Taran und der Zauberkessel
- Автор: Ллойд Александер
- Серия: Die Chroniken von Prydain #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Переводчик: Отфрид Пройслер
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Taran und der Zauberkessel». Краткое содержание книги:
Sie spähte hindurch und berichtete: „Ich kann niemanden sehen, schaut selber nach!“
Der Barde duckte sich nieder und schielte an ihr vorbei. „Hier scheint lange Zeit niemand gewesen zu sein. Um so besser! Jedenfalls haben wir einen trockenen Rastplatz.“
Sie betraten die Hütte, die wirklich von ihren Bewohnern verlassen zu sein schien und mit Gerümpel vollgestopft war, ähnlich wie Dallbens Studierstube. In der hintersten Ecke stand ein gewaltiger Webstuhl. Das Webstück im Rahmen war kaum zur Hälfte fertig. Taran warf einen Blick auf das Durcheinander der tausend Fäden, die unentwirrbar verknotet schienen. Schwer vorzustellen, wie jemals ein Mensch in der Lage sein sollte, diese verwickelte Arbeit zu Ende zu führen. Zerbrochene Krüge und Schüsseln standen auf einem Tischchen, und auf dem Fußboden lagen rostige Waffen umher, die meisten zerbrochen.
„Nun?, fragte eine freundliche Stimme hinter dem Jungen. „Hättest du Lust, dich in eine Kröte verwandeln zu lassen? Es wäre mir ein großes Vergnügen, ein wenig auf dir herumzutrampeln.“
Die Hütte im Moor
Taran fuhr herum und erhob das Schwert. Da wand sich plötzlich eine eiskalte Natter in seiner Hand. Mit einem Schrei des Entsetzens schleuderte er sie von sich. Die Schlange fiel zu Boden – und mit einemmal nahm sie wieder die Gestalt des Schwertes an. Eilonwy kreischte erschrocken auf, der Barde zog sich bestürzt zurück. Vor ihnen stand eine kleine, dickliche alte Frau mit rundem Gesicht und messerscharfen schwarzen Augen. Ihr Haar glich einem Bündel verblichenen Seegrases, es war mit Waldreben zusammengebunden und mit juwelenbesetzten Nadeln geschmückt. Sie trug ein dunkles, mit zahllosen Flicken besetztes Gewand ohne Gürtel. Ihre nackten Füße waren von außergewöhnlicher Länge. Unwillkürlich rückten die Gefährten näher zusammen. Gurgi duckte sich heftig zitternd hinter Taran. Der Barde war bleich geworden.
„Kommt herbei, meine Entlein!“ sagte die Alte freundlich. „Ich verspreche euch, daß es nicht weh tun wird, nicht ein bißchen!“ Und zu Taran gewandt, fuhr sie augenzwinkernd fort: „Du kannst das Schwert ruhig aufheben, wenn du magst. Aber du wirst es nicht brauchen, was tut eine Kröte mit einem Schwert?“ „Laß den Unsinn!“ rief Eilonwy. „Glaubst du, wir ließen uns bange machen?“
„Wer bist du denn überhaupt?“ fragte Taran. „Wir haben dir nichts zuleide getan, warum willst du uns Böses zufügen?“
„Aus wieviel Halmen besteht ein Vogelnest?“ fragte die Alte. „Rasch, antwortet! Seht ihr, nicht einmal das wißt ihr! Und doch habt ihr Wünsche!“
„Eines wünschen wir ganz gewiß nicht“, entgegnete Eilonwy, „nämlich in Kröten verwandelt zu werden!“ – Du bist ein nettes kleines Ding“, sagte die Alte freundlich. „Würdest du mir dein Haar schenken, wenn ich dich darum bäte? Du kannst dir nicht vorstellen, wieviel Ärger es einem macht, mit solch wirrer Mähne herumzulaufen. Einesteils kann ich verstehen, daß ihr euch davor fürchtet, in Kröten verwandelt zu werden, andernteils ist es halb so schlimm. Kröten sind freundliche kleine Tierchen; bloß aufpassen muß man, daß man sie nicht zertritt.“
Taran fühlte sich hilflos und elend. Seit sein Schwert sich in eine Natter verwandelt hatte, wußte er, daß sie der Alten und ihrer Zauberkunst nicht gewachsen waren. „Was haben wir dir getan, daß du uns in Kröten verwandeln willst?“ fragte er.
