Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Oh, aye«, sagte er lächelnd. »Ich entstamme einer langen Ahnenreihe von Verrätern, Dieben und Bastarden, wisst Ihr?«
Da lachte sie und drängte ihn artig, ihm mehr von seiner finsteren Familiengeschichte zu erzählen – ganz offensichtlich um zu verhindern, dass er ihr weitere Fragen über die ihre stellte.
Doch dieses »Aber« blieb ihm im Kopf hängen, während sie sich unterhielten – zunehmend zusammenhangloser, je höher sie durch den dunklen, duftenden Wald kletterten.
Aber. Tom Christie war zwei oder drei Tage nach der Schlacht von Culloden festgenommen worden und hatte die nächsten zehn Jahre im Gefängnis gesessen, bevor man ihn nach Amerika deportierte. Er kannte Malvas genaues Alter nicht, glaubte aber, dass sie ungefähr achtzehn sein musste – auch wenn sie öfter den Eindruck erweckte, älter zu sein, denn sie verhielt sich so erwachsen.
Also musste es kurz nach Christies Eintreffen in den Kolonien zu ihrer Empfängnis gekommen sein. Kein Wunder, wenn der Mann die erste Gelegenheit ergriffen hatte zu heiraten, nachdem er so lange ohne Frau gelebt hatte. Und dann hatte es sich seine Frau anders überlegt und war gegangen. Christie hatte Roger Mac erzählt, seine Frau sei an der Influenza gestorben – nun, ein Mann hatte seinen Stolz, und Tom Christie hatte mehr davon als die meisten anderen.
Aber Allan Christie … woher war er gekommen? Der junge Mann war Mitte bis Ende zwanzig; es war möglich, dass er vor Culloden gezeugt worden war. Aber wenn ja – wer war seine Mutter?
»Ihr und Euer Bruder«, sagte er abrupt, als das Gespräch das nächste Mal stockte. »Hattet Ihr dieselbe Mutter?«
»Ja, Sir«, sagte sie mit verblüfftem Gesichtsausdruck.
»Ah«, sagte er und ließ das Thema fallen. Na schön. Dann war Christie also schon vor Culloden verheiratet gewesen. Und dann war die Frau, wer auch immer sie war, in die Kolonien gereist, um ihn zu suchen. Das zeugte von einem gehörigen Maß an Entschlossenheit und Hingabe und ließ ihn Tom Christie mit deutlich gesteigertem Interesse betrachten. Aber diese Hingabe hatte den Strapazen der Kolonien nicht standgehalten – oder die Frau hatte Tom so durch Zeit und Umstände verändert angetroffen, dass ihre Hingabe in Enttäuschung ertrunken war und sie wieder verschwunden war.
Er konnte sich das gut vorstellen – und verspürte ein unerwartetes Band des Mitgefühls mit Tom Christie. Er erinnerte sich nur zu gut an seine eigenen Gefühle, als Claire zurückgekehrt war und ihn wiedergefunden hatte. Die ungläubige Freude über ihr Hiersein – und die abgrundtiefe Angst, sie könnte den Mann, den sie einmal gekannt hatte, nicht wiedererkennen in dem Mann, der vor ihr stand.
Schlimmer noch, wenn sie etwas entdeckt hätte, das sie in die Flucht trieb – und obwohl er Claire gut kannte, war er sich immer noch nicht sicher, dass sie geblieben wäre, wenn er ihr sofort von seiner Heirat mit Laoghaire erzählt hätte. Es war sogar gut möglich, dass Claire davongelaufen und für immer verloren gewesen wäre, wenn Laoghaire nicht auf ihn geschossen und ihn beinahe umgebracht hätte. Dieser Gedanke war ein finsterer Schlund, der sich zu seinen Füßen auftat.
Natürlich wäre er gestorben, wenn sie gegangen wäre, dachte er. Und er hätte nie dieses Land betreten, hätte seine Tochter nie zu Gesicht bekommen und nie seinen Enkel in den Armen gehalten. Wenn man es recht bedachte, war es vielleicht nicht immer ein Unglück, beinahe umgebracht zu werden – solange man nicht tatsächlich daran starb.
»Bereitet Euer Arm Euch Schwierigkeiten, Sir?« Er wurde aus seinen Gedanken gerissen und begriff, dass er wie ein Idiot dastand und mit einer Hand die Stelle umklammerte, an der Laoghaires Pistolenkugel seinen Oberarm durchschlagen hatte, und Malva ihn besorgt anblinzelte.
»Äh, nein«, sagte er hastig und ließ die Hand sinken. »Ein Mückenstich. Die kleinen Viecher sind heute früh unterwegs. Sagt mir –«, er suchte nach einem neutralen Gesprächsthema, »gefällt es Euch hier in den Bergen?«
Es war zwar eine hirnlose Frage, doch sie schien ernsthaft darüber nachzudenken.
