Das Geheimnis der Schnallenschuhe
- Автор: Кристи Агата
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
«Morleys Tod? Morleys Tod hängt mir schon zum Hals heraus! Denk doch einfach nicht mehr an den Mann, Gladys. Ich verstehe nicht, was an ihm so großartig gewesen sein soll.»
«Oh, Frank – das darfst du nicht sagen. Schon allein, dass er mir hundert Pfund vermacht hat – gestern Abend habe ich den Brief bekommen, in dem das stand.»
«Nun ja, das ist ja ganz gut und schön», gab Frank grollend zu. «Aber warum schließlich auch nicht? Wie eine Sklavin hat er dich schuften lassen – und wer hat alle die fetten Honorare eingesteckt? Er!»
«Aber das war doch vollkommen in Ordnung – er hat mir ein sehr gutes Gehalt gezahlt.»
«Nicht, was ich unter einem guten Gehalt verstehe! Mein liebes Kind, du bist viel zu gutmütig – du lässt dich ausnützen. Ich habe Morley ganz richtig eingeschätzt. Du weißt so gut wie ich, dass er alles versucht hat, um uns beide auseinanderzubringen.»
«Er hat es nicht besser verstanden.»
«Er hat es sehr wohl verstanden. Der Mann ist jetzt tot, sonst hätte ich ihm einmal meine Meinung gesagt – kannst dich darauf verlassen.»
«Zu diesem Zweck sind Sie auch am Todestag von Mr Morley ins Haus gekommen, nicht wahr?», fragte Hercule Poirot freundlich.
Frank Carter sagte zornig: «Wer hat das behauptet…?»
«Sie sind doch gekommen, nicht wahr?»
«Nun, und wenn schon? Ich wollte Miss Nevill sprechen.»
«Aber man hat Ihnen mitgeteilt, sie sei nicht da.»
«Ja, und das hat mich äußerst misstrauisch gemacht, kann ich Ihnen sagen. Ich habe diesem rothaarigen Trottel gesagt, dass ich warten und selbst mit Morley sprechen würde. Ich hatte es satt, dass er Gladys dauernd gegen mich aufhetzte, und wollte ihm klarmachen, dass ich kein armseliger Taugenichts bin, sondern ein Mann in guter Stellung, der absolut in der Lage ist zu heiraten.»
«Aber Sie haben doch nicht mit Morley gesprochen?»
«Nein, ich bekam das Warten in dieser verstaubten Gruft satt und ging fort.»
«Um welche Zeit verließen Sie das Haus?»
«Daran kann ich mich nicht erinnern.»
«Haben Sie eine halbe Stunde gewartet – länger oder kürzer als eine halbe Stunde?»
«Ich sage Ihnen doch, ich weiß es nicht. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die dauernd auf die Uhr schauen.»
«War noch jemand im Wartezimmer, während Sie dort warteten?»
«Ein dicker, öliger Kerl war da, als ich eintrat, aber er wurde bald zu Morley gerufen. Dann war ich allein.»
«Dann müssen Sie vor halb eins gegangen sein – denn um diese Zeit ist eine Dame gekommen.»
«Schon möglich. Wie gesagt, die Bude ist mir auf die Nerven gegangen.»
Poirot sah ihn nachdenklich an. Das forsche Auftreten wirkte irgendwie unecht. Aber das ließ sich vielleicht auch durch bloße Nervosität erklären. Einfach und ungekünstelt sagte darum Poirot: «Miss Nevill erzählte mir, dass Sie großes Glück gehabt und eine sehr gute Stellung gefunden haben.»
«Das Gehalt ist gut.»
«Zehn Pfund pro Woche, habe ich gehört.»
«Stimmt. Nicht übel, was? Das beweist, dass ich etwas erreichen kann, wenn ich es mir in den Kopf setze.»
Carter sah sehr stolz aus.
«Ja, in der Tat. Und die Arbeit ist nicht zu anstrengend?»
«Es geht.»
«Und interessant?»
«O ja, ganz interessant. Da wir gerade von Arbeit reden: Ich habe mich immer gefragt, wie ihr Privatdetektive eigentlich arbeitet. Ich nehme an, die Zeiten des seligen Sherlock Holmes sind vorbei, oder? Heutzutage gibt es wohl nur noch Scheidungsaffären zu bearbeiten?»
«Ich befasse mich nicht mit Ehescheidungen.»
«So? Dann begreife ich nicht, wie Sie existieren können.»
«Man richtet sich ein, lieber Freund, man richtet sich ein.»
«Aber Sie sind doch eine Koryphäe auf Ihrem Gebiet, nicht wahr, M. Poirot?», warf Gladys Nevill ein. «Mr Morley hat das immer behauptet. Ich meine: Detektive wie Sie arbeiten für königliche Hoheiten oder für das Innenministerium oder für Herzoginnen.»
