Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ihr kommt jetzt mit«, sagte er und stellte sie ächzend hin. »Möchtet Ihr laufen, oder soll ich Euch tragen?«
Er hatte zwar den Eindruck, dass sie dieser Vorschlag eher faszinierte als abschreckte, doch sie schüttelte erneut den Kopf und wich vor ihm zurück.
»Es geht nicht – wirklich nicht! Er – er wird mich schlagen, wenn er herausfindet, dass ich mit dem Äther zu tun hatte.«
Das ließ ihn kurz innehalten. Würde er das wirklich tun? Vielleicht. Aber Aidans Leben stand auf dem Spiel.
»Dann wird er es eben nicht herausfinden«, sagte er. »Und falls doch, sorge ich dafür, dass er Euch nichts tut. Kommt, in Gottes Namen – wir haben keine Zeit zu verlieren!«
Sie presste den Mund zu einem Ausdruck der Sturheit zusammen. Keine Zeit für Skrupel also. Er bückte sich, um ihr näher ins Gesicht zu sehen, und sah ihr unverwandt in die Augen.
»Ihr kommt jetzt mit«, sagte er und ballte die Hände zu Fäusten, »oder ich erzähle Eurem Vater und Eurem Bruder von Euch und Bobby Higgins. Erzählt über mich, was Ihr wollt – es ist mir egal. Aber wenn Ihr glaubt, dass Euch Euer Vater schlagen würde, weil Ihr Mrs. Fraser helft, was wird er dann wohl tun, wenn er erfährt, dass Ihr mit Bobby herumgeknutscht habt?«
Er wusste nicht, was im achtzehnten Jahrhundert das Wort für knutschen war, aber sie verstand ihn ganz eindeutig. Und wäre sie auch nur annähernd so groß gewesen wie er, hätte sie ihn niedergeschlagen, wenn er das gefährliche Leuchten in ihren großen grauen Augen richtig interpretierte.
Doch sie war es nicht, und nach kurzer Überlegung bückte sie sich, um sich die Beine an ihrem Rock abzutrocknen, und schlüpfte hastig in ihre Sandalen.
»Lasst ihn stehen«, sagte sie knapp, als sie sah, dass er sich nach ihrem Korb bückte. »Und gebt mir mein Messer zurück.«
Möglich, dass es einfach nur das Bedürfnis war, sie ein Stück weit unter Kontrolle zu behalten, bis er sie sicher im Sprechzimmer abgeliefert hatte – Angst hatte er bestimmt nicht vor ihr. Doch er legte die Hand auf das Messer in seinem Gürtel und sagte: »Später. Wenn es vorbei ist.«
Sie machte sich nicht die Mühe zu widersprechen, sondern kletterte vor ihm die Uferböschung hinauf und hielt auf das Fraserhaus zu. Die Sohlen ihrer Sandalen klatschten gegen ihre nackten Fersen.
Ich hatte meine Finger auf der großen Schlagader in Aidans Magengrube liegen und zählte. Seine Haut fühlte sich ziemlich heiß an; er würde eine Temperatur von knapp 39 Grad haben. Sein Pulsschlag war kräftig, aber rapide – und wurde jetzt langsamer, als er in der Narkose versank. Ich konnte spüren, wie Malva vor sich hin zählte, so viele Tropfen Äther, so lange Pause bis zum nächsten … Ich verzählte mich, doch das spielte keine Rolle; ich nahm den Pulsschlag in mich auf und spürte, wie der meine im selben Rhythmus zu schlagen begann, und er war normal und stabil.
Seine Atmung war gut. Der kleine Bauch hob und senkte sich unter meiner Hand, und ich konnte spüren, wie sich seine Muskeln mit jeder Sekunde mehr entspannten, bis sich sein ganzer Bauch schlaff und wackelig anfühlte und sich seine vorstehenden Rippen bei jedem Atemzug weit darüber erhoben. Ich hatte plötzlich das Gefühl, meine Hand direkt durch seine Haut schieben und den geschwollenen Appendix berühren zu können, konnte ihn vor meinem inneren Auge boshaft in der dunklen Sicherheit seiner versiegelten Welt pulsieren sehen. Es war Zeit.
Mrs. McCallum stieß ein leises Geräusch aus, als ich das Skalpell ergriff, ein lauteres, als ich es in die helle Haut drückte, die noch feucht glänzte, weil ich sie mit Alkohol abgewischt hatte, wie ein Fischbauch, der unter der Klinge nachgibt, wenn man ihn ausnehmen will.
Seine Haut öffnete sich widerstandslos, und wie von Zauberhand quoll Blut auf, das aus dem Nichts zu kommen schien. Er hatte fast kein Fett darunter; ich stieß sofort auf Muskeln, dunkelrot und elastisch. Mit mir waren noch andere Menschen im Zimmer; ich spürte sie vage. Doch ich hatte keine Aufmerksamkeit für sie übrig. All meine Sinne waren auf den kleinen Körper unter meinen Händen konzentriert. Doch es stand jemand neben mir – Brianna?
