Das Geheimnis der Schnallenschuhe
- Автор: Кристи Агата
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
«Todesursache noch nicht festgestellt, Doktor?»
«Bevor ich die Autopsie gemacht habe, kann ich unmöglich etwas Genaues sagen. Die Verletzungen im Gesicht sind ihr bestimmt erst nach dem Tod beigebracht worden, möchte ich behaupten. Aber mit Sicherheit lässt es sich erst sagen, wenn ich sie auf dem Seziertisch habe. Frau in mittleren Jahren, anscheinend soweit gesund, Haare an der Wurzel grau, aber blond gefärbt. Vielleicht hat sie am Körper besondere Merkmale – wenn nicht, wird sie schwer zu identifizieren sein –, ach, Sie wissen, wer es ist? Das ist großartig. Was? Die vermisste Frau, über die soviel in der Zeitung stand? Ich lese die Zeitung immer nur flüchtig. Löse nur die Kreuzworträtsel.»
«Und das ist nun die öffentliche Meinung!», sagte Japp bitter, als der Arzt hinausging.
Poirot stand über den Schreibtisch gebeugt. Er nahm ein braunes Adressbüchlein zur Hand und schlug es beim Buchstaben Z auf. Da stand:
Dr. Zacharias, Prince Albert Road 17; Zaccoletti und Drake, Fischgeschäft.
Und darunter stand:
Zahnarzt, Mr Morley, Queen Charlotte Street 58.
In Poirots Augen leuchtete ein grünes Licht. «Es wird», sagte er, «nicht schwierig sein, die Leiche einwandfrei zu identifizieren.»
Japp sah ihn erstaunt sein.
«Sie glauben doch nicht etwa…»
«Ich will ganz sicher sein!», antwortete Poirot heftig.
Miss Morley war aufs Land gezogen. Sie wohnte jetzt in einem Bauernhäuschen in der Nähe von Hertford. Der Grenadier empfing Poirot freundlich. Seit dem Tod ihres Bruders war ihr Gesicht jedoch noch grimmiger, ihre Haltung noch aufrechter, ihre allgemeine Einstellung zum Leben noch unnachgiebiger geworden. Sie trug schwer an dem Makel, mit dem das Ergebnis der Leichenschau die Berufsehre ihres Bruders befleckt hatte. Auf Poirots Fragen antwortete sie bereitwillig und sachverständig. Mr Morleys Papiere, soweit sie mit seiner Arbeit zusammenhingen, waren von Miss Nevill geordnet und seinem Nachfolger übergeben worden. Manche Patienten waren zu Mr Reilly übergewechselt, andere hatten den neuen Partner gewählt. Als sie ihre Auskünfte erteilt hatte, sagte sie: «Sie haben also diese Patientin von Henry gefunden – Miss Sainsbury Seale –, und auch sie ist ermordet worden.»
Das ‹auch› klang herausfordernd. Sie sagte es mit besonderem Nachdruck.
«Hat Ihr Bruder», fragte Poirot, «Miss Sainsbury Seale Ihnen gegenüber nie erwähnt?»
«Nein, ich kann mich nicht erinnern. Wir haben gewöhnlich nicht viel über seine Arbeit gesprochen. Er war froh, sie vergessen zu können, wenn der Tag vorbei war. Manchmal war er sehr müde.»
«Können Sie sich erinnern, von einer Patientin namens Chapman gehört zu haben?»
«Chapman? Nein, ich glaube nicht. Bei allen diesen Dingen könnte Ihnen am ehesten Miss Nevill behilflich sein.»
«Wo ist sie denn jetzt?»
«Ich glaube, sie arbeitet bei einem Zahnarzt in Ramsgate.»
«Sie hat also diesen jungen Mr Carter noch nicht geheiratet?»
«Nein, und ich hoffe, dass auch in Zukunft nichts daraus wird. Ich mag den jungen Mann nicht, Mr Poirot, ich mag ihn wirklich nicht. Mit dem stimmt etwas nicht.»
«Würden Sie es für möglich halten, dass er Ihren Bruder erschossen hat?», erkundigte sich Poirot.
Miss Morley sagte langsam: «Ich habe das Gefühl, dass er vielleicht dazu fähig gewesen wäre – denn er ist sehr unbeherrscht. Aber ich sehe nicht ein, welchen Grund – übrigens auch welche Gelegenheit – er dafür gehabt haben könnte. Schließlich ist es Henry nicht gelungen, Gladys von ihm abzubringen. Sie hat weiter treu zu ihm gehalten.»
«Glauben Sie, dass man ihn bestochen haben könnte?»
«Bestochen? Meinen Bruder umzubringen? Das halte ich für einen phantastischen Gedanken!»
In diesem Augenblick brachte ein nettes, dunkelhaariges Mädchen den Tee. Als es die Tür hinter sich schloss, erkundigte sich Poirot: «Dieses Mädchen war schon in London bei Ihnen, nicht wahr?»