Die Alte tätschelte ihm die Wange und sagte: „Wir dulden es nicht, daß jemand die Nase in unsere Dinge steckt. Das verstehst du doch – oder? In dieser Beziehung machen wir keine Ausnahme.“ „Ihr seid mehrere?“ wollte der Junge wissen. „Du sprichst offenbar nicht für dich allein …“
In diesem Augenblick betraten zwei weitere Gestalten die Hütte. Auch sie waren klein und dicklich. Die eine trug einen schwarzen Mantel mit über den Kopf gestülpter Kapuze, die andere hatte sich eine lange Perlenkette um den Hals gewunden, an der sie unaufhörlich herumspielte. Als die Alte sie kommen sah, breitete sie die Arme aus. „Orwen! Orgoch!“ rief sie freudestrahlend. „Beeilt euch, gleich gibt es wieder Kröten!“ Taran horchte auf, er stieß Eilonwy und den Barden an. „Habt ihr die Namen gehört? Das sind sie!“ Fflewddur kratzte sich im Genick und meinte: „Wenn wir hier ungeschoren davonkommen, können mir sämtliche Zauberkessel der Welt gestohlen bleiben! Die Alte ist unbeschreiblich!“
„Wie sie nur über so scheußliche Dinge sprechen und gleichzeitig lachen kann!“ wisperte Eilonwy. „Mir ist es, als liefen mir tausend Ameisen über den Rücken.“ „Wir müssen sie überrumpeln!“ zischte der Junge. „Einer von uns oder zwei werden möglicherweise durchkommen.“
„Richtig!“ pflichtete ihm der Barde bei. „Sollte es übrigens mich treffen, daß ich in eine Kröte verwandelt werde, dann seid bitte vorsichtig und zertretet mich nicht!“
Die drei Alten waren sich offenbar nicht ganz einig. „O Orddu!“ sagte die mit der Halskette. „Warum müssen es immer Kröten sein? Könnten wir nicht zur Abwechslung mal was anderes zaubern?“
„Kröten sind klein und handlich“, entgegnete Orddu; und die mit der Kapuze fügte hinzu: „Weshalb machst du die Dinge schwieriger, Orwen, als sie schon sind? Ich verlange, daß alles seinen gewohnten Gang nimmt.“ „Ach, Orgoch, wer wird sich aufregen!“ meinte die Alte, die Orwen genannt wurde. „Etwas Abwechslung, denke ich mir, kann nicht schaden.“
„Kröten sind Kröten“, murmelte Orgoch und schmatzte dabei mit den Lippen. Taran fühlte, wie ihm ein kalter Schauder über den Rücken lief.
„Seht sie euch an!“ sagte Orddu. „Wie naß und verdreckt sie sind, unsere kleinen Gänschen! Ich glaube, wir tun ihnen nur was Gutes, wenn wir sie endlich in Kröten verwandeln.“
„Übrigens“, meinte Orwen, wobei sie mit ihren Perlen klimperte. „Wie ihr’s geschafft habt, die Häscher Arawns in den Sümpfen versinken zu lassen, das war ein Meisterstück.“
„Gräßliche Burschen, die Häscher Arawns!“ stöhnte Orgoch. „Mir dreht sich der Magen um, wenn ich sie bloß von weitem sehe.“ „Kürzlich hatten wir eine ganze Anzahl von ihnen hier“, meinte Orddu. „Auch sie haben ihre Nasen in unsere Angelegenheiten gesteckt, und es ist ihnen schlecht bekommen.“
„Trotzdem haben wir keine Kröten aus ihnen gemacht“, sagte Orwen.
„Daran, meine Liebe, brauchst du mich nicht zu erinnern“, antwortete die Alte mit dem wirren Haar. „Damals bist du Orddu gewesen, und alles mußte nach deinem Kopf gehen. Heute aber bin ich Orddu, merk dir das!“ “Das ist ungerecht!“ unterbrach sie Orgoch. „Immer möchtest du Orddu sein, während ich ständig Orgoch bin!“
„Beklage dich nicht, meine Süße“, entgegnete Orddu. „Orgoch zu sein, ist nicht angenehm. Ganz gewiß nicht! Man kriegt Magenschmerzen davon, nicht wahr? Aber muß das sein? Achte ein wenig besser auf deinen Speisezettel, dann gibt sich das ganz von selbst!“ Taran hatte versucht, dem Gespräch der Zauberweiber zu folgen, doch ohne Erfolg. Welche von ihnen war wirklich Orddu? Welche war Orwen und welche Orgoch? Lediglich was die Häscher Arawns betraf, schien er sie einigermaßen verstanden zu haben. „Falls Arawn euer Feind ist, stehen wir auf der gleichen Seite“, sagte er rasch. „Auch wir haben gegen seine Häscher gekämpft, wie ihr wißt.“
„Ob Freund oder Feind, bleibt sich einerlei“, murmelte Orgoch. „Ich finde, wir sollten ein Ende machen! Orddu, du zögerst die Sache entschieden zu lang hinaus!“ „Gedulde dich!“ sagte Orddu mit schiefem Grinsen. „Erst wollen wir hören, ob diese süßen Mäuschen uns etwas zu sagen haben.“ Sie wandte sich an den Jungen und fragte: „Nun, Freundchen? Wie kommt es eigentlich, daß die Häscher Arawns euch verfolgt haben?“ Taran zögerte einen Augenblick, weil er Gwydions Plan nicht verraten wollte; dann sagte er stockend: „Sie – haben uns angegriffen.“
„Natürlich!“ stimmte ihm Orddu zu. „Sie greifen ja immer an. Jeden, der ihnen in die Quere kommt. Nun, das könnt ihr von jetzt an bequemer haben. Arawns Häscher werden euch nicht mehr nachstellen, höchstens Eisvögel, Reiher und Schlangen!“