Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Aus den Augenwinkeln sah Torian einen Schatten heranspringen, doch er reagierte zu langsam, um noch ausweichen zu können. Die Peitsche des Wächters zog eine Spur aus brennendem Schmerz über seinen Rücken. Mit einem sadistischen Grinsen im Gesicht hob der Mann die Peitsche sofort wieder, und Torian lief schnell weiter. Wie auch einige andere Gruppen von Gefangenen wurden sie ein Stück über die Tribünen getrieben, bis sie ein weiteres weit geöffnetes Portal erreichten, das ihn an ein steinernes Maul erinnerte. Torian zögerte einen Moment, doch die drohend erhobene Peitsche des Wächters ließ ihn rasch weitergehen. Hinter dem Portal lastete wabernde, erstickende Schwärze, als werde das Licht dort gefressen. Erst als er die Schwelle überschritten und seine Augen sich umgewöhnt hatten, erkannte er, daß dieser Eindruck trog. Vor ihm erstreckte sich ein weiterer Gang, der von Fackeln notdürftig erhellt wurde. In sanften Windungen führte der Stollen immer tiefer in die Erde hinab, und mit jedem Meter, den sie tiefer gelangten, wurde es wärmer, bis sie schließlich einen unterirdischen Felsendom erreichten, der ebenso gewaltig war wie beinahe alles andere an Moran-Dur. Fast zehn Meter über ihnen wölbte sich das steinerne Dach der Halle, so hoch, daß das flackernde Licht der Fackeln kaum bis hinauf reichte und Torian das Gefühl hatte, unter einem Himmel ewiger Finsternis zu stehen. Dabei war es heiß wie in einem Backofen.
Der Peitschenstriemen auf seinem Rücken erinnerte ihn schmerzhaft daran, daß er besser nicht zu lange untätig herumstand. Er wollte wie die anderen Gefangenen zu den Hacken und Schaufeln greifen, die an einer Wand aufgereiht standen, doch derselbe Wächter, der ihn zuvor geschlagen hatte, schüttelte den Kopf und führte ihn zu einem weiteren Stollen, der etwa dreißig Meter tief in den Fels hineinführte. Ein Nork hieb bereits mit einer Hacke auf die Wand am Ende des Stollens ein, während ein anderer Gefangener das herausgebrochene Gestein in eine halbmannshohe, hölzerne Lore schaufelte.
»Du bringst den vollen Wagen hinaus und einen leeren hinein«, befahl der Wächter barsch. Torian nickte knapp und wartete, bis die erste Lore gefüllt war. Sie war nicht gerade leicht, aber auch nicht übermäßig schwer, und er wunderte sich bereits, daß man ausgerechnet ihm diese verhältnismäßig leichte Arbeit übertragen hatte.
Erst nach der dritten Lore begriff er allmählich, daß es alles andere als eine Gnade war, und nach der sechsten oder siebten erkannte er, daß es die wohl schlimmste Arbeit überhaupt hier unten war. Jede Lore schien schwerer als die vorige zu sein, und kaum hatte er eine leere zurückgebracht, wartete bereits der nächste volle Wagen auf ihn, so daß er keine Sekunde mehr zur Ruhe kam. Die Zeit verlor jede Bedeutung für ihn. Der Boden war uneben und die hölzernen Räder nicht gerade groß. Bei jeder Fuhre schienen die Risse und Vorsprünge schwerer zu überwinden sein. Dazu kam die fast unerträgliche Hitze, die seinen Schweiß in Strömen fließen ließ. Seine Muskeln verkrampften sich, und bei jeder Bewegung jagten Wellen feurigen Schmerzes durch seinen Körper. Sein Herz raste. Lava schien statt Blut durch seine Adern zu fließen.
Irgendwann konnte er einfach nicht mehr und lehnte sich erschöpft gegen eine Wand, aber sofort trieb ihn ein Wächter mit wuchtigen Peitschenhieben wieder an die Arbeit. Nach einer Weile verlor Torian auch das letzte Gefühl für die Zeit. Jede Sekunde dehnte sich zu Stunden, jede Minute zu unerträglichen Ewigkeiten. Er wußte nicht mehr, was ihn überhaupt noch aufrecht hielt und weiterarbeiten ließ. Seine Erschöpfung wurde so gewaltig, daß er nicht einmal mehr den Schmerz spürte. Jedes Gefühl in ihm war erstorben. Auf eine seltsame Art schien er außerhalb seines Körpers zu schweben und ein unbeteiligter Zuschauer zu sein, der zwar alles wahrnahm, aber nicht mehr selbst handelte. Er überhörte sogar den Gongschlag, der irgendwann durch die Stollen hallte. Erst als sich eine Hand auf seine Schulter legte, schrak er auf. Er blickte in das Gesicht des Norks, der das Gestein aus dem Berg geschlagen hatte.
