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Das Geheimnis der Schnallenschuhe

Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:

Auch ein Meisterdetektiv geht nicht gern zum Zahnarzt. Und die Rätsel in der Praxis von Hercule Poirots Zahnarzt häufen sich: Ein Patient stirbt, ein anderer verschwindet, auf einen dritten wird ein Attentat verübt. Wie gut nur, dass Poirot vor der Tür des Zahnarztes die Dame mit den merkwürdigen Schnallenschuhen aufgefallen ist. So bereitet ihm die Lösung des geheimnisvollen Geschehens schließlich doch keine Zahnschmerzen.
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
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Ihre Augen weiteten sich und wurden dunkel.

«Ja. Weil – weil Howard – weil Howard sich manchmal hinreißen lässt. Er – er – »

«Er ist für ein abgekürztes Verfahren. Für die Vernichtung», sagte Poirot.

«Nein, nein, so nicht!», rief Jane Olivera. 

4

Die Zeit verging. Seit Mr Morleys Tod war mehr als ein Monat verstrichen, und noch immer wusste man nichts von Miss Sainsbury Seale. Japp wurde jedes Mal grimmiger, wenn er auf die Sache zu sprechen kam.

«Zum Donnerwetter, Poirot – irgendwo muss das Weib doch stecken!»

«Zweifellos, mon cher.»

«Entweder ist sie tot oder lebendig. Wenn sie tot ist – wo ist dann die Leiche? Nehmen wir an, sie hat Selbstmord begangen…»

«Noch ein Selbstmord?»

«Lassen wir das. Sie behaupten immer noch, Morley sei ermordet worden – ich behaupte, es war Selbstmord.»

«Wo die Pistole herkam, haben Sie nicht feststellen können?»

«Nein, ein ausländisches Fabrikat.»

«Das lässt doch gewisse Schlüsse zu, nicht wahr…?»

«Nicht, wie Sie glauben. Morley war oft im Ausland. Er kann die Pistole im Ausland gekauft haben. Eine Menge Leute haben gern eine Waffe bei sich, wenn sie im Ausland sind. Sie haben dann das Gefühl, das Leben sei gefährlich.»

Er brach ab und knurrte: «Bringen Sie mich nicht vom Thema ab. Ich wollte gerade sagen: Wenn – nur wenn, verstehen Sie – die Dame Selbstmord begangen hat, wenn sie zum Beispiel ins Wasser gegangen ist, dann hätte die Leiche längst irgendwo auftauchen müssen. Wenn sie ermordet worden ist, natürlich auch.»

«Nicht, wenn man die Leiche mit einem Gewicht beschwert und in die Themse geworfen hat.»

«Aus einem Keller im Chinesenviertel, was?»

«Ich weiß – ich werde rot, wenn ich so was sage.»

«Und umgebracht worden ist sie wahrscheinlich von einer internationalen Verbrecherbande?»

Poirot meinte seufzend: «Man hat mir unlängst erzählt, dass es so etwas wirklich gibt.»

«Wer hat Ihnen das erzählt?»

«Mr Reginald Barnes aus der Castlegarden Road in Ealing.»

«Nun, der könnte vielleicht etwas wissen», sagte Japp nachdenklich. «Er hat sich im Innenministerium mit der Überwachung der Ausländer befasst.»

«Aber Sie sind anderer Meinung?»

«Es ist nicht mein Gebiet – gewiss, ja, es gibt solche Sachen –, aber doch sehr selten.»

Es herrschte einen Augenblick Schweigen, dann begann Japp von neuem: «Ein paar ergänzende kleine Informationen haben wir bekommen. Die Seale ist von Indien nach England auf dem gleichen Schiff gereist wie Amberiotis. Aber da sie in der zweiten und er in der ersten Klasse gefahren ist, glaube ich nicht, dass viel dahintersteckt. Allerdings bildet sich einer der Kellner im Savoy ein, sie und Amberiotis ungefähr eine Woche vor dessen Tod zusammen gesehen zu haben.»

«Es könnte also eine Verbindung zwischen den beiden bestanden haben?»

«Möglicherweise – aber für wahrscheinlich halte ich es nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Missionsdame sich auf dunkle Machenschaften einlässt.»

«Hatte Amberiotis sich auf – wie Sie sich ausdrücken – ‹dunkle Machenschaften› eingelassen?», fragte Poirot.

«Ja.»

«Das wissen Sie bestimmt?»

«Ja. Natürlich – die Schmutzarbeit hat er nicht selbst gemacht. Wir hätten ihm nichts anhaben können. Organisieren und Berichte anfordern – das war seine Spezialität.»

Japp machte eine Pause und fuhr dann fort: «Aber das bringt uns mit der Sainsbury Seale nicht weiter. Die konnte nicht zu diesen Leuten gehören.»

«Denken Sie daran, dass sie in Indien gelebt hat. Dort hat es letztes Jahr eine Menge Unruhen gegeben.»

