Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Was meinst du denn?« Es war schließlich Brianna, auf die es hier ankam – zumindest meiner Meinung nach.
»In welcher Hinsicht?« Ihr Blick glitt von meinen Augen zu dem Brief, dann heftete er sich auf Jemmys runden Hinterkopf.
»Oh, zunächst einmal über die Teepreise in China«, sagte ich gereizt. »Und dann kannst du dich vielleicht zum Thema Stephen Bonnet äußern, wenn es dir recht ist.« Es war seltsam erschreckend, den Namen laut auszusprechen; in unausgesprochenem Einverständnis hatten wir alle es monatelang vermieden.
Sie hatte die Zähne in ihre Unterlippe gegraben. Sie hielt die Augenlider einen Moment gesenkt, dann schüttelte sie ganz leicht den Kopf.
»Ich möchte nicht von ihm hören oder über ihn nachdenken«, sagte sie gleichmütig. »Und wenn ich ihn je wiedersehe, könnte es sein, dass ich … dass ich …« Sie schüttelte sich heftig, dann sah sie zu mir auf, ihre Augen brennend und hart.
»Was ist nur los mit ihm?«, rief sie. »Wie konnte er das nur tun?« Sie schlug sich mit der geballten Faust auf den Oberschenkel, und Jemmy erschrak, verlor den Halt und fing an zu jammern.
»Du meinst deinen Vater – nicht Bonnet?«
Sie nickte und drückte Jemmy wieder an ihre Brust, doch ihre Aufregung hatte ihn angesteckt, und er wand sich und heulte. Ich streckte die Hände aus, nahm ihn entgegen und hob ihn an meine Schulter, wo ich ihm zum Trost mechanisch den Rücken tätschelte. Briannas leere Hände umfassten ihre Knie und zerknitterten den Stoff ihres Rockes.
»Warum konnte er Bonnet nicht Bonnet sein lassen?« Sie musste die Stimme erheben, damit ich sie trotz des Babygeheuls hören konnte, und die Knochen ihres Gesichtes schienen sich verschoben zu haben, so dass es aussah, als sei ihre Haut zum Zerreißen fest darüber gespannt.
»Weil er ein Mann ist – und ein verdammter Highlander«, sagte ich. »Leben und leben lassen kommt in ihrem Vokabular nicht vor.« Von ihrer Brustwarze tropfte langsam Milch auf den Stoff ihres Hemdes; ich streckte eine Hand aus und zog das Tuch hoch, um sie zu bedecken. Sie legte eine Hand auf ihre Brust und drückte fest zu, um den Milchfluss zu stoppen.
»Aber was hat er denn vor? Wenn er ihn findet?«
»Sobald er ihn findet, fürchte ich«, sagte ich widerstrebend. »Ich glaube nämlich nicht, dass er seine Suche vorher aufgeben wird. Und was er dann tun wird … nun … ich nehme an, dann wird er ihn umbringen.« Wenn man es so formulierte, klang es seltsam lässig, und doch fielen mir irgendwie keine anderen Worte dafür ein.
»Du meinst, er wird versuchen, ihn umzubringen.« Sie sah zu Lord Johns Brief hinüber, dann wandte sie schluckend den Blick ab. »Was, wenn er …«
»Dein Vater hat im Umbringen von Menschen einige Erfahrung«, sagte ich trostlos. »Er kann es sogar erschreckend gut – wenn er es auch schon länger nicht mehr getan hat.«
Das schien sie nicht besonders zu beruhigen. Mich hatte es ja auch nicht beruhigt.
»Es ist so groß«, murmelte sie kopfschüttelnd. »Amerika, meine ich. Warum konnte er nicht einfach – verschwinden? Weit weg gehen?« Eine sehr gute Frage. Jemmy prustete vor sich hin und rieb sein Gesicht heftig an meiner Schulter, hatte aber aufgehört zu schreien.
»Ich hatte auch gehofft, dass Stephen Bonnet so klug sein würde, seiner Schmuggelei von jetzt an in China oder auf den Westindischen Inseln nachzugehen, aber es sieht so aus, als hätte er hier Verbindungen, die er nicht aufgeben will.« Ich zuckte mit den Achseln und tätschelte Jemmy.
Brianna ließ ihren Rock los und griff nach dem Baby, das sich immer noch wand wie ein Aal.
»Nun, er weiß ja schließlich auch nicht, dass er Sherlock Fraser und seinen Helfershelfer Lord John Watson auf den Fersen hat.« Es war ein tapferer Versuch, doch ihr Mund zitterte dabei, und sie biss sich erneut auf die Unterlippe. Es widerstrebte mir, ihr noch mehr Grund zur Sorge zu geben, aber es hatte jetzt keinen Zweck mehr, um den heißen Brei herumzureden.
