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Das Geheimnis der Schnallenschuhe

Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:

Auch ein Meisterdetektiv geht nicht gern zum Zahnarzt. Und die Rätsel in der Praxis von Hercule Poirots Zahnarzt häufen sich: Ein Patient stirbt, ein anderer verschwindet, auf einen dritten wird ein Attentat verübt. Wie gut nur, dass Poirot vor der Tür des Zahnarztes die Dame mit den merkwürdigen Schnallenschuhen aufgefallen ist. So bereitet ihm die Lösung des geheimnisvollen Geschehens schließlich doch keine Zahnschmerzen.
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
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Poirot murmelte: «Mit vierzig, mon ami, beginnt bei manchen Frauen das Haar zu ergrauen – aber Mrs Chapman gehört nicht zu denen, die klein beigeben.»

«Wahrscheinlich trägt sie jetzt zur Abwechslung rotes Haar.»

«Wer weiß?»

Japp sagte: «Etwas quält Sie, Poirot. Was ist es?»

«Ja, etwas quält mich, quält mich sehr ernsthaft. Es gibt hier für mich, verstehen Sie, ein unlösbares Problem.»

Entschlossen ging er nochmals in die Kofferkammer. Er packte den Schuh am Fuß der toten Frau. Der Schuh leistete Widerstand und ließ sich nur mit Gewalt ausziehen.

Er untersuchte die Schnalle. Sie war mit ungeschickter Hand angenäht worden. Hercule Poirot seufzte.

«Wahrscheinlich träume ich!», murmelte er.

«Was treiben Sie da eigentlich – wollen Sie die Sache noch komplizierter machen?», unterbrach ihn Japp.

«Genau das.»

«Ein Lackschuh», sagte Japp, «komplett mit Schnalle. Was ist los mit dem Schuh?»

«Nichts – absolut nichts. Und trotzdem – ich verstehe es nicht.»

Hercule Poirot sah sehr nachdenklich aus.

Mrs Merton aus Appartement 82 der King Leopold Mansions war vom Portier als Mrs Chapmans beste Bekannte im Hause bezeichnet worden. Zum Appartement 82 lenkten also Japp und Poirot ihre nächsten Schritte.

Mrs Merton war eine geschwätzige Dame mit lebhaften schwarzen Augen und einer sorgfältig hergerichteten Frisur. Es bedurfte keiner Mühe, sie zum Reden zu bringen. Sie zeigte sich der dramatischen Situation gewachsen.

«Sylvia Chapman – also natürlich kenne ich sie nicht sehr gut – nicht intim, sozusagen. Wir haben gelegentlich zusammen Bridge gespielt und sind miteinander ins Kino gegangen. Aber sagen Sie mir – sie ist doch nicht etwa tot, wie?»

Japp beruhigte Mrs Merton.

«Nun, ich bin froh, das zu hören. Eben war der Briefträger hier und hat alles mögliche erzählt von einer Leiche, die in einer der Wohnungen gefunden worden sein soll – aber man darf ja nicht die Hälfte von dem glauben, was die Leute so schwatzen, finden Sie nicht auch?»

Japp stellte eine weitere Frage.

«Nein, ich habe nichts von Mrs Chapman gehört – seit ihrer Abreise. Sie muss ganz plötzlich verreist sein, denn wir hatten damals verabredet, dass wir uns in der folgenden Woche den Film mit Grear Garson anschauen wollten, und da hat sie nichts von Verreisen gesagt.»

Von einer Miss Sainsbury Seale hatte Frau Merton nie etwas gehört. Bestimmt hatte Mrs Chapman diesen Namen niemals erwähnt.

«Und trotzdem, wissen Sie, kommt mir der Name bekannt vor – ganz entschieden. Ich muss ihn in allerletzter Zeit irgendwo gehört haben.»

Trocken entgegnete Japp: «Der Name hat wochenlang in allen Zeitungen gestanden.»

«Natürlich – eine Vermisstenmeldung, nicht wahr? Und Sie meinen, dass Mrs Chapman sie kannte? Nein, ich bin ganz sicher, dass Sylvia den Namen nie erwähnt hat.»

«Wissen Sie etwas über Mr Chapman, Mrs Merton?»

Ein sonderbarer Ausdruck erschien auf Mrs Mertons Gesicht.

«Er ist, glaube ich, Geschäftsreisender – wenigstens hat mir Mrs Chapman das erzählt. Vertritt seine Firma im Ausland – eine Rüstungsfirma, glaube ich. Er bereist ganz Europa.»

«Sind Sie jemals mit ihm zusammengekommen?»

«Nein, nie. Er war so selten zu Hause, und wenn er da war, wollte Mrs Chapman mit ihm allein sein. Sehr begreiflich.»

«Wissen Sie, ob Mrs Chapman nähere Verwandte oder Freunde besitzt?»

«Ob Freunde, weiß ich nicht. Nahe Verwandte hat sie wohl keine. Jedenfalls hat sie nie von ihnen gesprochen.»