Poirot lächelte sie an. «Sie schmeicheln mir», sagte er dann.
Nachdenklich kehrte Poirot heim und rief sofort Japp an.
«Verzeihen Sie, lieber Freund, wenn ich Sie störe, aber haben Sie eigentlich etwas unternommen, um dem bewussten Telegramm an Gladys Nevill auf die Spur zu kommen?»
«Sind Sie immer noch an der Sache dran? Ja, wir haben das Telegramm tatsächlich aufgespürt. Die Sache war sehr schlau eingefädelt: Die Tante wohnt in Richbourne in Somerset, und das Telegramm wurde in Richbarn, einem Londoner Vorort, aufgegeben.»
Anerkennend meinte Poirot:
«Das war schlau – ja, das war schlau. Wenn die Empfängerin zufällig nach dem Aufgabeort sah, besaß dieser Name genügend Ähnlichkeit mit Richbourne, um keinen Verdacht zu erregen.» Er hielt inne. «Wissen Sie, was ich denke, Japp?»
«Nun?»
«Hinter dieser Sache steckt Verstand.»
«Hercule Poirot wünscht, dass es Mord ist, also muss es Mord sein.»
«Und wie erklären Sie sich das Telegramm?»
«Ein Zufall. Jemand hat einen Streich gespielt.»
«Aus welchem Grund?»
«Du lieber Himmel, Poirot – aus welchem Grund tut man so etwas? Aus Spaß, aus Fopperei. Ein verdrehter Sinn für Humor – das ist alles.»
«Und der Spaß musste ausgerechnet an dem Tag stattfinden, an dem Morley den Irrtum mit der Injektion begeht?»
«Vielleicht hat dabei ein gewisser Zusammenhang von Ursache und Wirkung bestanden: Eben weil die Assistentin abwesend war, hat sich Morley infolge seiner dadurch bedingten Überlastung in der Dosis geirrt.»
«Ich bin noch nicht überzeugt.»
«Das glaube ich Ihnen – aber sehen Sie nicht, wohin Ihre Auffassung führt? Wenn jemand die Nevill aus dem Weg haben wollte, dann war es vermutlich Morley selbst. Und daraus würde sich ergeben, dass er Amberiotis mit Vorbedacht und nicht aus Versehen umgebracht hat.»
Poirot schwieg.
Japp sagte: «Sehen Sie das ein?»
«Amberiotis kann auch auf andere Weise umgebracht worden sein», erklärte Poirot.
«Ausgeschlossen. Niemand hat ihn im Savoy besucht, und im ärztlichen Befund steht ausdrücklich, dass das Zeug gespritzt und nicht geschluckt worden ist – im Magen war nichts davon zu finden. Da ist nicht viel zu machen – der Fall liegt klar.»
«Ja, das sollen wir eben glauben… Und was ist mit der verschwundenen Dame?»
«An dem Fall arbeiten wir noch. Irgendwo muss das Weibsbild doch sein! Man kann schließlich nicht einfach auf die Straße laufen und sich in Luft auflösen.»
«Das hat sie aber anscheinend getan.»
«Im Augenblick sieht es so aus. Aber irgendwo muss sie sein, tot oder lebendig – und ich glaube nicht, dass sie tot ist.»
«Warum nicht?»
«Weil wir sonst inzwischen die Leiche gefunden hätten.»
«Oh, lieber Freund – tauchen denn Leichen immer schon so bald auf?»
«Wahrscheinlich wollen Sie mir jetzt einreden, die Frau sei gleichfalls umgebracht worden?»
«Man kann nie wissen», sagte Poirot vorsichtig. «Aber die Hauptsache ist, dass Sie sie erst einmal finden.»
«Ja, ja, natürlich. Wir werden jetzt ihren Steckbrief durch die Presse veröffentlichen und auch den Rundfunk mobilisieren.»
«Aha», meinte Poirot, «das könnte was bringen.»
«Machen Sie sich keine Sorgen, alter Freund. Wir werden Ihnen Ihre verschwundene Schönheit schon zur Stelle schaffen – einschließlich wollener Unterwäsche und allem anderen.»
Japp legte auf.
George betrat in seiner gewohnten geräuschlosen Art das Zimmer. Er stellte eine Kanne dampfende Schokolade und etwas Gebäck auf ein Tischchen.
«Haben Sie noch einen Wunsch, Monsieur?»
«Meine Gedanken befinden sich in großer Verwirrung, George.»
«Wirklich, Monsieur? Das tut mir Leid.»
Hercule Poirot goss sich eine Tasse Schokolade ein und rührte gedankenvoll darin herum.