»Gib mir einen Retraktor – ja, das da.« Ja, es war Brianna; eine langfingrige Hand, mit Desinfektionsmittel befeuchtet, ergriff das klauenförmige Instrument und drückte es mir in die wartende linke Hand. Ich vermisste die Dienste einer geschulten OP-Schwester, aber wir würden schon zurechtkommen.
»Halt ihn fest, genau da.« Ich schob die Klinge zwischen die Muskelfasern, die sich leicht trennen ließen, und schnitt vorsichtig durch das dicke, sanft glänzende Bauchfell.
Seine Innereien waren warm und feucht und umschlossen saugend meine beiden tastenden Finger. Weiche, glitschige Därme, die kleine halbfeste Klumpen enthielten, die ich durch die Wände spüren konnte, Knochen, die meine Finger streiften – er war so klein, ich hatte nicht viel Raum, um mich vorzutasten. Ich hatte die Augen geschlossen und konzentrierte mich allein auf meinen Tastsinn. Der Blinddarm musste direkt unter meinen Fingern sein, hier konnte ich die Rundung des Dickdarms spüren, reglos, aber lebendig wie eine schlafende Schlange. Dahinter? Darunter? Ich tastete vorsichtig weiter, öffnete die Augen und warf einen scharfen Blick auf die Wunde. Er blutete nicht sehr stark, doch die Wunde schwamm trotzdem. Sollte ich mir die Zeit nehmen, die kleinen Gefäße zu kauterisieren? Ich warf einen Blick auf Malva: Sie runzelte konzentriert die Stirn und bewegte lautlos zählend die Lippen – und sie hatte eine Hand zur Kontrolle auf der Halsschlagader liegen.
»Kautereisen – ein kleines.« Ich hielt einen Moment inne; angesichts der Brennbarkeit des Äthers hatte ich mein Kohlebecken auf der anderen Flurseite in Jamies Studierzimmer gestellt. Doch Brianna war schnell; ich hielt es in wenigen Sekunden in der Hand. Ein Rauchfaden stieg von seinem Bauch auf, und das Brutzeln angesengten Fleisches vermischte sich mit dem warmen Blutgeruch. Mrs. McCallums Augen wurden immer größer.
Ich tupfte das Blut mit einer Handvoll Baumwolle ab und sah erneut hin – meine Finger hielten nach wie vor das fest, was ich dachte … gut.
»Gut«, sagte ich triumphierend. »Hab dich.« Ganz vorsichtig hakte ich meinen Finger unter der Krümmung des Blinddarms ein und zog ein Stück davon durch die Wunde nach oben. Der entzündete Wurmfortsatz stand ab wie ein aggressiver fetter Wurm, von der Entzündung beinahe lila gefärbt.
»Faden.«
Jetzt hatte ich ihn. Ich konnte die Membran an der Seite des Fortsatzes sehen und die Blutgefäße, die ihn speisten. Diese musste ich zuerst abbinden; dann konnte ich den Appendix selbst abbinden und abtrennen. Schwierig nur, weil alles so klein war, aber kein echtes Problem.
Es war so still im Zimmer, dass ich das leise Zischen und Prasseln der Holzkohle in dem Kohlebecken auf der anderen Flurseite hören konnte. Der Schweiß rann mir hinter den Ohren und zwischen den Brüsten hinunter, und mir wurde dumpf bewusst, dass ich die Zähne in meine Unterlippe gebohrt hatte.
»Zange.« Ich zog die Schlaufe fest zu und drückte den abgebundenen Stumpf des Wurmfortsatzes mit der Zange fest gegen den Blinddarm. Dann schob ich das Ganze zurück in seinen Bauch und holte Luft.
»Wie lange, Malva?«
»Etwas mehr als zehn Minuten, Ma’am. Es geht ihm gut.« Sie wendete den Blick gerade so lange von der Äthermaske ab, um mir ein rasches Lächeln zuzuwerfen, dann hob sie die Tropfflasche, und ihre Lippen zählten stumm weiter.
Die Wunde war schnell verschlossen. Ich strich eine dicke Honigschicht auf die genähte Wunde, wickelte ihm einen Verband fest um den Bauch, legte eine warme Decke über ihn und atmete auf.
»Nimm ihm die Maske ab«, sagte ich zu Malva und richtete mich auf. Sie antwortete nicht, und ich sah sie an. Sie hatte Aidan die Maske vom Gesicht genommen und hielt sie mit beiden Händen vor sich hin wie einen Schutzschild. Doch ihr Blick galt nicht mehr Aidan; ihre Augen hafteten an ihrem Vater, der stocksteif in der Tür stand.