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Das Geheimnis der Schnallenschuhe

Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:

Auch ein Meisterdetektiv geht nicht gern zum Zahnarzt. Und die Rätsel in der Praxis von Hercule Poirots Zahnarzt häufen sich: Ein Patient stirbt, ein anderer verschwindet, auf einen dritten wird ein Attentat verübt. Wie gut nur, dass Poirot vor der Tür des Zahnarztes die Dame mit den merkwürdigen Schnallenschuhen aufgefallen ist. So bereitet ihm die Lösung des geheimnisvollen Geschehens schließlich doch keine Zahnschmerzen.
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
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«Es war keine Gesellschaft», sagte Poirot. «Es war im Wartezimmer eines Zahnarztes.» Eine plötzliche Erregung flammte in den Augen des jungen Mannes auf, erstarb aber sofort wieder. Sein Verhalten änderte sich. Er war nicht mehr ungeduldig und gleichgültig. Er war plötzlich auf der Hut.

«Und – », fragte er lauernd.

Poirot beobachtete ihn prüfend, ehe er antwortete. Er hatte das ganz bestimmte Gefühl, dies sei wirklich ein gefährlicher junger Mann. Ein schmales, asketisches Gesicht, ein aggressives Kinn, fanatische Augen. Aber es war ein Gesicht, das Frauen vielleicht anziehend fanden.

In Gedanken fasste Poirot seinen Eindruck zusammen: Ein Wolf mit Ideen…

Grob fragte Raikes: «Was wollen Sie eigentlich von mir, zum Teufel?»

«Mein Besuch ist Ihnen unangenehm?»

«Ich weiß nicht einmal, wer Sie sind.»

«Ich bitte um Entschuldigung.»

Wie ein Taschenspieler förderte Poirot eine Visitenkarte zutage und reichte sie über den Tisch.

Von neuem spiegelten Mr Raikes’ Züge jene Empfindungen wider, die Poirot nicht deuten konnte. Es war nicht Furcht – eher Angriffslust. Und dann, ganz deutlich: Zorn. Er warf die Visitenkarte auf den Tisch.

«Der sind Sie also? Ich habe von Ihnen gehört.»

«Die meisten Menschen haben von mir gehört», murmelte Poirot bescheiden.

«Ein Privatdetektiv, was? Einer von der kostspieligen Sorte. Einer von denen, die engagiert werden, wo Geld keine Rolle spielt – wo die Leute jeden Preis zahlen, nur um ihre elende Haut zu retten!»

«Wenn Sie Ihren Kaffee nicht trinken», meinte Hercule Poirot, «wird er kalt.»

Er sprach freundlich und mit Autorität.

Raikes starrte ihn an.

«Sagen Sie: Was sind Sie eigentlich für ein Vogel?»

«Der Kaffee in diesem Lande ist ohnehin sehr schlecht», erklärte Poirot bedauernd.

«Das kann man wohl behaupten», bestätigte Mr Raikes.

«Aber wenn Sie ihn kalt werden lassen, ist er praktisch ungenießbar.»

Der junge Mann beugte sich vor.

«Worauf wollen Sie hinaus? Wozu sind Sie hergekommen?»

Poirot zuckte die Achseln.

«Ich wollte – Sie sprechen.»

Raikes’ Augen wurden schmal.

«Wenn Sie etwa auf Geld aus sind, dann sind Sie an den Falschen geraten! Leute wie ich können sich nicht leisten zu kaufen, was sie haben wollen. Gehen Sie lieber zu dem Mann, der Ihnen Ihr Honorar zahlt.»

Poirot meinte seufzend: «Bis jetzt hat mir noch keiner etwas bezahlt!»

«Das können Sie mir lange erzählen», fauchte Raikes.

«Es entspricht der Wahrheit», sagte Hercule Poirot. «Ich verschwende eine Menge wertvolle Zeit ohne jede wie immer geartete Entschädigung. Bloß, um – sagen wir – meine Neugier zu befriedigen.»

«Und ich nehme an», entgegnete Mr Raikes, «dass Sie neulich bei dem verfluchten Zahnarzt ebenfalls bloß Ihre Neugier befriedigt haben.»

Poirot schüttelte den Kopf.

«Sie übersehen die allereinfachste Ursache, weswegen man sich im Wartezimmer eines Zahnarztes aufhält – nämlich, um sich die Zähne behandeln zu lassen.»

«Deshalb waren Sie also dort?» Mr Raikes’ Ton drückte ungläubige Verachtung aus. «Um sich die Zähne behandeln zu lassen?»

«Gewiss.»

«Sie werden verzeihen, wenn ich Ihnen sage, dass ich das nicht glaube.»

«Darf ich dann fragen, Mr Raikes, was Sie beim Zahnarzt gemacht haben?»

Mr Raikes lächelte plötzlich: «Jetzt haben Sie mich erwischt! Ich war ebenfalls zur Behandlung dort.»

«Sie haben vielleicht Zahnschmerzen gehabt?»

«Richtig, Sie Schlaumeier.»

«Und trotzdem sind Sie fortgegangen, ohne sich behandeln zu lassen?»

