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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Er rannte um das Gewächs herum und traf Malva Christie bei dem verzweifelten, aber erfolglosen Versuch an, die aufgebrachte Schlange mit einem großen Korb zu zerquetschen.

»Ist ja gut, Kleine, lasst sie laufen.« Er ergriff sie am Arm, woraufhin eine Handvoll Pilze aus ihrem Korb purzelte, und die Schlange verzog sich indigniert, um sich ein ruhigeres Plätzchen zu suchen.

Er hockte sich auf den Boden und sammelte die Pilze für sie auf, während sie nach Luft schnappte und sich mit ihrem Schürzensaum Luft zufächelte.

»Oh, danke, Sir«, sagte sie mit bebender Brust. »Ich habe solche Angst vor Schlangen.«

»Och, das war aber doch nur eine kleine Königsnatter«, sagte er und stellte sich ungerührt. »Gute Rattenjäger – habe ich gehört.«

»Das kann ja sein, aber sie können gemein beißen.« Sie erschauerte kurz.

»Aber sie hat Euch doch nicht gebissen. Oder?« Er stand auf und warf ihr die letzten Pilze in den Korb, und sie bedankte sich mit einem Knicks.

»Nein, Sir.« Sie rückte ihre Haube zurecht. »Aber Mr. Crombie. Gully Dornan hat eine in einer Schachtel zum letzten Sonntagsgebet mitgebracht, nur aus Schabernack, denn er wusste, dass die Textstelle ›In meinem Namen werden sie Schlangen vertreiben‹ sein würde. Ich glaube, er hatte vor, sie während des Gebets freizulassen.« Sie grinste beim Erzählen und ließ das Erlebte noch einmal Revue passieren.

»Aber Mr. Crombie hat ihn mit der Schachtel gesehen und hat sie ihm abgenommen, ohne zu wissen, was sie enthielt. Nun ja – Gully hat die Schachtel geschüttelt, um die Schlange wach zu halten, und als Mr. Crombie sie geöffnet hat, kam die Schlange wie ein Schachtelteufel herausgefahren und hat Mr. Crombie in die Lippe gebissen.«

Jamie musste ebenfalls lächeln.

»Wirklich? Ich kann mich gar nicht erinnern, davon gehört zu haben.«

»Nun, Mr. Crombie war furchtbar wütend«, sagte sie, um Takt bemüht. »Ich kann mir vorstellen, Sir, dass es niemand weitererzählen wollte, aus Angst, dass er womöglich vor Wut platzt.«

»Aye, ich verstehe«, sagte er trocken. »Und deswegen ist er auch nicht zu meiner Frau gekommen, um die Wunde von ihr versorgen zu lassen, nehme ich an.«

»Oh, das würde er nie tun, Sir«, versicherte sie ihm kopfschüttelnd. »Nicht einmal, wenn er sich aus Versehen die Nase abschneiden würde.«

»Nicht?«

Sie ergriff ihren Korb und blickte schüchtern zu ihm auf.

»Nun … nein. Einige Leute sagen, dass Eure Frau eine Hexe ist, wusstet Ihr das?«

Sein Bauch verkrampfte sich unangenehm, wenn es ihn auch nicht überraschte, das zu hören.

»Sie ist Engländerin«, antwortete er ruhig. »Die Leute werden sich so etwas immer über Fremde erzählen, vor allem, wenn es um eine Frau geht.« Er sah sie von der Seite an, doch sie hatte den Blick bescheiden auf ihren Korb gesenkt. »Ihr glaubt es doch auch, oder?«

Bei diesen Worten sah sie mit großen Augen auf.

»Oh, nein, Sir! Niemals!«

Ihre Worte klangen so aufrichtig, dass er trotz seines ernsten Vorhabens lächelte.

»Nun, ich nehme an, es wäre Euch aufgefallen, so viel Zeit, wie Ihr in ihrem Sprechzimmer verbringt.«

»Oh, ich wünsche mir nichts mehr, als so zu sein wie sie, Sir!«, versicherte sie ihm und umklammerte den Griff ihres Korbes in hingerissener Anbetung. »Sie ist so gütig und so schön, und sie weiß so viel! Ich möchte alles wissen, was sie mich lehren kann, Sir.«

»Aye, schön. Sie hat mir schon oft erzählt, wie gut es ist, eine Schülerin wie Euch zu haben. Ihr seid ihr eine große Hilfe.« Er räusperte sich und fragte sich, wie er von diesen Nettigkeiten am besten zu der rüden Frage überging, ob sich ihr Vater an ihr verging. »Äh … stört es Euren Vater nicht, dass Ihr so viel Zeit bei meiner Frau verbringt?«

Bei diesen Worten legte sich eine Wolke über ihre Miene, und sie senkte ihre langen Wimpern, um ihre taubengrauen Augen zu verbergen.

