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Das Geheimnis der Schnallenschuhe

Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:

Auch ein Meisterdetektiv geht nicht gern zum Zahnarzt. Und die Rätsel in der Praxis von Hercule Poirots Zahnarzt häufen sich: Ein Patient stirbt, ein anderer verschwindet, auf einen dritten wird ein Attentat verübt. Wie gut nur, dass Poirot vor der Tür des Zahnarztes die Dame mit den merkwürdigen Schnallenschuhen aufgefallen ist. So bereitet ihm die Lösung des geheimnisvollen Geschehens schließlich doch keine Zahnschmerzen.
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
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Poirot fragte – aber es war eigentlich keine Frage: «Tot?»

«Man kann es wohl mausetot nennen.»

Poirot neigte den Kopf zur Seite und lauschte auf ein wohl bekanntes Geräusch, das hinter einer Tür zu seiner Rechten hervordrang.

«Das ist der Portier», sagte Japp. «Übergibt sich gerade. Ich musste ihn zur Identifizierung heraufholen.»

Er führte Poirot den Korridor entlang. Poirot rümpfte die Nase.

«Nicht erfreulich», sagte Japp. «Aber was soll man machen? Die Frau ist seit mehr als einem Monat tot.»

Der Raum, den sie betraten, war eine kleine Rumpel- und Kofferkammer. In der Mitte stand eine große, metallene Truhe, wie man sie zur Aufbewahrung von Pelzen hat. Der Deckel war geöffnet.

Poirot trat vor und schaute in die Truhe. Als erstes sah er den Fuß – mit einem abgetragenen Schuh bekleidet, auf dem eine Schnalle befestigt war. Das erste, was er von Miss Sainsbury Seale erblickt hatte, war – fiel ihm ein – eine Schuhschnalle.

Sein Blick wanderte über den Rock und die Jacke aus grünem Wollstoff bis hinauf zum Kopf. Er gab ein undeutliches Geräusch von sich.

«Ich weiß», sagte Japp. «Sieht schauderhaft aus.»

Das Gesicht war dermaßen zugerichtet, dass sein ursprüngliches Aussehen nicht mehr zu erkennen war. Berücksichtigte man noch den natürlichen Verwesungsprozess, so war es kein Wunder, dass die beiden Männer leicht erbsengrün aussahen, als sie sich schließlich abwandten.

«Das», brummte Japp, «gehört zum Beruf – zu unserem Beruf. Keine Frage: Manchmal ist unsere Arbeit lausig. Nebenan ist noch ein Tropfen Cognac. Sie sollten etwas davon trinken.»

Das Wohnzimmer war modern und elegant eingerichtet: viel Chrom und ein paar mächtige, eckige Polstersessel, bezogen mit blass rehbraunem, geometrisch gemustertem Stoff.

Poirot fand die Karaffe und goss sich einen Cognac ein. Er trank ihn aus und schüttelte dann den Kopf.

«Das war nicht schön, gar nicht schön! Jetzt erzählen Sie, lieber Freund.»

«Die Wohnung gehört einer Mrs Albert Chapman. Mrs Chapman ist, wie ich höre, eine hübsche Blondine in den Vierzigern. Zahlt ihre Rechnungen pünktlich, spielt gern mit den Nachbarn Bridge, lebt aber mehr oder weniger zurückgezogen. Keine Kinder. Mr Chapman ist Geschäftsreisender. Die Seale ist am Abend unserer Unterhaltung mit ihr hierher gekommen, etwa um Viertel nach sieben – also vermutlich auf direktem Weg vom Glengowrie Court Hotel. Wie der Portier sagt, war sie schon vorher einmal da. Sie sehen: Alles klar und einwandfrei – ein netter, freundschaftlicher Besuch. Der Portier fuhr Miss Sainsbury Seale im Lift hinauf. Er sah noch, wie sie vor der Wohnungstür stand und auf die Klingel drückte.»

Poirot bemerkte: «Da hat er sich aber reichlich Zeit gelassen, bis ihm das eingefallen ist!»

«Er lag anscheinend mit einer Darmerkrankung im Spital, und ein anderer Portier musste ihn in dieser Zeit vertreten. Erst vor ungefähr einer Woche will er in einer alten Zeitung die Personenbeschreibung der verschwundenen Seale entdeckt und zu seiner Frau gesagt haben: ‹Hört sich an wie die Dame, die damals zu Mrs Chapman im zweiten Stock auf Besuch gekommen ist. Jedenfalls hat die ein grünes Wollkleid angehabt und Schnallenschuhe.› Und nach einer weiteren Stunde hat er gesagt: ‹Und ihren Namen hat sie mir doch auch gesagt, sie hieß tatsächlich Miss Sowieso Seale.›»

«Hinterher», fuhr Japp fort, «hat er vier Tage gebraucht, um seine natürliche Abneigung gegen eine Fühlungnahme mit der Polizei zu überwinden und mit seiner Aussage zu uns zu kommen. Wir haben erst nicht recht geglaubt, dass es zu etwas führen würde. Sie haben keine Ahnung, wie oft wir falschen Alarm bekommen haben. Immerhin habe ich Sergeant Beddas hierher geschickt – das ist ein aufgeweckter junger Kerl. Hat ein bisschen zu viel von dieser neuen, hochgestochenen Ausbildung genossen, aber da ist nichts zu machen – das ist jetzt modern.

