentzündung hatte einige Symptome mit anderen Erkrankungen gemeinsam. Doch ein klassischer Fall hat eine auffallende Eigenschaft.
»Könnt Ihr ihn gerade hinlegen, nur ganz kurz?« Ich sah seine Mutter an, die den Tränen nahe neben ihm stand, und es war Roger, der nickte und Aidan die Hände auf Knie und Schultern legte, während er ihn sanft überredete, sich flach hinzulegen.
Ich legte ihm den Daumen auf den Bauchnabel, den kleinen Finger auf den rechten Hüftknochen und drückte ihm fest mit dem Mittelfinger auf den Bauch. Dabei fragte ich mich für eine Sekunde, ob McBurney diese Stelle bereits entdeckt und benannt hatte. Schmerzen am McBurney-Punkt waren ein spezifisches diagnostisches Symptom für eine akute Blinddarmentzündung – und als ich Aidan dort auf den Bauch drückte und dann wieder losließ, schrie er, bäumte sich auf dem Tisch auf und klappte dann zusammen wie ein Taschenmesser.
Mit Sicherheit der Blinddarm. Ich hatte gewusst, dass ich eines Tages damit zu tun bekommen würde. Und mit einer Mischung aus Bestürzung und Aufregung begriff ich, dass der Zeitpunkt gekommen war, endlich den Äther einzusetzen. Ich hatte sowohl keinen Zweifel als auch keine Wahl; wenn ich den Wurmfortsatz nicht entfernte, würde er platzen.
Ich blickte auf; Roger stützte Mrs. McCallum am Ellbogen; sie hielt das eingewickelte Baby an ihre Brust geklammert. Sie würde bleiben müssen; Aidan würde sie brauchen.
»Roger – hol Lizzie, damit sie sich um das Baby kümmert. Und dann lauf zu den Christies, so schnell du kannst; ich brauche Malva, damit sie mir hilft.«
Ein außergewöhnlicher Ausdruck huschte über sein Gesicht; ich konnte ihn nicht deuten, aber er verschwand gleich wieder, und ich hatte keine Zeit, mir darüber Sorgen zu machen. Er nickte wortlos und ging, und ich wandte mich Mrs. McCallum zu, um ihr die Fragen zu stellen, deren Antworten ich wissen musste, bevor ich ihrem kleinen Sohn den Bauch aufschnitt.
Es war Allan Christie, der auf Rogers kräftiges Klopfen hin öffnete. Er war eine dunklere, schmalere Ausgabe von Toms Eulengesicht, und auf die Frage nach Malvas Aufenthaltsort blinzelte er gemächlich.
»Oh … sie ist zum Bach gegangen«, sagte er. »Binsen sammeln, hat sie gesagt.« Er runzelte die Stirn. »Was wollt Ihr denn von ihr?«
»Mrs. Fraser bittet sie, zu kommen und ihr bei – bei etwas zu helfen.« Im Inneren der Hütte bewegte sich etwas; die Hintertür wurde geöffnet. Tom Christie kam herein, ein Buch in der Hand, die Seite, die er gerade gelesen hatte, zwischen zwei Fingern markiert.
»MacKenzie«, sagte er mit einem grüßenden Ruck seines Kopfes. »Habt Ihr gesagt, Mrs. Fraser sucht Malva? Warum?« Er runzelte ebenfalls die Stirn, und die beiden Christies sahen haargenau so aus wie ein Eulenpaar, das eine fragwürdige Maus betrachtete.
»Weil der kleine Aidan McCallum schwerkrank ist und sie froh wäre, wenn Malva ihr hilft. Ich gehe sie suchen.«
Christies Stirnrunzeln vertiefte sich noch, und er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Roger hatte sich bereits umgedreht und eilte auf die Bäume zu, bevor ihn einer der beiden aufhalten konnte.
Er fand sie ziemlich schnell, obwohl ihm jeder Augenblick, den er auf der Suche verbrachte, wie eine Ewigkeit vorkam. Wie lange dauerte es, bis ein Wurmfortsatz platzte? Sie stand knietief im Bach, die Röcke hochgerafft, und ihr Binsenkorb trieb, an ihr Schürzenband geknotet, neben ihr. Im ersten Moment hört sie ihn im ohrenbetäubenden Rauschen des Wassers nicht. Als er ihren Namen lauter ausrief, fuhr ihr Kopf erschrocken auf, und sie hob das Messer, das sie fest in der Hand hielt.
Ihr alarmierter Ausdruck schwand, als sie sah, wer er war, obwohl sie ihn weiterhin argwöhnisch im Blick behielt – und das Messer fest umklammerte, wie er bemerkte. Seine Bitte stieß auf reges Interesse.
»Den Äther? Wirklich, sie wird ihn operieren?«, fragte sie wissbegierig, während sie auf ihn zuwatete.
»Ja. Kommt! Ich habe Eurem Vater schon gesagt, dass Mrs. Fraser Euch braucht. Wir brauchen dort nicht anzuhalten.«
Bei diesen Worten änderte sich ihre Miene.
»Ihr habt es ihm gesagt?« Ihre Stirn legte sich eine Sekunde in Falten. Dann biss sie sich auf die Lippe und schüttelte den Kopf.
»Ich kann nicht mitkommen«, sagte sie laut genug, um den Bach zu übertönen.
»Doch, das könnt Ihr«, sagte er so ermutigend wie möglich und streckte die Hand aus, um ihr zu helfen. »Kommt, ich helfe Euch tragen.«
Sie schüttelte noch entschlossener den Kopf und schob die Unterlippe vor.
»Nein. Mein Vater – er wird es nicht zulassen.« Sie blickte in Richtung der Hütte, und er drehte sich um. Doch es war alles friedlich; weder Allan noch Tom waren ihm gefolgt. Noch nicht.
Er zog sich die Schuhe aus und trat in das eisige Bachbett, dessen harte, schlüpfrige Steine ihm unter den Füßen wegrollten. Malva riss Mund und Augen auf, als er sich bückte und nach ihrem Korb griff, ihn von ihrem Schürzenband abriss und ans Ufer warf. Dann nahm er ihr das Messer ab, schob es in seinen Gürtel, packte sie um die Taille, hob sie hoch und watete mit ihr ans Ufer, ohne ihre Tritte und ihr Kreischen zu beachten.