«Agnes? Ja, sie war unser Stubenmädchen. Ich habe die Köchin entlassen, und Agnes macht jetzt alles. Sie hat sich zu einer sehr netten kleinen Köchin entwickelt.»
Poirot nickte. Er erinnerte sich der häuslichen Verhältnisse in der Queen Charlotte Street 58 noch sehr genau. Sie waren zur Zeit der Tragödie gründlich untersucht worden. Mr Morley und seine Schwester hatten ihre Wohnräume in den beiden oberen Stockwerken des Hauses. Das Souterrain war gänzlich abgeschlossen, mit Ausnahme eines schmalen Ganges, der zum Hinterhof führte; dort waren ein Sprachrohr und ein Aufzug zum obersten Stock angebracht, der die Lebensmittel und anderen Waren für den Haushalt hinaufbeförderte. Den einzigen Zugang zum Haus bildete daher die vordere Eingangstür, die von Alfred bedient wurde. Dies hatte der Polizei einen sicheren Anhaltspunkt dafür geboten, dass an dem betreffenden Vormittag kein Außenseiter das Haus hatte betreten können.
Köchin und Stubenmädchen waren schon jahrelang bei den Morleys und hatten einen guten Leumund. Obwohl es also theoretisch möglich gewesen wäre, dass sich eine von den beiden in den zweiten Stock hinuntergeschlichen und dort den Hausherrn erschossen hatte, war doch diese Annahme niemals ernstlich in Erwägung gezogen worden. Beim Verhör hatten beide keinen übermäßig ängstlichen oder aufgeregten Eindruck gemacht, und es bestand im Ganzen keinerlei Anlass, sie mit dem Tod Morleys in Verbindung zu bringen.
Aber als Poirot beim Fortgehen von Agnes Hut und Stock überreicht bekam, wandte sie sich mit auffallender Nervosität an ihn mit der Frage: «Ist – ist etwas Neues herausgekommen über den Tod von Mr Morley?»
Poirot sah sie aufmerksam an: «Nichts Neues ist bekannt geworden», antwortete er.
«Glaubt man immer noch, dass er sich umgebracht hat, weil ihm ein Versehen mit dem Mittel passiert ist?»
«Ja. Warum fragen Sie?»
Agnes strich sich verlegen über die Schürze. Sie wandte das Gesicht zur Seite und stotterte undeutlich: «Miss Morley glaubt nicht daran.»
«Und Sie?»
«Ich? Ach, ich weiß ja nichts. Ich wollte nur – ganz sicher sein.»
Hercule Poirot sagte mit seiner sanftesten Stimme: «Es wäre für Sie eine Erleichterung, wenn Sie ohne jeden Zweifel wüssten, dass es Selbstmord war?»
«O ja», antwortete Agnes rasch, «das wäre wirklich eine Erleichterung.»
«Aus irgendeinem bestimmten Grund?»
Ihr erschrockener Blick begegnete dem seinen. Sie zuckte zurück.
«Ich – ich weiß keinen bestimmten Grund. Ich wollte nur fragen.»
«Ja, aber warum hat sie gefragt?», murmelte Poirot vor sich hin, als er den Weg zum Gartentor hinunterschritt. Er war überzeugt, dass es eine Antwort auf diese Frage gab. Aber einstweilen konnte er die Antwort nicht erraten.
Trotzdem hatte er das Gefühl, einen Schritt weitergekommen zu sein.
Beim Heimkommen fand Poirot zu seiner Überraschung einen unerwarteten Besucher vor.
Ein kahler Kopf war über dem Rücken eines Lehnstuhls sichtbar, und es erhob sich die kleine, adrette Gestalt von Mr Barnes.
Er blinzelte, wie üblich, und entschuldigte sich trocken für sein unangemeldetes Erscheinen. Er war gekommen – so erklärte er –, um M. Hercule Poirots Besuch zu erwidern.
Poirot seinerseits erklärte, er sei entzückt, Mr Barnes zu sehen. George wurde beauftragt, Kaffee zu bringen – es sei denn, der Besuch ziehe Tee oder Whisky-Soda vor?
«Kaffee wäre ausgezeichnet», sagte Mr Barnes. «Ich nehme an, dass Ihr Diener ihn gut macht, was das englische Personal meist nicht fertig bringt.»
Nach dem Austausch einiger höflicher Bemerkungen räusperte sich Mr Barnes schließlich und sagte:
«Ich will ganz offen mit Ihnen sein, M. Poirot. Es ist die reine Neugierde, die mich zu Ihnen geführt hat. Sie, dachte ich, würden über alle Einzelheiten dieses seltsamen Falles am besten informiert sein. Ich ersehe aus der Zeitung, dass man die verschwundene Mabelle Sainsbury Seale gefunden hat und dass eine Leichenschau abgehalten und bis zur Beibringung neuer Beweismittel vertagt wurde. Als Todesursache wurde eine Überdosis Medinal angegeben.»