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Taran und der Zauberkessel

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Taran und der Zauberkessel
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Adaon stieß einen Schrei aus und stob auf sie zu; der Barde und Doli folgten ihm, ihre Waffen schwingend. Die Häscher zögerten einen Augenblick – dann stürzten sie sich um so wütender in den Kampf. Taran, Gurgi und Eilonwy schossen die ersten Pfeile ab.

Vom Wind aus der Bahn getragen, landeten die Geschosse weitab vom Ziel in den Büschen. Gurgi brach in ein wildes Geheul aus und legte den nächsten Pfeil auf die Bogensehne. Drei Häscher warfen sich mit gezückten Dolchen auf Fflewddur und Doli, sie drängten die beiden ins Dickicht ab; die zwei anderen kämpften mit Adaon. „Nicht schießen!“ rief Taran. „Wir könnten die eigenen Freunde treffen!“

Damit warf er den Bogen weg, riß das Schwert aus der Scheide und eilte zu Adaon, um ihm Beistand zu leisten. Wütend drang er auf einen der beiden Häscher ein. Der Gegner verlor den Stand und strauchelte – doch im Fallen gelang es ihm, Taran mit sich zu Boden zu reißen. Der Junge erstarrte vor Schreck. Schon kniete der Häscher auf seiner Brust, schon holte er mit dem Dolch aus, schon wollte er zustoßen. Taran schrie auf. Da kam Adaon ihm zu Hilfe, sein Schwert pfiff, Lluagors Hufe blinkten.

Der Häscher stürzte zu Boden. Grell aufblitzend, flog der Dolch durch die Luft. „ Adaon!“ rief der Junge. „Was ist dir?“ Adaon keuchte. Die Waffe entglitt seiner Hand, er sank auf Lluagors Mähne nieder, der Dolch war ihm in die Brust gedrungen.

Mit einem Schrei des Entsetzens fing Taran ihn auf. „Her zu mir!“ schrie er. „Fflewddur und Doli, her zu mir! Adaon ist verwundet!“

Adaons Spange

Fflewddur Fflam kam herangeprescht. „Bring ihn in Sicherheit!“ rief er Taran zu. „Doli und ich erledigen alles andere!“ Da war auch schon Doli auf seinem Pony. Sich mit den Häschern Arawns herumschlagend, zogen sich Fflewddur und er unter lautem Geschrei in den Wald zurück.

Taran faßte Lluagor beim Halfter und führte ihn langsam vom Kampfplatz. Eilonwy kam ihm entgegengelaufen. Gurgi, der Melynlas’ Zügel gepackt hatte, folgte ihr. Sie bahnten sich einen Weg durch Brombeergerank und Büsche von wildem Wein. Gleich einem Wintersturm, rauh und eisig, fegte der Wind über sie hinweg. Doch dann fanden sie eine flache, von Erlen gesäumte Mulde, die ihnen Schutz bot.

Adaon hob den Kopf und bedeutete ihnen, sie möchten anhalten. Sein Gesicht wirkte grau und eingefallen, sein schwarzes Haar troff von Schweiß. – Setzt mich hier ab“, bat er flüsternd, „ich kann nicht mehr. – Wie steht es um Fflewddur und Doli?“

„Sie haben die Häscher Arawns von uns weggelockt“, sagte Taran rasch. „Hier sind wir für eine Weile in Sicherheit. Doli und Fflewddur werden sie abschütteln und dann wieder zu uns stoßen. Ihretwegen brauchst du dir keine Sorge zu machen. Ruh dich nun aus, einstweilen bereite ich den Verband vor.“

Behutsam hoben sie Adaon vom Pferd und betteten ihn ins Gras; dann schoben sie ihm den Sattel unter den Kopf. Eilonwy holte die lederne Wasserflasche herbei. Der Wind heulte in den Bäumen, doch hier, auf dem Grund der Mulde, waren sie vor ihm sicher. Das Gewölk am Himmel riß auf, die Sonne schien auf sie nieder. Adaon öffnete seine grauen Augen und blickte umher. Dann nickte er und sagte: „Ein guter Platz, um zu ruhen.“ „Die Wunde ist halb so schlimm“, meinte Taran hastig. Sobald sie verbunden ist, flechten wir eine Bahre aus Reisig und bringen dich auf dem kürzesten Weg nach Caer Cadarn. Hast du große Schmerzen?“ „Im Augenblick nicht“, sagte Adaon. „Ich fühle mich leicht und wohl, es ist schön hier – und warm wie an einem Frühlingstag.“

Adaons Worte erfüllten Taran mit Schrecken. Es war ihm, als ob sich die Sonne plötzlich verdüstert hätte. „Adaon!“ rief er betroffen. „Dein Traum – wird er hier zur Wirklichkeit?“