«Nun, und wenn schon? Das ist doch meine Angelegenheit…» Er hielt inne und sagte dann mit rasch aufflammendem Zorn: «Ach, zum Teufel, warum reden wir immer um die Sache herum? Sie waren einfach dort, um auf Ihren Prominenten aufzupassen. Und Ihrem wertvollen Mr Alistair Blunt ist ja auch nichts zugestoßen. Mir können Sie nichts nachweisen.»

«Wohin gingen Sie, als Sie so plötzlich das Wartezimmer verließen?», fragte Poirot plötzlich scharf.

«Aus dem Hause, natürlich.»

«Aha!» Poirot blickte nach der Decke. «Aber niemand sah Sie hinausgehen, Mr Raikes.»

«Macht das etwas aus?»

«Möglicherweise. Bedenken Sie: Kurz darauf ist in demselben Haus jemand eines gewaltsamen Todes gestorben.»

Raikes sagte: «Ach so, Sie meinen den Zahnklempner.»

Poirots Stimme klang hart, als er antwortete: «Ja, ich meine den Zahnklempner.»

Raikes starrte ihn an. «Wollen Sie das etwa mir in die Schuhe schieben?», fragte er. «Ist das Ihre Absicht? Das wird Ihnen nicht gelingen. Ich habe eben den Bericht über die gestrige Leichenschau gelesen. Der arme Teufel hat sich erschossen, weil er sich bei einer Lokalanästhesie irrte und der betreffende Patient starb.»

Poirot fuhr unbewegt fort: «Könnten Sie beweisen, dass Sie das Haus verlassen haben? Kann jemand mit Bestimmtheit angeben, wo Sie sich zwischen zwölf und eins aufgehalten haben?»

Raikes kniff die Augen zusammen.

«Sie versuchen also tatsächlich, die Geschichte mir in die Schuhe zu schieben? Wahrscheinlich hat Blunt Sie dazu angestiftet?»

Poirot seufzte: «Verzeihen Sie – aber dieses fortwährende Herumreiten auf Mr Alistair Blunt ist anscheinend eine Zwangsvorstellung von Ihnen. Ich stehe nicht in seinen Diensten und habe nie in seinen Diensten gestanden. Ich befasse mich nicht mit seinem Schutz, sondern mit dem Tod eines Menschen, der in seinem selbstgewählten Beruf nützliche Arbeit geleistet hat.»

Raikes schüttelte den Kopf. «Tut mir Leid», murrte er, «ich glaube Ihnen nicht. Sie sind und bleiben für mich Blunts Privatschnüffler.» Ein harter Zug trat in sein Gesicht, als er sich über den Tisch lehnte. «Aber Sie können ihn nicht schützen, verstehen Sie? Er muss verschwinden – er und alles, was er verkörpert. Eine neue Zeit muss anbrechen. Das alte, korrupte Finanzsystem muss weg – dieses verfluchte Netz von Bankiers, das die Welt wie ein Spinngewebe umgibt. Alles das muss weggefegt werden. Ich habe nichts gegen Blunt als Person – aber als Typus hasse ich ihn. Er ist mittelmäßig – ein Philister. Er ist einer von denen, die man nur mit Dynamit wegsprengen kann. Er gehört zu den Leuten, die sagen: ‹Die Grundlagen der Zivilisation darf man nicht zerstören.› Darf man das wirklich nicht? Er wird schon sehen! Blunt ist ein Hindernis auf dem Weg zum Fortschritt und muss deshalb beseitigt werden. Für Menschen wie Blunt ist heutzutage auf der Welt kein Platz – Menschen, die sich nach der Vergangenheit zurücksehnen und so leben möchten, wie ihre Väter oder sogar Großväter gelebt haben! Hier in England gibt es viele solche Leute – verknöcherte alte Reaktionäre, unnütze, verbrauchte Überbleibsel einer morschen Epoche. Bei Gott, die müssen verschwinden! Eine neue Welt muss entstehen. Verstehen Sie: eine neue Welt!»

Poirot seufzte und stand auf. «Ich sehe», sagte er. «Sie sind ein Idealist.»

«Und was ist dagegen einzuwenden?»

«Sie sind zu sehr Idealist, um sich aus dem Tod eines Zahnarztes etwas zu machen.»

Verächtlich sagte Raikes: «Wirklich, was geht mich der Tod eines einzigen, armseligen Zahnarztes an?»

«Sie geht er nichts an», antwortete Poirot. «Mich geht er an. Das ist der Unterschied zwischen uns beiden.»

Als Poirot heimkam, teilte George ihm mit, dass eine Dame auf ihn warte. «Die Dame ist – äh – etwas nervös», sagte George. Da die Dame ihren Namen nicht genannt hatte, stand es Poirot frei zu raten, um wen es sich handelte. Er hatte falsch geraten, denn die junge Frau, die bei seinem Eintritt erregt vom Sofa aufsprang, war die Sekretärin des verstorbenen Mr Morley, Gladys Nevill.

«Ach, M. Poirot, es ist mir so unangenehm, Sie in dieser Weise zu überfallen, und ich weiß wirklich nicht, wie ich den Mut gefunden habe, herzukommen – ich fürchte, Sie werden mich für sehr aufdringlich halten, und ich möchte Ihre Zeit wirklich nicht in Anspruch nehmen – ich weiß ja, wie wenig Zeit ein viel beschäftigter Mann wie Sie hat, aber ich war tatsächlich so unglücklich – ich denke mir nur, Sie werden es für reine Zeitverschwendung halten…»

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