»Es ist manchmal einsam«, sagte sie und betrachtete den Wald, wo die einfallenden Sonnenstrahlen auf Blättern und Nadeln zersplitterten und die Luft mit einem brüchigen grünen Licht erfüllten. »Aber es ist …«, sie suchte nach einem Wort, »hübsch«, vollendete sie und lächelte ihn schwach an, als wollte sie einräumen, wie unzulänglich dieses Wort war.
Sie hatten die kleine Lichtung erreicht, wo das Wasser über die Kante eines Felsens rann, den seine Tochter als Serpentin bezeichnete – das Gestein, dessen sanftes Grün der Quelle ihren Namen gab; dies und die dicke grüne Moosschicht, die es umrandete.
Er wies sie mit einer Geste an, sich zuerst hinzuknien und etwas zu trinken. Das tat sie und legte die Hände vor das Gesicht und schloss die Augen, selig über den Geschmack des kalten, süßen Wassers. Sie schluckte, schöpfte noch mehr Wasser mit den Händen und trank es beinahe gierig. Sie war sehr hübsch, dachte er belustigt, und auf das Mädchen mit dem zarten Kinn und den rosa Ohrläppchen, die aus ihrer Haube lugten, traf das Wort viel eher zu als auf den Geist der Berge. Ihre Mutter musste wunderschön gewesen sein, dachte er – und es war ein Glück für das Mädchen, dass sie nicht mehr von ihrem Vater hatte als ihre grauen Augen.
Sie hockte sich auf die Fersen und atmete tief durch, dann rückte sie zur Seite und forderte ihn kopfnickend auf, sich ebenfalls hinzuknien und zu trinken. Der Tag war zwar nicht heiß, aber der Aufstieg zur Quelle war steil, und er ließ das kalte Wasser dankbar durch seine Kehle rinnen.
»Ich bin noch nie in den Highlands gewesen«, sagte Malva und betupfte sich mit einer Ecke ihres Halstuchs das Gesicht. »Manche Leute sagen aber, hier ist es so ähnlich. Meint Ihr das ebenfalls, Sir?«
Er schüttelte sich das Wasser von den Fingern und wischte sich mit dem Handrücken über das Gesicht.
»Ein wenig. Manche Stellen. Der Great Glen und der Wald – aye, das ist so wie hier.« Er deutete mit dem Kinn auf die murmelnden, harzduftenden Bäume, die sie umringten. »Aber hier gibt es keinen Farn. Und natürlich keinen Torf. Und keine Heide; das ist der größte Unterschied.«
»Man hört Geschichten – von Männern, die sich im Heidekraut versteckt halten. Habt Ihr das auch je getan, Sir?« Grübchen erschienen auf ihren Wangen, und er wusste nicht, ob sie ihn necken wollte oder nur Konversation betrieb.
»Hin und wieder«, sagte er und lächelte sie an, während er sich erhob und sich die Kiefernnadeln vom Kilt strich. »Auf der Rotwildjagd, aye? Hier, ich zeige Euch die Pilze.«
Die Pilze wuchsen dicht gedrängt am Fuß einer Eiche, keine drei Meter von der Quelle entfernt. Einige hatten bereits ihre Lamellen geöffnet und begonnen, sich dunkel zu färben und einzurollen; der Boden in ihrer Nähe war mit ihren Sporen übersät, die als braunes Pulver auf dem glänzenden, knisternden Laub des letzten Jahres lagen. Doch die frischeren Pilze waren noch hell, tieforange und fleischig.
Er ließ sie mit einem freundlichen Wort dort allein und begann den Abstieg zu dem schmalen Pfad, während er über die Frau nachdachte, die Tom Christie geliebt und verlassen hatte.
Kapitel 49
Des Nordwinds Gift
Juli 1774
Brianna stieß mit dem scharfen Ende des Spatens in den Uferschlamm und löste einen Lehmklumpen, der die Farbe von Schokotoffee hatte. Sie hätte sehr gut ohne die Erinnerung an etwas zu essen leben können, dachte sie und schleuderte den Klumpen grunzend in die Strömung. Sie zog ihr durchnässtes Hemd hoch und wischte sich mit dem Unterarm über die Stirn. Sie hatte seit heute Vormittag nichts mehr gegessen, und jetzt war es später Nachmittag. Nicht, dass sie vorhatte, vor dem Abendessen aufzuhören. Roger war oben auf dem Berg und half Amy McCallum, ihren Schornstein wieder aufzubauen, und die Jungen waren zum Haupthaus gegangen, um sich von Mrs. Bug mit Honigbroten füttern und von vorn bis hinten verwöhnen zu lassen. Sie würde mit dem Essen warten; hier war noch zu viel zu tun.