„Es scheint so“, gab Adaon ruhig zur Antwort. „Du wußtest es damals schon!“ rief der Junge. „Du wußtest um dieses Unheil, das dich bedrohte. Daß du nicht eher davon gesprochen hast! Glaubst du, ich hätte mich je für den Zug in die Marschen von Morva entschieden? O Adaon, wären wir doch beizeiten umgekehrt!“ Adaon lächelte schwach. „Du hast recht, mein Junge, ich wußte, was mir bevorsteht. Und eben deshalb mußte ich die Entscheidung dir überlassen. Du weißt, daß ich mich nach meiner Verlobten sehne, daß meine Gedanken bei Arian Llyn sind – auch hier und in dieser Stunde. Doch hätte ich mich zur Umkehr entschlossen, so hätte ich Zeit meines Lebens ein schlechtes Gewissen gehabt. Nun aber, da sich mein Schicksal erfüllt hat, sterbe ich furchtlos und ohne Bitterkeit.“

„Du hast mir das Leben gerettet!“ rief Taran. „Nun laß mich alles tun, um das deine zu retten. Noch haben wir Hoffnung!“

Adaon schüttelte nur den Kopf. Er löste die eiserne Spange von seinem Hals. „Nimm sie“, bat er den Jungen, „und hüte sie gut! Wirkt sie auch klein und unscheinbar – sie ist wertvoller, als du ahnst.“

„Ich muß sie zurückweisen“, antwortete Taran mit einem Lächeln, das schlecht seine Angst verbarg. „Was soll mir dein Erbstück, da du doch leben wirst, Sohn des Taliesin!“

„Nimm sie trotzdem!“ erwiderte Adaon. „Das ist kein Befehl von mir, es ist eine Bitte von Freund zu Freund.“ Damit drückte er Taran die Spange Arian Llyns in die Hand. Eilonwy brachte die Wasserflasche herbei. Taran nahm sie ihr ab, um Adaons Lippen zu netzen, doch Adaon brauchte das Wasser nicht mehr. Er lag mit geschlossenen Augen da, die Züge entspannt, die geöffnete Rechte ausgestreckt auf dem Rasen, der Sonne zugewandt. Trauer im Herzen, hoben die Freunde ein Grab für ihn aus und belegten die Sohle mit flachen Steinen. Dann wickelten sie den Toten in seinen Mantel und senkten ihn in die Erde. Während Lluagor klagende Laute ausstieß und mit den Hufen scharrte, bedeckten sie Adaons Leichnam mit Rasenstücken. Schließlich errichteten sie einen Hügel aus Steinen über dem Grab. Unter den Büschen fand Eilonwy eine Handvoll Blumen, vom Frost noch unversehrt; die pflückte sie und verstreute sie über Adaons letzte Ruhestätte. Sie fielen zwischen die Steine, und es sah aus, als wären sie dem Gestein entsprossen. Taran verweilte mit Gurgi und Eilonwy bis zum Anbruch der Nacht in der Nähe des Grabes, ohne daß sie von Doli oder dem Barden ein Lebenszeichen erhielten. „Wir wollen bis morgen früh auf sie warten“, entschied der Junge, „dann müssen wir weiter. Hoffentlich leben sie überhaupt noch, die beiden!“

Ohne eine Wache aufzustellen, legten sie sich zum Schlaf nieder. Taran träumte von Adaons ruhigem Antlitz, er sah Eilonwy Blumen streuen. Dann erblickte er Ellidyr, sah, wie ein schwarzes Ungeheuer ihn packte und ihm die Klauen ins Fleisch schlug. Ellidyr schrie in Qualen auf. Dann war es Taran, als liefe er über eine Wiese. Das Gras war sehr hoch, es reichte ihm bis an die Schultern. Verzweifelt suchte er einen Weg und fand keinen. Über ihm schwebte auf starken Schwingen ein grauer Vogel. Er folgte ihm, und ein Pfad tat sich vor ihm auf. Dann erblickte er einen schmalen Fluß. Auf einer Felsenklippe inmitten der Fluten lag Fflewddurs Harfe. Sie spielte von selbst, wenn der Wind in die Saiten griff. Gleich darauf eilte Taran durch einen weglosen Sumpf. Ein Bär und zwei Wölfe setzten ihm nach und drohten ihn zu zerreißen. Von Entsetzen gepackt, hielt er auf einen dunklen Tümpel zu – die Bestien stürzten sich knurrend hinterdrein.

Verschreckt fuhr er aus dem Schlaf hoch. Die Nacht war dem Ende nahe, schon graute der Morgen hinter den Bäumen. Eilonwy atmete tief und regelmäßig, Gurgi wälzte sich stöhnend von einer Seite auf die andere. Taran stützte den Kopf in die Hände und dachte nach. Was er im Traum erlebt hatte, lastete schwer auf ihm. Noch immer sah er die Pranken des Bären vor sich und die zähnefletschenden Wölfe.

Ihn schauderte. Ob sie nicht lieber nach Caer Cadarn gehen sollten?

Er blickte versonnen auf Gurgi und Eilonwy. Innerhalb weniger Stunden waren die Gefährten in alle Winde verstreut worden wie welkes Laub. „Nur wir drei sind noch übrig“, dachte er. „Doch wie lange noch? Falls wir den Kessel finden – falls wir ihn finden: Werden wir überhaupt in der Lage sein, ihn in Besitz zu nehmen und zu verteidigen? Und wie bringen wir ihn ohne fremde Hilfe nach Caer Cadarn?“

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