Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er klang so mitgenommen, dass ich unwillkürlich lachte. Ich stand auf und ging auf ihn zu.
»Das kann ich mir vorstellen. Komm her, dann sehe ich, ob ich etwas für dich auftreiben kann.« Er hatte sich das Hemd nur lose über die Schultern gezogen und sich nicht die Mühe gemacht, es zu schließen. Ich ließ meine Hände darunter gleiten und fuhr vorsichtig über die heiße, wunde Haut auf seinem Rücken. »Deine Haut ist nicht verletzt«, sagte ich und tastete mich sanft aufwärts.
»Ein Riemen verletzt die Haut nicht; er brennt nur.«
Ich zog ihm das Hemd aus und badete ihm im Sitzen den Rücken mit kaltem Wasser aus dem nahen Bach.
»Besser?«, fragte ich.
»Mmmm.« Seine Schultermuskeln entspannten sich, doch er zuckte sacht zusammen, als ich eine besonders empfindliche Stelle berührte.
Ich wandte mich dem Kratzer unter seinem Ohr zu. »Du hättest ihn doch nicht wirklich erschossen, oder?«
»Wofür hältst du mich, Sassenach?«, fragte er mit gespielter Entrüstung.
»Für einen schottischen Rüpel. Oder bestenfalls einen skrupellosen Verbrecher. Wer weiß, was so jemand tun würde? Von einem prinzipienlosen Wüstling ganz zu schweigen.«
Er lachte mit mir, und seine Schulter bebte unter meiner Hand. »Dreh den Kopf zur Seite. Wenn du weibliches Mitgefühl willst, musst du stillhalten, während ich es spende.«
»Mmm.« Er schwieg einen Moment. »Nein«, sagte er schließlich, »ich hätte ihn nicht erschossen. Aber ich musste ja irgendwie seinen Stolz retten, nachdem ich ihn so vorgeführt hatte. Er ist ein tapferer Junge; er hatte es verdient, den Eindruck zu haben, dass er es wert war, umgebracht zu werden.«
Ich schüttelte den Kopf. »Ich werde euch Männer nie verstehen«, murmelte ich und trug Ringelblumensalbe auf den Kratzer auf.
Er tastete rückwärts nach meinen Händen und hob sie zusammen an sein Kinn.
»Du brauchst mich nicht zu verstehen, Sassenach«, sagte er leise. »Solange du mich liebst.« Sein Kopf sank nach vorn, und er küsste mich sanft auf die verschränkten Hände.
»Und mir etwas zu essen gibst«, fügte er hinzu und ließ sie los.
»Oh, weibliches Mitgefühl, Liebe und Essen?«, sagte ich lachend. »Große Wünsche hast du ja nicht, oder?«
In den Satteltaschen waren kalte Pfannkuchen, Käse und ein bisschen Schinken. Die Anspannung und die Absurdität der letzten beiden Stunden war erschöpfender gewesen, als mir bis jetzt klar gewesen war, und ich schloss mich der Mahlzeit hungrig an.
Die Geräusche der Männer ringsum waren jetzt verstummt, und kein Ton, kein Flackern eines ungeschützten Feuers hätte darauf schließen lassen, dass wir uns nicht tausend Meilen von der nächsten Menschenseele entfernt befanden. Nur der Wind rauschte unablässig im Laub und ließ hin und wieder einen Zweig durch das Geäst fallen.
Jamie richtete sich im Sitzen auf. Sein Gesicht war im Sternenschein kaum zu erkennen, doch aus seiner Körperhaltung sprach der Schabernack.
»Ich habe deinem ritterlichen Freund mein Wort gegeben, dass ich dich nicht mit meinen abscheulichen Avancen behelligen würde. Das heißt dann wohl, dass ich bei Murtagh oder Kincaid schlafen muss, wenn du mich nicht in dein Bett einlädst. Und Murtagh schnarcht.«
»Du auch«, sagte ich.
Einen Moment sah ich ihn an, dann zuckte ich mit den Achseln, so dass mir die Hälfte des zerfetzten Kleids von der Schulter glitt. »Du hast ja schon einen guten Anfang damit gemacht, dich an mir zu vergehen.« Ich ließ die andere Schulter sinken, und der zerrissene Stoff fiel mir auf die Taille. »Jetzt kannst du es auch genauso gut anständig zu Ende bringen.«
Die Wärme seiner Arme glitt wie heiße Seide über meine kalte Haut.
»Aye, nun ja«, murmelte er mir ins Haar. »Krieg ist Krieg, nicht wahr?«
»Ich kann mir keine Daten merken«, sagte ich etwas später in den Sternenhimmel. »Ist Miguel de Cervantes eigentlich schon geboren?«
Jamie lag neben mir auf dem Bauch – er konnte ja nicht anders –, und Kopf und Schultern lugten aus dem schützenden Zelt hervor. Ein Auge öffnete sich langsam und schweifte zum östlichen Horizont. Da es keine Spur der Dämmerung fand, kehrte es langsam zurück und heftete sich mit einem Ausdruck zynischer Resignation auf mein Gesicht.
