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Das Geheimnis der Schnallenschuhe

Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:

Auch ein Meisterdetektiv geht nicht gern zum Zahnarzt. Und die Rätsel in der Praxis von Hercule Poirots Zahnarzt häufen sich: Ein Patient stirbt, ein anderer verschwindet, auf einen dritten wird ein Attentat verübt. Wie gut nur, dass Poirot vor der Tür des Zahnarztes die Dame mit den merkwürdigen Schnallenschuhen aufgefallen ist. So bereitet ihm die Lösung des geheimnisvollen Geschehens schließlich doch keine Zahnschmerzen.
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
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Durch seinen langjährigen Umgang mit dem englischen Volk gewitzt, schlug Poirot eine Tasse Tee vor. Miss Nevills Reaktion entsprach vollkommen seinen Erwartungen.

«Also, M. Poirot, das ist wirklich reizend von Ihnen. Es ist ja noch ziemlich früh am Vormittag – aber eine Tasse Tee kann man immer vertragen, nicht wahr?»

Poirot, der eine Tasse Tee immer entbehren konnte, stimmte ihr heuchlerisch zu. George erhielt entsprechende Anweisungen, und in erstaunlich kurzer Zeit saßen Poirot und seine Besucherin einander an einem Teetischchen gegenüber.

«Ich muss Sie um Entschuldigung bitten», sagte Miss Nevill, die unter dem Einfluss des Getränks ihr gewohntes sicheres Auftreten allmählich wiedergewann, «aber die Sache ist so, dass mich die gestrige Leichenschau ziemlich aufgeregt hat.»

«Davon bin ich überzeugt», meinte Poirot freundlich.

«Nicht, dass ich als Zeugin hätte aussagen sollen oder dergleichen – davon war gar nicht die Rede. Aber ich hatte das Gefühl, Miss Morley müsste eine Begleitung haben. Gewiss, Mr Reilly war da – aber ich meine: ein weibliches Wesen als Begleitung. Außerdem schätzt Miss Morley Mr Reilly nicht besonders. Deshalb hielt ich es für meine Pflicht, mit ihr hinzugehen.»

«Da haben Sie bestimmt ein gutes Werk getan», sagte Poirot.

«Ach nein – ich musste es einfach tun. Schauen Sie, ich habe eine ganze Reihe von Jahren für Mr Morley gearbeitet – die ganze Sache war ein schwerer Schlag für mich, und die Leichenschau hat natürlich alles noch verschlimmert…»

«Ja, das kann ich mir denken.»

Miss Nevill beugte sich mit ernstem Gesicht vor.

«Aber es stimmt ja alles nicht, M. Poirot. Es stimmt wirklich nicht.»

«Was stimmt nicht, Mademoiselle?»

«Nun, die Art und Weise, wie sich alles abgespielt haben soll – ich meine, dass er einem Patienten eine tödliche Dosis…»

«Sie glauben das nicht?»

«Ich bin überzeugt, dass es nicht so war. Gelegentlich kommt es schon vor, dass die örtliche Betäubung eine nachteilige Wirkung hat, aber nur bei Patienten, die bestimmte körperliche Beschwerden haben – meist ist das Herz nicht in Ordnung. Aber eine Überdosis ist etwas äußerst Seltenes. Schauen Sie – Zahnärzte sind so gewohnt, die vorgeschriebene Dosis zu geben, dass das Spritzen zu einem ganz mechanischen Vorgang wird – man gibt die richtige Dosis automatisch.»

Poirot nickte zustimmend: «Ja, diesen Gedanken habe ich auch gehabt.»

«Schauen Sie, die Mittel sind vollkommen standardisiert. Es ist nicht wie bei einem Apotheker, der dauernd verschiedene Rezepte zurechtmacht oder die Dosierung verändern muss – da kann natürlich durch Unaufmerksamkeit leicht ein Irrtum entstehen. Oder bei einem Arzt, der viele verschiedenartige Rezepte schreiben muss. Aber bei einem Zahnarzt ist das ganz anders.»

«Haben Sie versucht, diese Auffassung bei der gerichtlichen Leichenschau zu äußern?», erkundigte sich Poirot.

Gladys Nevill schüttelte den Kopf. «Nein!», stieß sie schließlich hervor, «ich habe mich gescheut, die – die Dinge noch zu verschlimmern. Natürlich weiß ich, dass Mr Morley ein solcher Irrtum nicht hätte passieren können – aber dann hätten die Leute gedacht, er habe es absichtlich getan.»

Poirot nickte, und Gladys Nevill fuhr hastig fort: «Deshalb bin ich zu Ihnen gekommen, M. Poirot. Weil Sie keine – keine Behörde sind. Aber ich bin der Ansicht, irgendjemand müsse erfahren, wie – wie wenig überzeugend die ganze Geschichte klingt.»