Nun, Beddas hatte gleich das Gefühl, wir seien diesmal auf dem richtigen Dampfer. Erstens ist diese Mrs Chapman seit über einem Monat von niemandem im Haus gesehen worden. Sie ist abgereist, ohne eine Adresse zu hinterlassen. Das ist doch sonderbar. Überhaupt ist alles sonderbar, was Beddas über Mr und Mrs Chapman erfahren konnte. So entschloss er sich, die Wohnung mal näher anzuschauen. Wir stellten einen Haussuchungsbefehl aus und besorgten uns vom Geschäftsführer einen Schlüssel. Fanden zuerst nichts Interessantes, außer im Badezimmer. Dort war irgendeine eilige Säuberung vorgenommen worden. Auf dem Linoleum war eine Blutspur – in einer Ecke, wo man sie beim Aufwischen übersehen hatte. Danach ging es nur noch darum, die Leiche zu finden. Mrs Chapman konnte kein Gepäck mitgenommen haben, denn dann hätte der Portier davon gewusst. Deshalb musste die Leiche noch in der Wohnung sein. Die Pelztruhe hatten wir rasch aufgespürt – luftdicht verschlossen, verstehen Sie –, gerade das richtige Versteck. Die Schlüssel lagen in einer Schublade des Toilettentisches. Die Truhe wurde geöffnet – und da war sie, unsere verschwundene Dame!»

«Und diese Mrs Chapman?», fragte Poirot.

«Sehr richtig! Wer ist Sylvia – so heißt sie nämlich –, und wo ist Sylvia? Eines steht fest: Sylvia oder ihre Freunde haben die Seale umgebracht und in die Truhe gesteckt.»

Poirot nickte und fragte: «Aber warum hat man ihr das Gesicht so ruiniert? Das war nicht hübsch.»

«Das glaube ich, dass das nicht hübsch war! Und was das ‹Warum› angeht, kann man wohl nur Vermutungen anstellen. Vielleicht aus bloßer Wut. Oder vielleicht in der Absicht, die Identifizierung der Leiche unmöglich zu machen.»

Poirot runzelte die Stirn.

«Aber es hat sie nicht unmöglich gemacht.»

«Nein, weil wir nicht nur eine sehr genaue Beschreibung der Kleider hatten, die Mabelle Sainsbury Seale bei ihrem Verschwinden trug, sondern weil auch ihre Handtasche mit in die Pelztruhe gestopft worden ist, in der sich ein alter Briefumschlag befand, der an sie adressiert war.»

Poirot setzte sich auf und sagte: «Aber das ist doch widersinnig!»

«Gewiss ist es das. Ich nehme an, es war ein Versehen.»

«Ja – vielleicht ein Versehen. Aber…» Er stand auf. «Sie haben die Wohnung durchsucht?»

«Ziemlich gründlich. Wir haben keine aufschlussreichen Hinweise gefunden.»

«Ich möchte Mrs Chapmans Schlafzimmer sehen.»

«Dann kommen Sie mit.»

Das Schlafzimmer wies keinerlei Anzeichen einer hastigen Flucht auf. Es war ordentlich und gut aufgeräumt. Das Bett war unbenützt, aber für die Nacht hergerichtet. Auf allem lag eine dicke Staubschicht.

«Keine Fingerabdrücke, soweit wir feststellen konnten. In der Küche haben wir ein paar gefunden, aber ich erwarte, dass sie von dem Mädchen stammen werden», erläuterte Japp.

«Das lässt also darauf schließen, dass die ganze Wohnung nach dem Mord sehr sorgfältig gesäubert worden ist?»

«Ja.»

Poirot ließ den Blick langsam durchs Zimmer schweifen. Es war, wie das Wohnzimmer, modern eingerichtet, und zwar – diesen Eindruck hatte er – von einem Menschen mit mäßigem Einkommen. Die Gegenstände darin waren nicht billig, aber auch nicht übertrieben kostspielig. Sie sahen nach etwas aus, waren aber nicht erstklassig. Die vorherrschende Farbe war Rosarot. Er schaute in den eingebauten Garderobenschrank und befühlte die Kleider – elegante Kleider, aber wiederum nicht von erster Qualität. Sein Blick fiel auf die Schuhe; sie gehörten überwiegend zur Kategorie der Sandalen, die augenblicklich in Mode war, und manche besaßen turmhohe Korksohlen. Er nahm einen Schuh in die Hand, vermerkte die Tatsache, dass Mrs Chapman Größe fünf trug, und stellte ihn wieder hin. In einem anderen Schrank fand er einen Haufen Pelze, die man offenbar achtlos hineingeworfen hatte.

«Das stammt aus der Pelztruhe», sagte Japp.

Poirot nickte. Er strich über einen grauen Eichhörnchenmantel und meinte anerkennend: «Erstklassige Felle.» Dann ging er ins Badezimmer. Dort gab es Schönheitsmittel in verschwenderischer Fülle. Poirot betrachtete sie interessiert. Puder, Rouge, Tagescreme, Nachtcreme, Pflegemasken, zwei verschiedene Haarfärbemittel. Japp sagte: «Keine natürliche Blondine, wie Sie sehen.»

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