Sein Fell war schmutzverkrustet, und so sah er wie ein leibhaftiger Dämon aus. Der schwache Versuch eines Lächelns geriet durch die Erschöpfung zu einer furchteinflößenden Grimasse. »Es ist Pause«, sagte der Nork. Seine Worte drangen wie aus weiter Ferne an Torians Ohr. Er nickte nur schwach, taumelte und wäre gestürzt, wenn der Nork nicht gerade noch rechtzeitig zugepackt und ihn aufgefangen hätte.
»Ich heiße Faron«, murmelte er mitleidig und ließ Torian vorsichtig zu Boden sinken. »Warte hier, ich hole dir etwas zu essen.« Er eilte durch den Stollen davon. Torian lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand und schloß die Augen. Jetzt, wo er sich ein wenig Ruhe gönnen konnte, spürte er den Schmerz doppelt schlimm. Es schien keine Faser seines Körpers zu geben, die nicht weh tat. Er mußte einige Sekunden lang eingeschlafen sein, denn plötzlich war Faron wieder neben ihm und reichte ihm einen Holzteller mit einer dampfenden Flüssigkeit. Torian griff danach und löffelte die heiße Suppe gierig in sich hinein. Sie war verwässert und schmeckte nach nichts, und die wenigen Brotkrumen darin sahen ekelhaft unappetitlich aus; aber sie stillte seinen schlimmsten Hunger. »Danke«, murmelte er, als er die Suppe bis auf den letzten Tropfen ausgelöffelt hatte.
»Diese Schweine haben dich ja unmenschlich geschunden«, sagte Faron erschüttert und warf einen haßerfüllten Blick in Richtung des Wächters, der gleichgültig den Kopf abwandte. »Aber das machen sie bei jedem Neuen, um zu sehen, wieviel er aushält. Du hättest zusammenbrechen und liegenbleiben sollen.«
»Das habe ich versucht«, erwiderte Torian bitter. »Sie haben mich ausgepeitscht.«
»Ich weiß. Du hättest ein paar Hiebe ertragen müssen, dann hätten sie geglaubt, daß du wirklich nicht mehr kannst. Es nutzt ihnen nichts, uns zu Tode zu hetzen.« Faron verzog grimmig das Gesicht. »Schließlich wollen sie möglichst lange etwas von uns haben.«
Torian sagte nichts darauf. Natürlich hatte Warlon dafür gesorgt, daß ihm nichts zustieß. Man würde ihn quälen, so schlimm es nur irgendwie ging, aber man würde ihn auf keinen Fall umbringen. Er musterte Faron genauer. Der Nork unterschied sich von den anderen Gefangenen, und das nicht nur durch seine freundliche Art. Auch er war von der harten Arbeit gezeichnet, aber selbst unter diesen Umständen schaffte er es noch, auf eine seltsame Art würdevoll und gepflegt auszusehen – soweit man bei einem Nork überhaupt davon sprechen konnte. Auch zeigte seine Haltung einen ungebeugten Stolz, während die Bewegungen der meisten anderen Gefangenen abgehackt und nervös waren, wie immer bei Menschen, die sich mit ihrem Schicksal abgefunden hatten und einen Großteil ihres Lebens in Sklaverei und unter dem Druck ständiger Demütigungen verbringen, so daß die Angst zu einem ständigen Begleiter geworden ist und deutliche Spuren nicht nur in ihren Gesichtern, sondern ihrer ganzen Haltung und ihrem Auftreten hinterlassen hat. Selbst Kawilas trug diese Spuren der Tyrannei der Aufseher wie ein unsichtbares Stigma, während Faron noch frei davon war. Er erinnerte ein wenig an Marubur. Wahrscheinlich weckte gerade das Torians Interesse, doch gleichzeitig erwachte auch Mißtrauen in ihm. Es war durchaus denkbar, daß Barul-Konos Spione bei den Gefangenen eingeschleust hatte, um über alles rechtzeitig informiert zu werden, und es konnte sich dabei auch um Norks handeln.
Vieles hatte sich in den vergangenen Jahren verändert. Die Nork-Aufstände waren zu einer ernsthaften Gefahr geworden, und um keinen Krieg an zwei Fronten führen zu müssen, hatten die Könige Scrooths den Forderungen schließlich nachgegeben. Die Sklaverei war per Gesetz verboten worden, was aber nicht viel daran änderte, daß man die Norks vielerorts immer noch als halbintelligente Tiere betrachtete. Aber Faron ...
»Wer bist du?« fragte Torian.