Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Es ist unmöglich«, murmelte Kelysar noch einmal. »Du hast die Karte entschlüsselt, ohne den Verstand zu verlieren. Du mußt noch um ein Vielfaches stärker sein, als ich gedacht habe.«
»Was ... was hat das alles zu bedeuten?« fragte Torian verständnislos. Immer noch fühlte er sich innerlich leer und ausgebrannt. Die seelische Wunde, die Kelysar ihm geschlagen hatte, würde nur langsam heilen.
»Du weißt ohnehin schon zuviel, also kannst du auch den Rest erfahren«, antwortete der Heiler nach einer kurzen Pause dumpf. »Ich war früher nicht nur ein einfacher Heiler, wie du wohl schon längst vermutet hast. Ich gehörte zum Orden der Schwarzen Magier.« Er machte eine knappe Handbewegung, als er sah, daß Torian etwas sagen wollte. »Ich weiß, daß ihr glaubt, alle Magier wären damals bei den Troll-Kriegen getötet worden, aber das stimmt nicht. Die Schwarzen haben sich nur zurückgezogen, aber es gibt den Orden noch, und er ist stärker als je zuvor. Nur hier in Scrooth haben die Magier keine Macht, noch nicht. Aber auch nach diesem Land strecken sie längst schon ihre Klauen aus, ohne daß ihr es merkt. Ich vermute, die Schwarzen werden Tremon im Krieg gegen euch beistehen, aber das ist jetzt egal. Vor vielen Jahren habe ich dem Orden angehört, doch ich sagte mich davon los, als ich die Karte in die Hände bekam. Ich wollte den Tempel der verbotenen Träume finden. Dort liegt seit Äonen das Geheimnis des Lebens verborgen, das dem, der es kennt, nicht nur die Unsterblichkeit, sondern auch unbegrenzte Macht verschafft, und für diese Macht war ich bereit, alles zu wagen. Es gelang mir, die Karte zu entschlüsseln und das Tal zu erreichen, den Tempel selbst aber konnte ich nicht betreten. Er wird durch eine Magie geschützt, gegen die meine eigene wirkungslos ist. Bei dem Versuch, die Fallen des Labyrinths zu überwinden, büßte ich den größten Teil meiner Kräfte ein und verlor fast den Verstand.«
Kelysar machte eine kurze Pause und atmete tief durch, bevor er fortfuhr: »Meine früheren Brüder hätten mich getötet, wenn sie mich zu fassen bekommen hätten. Also verkroch ich mich hier, wo ich vorläufig noch sicher vor ihnen bin. Im Laufe der Zeit gewann ich Macht über die Büsche und Bäume und konnte sie nach meinem Willen beeinflussen, um mir einen undurchdringlichen Schutzwall zu schaffen. Es gibt nur wenige, die überhaupt von mir wissen. Marubur war einer von ihnen.«
Er schwieg und lehnte sich, von der langen Rede erschöpft, zurück. Sein Blick schien in weite Ferne gerichtet zu sein. Torian ließ sich das Gehörte immer wieder durch den Kopf gehen und verstand einiges nun besser als zuvor. Doch Kelysar hatte beinahe mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet, und vor allem die für ihn wichtigste Frage war immer noch nicht geklärt. »Was hat das alles mit mir zu tun?« fragte er nach einer Weile, als Kelysar nicht von allein weitersprach.
Er bekam keine Antwort und glaubte schon, Kelysar hätte ihn überhaupt nicht gehört, als der Heiler schließlich doch noch den Kopf hob. »Ich habe lange auf dich gewartet, genauer gesagt, auf jemanden wie dich. Dein Geist ist ungewöhnlich stark. Du könntest vollenden, was ich begonnen habe. Das ist es, was ich als Lohn dafür verlange, daß ich dir das Leben gerettet habe: Ich möchte, daß du zum Tempel der verbotenen Träume gehst und das Geheimnis des Lebens für mich ergründest, sobald du dich vollends erholt hast.«
Einige Sekunden herrschte Schweigen. Entgeistert starrte Torian den Greis an, dann lachte er gekünstelt auf.
»Das ... das ist ein Scherz«, stammelte er. Seine eigene Stimme klang schrill in seinen Ohren. »Das kannst du nicht ernst meinen. Wie soll mir etwas gelingen, was du als Magier nicht geschafft hast?«
»Du kannst es schaffen«, behauptete Kelysar. »Meine Kräfte haben mir nichts genutzt, weil ich es mit einer völlig fremden Magie zu tun hatte, und ohne meine Kräfte bin ich nur ein schwacher alter Mann. Du wirst nicht allein gehen, sondern mit mir zusammen. Was ich brauche, ist deine Kraft, dein Schwert. Immerhin verdankst du mir dein Leben«, erinnerte er.