»Oh. Nun ja. Er … er sagt nicht, dass ich nicht gehen darf.«

Jamie machte ein unverbindliches Geräusch und geleitete sie mit einer Geste vor sich her auf den Weg zurück, wo er zunächst ohne weitere Fragen neben ihr herging, damit sie die Fassung zurückerlangen konnte.

»Was glaubt Ihr, was Euer Vater tun wird«, erkundigte er sich und fuhr mit seinem Stock beiläufig durch ein Büschel Leinkraut, »wenn Ihr einmal heiratet und aus dem Haus seid? Gibt es eine Frau, auf die er eventuell ein Auge geworfen hat? Er würde doch wohl Hilfe brauchen.«

Er beobachtete interessiert, dass sie bei diesen Worten die Lippen aufeinanderpresste und ihr eine leichte Röte in die Wangen stieg.

»Ich habe nicht vor, in absehbarer Zeit zu heiraten, Sir. Wir werden schon zurechtkommen.«

Ihre Antwort war so kurz, dass er nachhakte.

»Nein? Aber Ihr habt doch wohl Verehrer – die jungen Männer machen Euch scharenweise schöne Augen; ich habe es selbst gesehen.«

Sie errötete noch leuchtender.

»Bitte, Sir, sagt so etwas nicht zu meinem Vater!«

Das ließ eine kleine Alarmglocke in ihm schrillen – doch es war immer noch möglich, dass sie nur meinte, dass Tom ein strenger Vater war, der über die Tugend seiner Tochter wachte. Und er wäre bis ins Mark erstaunt gewesen, wenn er erfahren hätte, dass Christie sanftmütig, duldsam oder in Bezug auf solche Verantwortlichkeiten irgendwie weichherzig war.

»Das werde ich nicht tun«, sagte er nachsichtig. »Es war nur ein Scherz. Ist Euer Vater denn so streng?«

Jetzt sah sie ihn an, sehr direkt.

»Ich dachte, Ihr kennt ihn, Sir.«

Bei diesen Worten lachte er los, und nach kurzem Zögern fiel sie mit einem Zwitschern ein, das wie die Vögel in den Bäumen klang.

»Ich kenne ihn, ja«, sagte er, als er sich erholte. »Er ist ein guter Mann, Tom – wenn auch etwas mürrisch.«

Er beobachtete die Wirkung dieser Worte. Ihr Gesicht war zwar noch gerötet, doch es lag zugleich die Spur eines Lächelns auf ihren Lippen. Das war gut.

»Nun gut«, sprach er beiläufig weiter, »habt Ihr genug von den Judasohren hier?« Er wies auf ihren Korb. »Ich habe gestern eine ganze Menge davon gesehen, oben an der Grünen Quelle.«

»Oh, wirklich?« Sie blickte interessiert auf. »Wo denn?«

»Ich bin dorthin unterwegs«, sagte er. »Kommt mit, wenn Ihr möchtet, ich zeige es Euch.«

Sie bahnten sich ihren Weg über den Bergkamm und unterhielten sich über Belanglosigkeiten. Dann und wann kam er auf ihren Vater zurück und stellte fest, dass sie Tom gegenüber keinerlei Unwohlsein zu empfinden schien – nur einen klugen Respekt vor seinen Launen und seinem Temperament.

»Und Euer Bruder«, sagte er an einem Punkt nachdenklich. »Glaubt Ihr, er ist zufrieden? Oder wird er gehen wollen, vielleicht hinunter an die Küste? Ich weiß, dass er im Grunde seines Herzens kein Bauer ist, oder?«

Sie prustete los, schüttelte aber den Kopf.

»Nein, Sir, das ist er nicht.«

»Welche Arbeiten hat er denn getan? Ich meine, er ist doch auf einer Plantage aufgewachsen, oder?«

»O nein, Sir.« Sie sah überrascht zu ihm auf. »Er ist in Edinburgh aufgewachsen. Genau wie ich.«

»Wie kam denn das? Tom sagt, er hat in den Kolonien geheiratet.«

»Oh, das hat er auch, Sir«, versicherte sie ihm hastig. »Aber seine Frau war keine Leibeigene; sie ist nach Schottland zurückgekehrt.«

»Ich verstehe«, sagte er nachsichtig, als er merkte, dass ihre Röte erneut zunahm und sie die Lippen fest aufeinandergepresst hatte. Tom hatte gesagt, seine Frau sei gestorben. Nun, wahrscheinlich war es auch so, nur eben in Schottland, nachdem sie ihn verlassen hatte. So stolz, wie Christie war, wunderte es ihn kaum, dass der Mann nicht zugegeben hatte, von seiner Frau verlassen worden zu sein. Aber –

»Ist es wahr, Sir, dass Euer Großvater Lord Lovat war? Den sie den Alten Fuchs genannt haben?«

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