«Leider wünscht das niemand zu erfahren», murmelte Poirot.

Sie schaute ihn überrascht an, und nach einer Weile sagte er: «Ich wüsste gern Näheres über das Telegramm, durch das Sie neulich aus London fortgelockt worden sind.»

«Ehrlich gesagt, M. Poirot, ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Es erscheint mir so sonderbar. Schauen Sie: Das Telegramm muss jemand abgeschickt haben, der genau über mich Bescheid weiß – und auch über meine Tante, wo sie wohnt und dergleichen.»

«Ja, man hat den Eindruck, dass es entweder aus Ihrem engsten Bekanntenkreis stammt oder von jemandem, der bei Morleys im Haus lebt und gut über Sie informiert ist.»

«Von meinen Freunden würde niemand so etwas tun, Monsieur Poirot.»

«Sie selbst haben gar keine Vermutungen?»

Das Mädchen zögerte und sagte dann langsam: «Ganz zu Anfang, als ich hörte, Mr Morley habe sich erschossen, dachte ich, er habe das Telegramm vielleicht selber geschickt.»

«Sie meinen, aus Rücksicht auf Sie – um Sie aus dem Weg zu haben?»

Sie nickte.

«Aber dann ist mir dieser Gedanke zu phantastisch vorgekommen – selbst wenn er wirklich geplant hätte, sich an diesem Vormittag umzubringen. Es ist tatsächlich sehr sonderbar. Frank – mein Freund – hat sich dabei zuerst ganz albern benommen. Er hat mir vorgeworfen, ich hätte an diesem Tag mit einem anderen Mann verreisen wollen – als ob ich jemals so etwas tun würde!»

«Gibt es einen – anderen Mann?»

Miss Nevill errötete.

«Nein, natürlich nicht. Doch Frank ist in letzter Zeit so anders gewesen – so bedrückt und misstrauisch. Aber wissen Sie, das war nur, weil er seine Stellung verloren hat und keine neue finden konnte. Müßiggang ist so schädlich für einen Mann. Ich habe mich um Frank sehr gesorgt.»

«Er hat sich sehr aufgeregt, nicht wahr, als er feststellte, dass Sie an dem betreffenden Tag verreist waren?»

«Ja – denn er war gekommen, um mir zu erzählen, dass er eine neue Stellung gefunden habe – eine wunderbare Stellung – zehn Pfund in der Woche. Und er war ungeduldig: Ich sollte es sofort erfahren. Außerdem wünschte er wohl, dass auch Mr Morley es erfahren sollte, denn es kränkte ihn sehr, dass Mr Morley ihn nicht schätzte.»

Leichthin sagte Poirot: «Ich würde Ihren Freund gern kennen lernen.»

«Das wäre mir sehr recht, M. Poirot. Aber augenblicklich hat er nur den Sonntag frei. Während der Woche arbeitet er auf dem Land.»

«Ah, die neue Stellung. Was ist das übrigens für eine Arbeit?»

«Genau weiß ich das auch nicht. Ich glaube, so eine Art Sekretärsposten. Oder bei einer Behörde. Ich muss meine Briefe an Franks Londoner Adresse schicken, und von dort werden sie ihm nachgesandt.»

«Finden Sie das nicht ein bisschen sonderbar?»

«Ja, anfangs fand ich es schon – aber Frank meint, das werde heuzutage oft gemacht.»

Poirot sah sie ein paar Sekunden schweigend an. Dann sagte er entschlossen: «Morgen ist Sonntag, nicht wahr? Vielleicht machen Sie mir beide das Vergnügen, mit mir zu Mittag zu essen – sagen wir, im Longans Corner Restaurant? Ich möchte diesen traurigen Vorfall mit Ihnen beiden besprechen.»

«Danke vielmals, M. Poirot. Ich – wir werden uns sehr freuen!»

Frank Carter war ein blonder, mittelgroßer junger Mann, dessen Erscheinung billige Eleganz verriet. Er redete bereitwillig und fließend. Seine Augen standen ziemlich nahe beisammen und bewegten sich unruhig hin und her, wenn er verlegen war. Er war misstrauisch und etwas feindselig gestimmt.

«Ich hatte keine Ahnung, dass wir das Vergnügen haben würden, mit Ihnen zu speisen, M. Poirot. Gladys hat mir nichts davon erzählt.»

Er warf ihr einen ärgerlichen Blick zu.

«Es wurde erst gestern vereinbart», entschuldigte Poirot lächelnd. «Miss Nevill hat sich über die näheren Umstände von Mr Morleys Tod sehr aufgeregt, und ich dachte, wenn wir alle einmal einen Kriegsrat abhalten würden…»

Frank Carter unterbrach ihn grob.

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