Taran und der Zauberkessel
- Автор: Ллойд Александер
- Серия: Die Chroniken von Prydain #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Переводчик: Отфрид Пройслер
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Taran und der Zauberkessel». Краткое содержание книги:
Taran entgegnete lachend: „Merkt ihr nicht, daß der Wind sich gedreht hat und daß er nach Tang und Salz schmeckt? Er kommt jetzt von See her. Allzuweit, denke ich, können die Marschen von Morva nicht mehr entfernt sein.“
Der Himmel hatte sich währenddem mit Gewölk über zogen, und wenig später begann es heftig zu regnen. Zu beiden Seiten des steinernen Schutzdaches rauschte das Wasser herab, doch den Gefährten machte das wenig aus.
„Oh, unser weiser Herr!“ rief Gurgi begeistert. „Er hat den Regen vorausgeahnt! Laßt uns frohlocken, wir bleiben trocken!“
„Langsam wirst du mir unheimlich“, sagte der Barde zu Taran. „Du scheinst in die Zukunft blicken zu können – wie machst du das bloß?“
„Es liegt nicht an mir“, bekannte der Junge. „Adaons Spange hat uns davor bewahrt, naß zu werden.“ „Wie das?“ fragte Fflewddur.
Taran berichtete ihm von Adaons Spange und ihren Kräften. Fflewddur betrachtete sie verwundert und prüfte sie mit dem Daumen.
„Jedenfalls trägt sie ein Bardenzeichen“, sagte er. „Diese drei Linien, die wie Speerspitzen ineinandergreifen… Du kannst sie genau erkennen, wenn du darüberstreichst. Sie sind ein geheimes Mal.“ „Was bedeuten sie?“ wollte Taran wissen. „Bring ihn nicht in Verlegenheit!“ warf das Mädchen ein. „Womöglich versteht er von solchen Zeichen genausowenig wie von gewissen Inschriften…“ „Mit dem Spruch auf der Scheide des Schwertes Dyrnwyn war es etwas anderes“, widersprach ihr Fflewddur. „Über die Zeichen der Barden weiß ich tatsächlich Bescheid. Diese drei ineinander verschränkten Linien stehen für Wissen, Wahrheit und Liebe.“ „Hm“, meinte Eilonwy. „Und worin soll da ein Geheimnis liegen?“
„Denk ein wenig darüber nach!“ riet ihr Fflewddur. „Wissen, Wahrheit und Liebe sind rare Dinge unter den Menschen, schon wenn man jedes für sich allein nimmt. Versuche, sie miteinander in Einklang zu bringen, und du wirst glücklich zu preisen sein – wenn es dir gelingt.“ Taran hatte gedankenverloren mit Adaons Spange gespielt, nun stutzte er plötzlich. „Schnell weg von hier!“ rief er. „Wir müssen sofort hier weg!“ „Unsinn!“ erwiderte Eilonwy. „Willst du uns in den Regen hinausjagen? Sei doch froh, daß wir ihm entgangen sind!“
Der Junge bestand darauf, daß sie die Pferde losbanden und mitkamen. Murrend verließen sie den Unterschlupf – doch wenige Augenblicke später stürzte die Steinplatte, unter der sie gestanden hatten, mit Donnergetöse zu Boden: Vom Regenwasser unterspült, hatte sie sich aus dem Hang gelöst.
Gurgi warf sich vor Taran zu Boden und kreischte: „O großer, tapferer, weiser Herr! Der elende Gurgi dankt dir sein Leben! Du hast sein armes, zartes Haupt davor bewahrt, von Steinen und Erde zermalmt zu werden! Preis dir und Dank – ein Leben lang!“ Fflewddur pfiff durch die Zähne. „Donnerwetter, das nenne ich eine gute Nase! Wenn wir jetzt mit den Pferden darunterlägen – ich danke sehr! Soll ich dir einen Rat geben, Taran? Trenne dich nie im Leben von Adaons Spange, sie ist nicht mit Gold zu bezahlen!“ Taran blieb still. Die Hand an der Spange, starrte er auf die niedergebrochene Steinplatte. Schließlich zogen sie weiter. Der Regen ließ gegen Abend ein wenig nach. Bis auf die Haut durchnäßt, doch dankbar für die Errettung, schlugen sie im Windschatten eines Hügels ihr Lager auf. Trotz des mühsamen Rittes war Taran nicht übermäßig erschöpft. Dennoch schlief er bald ein, die Linke um Adaons Spange, die Rechte an Dallbens Schwert. Am Morgen berichtete Taran dem Mädchen, wovon er vergangene Nacht geträumt hatte. „Ich weiß es mir nicht zu deuten“, sagte er düster. „Ellidyr befand sich in tödlicher Gefahr, doch mir waren die Hände gebunden: Ich wollte ihm helfen und konnte nicht.“
