Taran und der Zauberkessel
- Автор: Ллойд Александер
- Серия: Die Chroniken von Prydain #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Переводчик: Отфрид Пройслер
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Taran und der Zauberkessel». Краткое содержание книги:
Der Junge erwiderte achselzuckend: „Ich weiß nicht, ob das so einfach zu machen geht.“
„Ein Versuch kann nicht schaden“, entgegnete Fflewddur. „Außerdem wüßte ich nicht, was wir sonst unternehmen könnten.“
„Wir könnten den Zauberweibern zum Beispiel den Schornstein verstopfen“, erklärte Eilonwy. „Wenn sie genügend Rauch geschluckt haben, geben sie uns den Kessel vielleicht heraus – es sei denn, sie kriegen es in den falschen Hals und verhexen uns. Übrigens: Falls ich mich recht entsinne, hat ihre Hütte gar keinen Schornstein – möglicherweise ein Glück für uns …“ Bald darauf kehrte Gurgi mit einem mächtigen Bündel Stroh in den Schuppen zurück. Während Taran und Fflewddur das Stroh auf dem Fußboden ausbreiteten, eilte der Tiermensch davon, um noch mehr zu holen. „Vielleicht sollte ich’s wirklich mit einem Traum versuchen“, meinte der Junge versonnen. „Davon rede ich ja die ganze Zeit!“ rief der Barde. „Los, worauf wartest du eigentlich? Hinlegen, Hand an die Spange und Augen zu!“
Taran hatte sich’s kaum auf dem Stroh bequem gemacht, da kam Gurgi zurück. Diesmal mit leeren Händen, die Augen weit aufgerissen, am ganzen Leib zitternd vor Furcht. Er war nicht imstande, ein Wort zu.sagen. Taran sprang auf und rief: „Was ist los mit dir?“ Gurgi gab ihnen zu verstehen, daß sie ihm folgen sollten. Er rannte mit den Gefährten zum Hühnerhaus. In einer Ecke des halbverfallenen Stalles, mitten im Stroh, stand – der Schwarze Kessel!
Plump war er, mannshoch und rußgeschwärzt. An seiner buckligen Außenwand waren rötliche Flecken und Tupfen zu sehen: kein Rost, wie der Junge wußte. Der Crochan hatte einen langen eisernen Handgriff. Zwei mächtige Ringe waren an seinen Rand geschmiedet. „Das ist er!“ flüsterte Taran mit heiserer Stimme. Er hatte Verständnis für Gurgis Entsetzen. Auch ihm war beim Anblick des Kessels zumute, als griffe ihm eine eiskalte Hand nach dem Herzen.
Fflewddur war bleich geworden, Eilonwy hielt sich mit beiden Händen den Mund zu, Gurgi kauerte schlotternd neben der Tür. Obwohl er den Schwarzen Crochan gefunden hatte, zeigte er weder Stolz noch Freude. „Er scheint es tatsächlich zu sein“, stammelte der Barde unter heftigem Schlucken. „Andererseits ist es durchaus möglich, daß er es nicht ist. Haben die alten Hexen denn nicht behauptet, sie hätten mehrere solcher Kessel? Daß wir bloß keinen Fehler machen!“
„Es ist der Crochan“, sagte Taran. „Ich habe von ihm geträumt, und ich spüre ganz deutlich das Böse, das von ihm ausgeht.“
„Ich auch“, gestand Eilonwy. „Er ist angefüllt bis zum Rand mit Tod und Leiden. Kein Wunder, daß Gwydion ihn zerstören will!“ Dann wandte sie sich an Taran und sagte: „Deine Entscheidung, ihn ohne Verzug zu suchen, war richtig. Alles, was ich dagegen gesagt habe, nehme ich nun zurück. Der Crochan muß so bald wie möglich zerstört werden!“
„Ja, ja“, seufzte Fflewddur. „Ich fühle ja auch, daß ihr recht habt. Warum konnte es nicht ein netter kleiner Wurstkessel sein, anstelle dieses scheußlichen Ungetüms!“ Er holte tief Atem und fügte hinzu: „Dann also los, Freunde, laßt ihn uns wegschaffen! Was ein echter Fflam ist, der kennt kein Zaudern.“ „Halt!“ rief der Junge und hielt ihn zurück. „Wir müssen die Dunkelheit abwarten! Dann erst können wir den Versuch wagen, ihn mit Hilfe der Pferde fortzuschaffen. Bis dahin sollten wir in den Schuppen zurückkehren und so tun, als wäre nichts geschehen.“ Glücklich wieder im Schuppen, fühlte sich Gurgi erheblich wohler. „Wer hat den Crochan gefunden?“ prahlte er. „Der schlaue, listige Gurgi hat ihn entdeckt! Er ist ein geübter Finder. Was immer verschwunden, er hat es gefunden! Damals das Schweinchen und jetzt den Kessel. Der gnädige Herr wird ihm dafür Ehre und Ruhm gewähren, damit sich der kühne, tapfere Gurgi nicht länger zu fürchten braucht.“
