Taran und der Zauberkessel
- Автор: Ллойд Александер
- Серия: Die Chroniken von Prydain #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Переводчик: Отфрид Пройслер
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Taran und der Zauberkessel». Краткое содержание книги:
Der Zwerg kam auf dampfendem Pony herangesprengt und meldete: „Keine Häscher Arawns in der Nähe!“ Dennoch schien er dem Frieden nicht recht zu trauen und meinte: „Ob uns Gwystyls Puder viel nützen wird? Arawns Häscher sind nicht auf den Kopf gefallen. Sie werden sich denken, wohin wir gezogen sind. Früher oder später stöbern sie uns doch auf! Dieser verdammte Mehlwurm mit seinem Raben! Ich wünschte, wir wären ihm nie begegnet!“
Ellidyr war aus dem Sattel gestiegen und untersuchte Islimachs linken Vorderhuf. Auch Taran saß ab; er trat neben ihn, um zu sehen, was los sei. Islimach blähte die Nüstern und fletschte die Zähne, als er in ihre Nähe kam.
„Sie lahmt“, meinte Taran. „Ich fürchte, sie wird zurückbleiben, wenn es uns nicht gelingt, ihr zu helfen.“ „Um mir das sagen zu lassen, brauche ich keinen Schweinejungen“, entgegnete Ellidyr barsch. Dann untersuchte er lslimachs Huf so behutsam, wie Taran es ihm nie zugetraut hätte.
„Du wirst sie entlasten müssen“, schlug Taran vor. „Am besten reitest du eine Zeitlang bei Fflewddur mit.“ Ellidyr blickte ihn finster an. „Was Islimach angeht, kannst du dir deine Weisheit sparen. Wir sind nicht auf fremde Hilfe angewiesen.“
Taran ließ sich so rasch nicht abweisen. „Möglich, daß ich den Schaden finde“, sagte er. „Zeig mal her!“ damit kniete er nieder und langte nach Islimaehs Vorderhuf. „Daß du sie ja nicht anfaßt!“ schrie Ellidyr. „Sie erlaubt keinem Fremden, sie zu berühren!“ Islimach schnappte nach Taran, und Ellidyr lachte höhnisch auf.
„Finger weg, Schweinejunge, bevor es dir leid tut!“ Taran erhob sich und faßte nach Islimaehs Halfter. Das Roß machte Miene, ihn niederzutrampeln. Es bäumte sich auf und schlug mit den Hufen nach ihm; ein Hieb streifte seine linke Schulter: doch Taran blieb fest. Er legte die Hand auf Islimaehs schmalen, knochigen Kopf, wobei er beruhigend auf sie einsprach. Allmählich gab Ellidyrs Stute den Widerstand auf. Ihre Muskeln entspannten sich. Langsam ließ Taran die Zügel locker. Unentwegt weitersprechend, griff er nach ihrem linken Vorderhuf, hob ihn an.
Was er befürchtet hatte, erwies sich als richtig: Ein Dorn steckte tief in Islimaehs Huf, zwischen Eisen und Hornwand. Entschlossen zog er das Messer und holte den Dorn heraus. „Kein Grund zur Besorgnis“, erklärte er. während er Islimaehs Flanke tätschelle. „Coll hat mich diesen Schnitt gelehrt, in Pferdedingen kennt er sich wie kein zweiter aus.“
Ellidyr schäumte vor Wut und rief: „Schweinejunge! Du hast es versucht, mir die Ehre zu rauben – willst du mir Islimach auch noch stehlen?“ Taran hatte mit keinem Dank gerechnet, doch Ellidyrs zornige Worte verblüfften ihn. Das Blut schoß ihm in die Wangen, er wollte zum Schwert greifen, mühsam bezwang er sich. „Niemand trachtet dir nach der Ehre“, sagte er eisig, „und niemand nach Islimach. Auch dir, scheint mir, steckt ein Dorn im Fleisch. Ellidyr.“
Die Freunde hatten sich in den Schatten der Büsche gesetzt, und Gurgi bot ihnen voller Stolz aus dem Vorratsbeutel, den Gwydion ihm geschenkt hatte, einen Imbiß an. Ja, ja!“ rief er fröhlich. „Reißen-und-Beißen für alle – dank dem großherzigen, mitfühlenden Gurgi! Er läßt tapfere Krieger nicht Hunger leiden, mit Murren und Magenknurren, nein. Gurgi ist freigebig, er verköstigt sie ganz umsonst – als größter Spender der südlichen Länder!“
Ellidyr hielt sich abgesondert von den übrigen in der Nähe Islimachs. Taran fragte ihn, ob er denn keinen Hunger habe, bekam jedoch keine Antwort von ihm. „Diese häßliche Islimach scheint ihm mehr zu bedeuten als alles andere auf der Welt“, brummte Fflewddur. „Die beiden sind aus dem gleichen widerspenstigen Holz geschnitzt, daran liegt es wohl.“
Adaon nahm den Jungen beiseite und sagte: „Das schwarze Ungeheuer setzt Ellidyr mächtig zu. Wie gut, daß du ruhig geblieben bist!“
„Ich hoffe, er wird verträglicher, wenn wir den Schwarzen Kessel gefunden haben“, meinte der Junge. „Der Ruhm, den wir dann erwerben, reicht für uns alle.“ Adaon winkte ab. „Als ob es das letzte und höchste Ziel wäre, Ruhm zu erwerben! Das Leben ist kurz, wir sollten dem Schicksal für jede Stunde, die uns zu friedlichem Wirken beschieden ist, dankbar sein.“ Während er sonst immer ruhig und zuversichtlich geblickt hatte, wirkte er nun mit einemmal tief bekümmert. „Ich muß dich um einen Dienst bitten“, fuhr er fort. „Von allem, was ich besitze, sind mir drei Dinge besonders ans Herz gewachsen: mein Hengst Lluagor, der lederne Beutel mit Heilkräutern hier am Gürtel – und diese Spange von Eisen an meinem Hals. Arian Llyn hat sie mir zum Geschenk gemacht, meine Verlobte. Sollte mir etwas zustoßen, so versprich mir, den Beutel, das Roß und die Spange an dich zu nehmen. Ich habe dich sorgsam beobachtet, Taran von Caer Dallben; ich wüßte nicht, wem ich sie lieber anvertraute als dir.“
„So darfst du nicht sprechen!“ rief Taran. „Wie kommst du darauf, daß dir etwas zustoßen könnte?“
„Die Zukunft ist dunkel“, erwiderte Adaon. „Versprich mir zu tun, worum ich gebeten habe – dann wollen wir es vergessen.“ Der Junge nickte.