„Mach dir um Ellidyr keine Sorgen!“ entgegnete Eilonwy. „Er ist ein Verräter – und damit basta! Laß dir ein nächstesmal lieber vom Schwarzen Kessel träumen – und wo wir danach zu suchen haben, damit wir so schnell wie möglich nach Hause kommen. Ich friere in meinen nassen Sachen so jämmerlich, daß es mir langsam gleichgültig ist, wer den Kessel besitzt.“
„Ich hab’ auch vom Schwarzen Kessel geträumt“, sagte Taran bekümmert. „Alles war wolkenverhangen und schwer durchschaubar. Es schien mir, daß wir den Kessel gefunden hatten – und dennoch: Als wir am Ziel waren, weinte ich.“
Um die Mittagszeit erreichten sie dann die Marschen von Morva. Schon seit geraumer Weile hatte der Junge gemerkt, daß der Boden mehr und mehr schwammig wurde. Immer häufiger sahen sie Sumpfvögel, zuweilen hörten sie auch den Schrei einer Möwe. Schließlich kam Nebel auf und bedeckte den Boden wie weißer Dampf. Nun hielten die Freunde auf einer schmalen Landzunge zwischen den Sümpfen. Die Marschen von Morva erstreckten sich bis an den westlichen Himmelsrand. Hier und dort wuchsen hohe, dornige Stechginster und verkrüppelte Bäume. Zwischen Gras und Schilf blinkten schwarze Tümpel auf, in denen der Himmel sich widerspiegelte. Es roch nach Schlick und Verwesung. Ein unaufhörliches Sirren und Stöhnen erfüllte die Luft. Gurgi begann mit den Zähnen zu klappern, Fflewddur rutschte unruhig im Sattel hin und her.
„Bis hierher hast du uns gut geführt“, sagte Eilonwy. „Doch was nun?“
Taran bedeutete ihr zu schweigen. „Keine Bewegung!“ zischte er. Unweit von ihnen waren drei graue Gestalten hinter den Hügeln emporgetaucht: Häscher Arawns! Zwei von ihnen steckten in Wolfspelzen, während der dritte ein Bärenfell um die Schultern trug. Taran dachte an seinen Traum von dem Bären und den zwei Wölfen.
„Sie haben uns ausgemacht!“ rief er. „Rasch, folgt mir – doch hütet euch, einen falschen Tritt zu tun!“ Aufs Geratewohl trieb er Melynlas in die Sümpfe hinein. Schnaubend arbeitete sich der Hengst durch den Schlick, bald bis zu den Fesseln versinkend, bald festen Fuß fassend. Lluagor mit Fflewddur und Gurgi folgte ihm blindlings nach. Die Häscher Arawns rückten immer dichter auf. Schon streckte einer von ihnen die Hand nach Lluagors Steigbügel aus, schon hörte der Junge ihr Keuchen ganz in der Nähe. Er blickte sich um und sah, wie der vorderste Häscher die Zähne fletschte. Da riß er den Hengst nach rechts herum, auch Lluagor schlug einen Haken.
Ein Schrei des Entsetzens erscholl. Der vorderste Häscher war in den schwarzen Sumpf gestürzt und schrie gellend um Hilfe. Die beiden anderen krallten sich aneinander fest, sie wollten zurück – doch der Boden gab unter ihren Füßen nach. Der im Bärenfell griff nach den Ginsterstauden, der andere warf sich flach auf den Boden. Vergebens! Der Sumpf gab sie nicht mehr frei, sie fanden ihr Grab darin.
Melynlas stürmte weiter. Brackiges Wasser spritzte von seinen Hufen, doch Taran lenkte ihn mit sicherer Hand durch die Sümpfe. Dann hasteten sie, an Ginsterbüschen und Bäumen vorbei, auf eine einsame Warft zu, einen mit Flechtwerk gesicherten künstlichen Hügel mitten im Moor.
Dort fanden sie eine niedrige Hütte. Mit Rasenstücken und Zweigen bedeckt, unterschied sie sich kaum von ihrer Umgebung. Bei näherem Hinsehen erkannten sie außerdem einige halbverfallene Schuppen auf der Warft und etliche weitere Gebäude, die sich wie morsche Stallungen ausnahmen. Taran zügelte Melynlas und bat die Gefährten, sich still zu verhalten.
„Was du nur wieder hast!“ sagte Eilonwy. „Wer immer in dieser Kate wohnt, hat uns entweder kommen hören, oder er ist nicht zu Hause. Jedenfalls heißt man uns weder willkommen, noch scheint man die Absicht zu haben, mit uns zu kämpfen.“
Sie ließ sich von Melynlas’ Rücken gleiten und eilte zur Hütte hin.
„Warte!“ rief Taran. Er folgte ihr mit gezücktem Schwert. Auch Fflewddur und Gurgi saßen ab und zogen die Waffen.
Kampfbereit näherte sich der Junge dem Eingang der Kate. Eilonwy hatte ein Fenster entdeckt, halb versteckt unter Moos und Gras.