Das Geheimnis der Schnallenschuhe
- Автор: Кристи Агата
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
«Das geht mir immer so. Die Leute sagen…»
«Er machte ein ganz bestimmtes Gesicht», fuhr Jane fort, «das ich genau kenne – ein Gesicht, das den Leuten etwas vormachen soll, aber keinen Säugling täuschen könnte – und sagte lahm: ‹Oh – äh – doch, gewiss.› Darauf sagte das schreckliche Weib: ‹Ich war sehr befreundet mit Ihrer Frau, wissen Sie!›»
«Auch das sagen die Leute immer», fügte Alistair Blunt in düsterem Ton hinzu. Er lächelte verlegen.
«Es läuft immer auf dasselbe hinaus: ein Beitrag für irgendeinen wohltätigen Zweck. Damals habe ich mich mit fünf Pfund zugunsten einer Zenana-Mission loskaufen können – billig!»
«Hatte sie wirklich Ihre Frau gekannt?»
«Nun, da sie sich für die Zenana-Mission interessierte, hätte das nur in Indien gewesen sein können, wo wir vor etwa zehn Jahren waren. Aber ‹sehr befreundet› war sie mit meiner Frau sicher nicht, denn davon hätte ich gewusst. Wahrscheinlich hat sie sie einmal bei irgendeinem Empfang getroffen.»
Jane meinte: «Ich glaube nicht, dass sie Tante Rebecca überhaupt gekannt hat. Das war sicher nur ein Vorwand, um dich anzusprechen, Onkel.»
Alistair Blunt murmelte nachsichtig: «Nun, das ist sehr gut möglich.»
«Hat sie noch weitere ‹Annäherungsversuche› gemacht?», fragte Poirot.
Blunt schüttelte den Kopf.
«Ich habe nie wieder an sie gedacht. Sogar ihr Name war mir entfallen, bis Jane ihn in der Zeitung entdeckt hat.»
Unsicher sagte Jane: «Nun, ich fand, dass M. Poirot von dieser Begegnung erfahren sollte!»
«Ich danke Ihnen, Mademoiselle», erwiderte Poirot höflich. Zu Blunt gewandt, fügte er hinzu: «Ich möchte Sie nicht unnötig aufhalten, Mr Blunt. Sie sind ein viel beschäftigter Mann.»
Jane sagte schnelclass="underline" «Ich bringe Sie hinunter.»
Poirot lächelte hinter seinem Schnurrbart.
Im Erdgeschoss blieb Jane plötzlich stehen: «Kommen Sie hier rein!», flüsterte sie und führte ihn in ein kleines Zimmer, das neben der Halle lag. Sie drehte sich um und stand ihm gegenüber. «Was meinten Sie, als Sie am Telefon sagten, Sie hätten meinen Anruf erwartet?»
Poirot lächelte: «Genau, was ich gesagt habe, Mademoiselle. Ich habe Ihren Anruf erwartet – und der Anruf ist gekommen.»
«Wollen Sie damit sagen, Sie hätten gewusst, dass ich Sie wegen dieser Sainsbury Seale anrufen würde?»
Poirot schüttelte den Kopf.
«Das war nur ein Vorwand. Sie hätten nötigenfalls auch einen anderen Vorwand gefunden.»
«Aus welchem anderen Grund hätte ich Sie anrufen sollen?», fragte das Mädchen wütend.
«Aus welchem Grund sollten Sie die kleine Information über Miss Sainsbury Seale mir zukommen lassen statt der Polizei? Das wäre doch der normale Weg gewesen.»
«Also gut – was wissen Sie eigentlich?»
«Ich weiß, dass Sie sich für mich interessieren, seit Sie erfahren haben, dass ich neulich im Holborn Palace Hotel war.»
Sie wurde so blass, dass er erschrak. Er hätte nie gedacht, dass diese tiefgebräunte Haut eine derart grünliche Schattierung annehmen könnte.
Mit ruhiger, fester Stimme fuhr er fort: «Sie haben mich veranlasst, heute hierher zu kommen, weil Sie mich ausholen wollen – das ist das richtige Wort, nicht wahr? – ja, weil Sie mich ausholen wollen – über Mr Howard Raikes.»
«Wer ist das?», fragte Jane wenig überzeugend.
Poirot sagte: «Sie brauchen mich nicht auszuholen, Mademoiselle. Ich werde Ihnen erzählen, was ich weiß – oder vielmehr, was ich erraten habe. Damals, als ich mit Chefinspektor Japp zum ersten Mal hier ins Haus kam, waren Sie überrascht, uns zu sehen – erschrocken. Sie dachten, Ihrem Onkel sei etwas zugestoßen. Warum?»
«Nun, er gehört zu den Leuten, denen etwas zustoßen könnte. Einmal hat er eine Bombe in einem Postpaket bekommen, und jetzt erhält er fast täglich Drohbriefe.»