«War sie jemals in Indien?»

«Nicht, dass ich wüsste.»

Mrs Merton machte eine Pause. Dann stieß sie hervor: «Aber bitte, sagen Sie mir doch: Warum stellen Sie diese ganzen Fragen? Ich verstehe schon, dass Sie von der Kriminalpolizei kommen, aber dann muss doch ein besonderer Grund vorliegen.»

«Nun, Mrs Merton, in Mrs Chapmans Wohnung ist tatsächlich eine Leiche gefunden worden.»

«Oh!» Mrs Merton sah einen Augenblick aus wie der Hund im Märchen, dessen Augen so groß wie Untertassen waren.

«Eine Leiche! Etwa Mr Chapman? Oder ein Ausländer?»

«Überhaupt kein Mann – eine Frauenleiche.»

«Eine Frau?» Mrs Mertons Erstaunen schien noch zu wachsen.

Poirot fragte milde: «Warum dachten Sie, es sei ein Mann?»

«Ach, ich weiß nicht. Es kam mir wahrscheinlicher vor…»

«Aber warum? Pflegte Mrs Chapman Männerbesuche zu empfangen?»

«O nein – keineswegs.» Mrs Merton war ganz empört. «So etwas habe ich nicht gemeint. So eine Frau war Sylvia Chapman nicht im Geringsten! Es war nur, weil Mr Chapman – ich meine…» Sie brach ab.

«Ich glaube», sagte Poirot, «Sie wissen ein bisschen mehr, als Sie uns erzählt haben, Madame.»

Mrs Merton erklärte zögernd: «Ich weiß wirklich nicht, was ich tun soll. Ich möchte keinen Vertrauensbruch begehen und habe natürlich niemandem verraten, was Sylvia mir erzählt hat – außer zwei Freundinnen, von denen ich bestimmt wusste, dass sie kein Wort weitersagen würden.»

Mrs Merton holte tief Atem.

«Was hat Ihnen Mrs Chapman erzählt?», fragte Japp.

Mrs Merton beugte sich vor und senkte die Stimme. «Es ist ihr eines Tages gewissermaßen zufällig entschlüpft. Wir sahen einen Film, der vom Geheimdienst handelte, und Mrs Chapman sagte, es sei deutlich zu merken, dass die Filmleute nicht viel von diesem Metier verstünden. Und dann ist es herausgekommen, nur hat sie mich beschworen, darüber zu schweigen. Mr Chapman ist nämlich beim Geheimdienst tätig. Das ist der wirkliche Grund, weshalb er dauernd ins Ausland fahren muss. Die Geschäftsreisen sind nur ein Vorwand.»

Als sie die Treppe hinunter zu Nummer 42 zurückgingen, war Japp sichtlich wütend.

Sergeant Beddas, der tüchtige junge Mann, erwartete die beiden und sagte respektvolclass="underline" «Aus dem Mädchen habe ich nichts Vernünftiges herausbringen können, Chefinspektor. Mrs Chapman hat ihre Bedienung anscheinend ziemlich häufig gewechselt. Diese Nelly hat die Stellung erst seit ein oder zwei Monaten gehabt. Sie sagt, Mrs Chapman sei eine nette Dame gewesen, habe gern Radio gehört und mit ihr nie unfreundlich gesprochen. Manchmal hat sie Briefe aus dem Ausland bekommen, ein paar aus Deutschland, zwei aus Amerika, einen aus Italien und einen aus Russland. Der Freund des Mädchens sammelt Marken, und Mrs Chapman gab ihr diese stets, wenn ein Brief gekommen war.»

«Unter Mrs Chapmans Papieren haben Sie nichts gefunden?»

«Nicht das Geringste, Chefinspektor. Es war auch nicht viel an Papieren da. Ein paar Rechnungen und Quittungen – alle von hiesigen Firmen. Einige alte Theaterprogramme, ein paar Kochrezepte, die sie aus der Zeitung ausgeschnitten hatte, und eine Broschüre über die Zenana-Mission.»

«Nun, und wer die ins Haus gebracht hat, ist leicht zu erraten. Das klingt kaum nach einer Mörderin, was? Und doch scheint sie das gewesen zu sein. Zumindest muss sie eine Komplizin sein. Und fremde Männer sind an dem Abend nicht im Haus gesehen worden?»

«Der Portier kann sich an keine erinnern, aber es ist ja auch schon ziemlich lange her, und überhaupt ist das Haus sehr groß – ein dauerndes Kommen und Gehen. An das Datum erinnert er sich nur deshalb, weil er am nächsten Tag ins Spital gebracht worden ist und sich an dem betreffenden Abend schon sehr schlecht gefühlt hat.»

Der Arzt kam aus dem Badezimmer, wo er sich die Hände gewaschen hatte.

«Eine höchst unappetitliche Leiche», sagte er heiter. «Schicken Sie sie mir rüber, sobald Sie soweit sind. Dann werde ich mich an die Arbeit machen.»

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