»Nein, aber das wird nicht mehr lange so bleiben«, sagte ich zögernd. »Lord John ist sehr diskret – der Gefreite Ogilvie ist es nicht. Wenn Jamie weiterhin Fragen stellt – und ich fürchte, das wird er –, dann wird sein Interesse bald überall bekannt sein.« Ich war mir nicht sicher, ob Jamie gehofft hatte, Bonnet schnell ausfindig zu machen und ihn überraschen zu können – oder ob er plante, Bonnet durch seine Erkundigungen auszuräuchern und ins Freie zu treiben. Oder ob er tatsächlich vorhatte, Bonnets Aufmerksamkeit mit Absicht auf sich zu ziehen und ihn zu uns zu locken. Angesichts der letzten Möglichkeit bekam ich weiche Knie, und ich ließ mich auf den Hocker plumpsen.
Brianna holte langsam und tief Luft und atmete durch die Nase wieder aus. Dann legte sie das Baby erneut an ihre Brust.
»Weiß Roger davon? Ich meine, ist er in diese – diese – verdammte vendetta eingeweiht?«
Ich schüttelte den Kopf.
»Ich glaube nicht. Ich meine, ganz bestimmt nicht. Er hätte es dir doch erzählt – oder nicht?«
Ihr Ausdruck entspannte sich ein wenig, obwohl noch ein Rest von Zweifel ihre Augen überschattete.
»Ich fände es schrecklich, wenn er mir so etwas verheimlichen würde. Andererseits«, fügte sie hinzu, und ihre Stimme nahm einen etwas schärferen, anklagenden Tonfall an, »hast du es auch getan.«
Das saß, und ich presste meine Lippen fest zusammen.
»Du hast gesagt, du willst nicht an Stephen Bonnet denken«, sagte ich und wandte den Blick von den turbulenten Gefühlen in ihrem Gesicht ab. »Natürlich nicht. Ich – wir – wollten nicht, dass du dazu gezwungen bist.« Mit der Gewissheit des Unausweichlichen begriff ich, dass Jamies Absichten mich mit in ihren Strudel zogen, auch wenn ich damit nicht einverstanden war.
»Hör mal«, sagte ich energisch. Ich setzte mich aufrecht hin und sah Brianna scharf an. »Ich bin nicht diejenige, die das für eine gute Idee hält, und ich habe getan, was ich konnte, um Jamie davon abzubringen. Eigentlich«, fügte ich reumütig hinzu und wies auf Lord Johns Brief, »dachte ich auch, ich hätte ihn davon abgebracht. Anscheinend habe ich mich aber geirrt.«
Ein entschlossener Blick verhärtete Briannas Mund, und sie setzte sich fester auf den Stuhl.
»Ich werde ihn schon davon abbringen«, sagte sie.
Ich sah sie an und dachte nach. Wenn jemand die nötige Sturheit und Charakterstärke besaß, um Jamie von seinem gewählten Pfad abzubringen, war es seine Tochter. Das war allerdings ein sehr großes »Wenn«.
»Du kannst es ja versuchen«, sagte ich leicht skeptisch.
»Ist das etwa nicht mein gutes Recht?« Ihr ursprünglicher Schrecken war verschwunden, und sie hatte ihre Gesichtszüge wieder unter Kontrolle; ihre Miene war kalt und hart. »Bin ich es nicht, die zu sagen hat, ob ich will … was ich will?«
»Doch«, sagte ich, und mir lief ein beklommenes Gefühl über den Rücken. Väter tendierten zu der Überzeugung, dass sie ebenfalls Rechte hatten. Dasselbe galt für Ehemänner. Doch vielleicht ließ ich das besser unausgesprochen.
Vorübergehend überkam uns Schweigen, das nur von Jemmys Geräuschen und den Rufen der Krähen draußen unterbrochen wurde. Beinahe impulsiv sprach ich die Frage aus, die mir in den Sinn gekommen war.
»Brianna. Was wünschst du dir? Wünschst du dir Stephen Bonnets Tod?«
Sie sah mich an, dann wandte sie den Kopf ab und blickte aus dem Fenster, während sie Jemmy den Rücken tätschelte. Sie blinzelte nicht. Schließlich schlossen sich ihre Augen kurz, dann öffneten sie sich, um den meinen zu begegnen.
»Das kann ich nicht«, sagte sie leise. »Ich fürchte, wenn ich diesen Gedanken jemals zulasse … könnte ich an nichts anderes mehr denken, so sehr würde ich es mir wünschen. Und der Teufel soll mich holen, wenn ich zulasse, dass … er mir mein Leben so ruiniert.«