Poirot fuhr fort: «Chefinspektor Japp sagte Ihnen, dass ein gewisser Morley, ein Zahnarzt, erschossen aufgefunden worden sei. Sie erinnern sich vielleicht noch an Ihre Antwort. Sie sagten: ‹Aber das ist doch absurd!›»
«Habe ich das gesagt? Das war absurd von mir, nicht wahr?»
«Es war eine sehr sonderbare Bemerkung, Mademoiselle. Sie verriet, dass Sie von der Existenz des Mr Morley wussten und dass Sie erwartet hatten, etwas würde passieren – nicht ihm, aber möglicherweise in seinem Hause.»
«Sie denken sich gern zu Ihrem Vergnügen Geschichten aus, wie?»
Poirot ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. «Sie hatten erwartet – oder vielmehr gefürchtet –, dass etwas in Mr Morleys Haus Ihrem Onkel passieren würde. Aber wenn dem so war, dann mussten Sie etwas wissen, was wir nicht wussten. Ich ließ die Menschen, die an jenem Tag Mr Morleys Haus betreten hatten, vor meinem inneren Auge Revue passieren und kam sofort auf die einzige Person, die mit Ihnen in Verbindung stehen könnte – es war dieser junge Amerikaner, Howard Raikes.»
«Das klingt ja wie ein Schauerroman! Was bringt die nächste spannende Fortsetzung?»
«Ich suchte Mr Raikes auf. Er ist ein gefährlicher und anziehender junger Mann.»
Poirot schaltete eine ausdrucksvolle Pause ein.
Jane sagte nachdenklich: «Das ist er wirklich, nicht wahr?» Sie lächelte. «Also schön! Sie haben gewonnen! Ich bin fast gestorben vor Angst!»
Sie beugte sich vor.
«Ich werde Ihnen alles erzählen, M. Poirot. Sie kann man nicht an der Nase herumführen. Lieber erzähle ich es Ihnen, als dass Sie herumschnüffeln und alles selbst herausbringen. Ich liebe diesen Howard Raikes. Meine Mutter hat mich nur nach England gebracht, um mich von ihm zu trennen. Teils deshalb, und teils weil sie hofft, Onkel Alistair könnte mich genügend lieb gewinnen, um mir sein Vermögen zu vermachen. – Mutter ist eine angeheiratete Nichte. Ihre Mutter war die Schwester von Rebecca Arnholt. Wir sind also nur sehr entfernt verwandt – aber Blutsverwandte hat er nicht, und deshalb bildet Mutter sich ein, wir könnten ihn einmal beerben. Sie sehen, ich bin offen, M. Poirot. Solche Leute sind wir. Wir haben selbst eine Masse Geld – eine geradezu unanständige Masse, sagt Howard –, aber nicht in der Größenordnung von Onkel Alistair.»
Sie hielt inne und schlug mit der Hand wütend auf die Stuhllehne.
«Wie kann ich es Ihnen begreiflich machen? Alles, woran ich auf Grund meiner ganzen Erziehung glaube, verabscheut Howard und will es vernichten. Und wissen Sie – manchmal empfinde ich genauso wie er. Ich habe Onkel Alistair sehr gern, aber er geht mir auf die Nerven. Er ist so schwerfällig – so englisch – so vorsichtig und konservativ. Manchmal habe ich das Gefühl, er und seine Klasse müssten wirklich hinweggefegt werden – sie stehen dem Fortschritt im Wege, nur ohne sie wird man etwas erreichen können!»
«Sie bekennen sich zu den Ideen von Mr Raikes?»
«Ja – und nein. Howard ist radikaler als die meisten seiner Genossen. Wissen Sie, es gibt Leute, die bis zu einem gewissen Punkt mit Howard übereinstimmen. Sie wären bereit, etwas Neues zu wagen, wenn Onkel Alistair und seine Leute es zulassen würden. Aber das tun die niemals! Sie sitzen bloß da, wackeln mit den Köpfen und sagen: ‹Das dürfen wir nicht riskieren.› Und: ‹Das wäre keine gesunde Wirtschaft›. Und: ‹Wir müssen verantwortungsbewusst sein.›» Jane hatte sich richtig in Rage geredet.
«Warum hat Mr Raikes den Zahnarzt in der Queen Charlotte Street aufgesucht?», fragte Poirot betont sachlich.
«Weil ich wollte, dass er Onkel Alistair kennen lernt, und nicht wusste, wie ich das anders zustande bringen sollte. Howard ist so erbittert über Onkel Alistair, so erfüllt von – ja, von Hass, und ich glaube, das würde sich ändern, wenn er einmal sehen könnte, was für ein netter, gütiger, bescheidener Mensch Onkel in Wirklichkeit ist. Hier im Haus ließ sich ein Zusammentreffen nicht ermöglichen – Mutter hätte alles verdorben.»
«Und nachdem Sie alles vorbereitet hatten, wurden Sie – ängstlich, nicht wahr?», fragte Poirot sachte.