„Hab Dank“, sagte Adaon.
Nach dem Essen beschloß man, bis Mittag an Ort und Stelle zu bleiben. Ellidyr hatte nichts dagegen, als Adaon ihn für die erste Wache einteilte. Taran kroch unter einen Haselstrauch und rollte sich in den Mantel. Ermüdet vom weiten Ritt, schlief er auf der Stelle ein. Als er die Augen öffnete, stand die Sonne schon im Zenit. Er fuhr hoch und rieb sich verdutzt die Augen. Ringsum lagen die Gefährten in tiefem Schlaf. „Ellidyr!“ rief er. „Du hättest mich wecken sollen! Wo steckst du denn?“
Ellidyr war verschwunden – und mit ihm Islimach. Eilig weckte der Junge die anderen. „Er ist weg!“ rief er. „Ellidyr hat seinen Vorsatz wahrgemacht! Nun holt er den Schwarzen Kessel ohne uns!“
Fragt sich noch, ob er ihn findet!“ erwiderte Doli. „Er hat sich davongestohlen – schön, das ist seine Sache und nicht die unsere. Möglich, daß es ihn früher reuen wird, als er sich’s träumen läßt.“
„Jedenfalls sind wir ihn los“, sagte Fflewddur Fflam, „und das hoffentlich ein für allemal! Ich reiße mich nicht besonders darum, ihn je wiederzusehen.“ Adaon zeigte sich von dem Vorfall zutiefst beunruhigt. „Wir müssen ihn einholen!“ rief er. „Ellidyr wird zugrunde gehen an seinem Ehrgeiz! Wehe, wenn er des Kessels habhaft wird!“ In höchster Eile brachen sie auf, nach Süden, den Marschen von Morva zu. Von Ellidyr fehlte jede Spur. Ein eisiger Wind hatte sich erhoben, er blies ihnen Schauer von welkem Laub ins Gesicht. Sie holten aus ihren Pferden heraus, was die Tiere hergaben – bis sie zu einer Atempause gezwungen waren und absaßen.
„Ellidyr hat einen Vorsprung von einem Vierteltag“, sagte Adaon. „Ob wir ihn einholen können, ist ungewiß. Trotzdem müssen wir es versuchen!“ Taran saß neben Melynlas auf dem Boden, den Kopf in die Hände gestützt. Plötzlich vernahm er von fern her den Ruf eines Vogels, den ersten seit Caer Dallben. Adaon sprang auf die Füße. „Das ist keine echte Vogelstimme! Die Häscher Arawns haben uns gefunden!“ Doli vergaß, was er sich geschworen hatte: Schleunigst hielt er die Luft an und machte sich unsichtbar. Adaon zog das Schwert. „Diesmal müssen wir ihnen standhalten!“ rief er. „Wir können doch nicht ewig weglaufen. Taran, Gurgi und Eilonwy, macht euch schußbereit! Fflewddur und ich werden …“
Noch bevor er zu Ende gesprochen hatte, kam Doli von seiner Erkundung zurück. „Fünf Häscher!“ schrie er. „Reitet davon. Ich werde versuchen, sie ebenso in Verwirrung zu bringen wie unlängst!“
„Nein“, widersprach ihm Adaon, „einmal muß Schluß sein.“ Er führte sie an den Rand einer Waldlichtung und entschied: „Hier stellen wir uns zum Kampf. Fflewddur, Doli und ich versuchen, sie von der Flanke zu packen. Sowie sie mit uns beschäftigt sind, schießt ihr anderen eure Pfeile ab!“
Adaon sprengte mit seinen Begleitern davon. Im nächsten Augenblick brachen die Häscher Arawns aus dem Wald hervor.