Taran klopfte ihm auf die Schulter. „Wieder einmal hast du uns einen großen Dienst erwiesen, mein Lieber! Wer konnte auch ahnen, daß sie den Zauberkessel ausgerechnet im Hühnerstall verstecken würden, im schmutzigen Stroh.“
„Warum nicht?“ rief der Barde. „Ich finde, sie haben das sehr geschickt gemacht. Das Hühnerhaus war genau der richtige Ort, um den Schwarzen Crochan zu verstecken, weil ihn dort ganz gewiß kein vernünftiger Mensch gesucht hätte.“
„Du magst recht haben“, meinte der Junge stirnrunzelnd, „falls es nicht ihre Absicht war, ihn uns finden zu lassen… “
Angesichts der harten und gefährlichen Arbeit, die ihnen in der Nacht bevorstand, hielten es die Gefährten für angebracht, ein paar Stunden zu schlafen. Fflewddur und Gurgi dösten rasch ein; Eilonwy wühlte sich ins Stroh, und nach einer Weile schlief auch sie; Taran hingegen konnte kein Auge schließen: Still saß er da und spielte mit einem Seilknäuel, das er bei Adaons Sachen gefunden hatte. Sie wollten den Kessel zwischen die Pferde binden und ihn aufs Festland schaffen. Im sicheren Schutz des Waldes sollte er dann zerstört werden. Die Hütte der Alten wirkte wie ausgestorben. Aber nachdem es dunkel geworden war, schimmerte eine Kerze im Fenster auf. Taran erhob sich und trat ins Freie. Immer im Schatten bleibend, schlich er zur Hütte und spähte durchs Fenster hinein. Der Anblick, der sich ihm bot, ließ ihn für eine Weile erstarren. Dann eilte er zu den Gefährten zurück, so rasch ihn die Füße trugen, und weckte sie.
„Ich habe die drei in der Kate beobachtet!“ stieß er hervor. „Sie haben sich völlig verändert! Die eine hat Wolle gekrempelt, die andere spann, und die dritte webte. Aber sie sahen ganz anders aus als zuvor. Kommt mit und schaut euch das selber an!“
Mit Taran an der Spitze schlichen die Gefährten zum Fenster der Hütte. Es zeigte sich, daß der Junge die Wahrheit berichtet hatte. In der Stube waren drei Frauen mit Krempeln, Spinnen und Weben beschäftigt, doch keine von ihnen glich einer der alten Zauberinnen vom Nachmittag.
„Oh!“ flüsterte Eilonwy. „Sie sind wunderschön!“ „Es gibt Hexen, die sich zuweilen in schöne Mädchen verwandeln“, wisperte Fflewddur. „Die Sache gefällt mir nicht. Deshalb dürfen wir keine Zeit verlieren. Laßt uns den Kessel packen und uns damit aus dem Staub machen!“
„Ich weiß nicht, wer die drei Schönen sind“, sagte Taran. „Doch sie sind mächtiger, als wir ahnen, vermute ich. Du hast recht, Fflewddur – laßt uns den Kessel fortbringen und zerstören, sobald wir können! Ich fürchte nur, daß wir warten müssen, bis sie sich schlafen gelegt haben …“
„Wenn sie überhaupt schlafen!“ sagte der Barde. „Es sollte mich wenig wundern, wenn sie gleich Fledermäusen die ganze Nacht wach blieben.“ Zunächst schien es ganz so, als sollte der Barde recht behalten. Taran und seine Gefährten lösten sich darin ab, die Kate zu beobachten. Die Nacht ging schon fast zur Neige, als endlich die Kerze erlosch. Taran zögerte trotzdem noch, bis sie ein lautes Schnarchen vernahmen, das aus der Hütte drang.
„Nun müssen sie wieder zu alten Hexen geworden sein“, meinte Fflewddur Fflam. „Ich bezweifle, daß schöne Mädchen imstande sind, solche Geräusche von sich zu geben.“
Klopfenden Herzens eilten die Freunde zum Hühnerhaus, wo Eilonwy ihre Kugel aufleuchten ließ. Der Kessel hockte in seiner Ecke, schwarz und unheimlich. „Nun aber rasch!“ befahl Taran und packte den Handgriff.
„Fflewddur und Eilonwy, ihr faßt ihn bei den Ringen an – und du, Gurgi, schiebst von hinten nach! Wir schleifen ihn aus dem Stall und binden ihn zwischen die Pferde. Aufgepaßt – es geht los!“
Die Gefährten strengten sich mächtig an, doch es gelang ihnen nicht, den Kessel vom Platz zu rücken. „Der ist schwerer, als ich dachte“, keuchte der Junge. „Los, noch einmal!“ Plötzlich merkte er, daß seine Finger am Handgriff des Kessels festklebten. Er versuchte sich freizumachen, aber vergebens. Lähmende Furcht befiel ihn.