»Hast du etwa plötzlich das Bedürfnis, über spanische Romane zu diskutieren?«, sagte er ein wenig heiser.
»Eigentlich nicht. Ich habe mich nur gefragt, ob dir der Begriff ›quixotisch‹ etwas sagt …«
Er hievte sich auf die Ellbogen hoch, rieb sich mit beiden Händen die Kopfhaut, um sich ganz zu wecken, dann wandte er sich blinzelnd, aber hellwach an mich.
»Cervantes wurde vor über zweihundert Jahren geboren, Sassenach, und da ich eine gründliche Schulbildung genossen habe, aye, der Herr ist mir vertraut. Die letzte Bemerkung war aber nicht persönlich gemeint, oder?«
»Tut dir der Rücken weh?«
Er bewegte versuchsweise die Schultern. »Nicht sehr. Ein bisschen blau vermutlich.«
»Jamie, warum, zum Kuckuck?«, entfuhr es mir.
Er legte das Kinn auf die verschränkten Unterarme. Die Neigung seines Kopfes betonte die Schrägstellung seiner Augen. Das eine, das ich sehen konnte, verengte sich noch weiter, als er jetzt lächelte.
»Nun, es hat Murtagh große Freude gemacht. Er ist mir eine Tracht Prügel schuldig, seit ich ihm mit neun Jahren Honigwaben in die Schuhe gesteckt habe, als er sie ausgezogen hatte, um sich die Füße zu kühlen. Er hat mich damals nicht erwischt, aber ich habe eine ganze Menge interessanter neuer Ausdrücke gelernt, während er mir barfuß nachgelaufen ist. Er …«
Ich unterbrach ihn, indem ich ihm die Faust mit aller Kraft auf die Schulter sausen ließ. Überrascht ließ er den Arm mit einem scharfen »Uff!« unter sich zusammenklappen und drehte sich auf die Seite, so dass er mir den Rücken zudrehte.
Ich zog hinter ihm die Knie an und legte ihm den Arm um die Taille. Sein breiter Rücken verdeckte die Sterne. Er war glatt bemuskelt und glänzte noch schwach von der Feuchtigkeit der Anstrengung. Ich küsste ihn zwischen die Schulterblätter, dann wich ich zurück und blies sanft auf die Stelle, um zu spüren, wie seine Haut unter meinen Fingerspitzen erschauerte und sich die feinen Härchen entlang seines Wirbelkanals aufrichteten.
»Warum?«, fragte ich noch einmal. Ich legte mein Gesicht an seinen warmen, feuchten Rücken. Im Schatten der Dunkelheit waren die Narben unsichtbar, doch ich konnte sie als schwache Verhärtungen unter meiner Wange spüren.
Einen Moment blieb er still, und seine Rippen hoben und senkten sich mit jedem tiefen, langsamen Atemzug unter meinem Arm.
»Aye, nun ja«, sagte er, dann verstummte er erneut und überlegte.
»Ich weiß es nicht genau, Sassenach«, sagte er schließlich. »Kann sein, dass ich dachte, ich bin es dir schuldig. Oder vielleicht auch mir selbst.«
Ich legte ihm die Handfläche leicht auf das breite, flache Schulterblatt, dessen Knochen sich klar unter der Haut abzeichnete.
»Mir jedenfalls nicht.«
»Aye? Ist es etwa eine zivilisierte Handlungsweise, seine Frau vor dreißig Männern zu entkleiden?« Sein Ton war plötzlich bitter, und meine Hände hielten inne und drückten sich an ihn. »Ist es eine ritterliche Handlungsweise, Gewalt gegen einen Gefangenen anzuwenden, noch dazu ein Kind? Darüber nachzudenken, noch Schlimmeres zu tun?«
»Wäre es besser gewesen, mich – oder ihn – zu schonen und in zwei Tagen die Hälfte deiner Männer zu verlieren? Du musstest es doch wissen. Du konntest – du kannst es dir nicht leisten, dich von ritterlichen Manieren auf Abwege bringen zu lassen.«
»Nein«, sagte er leise, »das kann ich nicht. Und so muss ich mit einem Mann – mit dem Sohn meines Königs – reiten, dem zu folgen mir meine Pflicht und meine Ehre gebieten … während ich gleichzeitig danach trachte, sein Ziel, auf das ich eingeschworen bin, ins Gegenteil zu kehren. Ich habe einen Meineid geschworen für das Leben derer, die ich liebe – ich verrate den Namen der Ehre, damit die, die ich ehre, überleben können.«