«Amberiotis und die tugendhafte Miss Sainsbury Seale – ich bin einfach nicht imstande, mir die beiden als Partner vorzustellen.»

«Wussten Sie, dass Miss Sainsbury Seale mit der verstorbenen Mrs Alistair Blunt eng befreundet war?»

«Wer behauptet das? Kann ich nicht glauben. Ganz verschiedene soziale Schichten.»

«Sie hat es selbst behauptet.»

«Und wem gegenüber?»

«Alistair Blunt.»

«Ah – so ist das gewesen! Nun, er ist ja wohl gewöhnt, dass ihm solche Sachen erzählt werden. Meinen Sie, Amberiotis habe die Seale irgendwie vorgeschoben? Das hätte zu nichts geführt. Blunt hätte sie mit ein paar Pfund für wohltätige Zwecke abgespeist. Hätte sie niemals zu sich eingeladen oder so etwas Ähnliches. So naiv ist er schließlich auch nicht.»

Das war von so stringenter Logik, dass Poirot ihm nur beipflichten konnte.

«Und dennoch», fuhr Japp fort, «ist die Seale ein Mensch aus Fleisch und Blut – ich meine: Manchmal stößt man sozusagen auf eine Attrappe, auf jemanden, der sich beispielsweise für Miss Spinks ausgibt, ohne dass diese Miss Spinks in Wirklichkeit existiert. Aber diese Frau ist echt, hat eine Vergangenheit und einen realen Hintergrund. Wir wissen alles über sie, von ihrer Kindheit angefangen. Sie hat ein vollkommen normales, nachvollziehbares Leben geführt – und auf einmaclass="underline" Hokuspokus verschwindibus!»

«Das muss einen Grund haben», sagte Poirot.

«Den Morley hat sie nicht erschossen – falls Sie das meinen sollten. Amberiotis hat ihn höchst lebendig gesehen, nachdem sie schon fort war, und wir haben die Wege überprüft, die sie nach dem Verlassen der Queen Charlotte Street gegangen ist.»

Poirot unterbrach ungeduldig: «Ich behaupte keinen Augenblick, dass sie Morley erschossen hat – natürlich hat sie das nicht getan. Aber trotzdem…»

Japp sagte: «Wenn Ihre Theorie stimmt, dass Morley ermordet worden ist, dann ist es viel wahrscheinlicher, dass er etwas zu ihr gesagt hat, was – ohne dass sie es wusste – auf die Spur seines Mörders führt. In diesem Fall könnte es sein, dass sie absichtlich aus dem Weg geräumt worden ist.»

Poirot sagte: «All das setzt eine Organisation voraus – irgendeinen Apparat, der in keinem Verhältnis zum Tod eines unauffälligen Zahnarztes in der Queen Charlotte Street steht.»

«Sie müssen nicht alles glauben, was Reginald Barnes Ihnen erzählt! Er ist ein komischer Vogel – sieht überall Spione und Verräter.»

Japp stand auf, und Poirot sagte: «Verständigen Sie mich, wenn Sie etwas Neues hören.»

Als Japp gegangen war, blieb Poirot stirnrunzelnd am Tisch sitzen. Er hatte das sichere Gefühl, auf etwas zu warten. Aber auf was?

Er erinnerte sich, dass er schon früher einmal so dagesessen und einige Vorgänge und Namen aufgeschrieben hatte.

Draußen vor dem Fenster war ein Vogel vorbeigeflogen, einen Zweig im Schnabel.

Auch er hatte Zweige zusammengesucht. Nun lagen sie vor ihm – eine ganze Reihe. Jeder einzelne Zweig hatte seinen Platz in Poirots säuberlich registrierendem Gehirn – aber er hatte noch nicht versucht, Ordnung in die Zweige zu bringen. Das war der nächste Schritt: die Zweige ordnen.

Was hielt ihn davon ab? Er wusste die Antwort: Er wartete auf etwas. Auf etwas Unvermeidliches, Vorbestimmtes – auf das nächste Glied in der Kette. Wenn es eintrat, dann – erst dann – konnte er weitermachen.

Eine Woche danach, spät am Abend, kam der Anruf. Japps Stimme am Telefon klang schroff.

«Sie sind da, Poirot? Wir haben sie gefunden. Es wäre gut, wenn Sie herkämen. King Leopold Mansions, Battersea Park. Appartement Nummer 45.»

Eine Viertelstunde später setzte ein Taxi Poirot vor den King Leopold Mansions ab.

Das war ein großer Block von Etagenwohnungen, die alle auf den Battersea Park hinausgingen. Nummer 45 lag im zweiten Stock. Japp öffnete persönlich die Tür. Sein Gesicht durchzogen grimmige Falten.

«Kommen Sie herein», sagte er. «Sie ist nicht besonders schön anzuschauen, aber ich nehme an, Sie wollen sie selbst sehen.»

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