Ungläubig starrte Torian den alten Mann an. Kelysars Gesicht war ernst und zeigte eine gespannte Erwartung; er meinte wirklich, was er sagte.
»Du mußt verrückt sein«, murmelte Torian betroffen. »Und wenn du mir tausendmal das Leben gerettet hättest, würde ich mich auf diesen Wahnsinn trotzdem nicht einlassen. Ich verstehe nichts von Magie, und ich will auch überhaupt nichts darüber wissen oder damit zu tun haben. Was ich mit der Karte erlebt habe, reicht mir. Wenn du das als Lohn forderst, dann wäre mir lieber, du hättest mich sterben lassen.«
»Ich verlange nicht, daß du dich sofort entscheidest«, sagte Kelysar. »Ich habe Jahrhunderte gewartet, was machen da ein paar weitere Monate oder Jahre aus? Meinetwegen geh. Ich halte dich nicht zurück. Irgendwann wirst du zurückkommen, das weiß ich.«
»Ist das eine Drohung oder wieder eine Prophezeiung?«
Kelysar zuckte mit den Schultern und lächelte vieldeutig. »Such dir aus, was dir lieber ist. Die erste Prophezeiung ist in Erfüllung gegangen. Ich zwinge dich zu nichts.«
Mißtrauisch schaute Torian ihn an. »Du läßt mich einfach so gehen, wenn ich will? Irgendwo ist doch ein Haken an der Sache.«
Kelysar schüttelte den Kopf. »Kein Haken. Ich weiß nur einfach, daß du nicht der Mann bist, der eine offene Schuld sein Leben lang mit sich herumschleppt. Deshalb wirst du zurückkommen.«
»Und wenn ich auf eigene Faust versuche, in den Tempel zu gelangen? Oder wenn ich jemandem davon erzähle?«
»Ich habe die Karte«, erinnerte Kelysar sanft. »Niemand kann das Tal ohne sie finden, und sie ist noch mehr als nur ein Wegweiser. Sie ist auch der Schlüssel, der den Weg zum Tempel erst öffnet.«
Torian schwieg. Er glaubte nicht, daß der Heiler ihn so einfach gehen lassen würde. Er glaubte es auch weiterhin nicht, obwohl er die Dornenbarriere am nächsten Morgen ungehindert durchschreiten konnte und sich noch am gleichen Tag in die Söldnerliste des scroothischen Heeres eintragen ließ.
Aber schon bald darauf bekam er ganz andere Probleme, als sich den Kopf über einen närrischen, alten Heiler zu zerbrechen. Es dauerte nicht einmal lange, bis er Kelysar vergaß.
Zumindest fast. Am nächsten Morgen lernte Torian die Minen von Moran-Dur zum ersten Mal kennen — und hassen!
Man brachte ihnen ein karges Frühstück, das er nur mit Widerwillen hinunterwürgte. Gegen das ranzige, harte Brot erschienen ihm selbst die Beeren und Wurzeln der letzten Zeit köstlich, und das Wasser wäre ihm normalerweise selbst zum Waschen zu brackig gewesen. Nach dem Essen trieben einige Wächter sie aus dem Kerker und einen langen, steinernen Gang entlang, an dessen Ende sie durch ein großes Portal ins Freie gelangten. Nach der trüben Dämmerung im Inneren schmerzte das grelle Sonnenlicht in Torians Augen und ließ ihn einige Sekunden blind werden. Als er die Augen schließlich wieder öffnete, bot sich ihm ein ungeheuerlicher Anblick. Er war zuvor nie selbst in Moran-Dur gewesen, sondern kannte es nur aus den Erzählungen seines Vaters – die ausgesprochen dürftig und der Wahrheit nicht einmal nahegekommen wäre», wie er nun feststellte. Er wußte von den halbjährlichen Festspielen und daß beinahe der ganze Bedarf Scrooths an Erzen aus Moran-Dur stammte, so daß er sich eine vage Vorstellung von der Anlage gemacht hatte. Das allerdings hatte er nicht erwartet!
Sie befanden sich im Krater eines längst erloschenen Vulkans. In Jahrzehnte-, wenn nicht jahrhundertelanger Arbeit war der Berg immer tiefer ausgehöhlt worden, so daß die Wände des gigantischen Kessels ringsum Dutzende von Metern in sanfter Neigung aufragten. Um den Eindruck eines ins Absurde vergrößerten Freilichttheaters noch zu verstärken, hatte man terrassenförmig ansteigende Sitzplätze für buchstäblich Tausende von Menschen aus der Lava der Trichterwände geschlagen. Und am Grunde des Kraters lag das Herzstück Moran-Durs: die Arena des Todes.